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Schlüsselwerke des Expressionismus

Hermann Max Pechstein, Selbstbildnis liegend, 1909

Überragendes Werk dieser hochklassig besetzten Auktion ist das „Selbstbildnis, liegend“ (Lot 43) von Hermann Max Pechstein mit einer Erwartung von 1,5 bis 2 Millionen Euro. 1909 ist es in einer künstlerischen Hochphase Pechsteins und zu Beginn seines Durchbruchs als freischaffender Künstler entstanden. Am 6. Juni wird dieses Schlüsselwerk des Expressionismus im Evening Sale Moderne und Zeitgenössische Kunst aufgerufen. Für Lovis Corinth war die späte Phase seines Schaffens von besonderer Bedeutung, hier entstand sein prachtvolles großformatiges Stillleben „Zinnien“ (Lot 24 / € 300/400.000). Von Ernst Ludwig Kirchner stammt das bedeutende Blatt „Zwei Frauen“ (Lot 31 / € 300/350.000), ehemals Sammlung Max Sauerlandt. Auch der „Tagesspuk auf dem Hauptplatz“ (Lot 61 / € 170/200.000) von Paul Klee kann mit der Sammlung Heinrich Stinnes auf eine hervorragende Provenienz verweisen. Ernst Wilhelm Nay ist mit mehreren bedeutenden Werken in der Auktion vertreten. An der Spitze steht dabei „Mit weißer Spindel“ (Lot 37 / € 400/500.000) aus der besonders spannenden Spätphase des Künstlers. Emil Nolde ist mit einer abwechslungsreichen Auswahl bemerkenswerter Aquarelle vertreten (Schätzpreise zwischen € 60.000 und € 150.000). Eröffnet wird die Auktion mit mehreren Blättern von Lyonel Feininger (Lots 1-9, Schätzpreise zwischen € 20.000 und € 40.000) aus der Sammlung des Düsseldorfer Architekten Walter Brune, darunter vor allem maritime Stücke, in denen Feininger teilweise sehr persönliche Einblicke in sein Leben gewährt.

Mit dem „Selbstbildnis, liegend“ setzt der damals 28jährige Max Pechstein ein Statement: In kräftigen, leuchtenden Farben zeigt er sich als Maler, zentral im Bild mit der Palette in seiner rechten, dem Pinsel in seiner linken Hand. Den Betrachter hat er fest im Blick. Erst kurz zuvor gelang ihm mit der Frühjahrs-Ausstellung der Berliner Secession der Durchbruch, nach dem er auch am Markt erfolgreich war. Mit entsprechendem Selbstbewusstsein setzt er sich hier erstmals auf Leinwand gemalt großformatig ins Bild. Dieses Selbstbewusstsein ist auch künstlerisch gerechtfertigt, denn eine neue Ästhetik war gefunden: „Das Eis war gebrochen, und meine Kunst, später von Kunstwissenschaftlern als ‚Expressionismus‘ bezeichnet, hatte sich den Anfang des Weges errungen“, sagte er später über den Wendepunkt, an dem das „Selbstbildnis, liegend“ entstand (zit. nach Aya Soika, Max Pechstein. Das Werkverzeichnis der Ölgemälde, Bd. 1, München 2011, S. 13). Pechstein zeigt in diesem Werk seinen vollständig entwickelten Stil: Mit den in großen Flächen komponierten leuchtenden Farben des „Selbstbildnis, liegend“ hat er sich von Vorbildern wie Van Gogh oder dem Pointillismus emanzipiert. Dieser Stil sollte auch für die Künstlervereinigung „Brücke“ prägend werden, zu deren führendem Kopf Max Pechstein wurde. Früh erkannten die Sammler, aus deren Kollektion das Werk kommt, dessen herausragende Bedeutung. In den rund 90 Jahren, in denen sich das Werk in derselben Rheinischen Privatsammlung befand, wurde dieses Schlüsselwerk des Expressionismus in zahlreiche Ausstellungen geliehen. Am 6. Juni ist es marktfrisch mit einer Erwartung von 2 Millionen Euro in der Auktion.

Lovis Corinth fand in seiner Spätphase zu seiner persönlichen Interpretation des Expressionismus, die sich besonders in den Blumenstillleben wie den „Zinnien“ (Lot 24, € 300./400.000) zeigt. In seinem Garten am Walchensee schwelgte er in den Farben der Natur, die sich in seiner Malerei wiederfinden. Hier mischt sich aber immer auch etwas Gedecktes in seine Palette, die den Vanitas-Charakter jedes Stilllebens und gerade der reifen Werke Corinths sichtbar machen. Ein Jahr vor seinem Tod entsteht mit den „Zinnien“ ein bedeutendes Beispiel dieser Phase, in der Corinth Frische und Vergänglichkeit der Natur auf die Leinwand bringt.

Mit den „Zwei Frauen“ ist eine bedeutende und äußerst persönliche Arbeit auf Papier von Ernst Ludwig Kirchner im Aufruf (Lot 31, € 300/350.000). In dieser 1912 in Pastell und Kohle entstandenen Arbeit schlägt sich sein Umzug in die von Fortschritt und Geschwindigkeit geprägten Metropole Berlin nieder. Die entschieden gesetzten Linien seiner Zeichnungen bilden ab dieser Zeit längere und elegantere Formen. In Berlin lernte er die Portraitierten kennen, die Schwestern Gerda und Erna Schilling, zu denen er eine tiefere Beziehung knüpfen sollte – mit Gerda war er kurz, mit Erna längere Zeit liiert. Die Komposition dieses Blattes, das sich in der Sammlung Max Sauerlandts befand, griff Kirchner in späteren Gemälden wieder auf.

Das Blatt mit Aquarell und Tuschfeder „Tagesspuk auf dem Hauptplatz“ (Lot 61, € 300/350.000), das Paul Klee 1929 schuf, zeigt seine Begeisterung für das Phantastische. Eine Szene auf einem Marktplatz wird durch lasierende Farben atmosphärisch belebt. Sie wird von einem freundlichen Spuk heimgesucht, der sich als Kreisformen um einzelne Figuren legt. Paul Klee findet hiermit eine heitere Weise, jene Zwischenwelt zwischen Wirklichkeit und Phantasie zu zeigen, die ihn so beschäftigte. Mit der Sammlung Heinrich Stinnes hat das Blatt eine hervorragende Provenienz.

In seiner Reifephase fand Ernst Wilhelm Nay zu einem neuen, kraftvollen Stil. Flächig angelegte Farben scheinen miteinander zu tanzen, den Bildraum gleichberechtigt zu nutzen. „Mit weißer Spindel“ (Lot 37, € 400/500.000) ist ein Spätwerk, in dem sich dieser Stil voll aufgeprägt hat. Hier scheinen die Farben um eine zentral gesetzte Spindelform in strahlendem Weiß. Ein Jahr vor seinem Tod hat Ernst Wilhelm Nay hiermit eines der bedeutendsten Werke seiner Reifephase geschaffen.

Evening Sale 1223
Moderne und Zeitgenössische Kunst 6. Juni 2023, ab 18.00 Uhr, Lempertz Köln

Vorbesichtigung
Köln 1. – 5. Juni 2023

Kataloge online / Live-Auktion https://www.lempertz.com/de/auktionskataloge.html

Veranstaltungen zum Bericht:
Auktion 1223: Evening Sale - Moderne Kunst + Zeitgenössische Kunst

Quelle: © Kunsthaus Lempertz

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