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Onorio Marinari, Kleopatra

Onorio Marinari, Kleopatra

Öl auf Leinwand (doubliert). 78,5 x 64 cm.

Zertifikat

Sandro Bellesi, Florenz.

Literatur

Sandro Bellesi: Pittura e scultura a Firenze (secoli XVI-XIX), Florenz 2017, S. 19, Abb. 21 sowie Abb. auf dem Rückumschlag.

Losnummer: 1591


In einem dunklen Ambiente, dessen räumliche Struktur allein durch den am vorderen Bildrand wiedergegebenen Tisch mit einer purpurfarbenen Decke angedeutet wird, sehen wir eine schöne junge Frau, bekleidet nur mit einem herabfallenden weißen Gewand, den Kopf zur Seite geneigt, die Augen halb geschlossen. Während sich die linke Hand in einer graziösen, in virtuoser perspektivischer Verkürzung wiedergegebenen Geste zum Betrachter richtet, führt die Rechte eine kleine Schlange an ihre entblößte Brust. Durch diese Schlange lässt sich unser Gemälde als Darstellung der ägyptischen Königin Kleopatra identifizieren. Kleopatra (69 v. Chr. - 30 v. Chr.), eine der berühmtesten Frauen der Weltgeschichte, hat die Phantasie der Nachwelt von der Antike (Plutarch, Cassius Dio) über Shakespeare („Anthony and Cleopatra“) bis heute angeregt. In über 100 Opern ist ihr Leben Gegenstand des Librettos, und Maler wie Allori, Guercino oder Guido Reni haben das Thema in der bildenden Kunst umgesetzt.

Das vorliegende Gemälde wurde erst kürzlich von Professor Sandro Bellesi als Werk des Florentiner Malers Onorio Marinari identifiziert und umfänglich publiziert (Bellesi, op. cit.). Marinari, der bei seinem Cousin Carlo Dolci sowie Baldassare Franceschini ausgebildet wurde, malte vornehmlich religiöse Themen für geistliche Orden und private Auftraggeber; seine Werke waren auch bei den Medici und vielen anderen Adelsfamilien in Italien und Europa gefragt. Das vorliegende Gemälde ist eines der seltenen Beispiele für ein Historiengemälde des Künstlers aus dem Bereich der antiken Geschichte.

Aus zeitgenössischen Quellen wissen wir von mehreren Ausführungen dieses Sujets durch Marinari. Während die Maße unseres Werks von denen des ehemals in der Sammlung Bartolini Salimbeni befindlichen Gemäldes abweichen (vgl. Fabia Borroni Salvadori: Le esposizioni d'arte a Firenze dal 1674 al 1767, in: Mitteilungen des Kunsthistorischen Instituts in Florenz XVIII, 1974, S. 100-101), könnte es sich bei unserem Werk dagegen um jene "bellissima Cleopatra" handeln, die sich im 17. Jahrhundert zusammen mit einem weiteren Werk Marinaris im Besitz des Malers Ignazio Hugford befunden hat (Elogio di Onorio Marinari, in: F. Raù u. M. Rastrelli: Serie degli uomini i più illustri nella pittura, scultura e architettura con i loro elogi, e ritratti incisi in rame cominciando dalla prima restaurazione fino ai tempi presenti, Bd. 11, Florenz, 1765, S. 169 Anm. 1).

Im Vergleich mit der bislang einzigen anderen bekannten Version der Kleopatra aus der Hand Marinaris im Besitz der Fondazione di Studi di Storia dell'Arte Roberto Longhi (siehe Silvia Benassai: Onorio Marinari. Pittore nella Firenze degli ultimi Medici, Florenz 2011, S. 146, Nr. 73), sieht Bellesi in unserem Werk die deutlich höhere malerische Qualität. Näher stehen unsem Bild demnach die Arbeiten des Künstlers aus dem Höhepunkt seines künstlerischen Schaffens in den 70er und 80er Jahres des 17. Jahrhunderts, darunter „Christus und die Samariterin“ im Museo de Arte in Ponce, Puerto Rico, einer „Heiligen Märtyrerin“ im John and Mable Ringling Museum of Arts in Sarasota sowie der „Judith“ des Szépmüveszeti Múzeum in Budapest (vgl. Benassai, op. cit., Nrn. 65, 55 und 56), für deren weibliche Figuren Marinari womöglich dasselbe Modell verwendete wie für unser Gemälde der Kleopatra. In der detaillierten Wiedergabe des Schmucks sowie der melancholischen Ausdruckskraft der Dargestellten finden sich Parallelen in zwei Darstellungen der Artemisia von Marinari, die sich im Besitz der Galerie Canesso, Paris, sowie einer unbekannten Sammlung befinden (siehe Bellesi, op. cit., S. 193, Tafel XLIX - III, Abb. 987).

Im Hinblick auf die malerische Raffinesse, die Eleganz der Komposition sowie die betörende, sinnliche Wiedergabe der Dargestellten und ihres makellosen Inkarnats gehört unser Gemälde zu den wichtigsten Neuentdeckungen im Oeuvre Marinaris, dessen künstlerisches Profil durch die jüngsten Publikationen von Bellesi und Benassai neu umrissen wurde und der nun als einer der bedeutendsten Florentiner Künstler des späten siebzehnten Jahrhunderts gelten darf.


Veranstaltungshinweise:

Am 17.11.2018 Auktion 1118: Gemälde und Zeichnungen Alter Meister / Skulptur - Kunst des 19. Jahrhunderts


Schätzpreis: 130.000 - 150.000  EURO

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