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Millionenzuschläge und internationale Bietgefechte – Die Ergebnisse der Sommerauktionen in Berlin

Max Beckmann, Grauer Strand, 1928

Größte Wertschätzung bei den Sammlern für die moderne Kunst: Das teuerste Los der Auktion „Ausgewählte Werke“, Max Pechsteins Meisterwerk „Russisches Ballett“ von 1909, ging zu einem Spitzenpreis von € 2.425.000 in eine Berliner Privatsammlung. Für einen weiteren Höhepunkt und Millionenzuschlag Nr. 2 sorgte Max Beckmanns „Grauer Strand“ von 1928, den sich ein europäischer Sammler für € 1.765.000 erkämpfte. Für eine Überraschung sorgte die Skulptur „Triple N Gyratory II“ des amerikanischen Künstlers George Rickey, sie ging nach einem langen und internationalen Bietgefecht für € 475.000 (Schätzpreis € 150.000/200.000) und damit zum höchsten Preis, der jemals für den Künstler bezahlt wurde, in eine Berliner Privatsammlung. Lebhafte Bieterbeteiligung gab es auch bei Ernst Wilhelm Nays „Mit grüner Scheibe“ von 1964, das sich einreiht in die Serie der epochalen „Documenta-Bilder“ – es fand für € 412.500 einen neuen Besitzer im Rheinland. Viel Interesse gab es auch für Georg Baselitz’ „6 schöne, 4 häßliche Porträts: häßliches Porträt 9“ von 1988: Es fand nach vielen Geboten im Saal und an den Telefonen schließlich für € 400.000 einen neuen Besitzer ebenfalls im Rheinland. Aus dem zeitgenössischen Bereich ließ außerdem Arnulf Rainers marktfrisches, charakteristisches Werk „Dunkle Figur“ von 1990/91 aufhorchen, das für € 275.000 zugeschlagen wurde. Großes Engagement der Bieter aus dem In- und Ausland galt unter anderem auch der dynamischen Komposition „T 1981 – H 12“, ein Meisterwerk aus der Spätphase von Hans Hartung, sie ging nach einem starken Bietgefecht für € 262.500 nach Italien.

Zu einem besonderen Highlight der Auktionswoche in der Fasanenstraße wurde die Versteigerung von über 70 Werken der hochkarätigen Expressionisten-Sammlung von Adalbert und Thilda Colsman. Das eindrucksvolle Ölgemälde „Hohe See“ von Emil Nolde bescherte den Sommerauktionen den Millionen-Zuschlag Nr. 3 und ging für € 1.585.000 in eine süddeutsche Sammlung. Auch Noldes eindringliches Porträt „Christina“ aus dem Jahr 1915 fand für € 500.000 einen neuen Liebhaber. Der Weltrekord für Ewald Mataré liegt nun bei € 275.000, die „Grosse kniende Kuh“ ging nach einem langen Bietgefecht in eine deutsche Privatsammlung. Für Aufsehen sorgten unter anderem auch Christian Rohlfs’ „Garten in Soest“ von 1906 (€ 237.500, € 70.000/90.000) und Otto Dix’ „Bettina im Garten“ von 1952 (€ 175.000, € 50.000/70.000).

Top-Preise kann auch die Auktion Zeitgenössische Kunst vermelden: Die frühe Arbeit „Ohne Titel (Schüttbild)“ des erst kürzlich verstorbenen Künstlers Hermann Nitsch war hart umkämpft. Zahlreiche Bieter vervielfachten die Schätzung (€ 20.000/30.000) auf sensationelle € 387.500 (nach Österreich). Zu einem weiteren Highlight wurde die Versteigerung von Karin Kneffels Diptychon „(F XXXVIII)“ von 1997. Das Ergebnis von € 350.000 bedeutet den Weltrekord für die Künstlerin auf einer Auktion und Verdoppelung des unteren Schätzpreises (€ 150.000/200.000) (Handel, Deutschland). Spitzenpreise konnten zum wiederholten Male auch für die Neuen Wilden um Rainer Fetting erzielt werden, auch Elvira Bach zieht nach. Fettings „2 Arabs I“ von 1983 ging für € 168.750 (€ 40.000/60.000) in eine hessische Privatsammlung und sein „The Devil“ von 1984 vervielfachte die Schätzung (€ 25.000/35.000) ebenfalls und wurde für € 112.500 vom deutschen Handel übernommen. Enormes Interesse generierte auch die farbintensive Papierarbeit von Katharina Grosse, die ihren unteren Schätzpreis mit für € 112.500 (€ 15.000/20.000) fast verzehnfachen konnte.

Den erfreulichen Auftakt in die Sektion Kunst des 19. Jahrhunderts machte ein wiederentdecktes Hauptwerk der badischen Malerin Amalie Bensinger, das nach regem Bieterinteresse für € 47.500 in eine hessische Privatsammlung geht. Albrecht Dürers ikonische „Melencholia I“ fand nach international lebhaften Geboten für € 125.000 einen neuen Besitzer in Großbritannien. Der charmante Fensterblick auf Dresdens weltberühmte Stadtsilhouette von Julius Kaskel, der jener bedeutenden jüdischen Bankiersfamilie entstammt, aus deren Bankhaus 1872 die Dresdner Bank hervorging, versiebenfachte seinen unteren Schätzpreis in Minutenschnelle und wechselt für € 43.750 nach New York. Den Weg in die Moderne zeigte Paul Cézannes Meisterzeichnung „Homme nu“, die ein hessischer Sammler für € 93.750 erwarb. Für den anhaltend lebhaften Schlussakkord sorgten die 42 Lose von Max Klinger, die der Leipziger Zeitgenosse und Klinger-Verehrer Fritz Tögel in wesentlichen Teilen noch im Atelier des Künstlers selbst erworben hatte. Nach vier Generationen in Privatbesitz erfreuten sich Werke wie die großformatige Aktzeichnung von Gertrud Bock („Weiblicher Akt“, € 26.250) oder eine doppelseitig bemalte weibliche Ölstudie („Studien von zwei weiblichen Halbakten“, € 25.000) sowie seltene Drucke und Alben regen internationalen Bietinteresses.

Die Auktion Photographie widmete sich in dieser Saison der amerikanischen Farb- und Street-Photographie sowie wegweisenden internationalen Positionen. Heiß begehrt war „Poolside Pairs“ von Slim Aarons (€ 25.000) – eine farbprächtige Inszenierung des ikonischen „Kaufmann House“ von Richard Neutra (Privatsammlung, Süddeutschland). „Die Befreiung der Finger“ des Aktions-, Objekt- und Konzeptkünstlers Dieter Appelt erbrachte grandiose € 23.750 (€ 7.000/9.000) und geht in eine französische Privatsammlung. Erwähnenswert ist auch der Zuschlag des Katalogtitels „NYC“ von 1963 von Lee Friedlander – einer der herausragenden Großmeister der amerikanischen Street Photography – für eine deutsche Privatsammlung (€ 18.750 / € 8.000/10.000).

Im ersten Halbjahr 2022 konnte Grisebach insgesamt 25 Millionen Euro umsetzen.

Veranstaltungen zum Bericht:
Auktion 342: Ausgewählte Werke
Auktion 343: Moderne Kunst
Auktion 344: Zeitgenössische Kunst
Auktion 341: Photographie
Auktion 345: Sammlung Adalbert & Thilda Colsman

Quelle: © Villa Grisebach Auktionen GmbH

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