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Patrick Lemke

Innerhalb der jungen Deutschen Malerei nimmt der 1972 in Montreal, Kanada, geborene PATRICK LEMKE eine besondere Position ein. Ursprünglich hatte Lemke seine Malerkarriere an der Universität der Künste Berlin bei Prof. Fritz Weigle begonnen. Bei Weigle, der als Vertreter der Frankfurter Schule unter dem Pseudonym F. W. Bernstein auch als Karikaturist des Zeit-Magazins bekannt geworden ist, hat Lemke vor allem fotorealistische Schwarz-Weiß-Arbeiten angefertigt. Nach dem Wechsel an die staatliche Kunstakademie Düsseldorf zu Markus Lüpertz arbeitete der junge Künstler zunächst ungegenständlich aber buntfarbig. Ähnlich wie der etwas ältere Daniel Richter hat sich Lemke nach ausgedehnter Beschäftigung mit der Abstraktion anschließend mit neuem Interesse der gegenständlichen Kunst zugewandt. Das bisher größte Werk des Künstlers entstand im Jahr 1999 in Karlsruhe, auf über 150 Metern gestaltete der Künstler ein Panoramabild von 4,70 Höhe.

Ästhetisch sind die Arbeiten des Zweiunddreißigjährigen einem großen Publikum auffallend zugänglich; sie sind schön und vexierbildhaft zugleich. Dabei wählt Lemke geprägt durch den im Studium erworbenen kunsthistorischen Horizont bevorzugt eine Bildgattung, die nicht unbedingt für ihre besondere motivische Freiheit bekannt ist: die Landschaft. Lemke, ein Kind des Medienzeitalters, der die Generation von Technomusik und virtuellen Welten vertritt, entdeckt die traditionelle Gattung des Landschaftsbildes neu. Er tut dies inhaltlich und auf eine unnachahmliche Weise. Patrick Lemke hat dabei eine persönliche Handschrift gefunden, die seine Bilder unverwechselbar macht. Technisch sind seine Arbeiten in großer Souveränität als Mischtechnik in Öl und Lack auf Leinwand ausgeführt. Lemke verwendet bevorzugt Bildformate, die den Harmoniegesetzen der französischen Akademietradition folgen.

Innovation liegt vor allem darin, wie Lemke in seinen Gemälden die Parameter der Wirklichkeit archiviert und neu ordnet. Sein „Flächennutzungsplan“ für Landschaften zeigt separierte Farbfelder. Die meisten seiner Landschaften sind in Gruppen von „Himmelstudien“ oder „Landschaftstudien“ aufzuteilen. Lemke setzt seine Farben als „Dingfarben“ ein. Das Blau ist der Himmel, Weiß die Wolken, Grün die Erde, weiße Spraypunkte erinnern an Lichtreflexe. Bei den Himmelstudien werden auf hellblauem Grund verschiedene Blautöne für Mittag oder Abend zusammen mit Blauimpressionen eines südlichen oder nördlichen Himmels in Szene gesetzt.

Gelegentlich bettet Lemke auch Elemente der Mythologie oder Allegorie in seine Bilder ein, wenn etwa ein kleiner Cupido oder auch nur Pfeile oder Sterne in der Luft erscheinen. Neben diesen symbolhaften Elementen traditioneller Hochkultur weitet Lemke sein enzyklopädisches Interesse auch gelegentlich auf andere Elemente der Luft aus, wie Fliegen, Wildgänse, selten Flugzeuge, Raketen, Heißluftballons oder Regentropfen. Die Landschaftsstudien zeigen auf blauem Grund grüne Grundstücke, Häuschen oder Wolken und gelegentlich Details der urbanen Welt, wie Straßen mit Fahrbahnmarkierungen, Ampeln, Telefonzellen oder Hochspannungsleitungen.

Lemke begegnet mit seinen Gemälden der Erwartungshaltung der Rezipienten, was denn nun auf ein Landschaftsgemälde gehört. Lemkes Innovation besteht vor allem darin, die Elemente der Landschaft neu zu ordnen und in die Gegenwart zu transformieren. Seine Landschaften erinnern deshalb an Flugsimulatoren oder die typischen Windows-Bildschirmschoner, in denen zentralperspektivische Elemente auf den Betrachter zufliegen. Die Aufgliederung der Landschaftsräume folgt damit auch klassischen Computerspielen wie „Sim City“ oder „Anno 1649“.

In anderen Bildern beschäftigt sich Lemke mit dem Prinzip des Zufalls. Terpentin- oder Farbspritzer werden großflächig auf der Leinwand verteilt. Kleine farbige Kästchen an der Seite erinnern an Schalter oder Farbproben bei gedruckten Meterwaren von Stoffen. Man ist versucht den Farben automatisch eine tiefere Bedeutung zu geben. Weitere Akzente setzten kleine Staffagefiguren. Im freien Fall oder in verschiedenen Posen erscheinen kleine Jungs. Sie erinnern an Skateboardfahrer oder Festivalbesucher. Dabei scheinen einige ikonografischen Mustern z.B. des Christusbildes oder des Christopherusbildes verpflichtet. Ausgangspunkt dieser Arbeiten sind formale Kriterien. Lemke liefert eine Persiflage auf Wassily Kandinsky oder Paul Klee, die in ihren ungegenständlichen Werken Räumlichkeit zu einem Hauptthema machten, wenn er mit seinen Figuren dem Raum Proportion und Perspektive verleiht. Gerade mit der Staffage seiner Arbeiten irritiert Lemke die Betrachter durch perspektivische Volten und Spielereien.

Colmar Schulte-Goltz M.A., Kurator des kunst-raums

Quelle: © kunst-raum, Raum für junge Kunst

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