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Neuentdeckung in Ketterer Kunst-Herbstauktion: Progressives Porträt von Pop Art-Pionier Picabia

Francis Picabia, La résistance. Öl auf festem Malkarton, 1942/43. 165 x 136 cm. € 250.000-350.000

München, 9. November 2021 (KK) – Seine Progressivität ist legendär und seine Wandelbarkeit einzigartig: Francis Picabias „La resistance“ ist eine für die Star-Porträts der Pop Art wegweisende Arbeit.

Das von der Picabia-Forschung bisher als Bildnis einer unbekannten Vedette oder Sängerin gedeutete, geheimnisvolle Gemälde, stellt nach den neuesten Recherchen von Ketterer Kunst höchstwahrscheinlich ein Porträt Marlene Dietrichs dar.

Das führende deutsche Auktionshaus versteigert das Werk nun mit einer Taxe von € 250.000-350.000 in der Auktion vom 10./11. Dezember in München.

„Francis Picabias fotobasierte Gemälde der 1940er Jahre sind nicht nur äußerst selten auf dem internationalen Auktionsmarkt zu finden“, so Dr. Sebastian Neußer, Director bei Ketterer Kunst. „Sie haben auch eine immense kunsthistorische Bedeutung, waren sie doch die ersten, die die Fotografie zur legitimen Inspirationsquelle machten und der amerikanischen Pop Art das Tor öffneten.“

„Unser Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann“

Francis Picabias berühmtes Zitat ist programmatisch für sein Œuvre, das fortschrittlicher, faszinierender und facettenreicher nicht sein könnte. Sein Schaffen kennt kaum stilistische oder mediale Grenzen, verblüfft und provoziert immer wieder aufs Neue.



Wie bei Pablo Picasso liegen auch Francis Picabias Anfänge im Kubismus. Während sich jener jedoch der gegenständlichen Malerei verpflichtet, ist Picabias künstlerische Experimentierfreude unerschöpflich. So propagiert er neben Marcel Duchamp nach dem Ersten Weltkrieg während seiner avantgardistischen Dada-Jahre mit Collagen, Schrift- und Materialbildern einen von Traditionen entfesselten Kunstbegriff. Aus heutiger Sicht scheint er damit die freien und unbekümmerten Schöpfungen des amerikanischen Street Art-Künstlers Jean-Michel Basquiat vorwegzunehmen.

Während Picabia ab Mitte der 1920er Jahre aus Materialien wie Steichhölzern, Nudeln oder Farbdosen Porträts, Landschaften und Stillleben entstehen lässt, überlagert er zum Ende des Jahrzehnts figürliche und abstrakte Bildebenen. Damit fordert er erneut die Sehgewohnheiten heraus und beginnt gleichzeitig auf fotografische Vorlagen u.a. aus Zeitschriften zurückzugreifen. Er abstrahiert und kombiniert um beeindruckend schrille und plakative Resultate zu erzeugen, in denen bereits erste Elemente der Pop Art anklingen, die retrospektiv u.a. an Wiliam Copley, einen großen Bewunderer Picabias, denken lassen.

Um 1940 wird Picabias Umgang mit der Bilderflut des Alltags noch unmittelbarer. Immer öfter greift er auf Vorlagen aus den Medien zurück. Er begeistert mit einer für die damalige Zeit unüblichen Frische und Modernität, die an das in den 1960er Jahren entstandene Frühwerk von Alex Katz erinnert.

Während des Zweiten Weltrkriegs arbeitet Picabia viel in seinem Atelier im Fischerhafen von Golfe-Juan an der Côte d’Azur. Wegen Schwarzhandels überwacht die Polizei die Gegend streng und die Bewohner leben in der Angst von Gestapo oder franzöischer Miliz verhaftet zu werden. In diesem Umfeld ensteht auch „La résistance“, ein geheimnisvolles Damenporträt, das Unnahbarkeit und Souveränität austrahlt.


Marlene Dietrich wohl als Modell identifiziert

1983/84 wird es in Düsseldorf, Stockholm und Zürich ausgestellt. Der begleitende Katalog mutmaßt damals, dass das Foto einer „Vedette oder populären Sängerin“ dem Künstler als Vorlage gedient haben könnte. Diese Hypothese untermauert Ketterer Kunst nun mit weiteren Details. Das Auktionshaus konnte eine Fotografie von Laszlo Willinger aus dem Jahr 1942 als fotografische Basis ausfindig machen. Picabia dürfte darauf durch einen in der Vogue publizierten Artikel über Marlene Dietrich aufmerksam geworden sein. Dieser erschien in derselben Ausgabe, wie ein Text über die Schiftstellerin und Kunstsammlerin Gertrude Stein, der der Künstler freundschaftlich verbunden war und die als erstes hervorhob, dass Picabias Arbeiten aus dieser Zeit auf Fotografien basieren. Während Willingers Foto die Sängerin und Schauspielerin, die bis heute aufgund ihres unverwechselbaren Stils als eine Art „Göttin der Androgynität“ gefeiert wird, in weißer Hemdbluse und typischer „Marlene-Hose“ zeigt, fokussiert sich Picabia in seinem Gemälde auf die unwirklich erscheinenden Gesichtszüge, die die einzigartige Aura der Dargestellten unterstreichen.


Pop Art-Pionier Picabia bereitet den Weg für Andy Warhols „Marilyn“

Dass Picabia bereits um 1940 die Fotografie zur legitimen Inspirationsquelle der Malerei erklärt, ist ein äußerst mutiger Schritt. Sein progressiver Umgang mit den Bildern der Massenmedien darf als wegweisend angesehen werden für die frühen schwarz-weißen Fotogemälde Gerhard Richters ebenso wie für die Kunst der amerikanischen Pop Art. Francis Picabias „La résistance“ muss somit fast zwangsläufig als wichtiger Vorläufer von Andy Warhols berühmtem, 25 Jahre später entstandenem Werk „Marilyn“ gesehen werden, das ebenfalls basierend auf einer Fotografie die bedeutende amerianische Schauspielerin zu einer Ikone der bildenden Kunst werden ließ.

Neben Francis Picabias „La résistance“ bietet die Auktion spannende Arbeiten der KLASSISCHEN MODERNE wie z.B. Alexej von Jawlenskys Meisterwerk „Frauenkopf mit Blumen im Haar“ (Taxe: € 2.500.000-3.500.000, siehe separate Pressemeldung), Emil Noldes berühmten „Buchsbaumgarten“ (Taxe: € 1.2000.000-1.800.000, siehe separate Pressemeldung) sowie Max Beckmanns „Hunde“ und Otto Muellers „Drei badende Mädchen“ (Taxen je: € 400.000-600.000), die mit Schätzpreisen von je € 300.000-400.000 bewerteten Gemälde „Leda und der Schwan“ von Wladimir Georgiewitsch von Bechtejeff (siehe separate Pressemeldung) und „Erzgebirgslandschaft im Winter“ von Erich Heckel. Des weiteren glänzen u.a. Werke so renommierter Künstler:innen wie George Braque, Max Liebermann, Gabriele Münter und Francis Picabia.

Im Bereich der KUNST NACH 1945 bestechen u.a. ein Triptychon von Albert Oehlen (Taxe: € 1.500.000-2.500.000), Sean Scullys “Blue Yellow Figure” (Taxe: € 600.000-800.000), Pierre Soulages’ „Peinture 92 x 65, 3 Aout 1954“ (Taxe: € 700.000-900.000), das Portrait „Tara“ von Alex Katz ( Taxe: € 350.000-450.000) und Cy Twomblys „Untitled (Drawing for Manifesto of Plinio)“ (Taxe: € 250.000-350.000) sowie Imi Knoebels „Lilola“ (Taxe: € 200.000-300.000). Hochkarätiges ist u.a. auch von Enrico Castellani, Yves Klein, Yoshitomo Nara, Ernst Wilhelm Nay und Jan Schoonhoven vertreten.



Vorbesichtigung

18./19. November – Ketterer Kunst, Hamburg
21./22. November – Ketterer Kunst, Düsseldorf
24. November – Galerie Schwind, Frankfurt
27. November – 2. Dez. – Ketterer Kunst, Berlin
04.–10. Dezember – Ketterer Kunst, München


Auktion in München

10. Dezember Kunst nach 1945/Contemporary Art / Evening Sale
11. Dezember Kunst des 19. Jahrhunderts / Klassische Moderne


Ketterer Kunst (www.kettererkunst.de und www.ketterer-internet-auktion.de) mit Sitz in München und Dependancen in Hamburg, Berlin und Düsseldorf sowie einem weltweiten Netz an Repräsentanten u.a. in den USA und Brasilien wurde 1954 gegründet. Der Fokus des Auktionshauses liegt auf Kunst des 19. bis 21. Jahrhunderts sowie Wertvollen Büchern. Als Marktführer für Kunst des 19.-21. Jahrhunderts im deutschsprachigen Raum rangiert der Spezialist für deutsche Kunst laut Jahresbilanz 2020 der artprice database sogar als einziges und umsatzstärkstes Familien-unternehmen in den weltweiten Top 10.

Kundenanfragen:

Ketterer Kunst
Joseph-Wild-Str. 18
81829 München
Tel. +49-(0)55244-0
Fax: +49-(0)55244-177
E-mail: infomuenchen@kettererkunst.de


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Veranstaltungen zum Bericht:
525. Auktion: Evening Sale

www.kettererkunst.de

Quelle: © Ketterer Kunst Auktionen

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