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Anonymer italienischer Buchmaler, Bildinitale S mit der Anbetung der Heiligen Dreifaltigkeit, um 1390

Anonymer italienischer Buchmaler, Bildinitale S mit der Anbetung der Heiligen Dreifaltigkeit, um 1390

Werkstatt Genesis Meister, 2. Meister der Genesis?

Bildinitale S mit der Anbetung der Heiligen Dreifaltigkeit aus einem Antiphonar. Tempera und Goldhöhung auf Pergament.

Padua, ca. 1390. Initiale 16,4 x 12,5 cm; Schriftspiegel 43,5 x 28,4 cm; Blattgrösse 58 x 40,5 cm. 10 Zeilen schwarzbrauner Text und Quadratnoten auf jeweils 4 roten Zeilen. Unter Leinwand-Passepartout, Echtgoldrahmung (70 x 52,5 cm).




Literatur: Federica Toniolo, La Bibbia Istoriata padovana, in: La Miniatura a Padova dal Medioevo al Settecento. Modena 1999 (v. a. S. 465-470 und Anmerkungen 58-61, S. 161-176).

Losnummer: 508


Text recto: "[Laudeamus] dominum quem laudant angeli cui Cherubim et Seraphim sanctus sanctus Sanctus proclamant".
Text verso: "Summe Trinitati simplici deo una divinitas equalis gloria coe [terna majestas patri prolique sanctoque flamini qui totum subdit suis orbem legibus…]".

Das vorliegende Blatt mit der Bildinitiale S, die eine Darstellung der göttlichen Dreieinigkeit trägt, die von Engeln besungen und im Himmel verehrt wird, wurde von einem Antiphonar übernommen. Bislang sind keine anderen Schwesterblätter bekannt. In Anbetracht der oben beschriebenen Texte war es nicht so, wie es die Ikonographie implizieren könnte, Teil der Liturgie für das Dreieinigkeitsfest am Sonntag, gehörte aber zum Fest aller Heiligen. Der Text auf beiden Seiten bezieht sich auf die Anbetung der Heiligen Dreifaltigkeit von allen Heiligen und allen Engeln. Wenn wir uns auf das Fest der Allerheiligen allein beziehen, könnten wir gewöhnlich das traditionelle Bild Gottes erwarten, das von einer grossen Menge von Heiligen verehrt wird, die sich um ihn herum versammeln. Hier schafft der unbekannte norditalienische Buchmaler aber ein Bild, das dem liturgischen Text genauer folgte. Er bietet eine eschatologische Vision der Heiligen Dreieinigkeit, die von allen Engelschören im Himmel verehrt wird: im oberen Register die beiden Engelskategorien, die Gott am nähesten stehen und ihn ständig loben: die roten Seraphim und die blauen Cherubim. Darunter mehr musizierende Engel oder generelle Heilige.

Der Buchmaler dieses feinen Blattes ist stark durch die späteren Interpreten Giottos in Padua und allgemein der Malerei aus Padua aus dem letzten Viertel des 14. Jahrhunderts beeinflusst. Die Bordürenverzierung mit bunten Ranken aus länglichen Akanthusblättern in Blau, Rot und Grün basiert auf den traditionellen Vorbildern der Bologneser Buchmalerei, die im 14. und frühen 15. Jahrhundert die künstlerischen Entwicklungen der Paduanischen Buchmalerei beeinflusste. Unser Illuminator bezieht sich jedoch auf ein figurales Repertoire, das der Bologneser Buchmalerei nicht vertraut ist, jedoch fest in der Tradition der um 1370/1380 in Padua tätigen führenden Wand- und Tafelnmaler wie Altichiero und vor allem Giusto da Menabuoi (ca. 1320-1391) verwurzelt ist: Seine brillanten Fresken mit Szenen des Alten Testaments in der Taufkapelle des Domes inspirierten die Buchmaler des späten Trecento in und um Padua.

Dies gilt insbesondere für diese Gruppe von Buchmalern, die im letzten Jahrzehnt des 14. Jahrhunderts die sogenannte "Bibbia istoriata" schmückten, die in der British Library (ms. Add 15277) und der Biblioteca dell’Accademia dei Concordi in Rovigo aufgeteilt ist (ms. 212 der fondo Silvestri - zur kunsthistorischen Bewertung der einzelnen Mitglieder dieses Workshops siehe Toniolo 1999, S. 465-470 und Kat. Nr. 58-61, S. 161-176). Die abgerundeten Gesichter der Engel auf unserem Blatt mit ihren grossen Wangen und weckenden Augen erinnern deutlich an die Modelle von Giusto da Menabuoi gegründet und teilen zweifellos den Stil des Meisters der bei der Ausmalung der eben erwähnten Bibel beteiligt war. Das gleiche künstlerische Milieu war auch für die Verzierung der etwas späteren Chorbuch-Reihe für die Collegiata in Monselice verantworlich (ca 1390-1410, jetzt Padua, Biblioteca Capitolare, mss. E18-24).

Der Stil unseres Buchmalers hängt eng mit dem sogenannten zweiten Meister der Genesis zusammen. Im Vergleich zu seinen späteren Werken, wie den Miniaturen in den Monselice-Antiphonaren, wo er seine Formen, insbesondere die Gesichtszüge der Gesichter mit starken schwarzen Konturen artikuliert, die Gesichter scheinen hier mit einem geringen graphischen Nachdruck modelliert zu sein, produzieren Merkmale eines weicheren Aussehens und einer glatteren Epidermis.

Die klare künstlerische Beziehung zu den grossen Freskenzyklen in Padua von Altichiero und Giusto di Menabuoi im Laufe des achten und neunten Jahrzehnts des 14. Jahrhunderts und die heitereres Erscheinung des Bildes, verglichen mit seinen Illustrationen des späteren Monselice Antiphonare lassen vermuten, dass unser Blatt wohl von der Werkstatt des Genesis-Meisters gemalt wurde, vom zweiten Genesis-Meister, der am besten auf das letzte Jahrzehnt des 14. Jahrhunderts datiert werden sollte. Dieser besondere Moment der paduanischen Buchmalerei wurde die Hauptinspiration für die veroneser Buchmalerei des Trecento, wie der unbekannte Meister, der unter anderem Cod. LXXXI der Biblioteca Capitolare in Verona illustrierte. Es ist kaum überraschend, dass Wissenschaftler glauben, dass einer der Illustratoren der bereits erwähnten "Bibbia istoriata" mit dem veroneser Maler Jacopo da Verona identifiziert werden sollte. Dieser ist bekannt dafür, mehrere Freskenzyklen in Padua sowie in seiner Heimatstadt ausgeführt zu haben, von denen einige uns in verschiedenen Kirchen begegnet sind.
(Prof. emer. Dr. Gaudenz Freuler, Universität Zürich)

Am oberen Rand etwas knapp beschnitten, leicht gewölbt, in den Rändern etwas gebräunt, teils schwach bestossen, am linken Rand beim Rankenwerk grösserer Feuchtfleck, die Initiale teils leicht berieben (mit leichten Bildverlust, teils restauriert), Blattgold mit leichtem Krakelee.

Provenienz:
- Deutsche Privatsammlung.
- Sammlung Schweiz.


Veranstaltungshinweise:

Am 26.03.2019 Auktion A188: Bücher, Buchmalerei & Autographen


Schätzpreis: 10.000 - 15.000  SFR

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