 Frank Bauer ist Richter Schüler, ist DJ, ist szenekundig. Die Technik der Wahrnehmungsmanipulation, des unmerklichen Verwischens von Tiefenschärfen beherrscht er ebenso wie die illusionistische Wiedergabe von Details in Stofflichkeit, Farbe und Licht. Wenn er Freundschaftsbilder und Stilleben malt, knüpft er an traditionelle Bildgattungen des 17.-19. Jahrhunderts an, doch unter seinen Händen verwandelt sich die "tote Materie" in Spuren prallen Lebens. Auch wenn zunächst nur die Reste davon als Abfall sichtbar sind.
Überquellende Aschenbecher, abwaschbedürftiges Geschirr, Batterien leerer Flaschen und halbvoller Gläser, Korken, Koks- und Fastfoodreste, bunte Plastikverpackung, Rauch- und Schminkutensilien türmen sich auf Tischen und schmutzigen Spülen. Doch wenn Bauer sie als Stillleben malt, erhält jeder Gegenstand ein wunderbares Eigenleben, gewinnt Raum, Stofflichkeit und Farbe. Die Reste von Absturzparties gerinnen zu Spuren von Sinnlichkeit, Lust und Verschwendung, die abhängenden Freunde zu einem frei fließenden Durcheinander von Körper, Stoff und Farbe.
Frank Bauer zeichnet zum einen das Bild der 89er Generation, die Club-Szene mit ihren lasziven Pro-Secco-Babies, grell, geschminkt, genussvoll, bunt und bisweilen ein bißchen bedröhnt. Das ist eine Seite. Die andere Seite der After Hour-Parties sind Gesten von Nachdenklichkeit, Intimität und Freundschaft, Momente stillhaltenden Lebens, die nur das Foto zu erfassen vermag und die des gemalten Bildes bedürfen, um Eindringlichkeit zu gewinnen - um ein bißchen länger zu dauern. Katja, Sasha, Cyntia, Hansa, Tim, Georgios - Bauer benennt seine Freunde. Ihnen widmet er seine Kunst, besonders eindringlich in dem großformatigen Beerdigungsbild für Muscha, der seinem Leben frühzeitig ein Ende gesetzt hat. Durch die Sonnenschleier verschwimmenden Grüns, durch Blätter, Bäume, bunte Blumen sieht man schemenhaft den schwarzen Trauerzug.
Bauer betont, dass er die selbst geschossenen Fotovorlagen nur geringfügig verändert. Doch vergleicht man die gemalten Motive mit der Realität, so spürt man nicht nur die aufgeladene Atmosphäre von Nähe und Kontakt, sondern auch die abstrahierende Kraft der Malerei. "Das gemalte Bild ist wichtiger als die Realität" behauptet der amerikanische Fotorealist Ralph Going, und auch Bauer lässt sich von den Vorlagen disziplinieren, um den spontanen Momenten Gewicht, Dauer und Zukunft zu verleihen. "The Day After", der Tag danach, bedeutet nicht nur Kater, sondern auch Zeit, Orientierung und Neuanfang.
Die Ausstellung begleitet ein umfangreicher Katalog , überzeugend im Design, großzügig im Format, gewidmet einer langjährigen Zusammenarbeit.
Galerie Voss, bis 17.1.2004, di-fr 11-18.30, sa 11-14.00 Uhr, Mühlengasse 3
Christiane Dressler in: Rheinische Post vom 17.12.2003
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