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Befreiung der Farbe

Gotthard Graubner, Rufus, 1992/95

Zu den Highlights der Auktion zählten Werke von Andy Warhol (€ 286.000), Gotthard Graubner (€ 338.000), Gerhard Richter (€ 169.000 und € 143.000), A.R. Penck (€ 286.000), Anselm Kiefer (€ 156.000) und Emil Schumacher (€ 143.000). Zwei Leinwände von William Nelson Copley, den Lempertz in den vergangenen Jahren mit großem Erfolg versteigert hat, kamen auf je € 104.000.

An der Spitze stand mit € 338.000, die ein deutscher Privatsammler investierte, Gotthard Graubners „Rufus“ von 1992/1995. Auf eindrückliche Weise verdeutlicht „Rufus“ die optische Tiefe, die mit der physischen Tiefe von Graubners Farbraumkörpern einhergeht. Seit den 1960er Jahren widmet sich Graubner mit großer Stringenz der Eigenwertigkeit und der Verkörperlichung der Farbe. Die Farbe verliert bei ihm die vermittelnde Funktion als Darstellungswerkzeug, er befreit sie von nahezu jeder Eingrenzung und stellt ihr auch die räumliche Tiefe als umfassenden Entfaltungsraum zur Verfügung. Sie wird zu einem eigenständigen Organismus, auf dessen Ausprägung der Künstler so wenig Einfluss wie möglich nimmt (Lot 29, € 250/300.000).

Bei „Grace Kelly“ handelte es sich um einen unikaten Siebdruck aus einer Serie von 20 unterschiedlichen Farbvarianten aus dem Jahr 1984 von Andy Warhol. Die vorliegende Arbeit ist im Werkverzeichnis der Graphik von Warhol abgebildet. Eine in Monaco beheimatete Sammlung musste mit € 286.000 deutlich mehr als die Taxe bewilligen (Lot 40, € 140/180.000).

Mit ebenfalls € 286.000 ging A.R. Pencks Leinwand „Geben und Nehmen“ aus dem Jahr 2005 in eine deutsche Sammlung. Buchstaben und Bilder im Bild dominieren das großformatige Bild; auch zahlreiche Strichmännchen agieren emsig und sind durch aufeinander weisende Pfeile miteinander in Beziehung gesetzt. Der Künstler entwirft hier ein Tableau, das von Kreativität und Geschäftigkeit zu erzählen scheint und dessen Energie sich über die gesamte Bildfläche erstreckt. Mittels dreier Grundfarben auf weißem Hintergrund schafft Penck in der für ihn typischen linearen Bildsprache eine zeichenhafte Welt, die leicht zugänglich scheint, deren Symbole und Bezüge für den Betrachter jedoch nie eindeutig zu entschlüsseln sind (Lot 52, € 100/150.000).

Gerhard Richters Papierarbeit „3.3.89“ von 1989 ist ein wunderbares Beispiel für das Zusammenspiel von Richters Auseinandersetzung mit dem Grau als Spiegel, Grundfarbe und Feld, in dem man sich verlieren kann. Das Grau ist als Ausgangspunkt dieser Arbeit gekonnt gesetzt. Der Betrachter erkennt die meisterhafte Anwendung der dunklen Schattierung im oberen Bereich und Akzente hellerer, fast weißer Farbtöne in der unteren Hälfte der Bildfläche. Fast so, als ob Richter dem Betrachter nur einen Ausschnitt auf diese monochromatische Schattierung hinter einem Schleier aus Gelb und Orange geben wollte. Ein süddeutscher Privatsammler setzte € 169.000 für das Bild ein (Lot 26, € 130/150.000). Für € 143.000 ging die 1988 entstandene Leinwand „Blech“ deutlich über der Taxe an einen weiteren deutschen Privatsammler (Lot 5, € 60/80.000). Sehr erfolgreich war auch Anselm Kiefer mit „Jakobs Traum“ von 2004 für € 156.000 (Lot 15, € 60/70.000). In eine deutsche Sammlung wandert Emil Schumachers Gemälde „B-5/1971“ von 1971 mit 143.000 (Lot 59, € 80/90.000), während deutscher Handel € 78.000 für Schumachers „Blanco“ einsetzte (Lot 60).

Von William Nelson Copley, dessen Arbeiten Lempertz seit Jahren mit großem Erfolg verstei-gert, wurden vier Gemälde offeriert. An der Spitze standen „Baby Bonnet“ von 1971 und das sieben Jahre später entstandene „Bob it“. In der 1971 in der New Yorker Alexander Iolas Gallery abgehaltenen Einzelausstellung „Recent paintings: Nouns“ präsentierte Copley eine Werkserie mit großformatig ausgeführten Alltagsgegenständen vor starkfarbigen Hintergründen oder in abstrakten Raumsituationen. „Baby Bonnet“ war mit seiner intensiven visuellen Präsenz auch für den Künstler ein außerordentlich wichtiges Gemälde, das nun für € 104.000 in eine italienische Sammlung wandert. (Lot 21, € 80.000). Ebenfalls € 104.000 erzielte Copleys „Bob it“. Das Gemälde versammelt einen großen Teil von Copleys klassischem Bildvokabular. In der von grauen Steinquadern und dem Schachbrettmuster der Fliesen bestimmten Umgebung einer Gefängniszelle deutet er eine skandalträchtige und gesetzeswidrige Geschichte an, an der ein nacktes Paar – der Mann noch mit der obligatorischen Melone bekleidet –, ein anklagender Priester, ein Polizist, eine Guillotine sowie ein kleiner Hund beteiligt sind (Lot 22, € 80.000).

Herbert Brandl schuf 2009 ein großformatiges unbetiteltes Gemälde, das für € 94.000 einem deutschen Sammler zugeschlagen wurde (Lot 72, € 40/50.000). Joseph Kosuths „A.A.I.A.I.“, eine vergrößerte Photographie auf Aluminium von 1967, wechselte für € 65.000 den Besitzer (Lot 11, € 40/60.000). Norbert Bisky kam mit dem 1971 gemalten „Wir spielen Luftangriff“ auf € 81.000 (Lot 1, € 40/60.000). Rupprecht Geiger Leinwand „359/62“ von 1962 erreichte € 75.000 (Lot 3, € 40/50.000).

Das erfolgreichste Lot der Photographie war mit € 28.500 Bernd und Hilla Bechers 1971 aufgenommenes Vintage „Zeche Zollern II“ (Lot 361, € 7/9.000).

Veranstaltungen zum Bericht:
Auktion 1187: Moderne und Zeitgenössische Kunst - Evening Sale
Auktion 1189: Photographie

Quelle: © Kunsthaus Lempertz

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