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Bauernhochzeit und Vanitasstillleben

Jan Miense Molenaer, Bauernhochzeit

Der Gesamtumsatz der drei Auktionen Alte Kunst, Kunstgewerbe und Schmuck vom vergangenen Wochenende hat sehr erfreuliche € 8,6 Mio. Euro eingespielt. Kunstgewerbe hat wieder ein sehr gutes Ergebnis erzielt und die Schmuckversteigerung war eine der besten des Hauses.

Das Highlight der Auktion, das großartige und bedeutende Gemälde von Bartolomé Esteban Murillo, wurde für € 950.000 unter Vorbehalt zugeschlagen. Ihm folgte eine Fülle beachtlicher sechsstelliger Gemälde: von Jan Miense Molenaer (€ 350.000), Ettore Simonetti (€ 250.000), von einem südniederländischen Meister (Brüssel?) um 1520 (€ 212.000), Jan van Goyen (€ 163.000), von Hendrick Martensz Sorgh (€ 150.000) und Johannes Goedaert (€ 88.000). Sehr erfolgreich waren auch Edwaert Colliers (€ 125.000), Joos van Winghe (€ 113.000) und ein italienischer Caravaggist mit € 156.000.

Bei Bartolomé Esteban Murillos Die „Rosenkranzmadonna“ handelt es sich um ein bedeutendes Meisterwerk der spanischen Barockmalerei mit prominenter Provenienz. Über mehrere Generationen hing es in Windlestone Hall, dem Stammsitz der Eden, wo es auch Anthony Eden, englischer Premierminister, gesehen haben wird. Entsprechend wird das Gemälde im angelsächsischen Sprachraum bis heute als „Eden Madonna“ bezeichnet. Nun wurde es für € 950.000 unter Vorbehalt zugeschlagen. Inzwischen werden erfolgversprechende Nachverhandlungen geführt (Lot 2077, € 1,0–1,5 Mio. Euro).

Zu den bedeutenden Gemälden der Auktion gehörte ebenfalls Jan Miense Molenaers sehr qualitätsvolle „Bauernhochzeit“. Das komplexe Gemälde ist voller moralischer Anspielungen und Warnungen an den Betrachter. Die gesamte Szene mit der fröhlichen Festgesellschaft kann als eine Darstellung der Zügellosigkeit verstanden werden. Eine bedeutende Privatsammlung steigerte das Bild von € 200/250.000 bis auf € 350.000 (Lot 2071). In dieselbe Sammlung wandert nun auch für € 212.000 die „Messe des Hl. Gregor“ eines Südniederländischen Meisters (Brüssel) um 1520. Das Gemälde zeigt eine figurenreiche und farbenprächtige Darstellung eines der faszinierendsten religiösen Themen des späten Mittelalters: das Wunder der Messe des Hl. Papstes Gregor des Großen (Lot 2003, € 120/150.000).

Ettore Simonetti gehört zu einer verzweigten römischen Kunsthandwerker- und Künstlerfamilie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Obwohl Ettore offenbar nie in den Norden Afrikas gereist ist, malte er mit Vorliebe Bazar-Szenen mit den typischen Händlern und Käufern des Orients samt ihrer exotischen Kleidung und den Gegenständen, die in dieser Region gehandelt wurden. Das sehr dekorative Gemälde „Orientalische Szene“ spielte € 250.000 ein (Lot 2396, € 200/250.000).

Eine sehr detailreiche Flusslandschaft mit „Dorf und Schiffen“ von Jan van Goyen kam auf € 163.000 (Lot 2050, € 120/130.000). Zwei weitere seiner offerierten Gemälde erreichten € 69.000 und € 60.000. Die „Bauernhochzeit“ Hendrick Maertensz. Sorghs, ein charakteristisches Werk des holländischen Genremalers, das zu seinen schönsten Interieurszenen zu zählen ist, kletterte auf € 150.000. Das Thema kann als eine Darstellung der Fünf Sinne gedeutet werden (Lot 2072, € 80/120.000). Der Versteigerungserlös dieses Lots sowie die Kommission von Lempertz wurden für humanitäre Hilfe in der Ukraine gespendet.

Eine große Steigerung gab es für das „Bildnis eines Philosophen“ eines Italienischen Caravaggisten vom Anfang des 17. Jahrhunderts. Bei diesem eindrucksvollen Bild, das einen debattierenden, Argumente aufzählenden Mann mittleren Alters darstellt, handelt es sich wahrscheinlich um das Bildnis eines Philosophen. Welcher dabei gemeint ist, wird nicht klar ersichtlich, da Attribute zur Identifikation fehlen. Um das Gemälde entbrannte ein heftiges Bietgefecht, das ein amerikanischer Sammler erst mit dem Einsatz von € 156.000 für sich entscheiden konnte (Lot 2022, € 25/30.000). Ein großer Sprung auch für Joos van Winghes „Allegorie der Fama“, die von € 70/80.000 bis auf € 113.000 gehoben wurde (Lot 20219). Noch größer aber war der Erfolg für Edwaert Colliers hart umkämpftes „Vanitasstillleben mit Nautiluspokal“ und einer Büste. Das in Öl auf Holz gemalte, 30 x 24,5 cm messende Bild konnte eine niederländische Sammlung erst mit der Bewilligung von € 125.000 übernehmen (Lot 2096, € 8/12.000). Sehr erfolgreich war auch das Gemälde des „Büßenden Hieronymus“ eines Antwerpener Meisters des 16. Jahrhunderts, das von € 8/10.000 bis auf € 63.000 emporgesteigert wurde. Die in Öl auf Holz gemalte Überschaulandschaft steht in der Tradition der Antwerpener Maler Joachim Patinir und Herri met de Bles (Lot 2005). Beide Bilder waren 1953 von DDR-Behörden beschlagnahmt und erst vor wenigen Wochen vom Museum der Bildenden Künste in Leipzig an den rechtmäßigen Besitzer zurückerstattet worden.

Tommaso di Credis „Madonna mit Christuskind und dem Johannesknaben“ wechselte für € 94.000 in eine italienische Sammlung. Der in Florenz um 1490/1510 wirkende Maler spezialisierte sich auf die Produktion von Tondi und anderer Gemälde zur Privatandacht, wofür das hier angebotene qualitätsvolle Gemälde beispielhaft steht (Lot 2003A, € 70/80.000). Dass Johannes Goedaert ein vortrefflicher Maler von Landschaften war, zeigte das vorliegende Gemälde „Landschaft mit einem Bauern und Kuhherde an einer Kate“, dessen Verbleib lange Zeit unbekannt war. Seine Bilder stehen in der Tradition holländischer Landschaften. Englischer Handel übernahm das Bild für € 88.000 (Lot 2070, € 70/90.0000). Philips Wouwermans Leinwand „Gefecht zwischen Kavallerie und Infanterie“ stellt, wie bei seinen Schilderungen von Scharmützeln und Gefechten üblich, keine tatsächlichen historischen Ereignisse oder Personen dar, sondern gehört in den Bereich der dekorativen Schlachten-malerei. Das um 1665 entstandene Gemälde würde für € 81.000 von einem niederländischen Sammler übernommen (Lot 2078, € 60/70.000).

Veranstaltungen zum Bericht:
Auktion 1197: Alte Kunst und 19. Jahrhundert

Quelle: © Kunsthaus Lempertz

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