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Vorbericht Auktion 283 Europäisches Glas & Studioglas - Sammlung Dr. Röhl

Signierte Plakette mit Portrait einer jungen Dame, Dominik Biemann, um 1833.

Informationen zur Sammlung Röhl

Das Auktionshaus Dr. Fischer Heilbronn präsentiert die spektakuläre Glassammlung Wolf Röhl mit Schnittglas aus dem 17. und 18. Jahrhundert, die am 24. Oktober 2020 versteigert wird. Es handelt sich um eine der bedeutendsten Sammlungen von barocken Gläsern, die in der Nachkriegszeit in Deutschland angeboten wurden. Vertreten sind Becher und Pokale aus dem deutschsprachigen Raum: Nürnberg, Thüringen, Brandenburg, Sachsen und Schlesien. Ein Schwerpunkt liegt auf Gläsern, die in den Niederlanden dekoriert worden sind. Die Sammlung ist ab September 2019 bis Anfang Juli 2020 im Glasmuseum Hentrich in Düsseldorf ausgestellt gewesen.

Die Auktion beginnt chronologisch mit den fränkischen Deckelpokalen aus dem 17. Jahrhundert, mit Bildnissen von Ludwig Wilhelm von Baden (sog. „Türkenlouis“) und Maximilian II. Emanuel von Bayern, beide dem Nürnberger Glasschneider Johann Wolfgang Schmid, um 1690 zugeschrieben (Taxe: jeweils 5.000 EUR). In dieser Gruppe erwähnenswert ist auch ein Jagdpokal mit Fuß und Kuppa aus grünem Glas (Taxe: 25.000 EUR), Pokale nach mythologischen Vorbildern oder Wappen und drei mit Schwarzlot bemalte, Johann Schaper und Hermann Benckert, um 1680, zugeschriebene Becher (Taxe: je 10.000 EUR).
Aus der gleichen Zeit, aber aus Brandenburg, stammt ein Becher mit Kinderbacchanal, der Gottfried Spiller (höfischer Glasschneider in Potsdam um 1700) zugeschrieben wird (Taxe: 8.000 - 16.000 €).

Die Reihe der Gläser aus Schlesien beginnt mit einem Hochschnittpokal, ausgeführt von Friedrich Winter in Hermsdorf, der mit dem Allianzwappen der Adligen von Wallenberg und von Knobelsdorff (die Hochzeit fand 1709 statt) zwischen Palmwedeln dekoriert ist (Taxe: 20.000 EUR). Vom gleichen Meister, der Anfang des 18. Jahrhunderts als Stargraveur angesehen wurde, stammen weitere Gläser: ein Deckelpokal mit Fruchtkindern und Tieren, ausgeführt in kräftigem Tiefschnitt (Taxe: 8.000 EUR) und ein Fußbecher mit Putti, wechselnd ausgeführt in Hoch- und Tiefschnitt (Taxe: 20.000 EUR). Weitere Pokale aus dem Hirschberger Tal runden die Sparte der Gläser aus Schlesien ab.

Auch Sachsen und Thüringen sind mit markanten Gläsern vertreten: so gravierte in Arnstadt Samuel Schwartz in den 1730er Jahren einen formal ausgefallenen Pokal mit erotischen Szenen (Taxe: 10.000 EUR) und in Weimar fertigte Andreas Friedrich Sang ein paar Jahre später einen durch polierten Schliff und feiner Gravur reich verzierten Deckelpokal mit dem gefesselten Mars, wohl eine Anspielung auf den Frieden nach den beiden Schlesischen Kriegen 1740-1742 bzw. 1744-1745 (Taxe: 12.000 EUR).

Aus der Region der Grenzgebiete Hessen, Niedersachsen und Westfalen stammt ein Deckelpokal mit dem Wappen des Landgrafen Karl von Hessen-Kassel (Taxe: 4.000 EUR), ein Lauensteiner Pokal mit Allegorien Jahreszeiten (Taxe: 5.000 EUR), ein Deckelpokal aus der Glashütte Emde mit dem Wappen des Prälaten von Wiedenbruck (Taxe: 5.000 EUR) und ein Pokal mit dem Wappen von Carl Peter Ullrich von Holstein-Gottorf, dem späteren Zar Peter III. (Ehemann von Katharina der Großen).

Die mit dem Diamanten gerissenen bzw. gestippten Dekore auf den hochkarätigen, musealen Pokalen aus den Niederlanden sind ausgeführt und signiert von den Graveuren Greenwood, Crama, van Gelder, Sang, Wolff, Robart, Hoolaart und Klapmuts. Zwei Kelchgläser, die Alius zugeschrieben werden, runden das Angebot ab. Die Gläser stammen zum Teil aus namhaften Sammlungen wie Guépin, A. Vecht, Davies-Cook, Bodenheim und Markgrafen von Baden und Meesmann.

Zu den Sammlungshighlights gehört der Deckelpokal mit Wappen von Wilhelm IV. von Nassau-Oranien aus dem Jahr 1725, welcher als das früheste derzeit bekannte, mit Namen signierte Glas von Willem Otto Robart gilt. Der Hochzeitskelch mit Allegorie der Standhaftigkeit mit gestipptem Dekor und Diamantriss aus dem Jahr 1739 ist eines der insgesamt 47 bekannten signierten Gläsern von Frans Greenwood, der als Erfinder des Stippens auf Glas betrachtet wird. Nicht weniger erwähnenswert ist der Deckelpokal zur Silberhochzeit von Jan Westendorp und Sara van Wijlick (1759), signiert von Jacob Sang. Bekannt sind etwa 100 signierte Arbeiten des Künstlers, deren Gravur äußert sauber und mit größter technischer Perfektion ausgeführt ist. Ein Meisterwerk der Glaskunst stellt das Kelchglas mit Bildnis der Autorin Elisabeth Wolff-Becker (Betje) aus der Sammlung Guépin dar, das um 1786 von David Wolff in gestippter Gravur signiert ist. Das Bildnis von Hugo de Groot, der als „Vater des Völkerrechts“ bezeichnet wird, ist 1785 ebenfalls von D. Wolff auf dem Kelchglas gestippt und signiert. Die Arbeit stammt aus der Sammlung der Markgrafen und Großherzöge von Baden. Dieses Glas gehört zu einer Reihe von qualitativ herausragenden und seltenen Porträtgläsern David Wolffs, die bekannte zeitgenössische oder bereits verstorbene niederländische Persönlichkeiten zeigen.


Informationen zur Glasauktion

Im Rahmen der Auktion kommt auch eine süddeutsche Sammlung zum Aufruf. Diese Sammlung birgt einige museale Gläser. So ist beispielsweise ein Potsdamer Deckelpokal mit Venus und Amoretten um 1730 (Taxe: 2.500 – 3.500 €) und ein schlesischer Pokal mit Friedrich II, um 1760 (Taxe: 1.500 – 2.000 €) hervorzuheben.
Ein Becher, den eine äußerst feine, in bunter Transparentemailmalerei ausgeführte Ansicht von Dresden ziert ist auf 4.000 – 6.000 € geschätzt. Der Becher von Samuel Mohn ist um 1811 entstanden. Ein Ranftbecher mit Ansicht des Posthofes bei Karlsbad von Anton Kothgasser (1769 – 1851 Wien) ist mit 3.500 – 4.500 € taxiert. Kothgassers Gläser zieren Themen, die auch in der Porzellanmalerei üblich waren: Stadtansichten, Landschaften, Blumenstücke, Allegorien und Ornamente. Dass die Sammlung sehr vielseitig ist, ist auch an einer alpenländischen Milchglasflasche mit blauen, gekämmten Fäden aus dem 18. Jh. zu sehen (Taxe: 3.500 – 4.500 €).

Ein besonderes Highlight der Auktion sind zwei signierte Plaketten von Dominik Biemann. Beide Plaketten zeigen jeweils ein Portrait einer jungen Dame und stammen aus dem Jahr 1833. Biemanns Porträts in Glas aus den dreißiger Jahren gelten als der Gipfel seines Schaffens. Vor allem seine Fähigkeit des ''fotografisch'' genauen Darstellens von Details sowie Stimmung und Charakter der Porträtierten werden geschätzt. Er porträtierte alle Gesellschaftsschichten, nicht nur Herrscher und Adlige, sondern auch den gewöhnlichen Bürgerstand. (Taxe jeweils: 30.000 – 45.000 €).

In der Sparte des Jugendstils ist eine bedeutende Vase "Flamarion himmelblau mit blattgrün" von Loetz Wwe. hervorzuheben. Die Vase aus hellblauem Opalglas ist mit silbrigen Fäden umsponnen und von grünen Fäden, die zu spitzblattförmigen Ornamenten verzogen sind, überfangen. Der Formentwurf stammt von Franz Hofstätter (Taxe: 3.000 – 4.000 €). Ein 21 cm hohes Weinglas nach einem Entwurf von Otto Prutscher (Ausführung Meyr’s Neffe, Adolf, um 1909) ist auf 4.000 – 5.000 € geschätzt.

Im Bereich des Studioglases kommen zwei Objekte des amerikanischen Künstlers Dale Chihuly zum Aufruf: das Objekt "Soft Cylinder with Green Lip Wrap" aus dem Jahr 1981 (Taxe: 4.000 – 5.000 €) und das 4-teilige Set "Mars Red Persian Set with Turquoise Lip Wraps" aus dem Jahr 1987 (Taxe: 3.000 – 4.000 €). Chihuly ist bekannt für seine komplexen, mundgeblasenen Werke. Bei beiden Objekten rundet der typisch gearbeitete, gewellte und mit einem bunten Glasfaden betonte Rand die Plastiken ab.
Schrill und bunt sind die Glasobjekte des tschechischen Glaskünstlers Czeslav Zuber. In dieser Auktion kommt ein 37 cm hoher Kopf „Tete“ zum Aufruf (Taxe: 2.000 – 2.500 €). Um tschechische Glaskünstler handelt es sich auch bei einer Sammlung von rund 110 Objekten, die zur Auktion kommt. Darunter befinden sich Künstler wie Karel Wünsch, Ivo Rozsypal, René Roubicek, Lubomír Blecha oder Jaroslav Svoboda.

Veranstaltungen zum Bericht:
Auktion 283 "Europäisches Glas & Studioglas" & bedeutende Barock-Glas Sammlung Dr. Röhl

Quelle: © www.auctions-fischer.de

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