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Rogier van der Weyden, Nachfolge, Madonna mit Kind

Rogier van der Weyden, Nachfolge, Madonna mit Kind

Öl auf Eichenholz. 48 x 37 cm.

Losnummer: 6


Rogier van der Weyden war einer der erfindungsreichsten Maler der niederländischen Kunst des 15. Jahrhunderts. Er schuf Bildthemen, die jahrzehntelang von seiner Werkstatt und später von seinen Nachfolgern verwendet wurden. Von all seinen Schöpfungen erwies sich die Darstellung der „Maria Lactans“, der „Stillenden Madonna“ als eine der beliebtesten. Sie war vor allem für die häusliche Andacht gefragt und wurde gelegentlich auch mit einem Stifterporträt als Diptychon verlangt.
Die vorliegende Tafel ist ein schönes Beispiel für einen Bildtypus, der auf dem Kunstmarkt in Brügge und Brüssel sehr geschätzt wurde. Die verschiedenen überlieferten Versionen dieses be- und geliebten Bildes unterscheiden sich in Stil, Fassung, Ornamente und Technik voneinander. Je nach dem Preis, den der Auftraggeber zu bezahlen bereit war, wurden die Figuren entweder in einer repräsentativen Umgebung, vor einer Landschaft oder einfach nur vor einem monochromen Hintergrund dargestellt.
In Brügge finden sich solche Beispiele u.a. beim „Meister der Ursula Legende“, wo die Jungfrau Maria im Himmel vor einem Goldgrund gekrönt erscheint (vgl. Aachen, Suermondt-Ludwig-Museum; Worcester, Art Museum), im Gerard-David-Kreis (vgl. Madrid, Museo Lázaro Galdiano, Inv.-Nr. 3049), von Adriaen Isenbrant und Ambrosius Benson, oder gar auf einem Manuskriptbild aus der Gent-Brügger Schule (vgl. Brüssel, Auktion Romantic Agony 14.6.2008, Lot 951).
Am Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts arbeiteten in Brüssel, der Heimatstadt van der Weydens, verschiedene Maler noch unter seinem Einfluss. Darunter der „Meister der Blattstickerei“ oder der „Meister der Legende der Heiligen Katharina“. Das Nationalmuseum in Stockholm beherbergt eine „Maria Lactans“ (Inv.-Nr. NM 6179), die diesem namentlich nicht bekannten Meister zugeschrieben wird. Kompositorisch ist das Stockholmer Bild mit der vorliegenden Tafel vergleichbar und führte zu einer Zuschreibung unseres Bildes an den „Meister der Katharinen-Legende “ (E. Mai, op. cit.). Allerdings entspricht die Auffassung der Landschaft bei dem Katharinen-Meister richtigerweise noch dem gotischen Stil des 15. Jahrhunderts. Das Lempertz-Bild hingegen, mit seiner realistischeren Behandlung der Natur, der tiefen Perspektive und der Maltechnik, bei der die Figuren mit Bleiweiß modelliert wurden, ist als ein eindeutiges Werk des frühen 16. Jahrhunderts zu erkennen.
Abgesehen von der Landschaftsdarstellung fügt sich das Marienbild perfekt in die ursprüngliche Tradition des Vorbilds van der Weydens ein. Die Jungfrau Maria und das Christuskind sind in Nahansicht vor einer Hügellandschaft in der Nähe eines Dorfes dargestellt. In der Ferne ragt eine mittelalterliche Burg zwischen den Bäumen heraus. Ein kleiner Fluss schlängelt sich parallel zwischen dem Weiler und der Figurengruppe. Mit dem leicht nach links geneigten Kopf bereitet sich Maria darauf vor, das Kind mit der linken Hand zu stillen, während sie es mit der anderen Hand auf ihrem Schoß hält. Sie sitzt vor einer niedrigen, mit Laub bedeckten Steinmauer. Die linke Hand des Kindes ist erhoben, während die rechte einen kleinen Apfel hält. Ein Strahlenkranz hebt beide Figuren hervor. Maria trägt einen blauen Umhang und ein rotes, mit Pelz unterfüttertes Überkleid, die Ärmel aus Goldbrokat haben goldene Knöpfe an den Handgelenken. Auf dem Brüsseler Kunstmarkt des frühen 16. Jahrhunderts waren solche Bilder mit einer derartigen Mischung von geistiger Kraft und mütterlicher Liebe, eingebettet in eine friedliche Natur, für die private Andacht sehr geschätzt.

Provenienz

Jacques Leegenhoek, Paris, 1984.

Literaturhinweise

Corinna Peuckert, in: Ekkehard Mai (Hg.): Das Kabinett des Sammlers, Köln 1993, S. 45-7, Abb. Nr. 18.


Veranstaltungshinweise:

Am 08.12.2020 Auktion 1168: Meisterwerke der Sammlung Bischoff


Schätzpreis: 80.000 - 100.000  EURO

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