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Alexej von Jawlensky, Variation: Purpurgold (Herbst)

Höhepunkte der zweitägigen Auktion sind Gemälde von Alexej von Jawlensky (€ 120/150.000), Emil Nolde mit einem dramatischen „Tosendes Meer“-Aquarell für € 100/130.000 und einem seiner charakteristischen Blumenaquarelle (€ 90/120.000). Bei € 100/120.000 liegt Serge Poliakoff mit einer seiner abstrakten Kompositionen. Auf jeweils € 90/120.000 kommen ein Gemälde von Franz Wilhelm Seiwert und Erich Heckel.

Mit € 80/120.000 sind sowohl eine Lithographie Ernst Ludwig Kirchners wie auch ein Gemälde Max Liebermanns bewertet. Bei € 80/120.000 liegen auch Bilder von Leonor Fini, Lesser Ury und eine Skulptur von Ernst Barlach. Auf € 80/100.000 kommt eine der typischen Leinwände von Maurice Utrillo. Besonderes Augenmerk verdient auch Gert Heinrich Wollheims „Porträt Heinrich George“ aus dem Jahr 1928 für € 60/80.000.

Eines der klassischen, um 1918 entstandenen Gemälde „Variation: Purpurgold (Herbst)“ von Alexej von Jawlensky mit zahlreichen Literaturerwähnungen und Ausstellungen befand sich einst im Besitz von Galka Scheyer in Hollywood. Über sechs Jahre hinweg arbeitete Jawlensky im Schweizer Exil an einem offiziell von ihm „Variationen über ein landschaftliches Thema“ genannten bildnerischen Komplex (Lot 207, € 120/150.000).

Die Farb- und Formgewalt von Noldes Aquarell „Tosendes Meer“ erinnert daran, welchen künstlerisch hohen Stellenwert die Meeresbilder in seinem Oeuvre einnehmen. Die Ölbilder entstehen – rauschhaft und wie in Extase gemalt – z.T. hintereinander in großen gemalten Folgen, insbesondere 1930 anlässlich des Aufenthaltes auf Sylt. Nach dem Krieg folgen 1947 vergleichbare Formate, von denen eines Jolanthe Nolde gehörte und im Heidelberger Kunstverein 1958 zusammen mit dem vorliegenden Aquarell ausgestellt war. Noldes ausdrucksstarke Papierarbeiten begleiteten die Gemälde, das Medium des Aquarells schien dazu wie geschaffen (Lot 168, € 100/130.000). Ein weiteres, typisches Nolde-Aquarell mit Tulpen und Amaryllis kommt auf € 90/120.000 (Lot 169).

Franz Wilhelm Seiwert ist mit seinem um 1924/25 entstandenen Gemälde „Drei Arbeiterköpfe“ prominent vertreten. Die Elemente geometrischer Abstraktion wie auch die konsequent vereinfachten Umrisse und Einzeichnungen bei den Köpfen und Figuren, ihr dichter Wechsel in Frontal- und Seitenansicht, sind Stilmittel, die ursprünglich aus Seiwerts graphischer Arbeit und aus seiner künstlerischen wie politischen Propaganda herrühren (Lot 200, € 90/120.000). Im Verlauf seines Spätwerkes finden sich inmitten der charakteristischen, aus Formen gebauten Kompositionen Serge Poliakoffs immer wieder einzelne Werke von geradezu monochromatischer, sphärischer Qualität, die eine meditative Wirkung ausstrahlen.

Eines davon ist die hier angebotene „Composition abstraite“ aus dem Jahr 1967, die sich aus dem malerischen Schaffen um das Jahr 1967 prägnant abhebt (Lot 106, € 100/120.000). Ernst Ludwig Kirchners bedeutende Lithographie „Tanzende Akte“ von 1914 ist eines von 7 Exemplaren in diesem Zustand und liegt hier in einem Handabzug aus dem Besitz Erich Heckels vor (Lot 135, € 80/120.000). Erich Heckels Leinwand „Frauen im Wald“ aus dem Jahr 1922 ist mit € 90/120.000 bewertet (Lot 137).

Max Liebermanns um 1923 entstandenes Gemälde „Konzert in der Oper“. zählt zu den seltenen Konzertbildern, die Liebermann von Ende der 1910er bis in die frühen 1920er Jahre in der Berliner Staatsoper „Unter den Linden“ malte. Die außergewöhnlichen Stücke dieser Serie entstanden direkt im Saal während der Konzertvorträge, die der Künstler regelmäßig und gern besuchte. Dieser Umstand begründet auch die verhältnismäßig kleinen Formate der Konzertbilder (Lot 181, € 80/120.000). „"Dame in rosa Kleid auf weißem Esel" – Mädchen beim Eselreiten am Strand von Scheveningen“, ein um das Jahr 1901 gemaltes Pastell, ist mit € 70/90.000 bewertet (Lot 183).

Bei € 80/120.000 liegt Ernst Barlachs 49,5 cm große, aus dem Besitz des Künstlers stammende Bronze „Der singende Mann“ von 1928 (Lot 202); seine ebenfalls angebotene, zwei Jahre später entstandene Bronze „Der Zweifler“ ist mit € 60/80.000 bewertet (Lot 203). Leonor Finis Leinwand „Les Adelphes“ von 1968 ist ebenso auf € 80/100.000 geschätzt (Lot 116) wie Maurice Utrillos „Moulin de la Galette á Montmartre“ von 1936 (Lot 196).

Besondere Aufmerksamkeit verdient Gert Heinrich Wollheims „Porträt Heinrich George aus dem Jahr 1928. Wollheim war ein reich veranlagtes Talent, er schrieb Gedichte, spielte Geige, zeichnete, malte, modellierte, er organisierte Ausstellungen, schrieb Bühnenstücke und trat auch gern selbst als Schauspieler auf. Neben alledem hielt Wollheim Vorträge, verfasste Aufsätze und Pamphlete in Zeitschriften wie „Das Ey“ oder „Das Junge Rheinland“. Ganz gleich in welchem Medium, zeichnen sich Wollheims Beiträge durch ihr tiefes Interesse an der menschlichen Existenz aus, sie sind von unbändiger Kraft und zarter Fragilität und dabei selten frei von Humor oder Ironie. Wie nur wenige, vermochte Wollheim die rauschhaften 1920er Jahre mit all ihrem Glanz und ihren Abgründen künstlerisch zu verarbeiten (Lot 144, € 60/80.000).

Auf € 60/80.000 kommt auch ein Akt von Hans Purrmann von 1926 (Lot 197), ein Glasfenster Adolf Hölzes aus demselben Jahr auf € 40/60.000 (Lot 190) und eine ein Jahr später entstandene Leinwand Xanti Schawinskis auf € 35/45.000 (Lot 100), die auch für eine Leinwand Franco Gentilinis aus den 1950er Jahren angesetzt sind (Lot 115).

Moderne Kunst___Evening Sale
08. Dez. 2020, ab 18.00 Uhr, Lempertz Köln

Moderne Kunst___Day Sale
09. Dez. ab 11 Uhr

Vorbesichtigung
Vorbesichtigung (bitte nach Terminvereinbarung): 27. Nov.– 07. Dez.

Kataloge online / Live-Auktion
http://www.lempertz.com/kataloge.html

Veranstaltungen zum Bericht:
Auktion 1162: Evening Sale - Moderne und Zeitgenössische Kunst
Auktion 1163: Day Sale - Moderne und Zeitgenössische Kunst

Quelle: © Kunsthaus Lempertz

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