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Julius Schnorr von Carolsfeld, Bildnis der Maria Heller, 1827

Julius Schnorr von Carolsfeld, Bildnis der Maria Heller, 1827

Feder in Schwarzbraun auf Bütten. 15,9 x 12,3 cm. Unten rechts signiert "Schnorr", auf dem Untersatzkarton in schwarzer Feder und Bleistift bez. "Julius Schnorr: Maria Heller als Braut; aus dem Gedächtnis gezeichnet, auf seiner Reise von (Leipzig.) Wien nach Leipzig. 1827".

Losnummer: 6382


Von 1813 bis zu seiner Abreise nach Rom im November 1817 lebte Julius Schnorr im Hause der Brüder Ferdinand und Friedrich Olivier in Wien. Der ältere Ferdinand hatte 1812 Margarete Valpied, eine verwitwete Heller geheiratet, die drei Kinder mit in die Ehe brachte. Während dieses innigen Zusammenlebens fühlte sich der junge Schnorr in besonderem Maße zu der Stieftochter Ferdinands, der anmutigen Maria Heller (1807 Wien - 1882 Dresden) hingezogen, die er kennenlernte, als das Mädchen sieben Jahre alt war. Diese Zuneigung war so heftig, dass sie selbst Schnorrs zehnjährigen Italienaufenthalt überdauerte. Am 20. Juni 1827 kehrte Schnorr schließlich aus Italien nach Wien zurück, verlobte sich mit Maria Heller am dritten Tag und heiratete seine Jugendliebe am 30. Oktober in Wien. Zwei Tage nach seiner Verlobung, am 25. Juni 1827, schreibt Schnorr an seinen Vater in Leipzig: "Vor dreizehn Jahren lernte ich ein Kind von sieben Jahren kennen, unsers Ferdinand Stieftochter Maria Heller, als ich selber noch kindisch war, und faßte eine Neigung zu diesem Kind, wie ein Kind sie zum andern fassen kann. Drei Jahre waren wir täglich zusammen und wir waren wie Bruder und Schwester. Als ich nach Italien zog, begleitete mich das Bild des Mädchens und während der zehn Jahre, die ich dort blieb, schwebte es mir, nahe oder fern, aber doch immer, vor meinen Augen". Vor der Hochzeit im Oktober unternahm Schnorr eine Reise über Dresden nach Leipzig zu seiner Familie, während der er das Bildnis seiner Braut aus dem Gedächtnis zeichnete. Möglicherweise wollte Schnorr seinem Vater ein Bild seiner zukünftigen Frau zeigen. Mit sicher geführter Feder entwickelt der Künstler das Bildnis der jungen Frau, deren Haar in Locken gelegt ist und deren Blick zum Betrachter geht. Eine andere Kopfstellung hat Schnorr auf demselben Blatt versucht, sie aber dann verworfen. Maria Heller, die ihren Mann um zehn Jahre überlebte, wurde allgemein geschätzt und verehrt. So schreibt Blanca Amsler aus Anlass des 100. Geburtstages an die Tochter Marie Schnorr von Carolsfeld: "Deine Mutter steht vor mir als eine der edelsten und holdesten deutschen Frauen, von der ein Zauber ausging auf Jung und Alt, auf Männer und Frauen, wie gewiß von wenigen. Es war etwas Klassisches an ihrer Schönheit und einfache Anmuth und der seelenvolle Klang ihrer Stimme in Gesang und Rede sprach ihr ganzes Wesen aus."

Provenienz: Nachlass des Künstlers.

Familienbesitz Schnorr von Carolsfeld.

Zuletzt Ursula Schnorr von Carolsfeld (1911-2002), Dresden (Urenkelin des Künstlers).

Ausstellung: Ausst. Julius Schnorr von Carolsfeld. Zeichnungen aus Privatbesitz. Mainz und München 1994/1995.

Literatur: Norbert Suhr, in: Julius Schnorr von Carolsfeld. Zeichnungen aus Privatbesitz. Ausst. Kat. Mainz und München 1994/1995, S. 74, Kat. Nr. 19 (Abb.).


Wir bitten darum, Zustandsberichte zu den Losen zu erfragen, da der Erhaltungszustand nur in Ausnahmefällen im Katalog angegeben ist.


Veranstaltungshinweise:

Am 02.12.2021 118. Auktion: Auf Papier gezeichnet – In Kupfer gestochen – Zeichnungen und Druckgraphik der deutschen Romantik aus der Sammlung Stephan Seeliger


Schätzpreis: 12.000,-  EURO

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