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Max Beckmann, Die Straße, 1911

Max Beckmann, Die Straße, 1911

Öl auf Leinwand 168 x 118 cm Gerahmt. Unten rechts schwarz monogrammiert, gewidmet und datiert 'HBSL 11' [Herr Beckmann seiner Liebsten].

Losnummer: 35


„Ich warte auf den Riß von oben in der grauen Decke, durch welche ich hineinsehen kann in die Unendlichkeit.“ (Max Beckmann, 1903, zit. nach: Max Beckmann. Frühe Tagebücher, München 1985, S. 16).
Virtuos und mit hoher atmosphärischer Dichte inszeniert Max Beckmann in diesem bedeutenden Frühwerk Stadtraum zwischen zarter Transparenz und bleierner Schwere.
1911 malt Beckmann mit „Die Straße“ seine erste reine Stadt-Landschaft. Gesäumt von Häuserschluchten offenbart sie sich dem Betrachter in beklemmender Leere, bevölkert nur von einer kleinen Gruppe Menschen im Vordergrund. Eine Stadt wie umgestülpt, als paradoxer Hohlraum, als unheimliche Bühne. Vergleicht man das Gemälde mit „Der Kaiserdamm“ (Göpel 142) aus demselben Jahr wird deutlich, welche großen Schritt Beckmann im vorliegenden Werk unternimmt: So ist es weniger die Schilderung des städtischen Milieus, sondern die unbelebte Straße zwischen den sich auftürmenden Mietshäusern, die die Stimmung der Arbeit trägt. Der Künstler wählt hier erstmals einen erhöhten Blickwinkel, der die Szenerie noch klaustrophobischer und die dargestellten Menschen noch winziger und verlassener erscheinen lässt. Die Kühnheit der individuellen Form offenbart sich nicht nur in der Gegenüberstellung mit der Landschaftsmalerei eines Kirchner oder Kandinsky dieser Jahre.
Im Vergleich mit seinen Zeitgenossen zeichnet sich Max Beckmanns Behandlung des Landschaftsthemas durch eine spezifische Dialektik des Aufeinandertreffens von Innen und Außen aus. Innerhalb dieser findet Beckmanns Auseinandersetzung mit der inneren Natur des Menschen stets parallel zu einer nach außen gerichteten Untersuchung der Realwelt und ihrer Erscheinungen statt. (vgl. Jutta Hülsewig-Johnen, Magie der Realität. Max Beckmanns Erscheinung der Landschaftsmalerei, in: Ausst. Kat. Max Beckmann. Landschaft als Fremde Kunsthalle Bielefeld/Kunstforum Wien 1998/1999, S. 33 ff). Auch wenn Beckmann, wie sein Tagebucheintrag verrät, vergeblich auf den eingangs zitierten „Riß in der Decke“, den klärenden Blitz des großen Gewitters wartet, so findet sich in seinen Werken mehr als der fahle Nachschein einer verlorenen universellen Einheit von Natur und Kosmos. Vielmehr leisten seine Arbeiten eine komplexe Befragung einer Welt im Angesicht radikaler Umbrüche.
Prominenente Ausstellungbeteiligungen unterstreichen die museale Qualität dieses exzeptionellen großformatigen Frühwerks. Nach der Fertigstellung widmete es der Künstler als „Herr Beckmann seiner Liebsten“ keiner geringeren als seiner Ehefrau Minna.

Werkverzeichnis

Göpel 151

Provenienz

Atelier des Künstlers; Minna Beckmann-Tube, Berlin/Gauting; Peter Beckmann, Berlin/Gauting/Ohlstadt/Murnau; Privatbesitz Augsburg; Privatbesitz Köln; Galerie Günther Franke, München (1973); Hauswedell & Nolte, Hamburg, 2.6.1977, Auktion 222 Moderne Kunst, Lot 86; Privatsammlung Hessen

Literaturhinweise

Hans Martin Freiherr von Erffa, Erhard Göpel, Blick auf Beckmann, München 1962, S. 98 mit ganzseitiger Abb. Nr. 32; Kulturkreis im Bundesverband der Deutschen Industrie (Hg.), Jahresring 63/64. Beiträge zur deutschen Literatur und Kunst der Gegenwart, Stuttgart 1963, S. 48 mit ganzseitiger Farbabb.; Sarah O'Brien-Twohig, Die Hölle der Großstadt, in: Max Beckmann - Retrospektive, München 1984, S. 94; Christian Lenz, Bilder der Landschaft 1900 - 1916, in: Max Beckmann - Retrospektive, S. 119

Ausstellung

Stuttgart 1946 (Staatsgalerie), Max Beckmann. Grafik [neben 111 Grafiken wurden auch 4 Gemälde und 3 Zeichnungen gezeigt], Nr. 4; München 1952 (Galerie Günther Franke), Max Beckmann. Werke der Frühzeit, Kat. o. Nr.; Bremen/Braunschweig 1953 (Kunsthalle/Kunstverein), Max Beckmann 1884 - 1950. Gedächtnisausstellung. Werke aus 5 Jahrzehnten, Kat. Nr. 29 (dort betitelt "Vorstadtstraße" und datiert 1913); Würzburg 1956 (Städtische Galerie), Max Beckmann 1884 - 1950. Gedächtnisausstellung, Kat. Nr. 23; München 1984 (Haus der Kunst), Max Beckmann - Retrospektive, S. 119, Abb. Nr. 10


Veranstaltungshinweise:

Am 03.12.2021 Auktion 1187: Moderne und Zeitgenössische Kunst - Evening Sale


Schätzpreis: 200.000 - 300.000  EURO

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