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Ferdinand Bellermann, Tropische Landschaft in Venezuela mit Badenden

Ferdinand Bellermann, Tropische Landschaft in Venezuela mit Badenden

Öl auf Leinwand. 165 x 125 cm.
Signiert unten links: Ferd. Bellermann.

Losnummer: 2274


Wie Bellermann 1842 in einem Brief an den Stettiner Kunstverein schrieb, ergäbe sich für ihn in nächster Zeit die Möglichkeit zu einer Reise nach Venezuela. Eine Bekanntschaft mit dem Hamburger Kaufmann und Inhaber eines Handelskontors in der venezolanischen Hafenstadt Puerto Cabello, Carl A. Rühs (1805-1880), eröffnete ihm diese Möglichkeit, welche sein Oeuvre so eindrucksvoll bereicherte. Da Rühs ihm zwar eine freie Hinreise auf einem seiner Schiffe offerierte, aber die Abreise mit dem 15. Mai 1842 kurzfristig bevorstand, musste Bellermann unter erheblichem Druck finanzielle Mittel für seine auf zunächst zwei Jahre geplante Reise organisieren. Indem er drei seiner Werke an den bereits erwähnten Stettiner Kunstverein verkaufte und ein Stipendium des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. erhielt, war seine Zeit in Venezuela gesichert. Bellermann begründetet seinen Reisewunsch gegenüber dem Preußenkönig, indem er darauf verwies, dass Venezuela von Künstlern bisher wenig oder noch gar nicht besucht wurde und die Reise "durch den großartigen Charakter des Landes und seiner Naturformen eine reiche Ausbeute und vielleicht ein ganz neues Feld für die Landschaftsmalerei" versprechen dürfte. Als Gegenleistung bot Bellermann dem König an "seine gesammelten Studien und Ergebnisse der Reise in einer der Königlichen Sammlungen niederzulegen".
Neben Friedrich Wilhelm IV. erfuhr Bellermann eine ganz entscheidende und auch prominente Unterstützung durch Alexander von Humboldt, dem damaligen Kammerherrn des Königs. Humboldts wissenschaftliches Ansehen sollte dem Maler so manche Tür öffnen. Ein Empfehlungsbrief des Wissenschaftlers war hierbei besonders ausschlaggebend, in welchem er darum bat, dass „alle Personen, die im schönen Lande Venezuela einiges Wohlwollen für meinen Namen bewahrt haben, meinen jungen Landsmann Ferdinand Bellermann mit ihrem Rat zu unterstützen und freundliche Anteilnahme entgegenzubringen.“ Nach zahlreichen Rundreisen im Land konnte Bellermann seinen Aufenthalt mithilfe eines weiteren Reisestipendiums um eineinhalb Jahre verlängern, sodass er nach Genesung von einer schweren Fiebererkrankung am 15. November 1845 mit Hilfe des Segelschiffes Margareth, welches ihn auch 1842 sicher nach Venezuela gebrachte hatte, wieder in Hamburg an Land gehen konnte.
Seine Erlebnisse während der teils auch lebensgefährlichen Reise nach und durch Venezuela hat Bellermann ausführlich in sechs erhaltenen Tagebüchern festgehalten.
Insbesondere der Tropenwald wurde zu einem unerschöpflichen Sujet in Bellermans späterem Oeuvre. Die sich selbst überlassene Vegetation, die faszinierende und für Bellermann noch fremde Pflanzenwelt mit ihren fantastischsten Erscheinungsformen, die er selbst als „feenartig“ beschreibt, sind die Grundlage all seiner Urwaldbilder. Nur selten basieren Bellermanns Gemälde, welche auf seine Zeit in Venezuela zurückgehen, auf Zeichnungen. Fast sämtliche dieser uns bekannten Werke nach 1845 beruhen auf Ölstudien, welche er während der Reise anfertigte.
Als Ferdinand Bellermann 44 Jahre nach seiner Rückkehr aus Südamerika in Berlin verstarb, stand ein letztes unvollendetes Gemälde seiner Venezuela-Reihe auf seiner Staffelei, eine Abendstimmung am Orinoco.


Provenienz

Westdeutsche Sammlung.

Literaturhinweise

Schierz, Kai Uwe / Taschitzki, Thomas von (Hg.): Beobachtung und Ideal - Ferdinand Bellermann - ein Maler aus dem Kreis um Humboldt, Ausst.-Kat, Erfurt, Angermuseum, 12. Oktober 2014 - 18. Januar 2015.


Veranstaltungshinweise:

Am 14.11.2020 Auktion 1160: Alte Kunst und 19. Jahrhundert


Schätzpreis: 60.000 - 80.000  EURO

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