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Schinkels Persische Vasen für den preußischen Hof

Dreiteiliger „Persischer“ Vasensatz mit „fleurs en terrasse“-Dekor, KPM Berlin, 1837-1844

Den Auftakt der NEUMEISTER Sommerauktion macht am 23. Juni die Versteigerung von Kunsthandwerk und Antiquitäten. Besonderer Höhepunkt beim Porzellan sind drei große Persische Prunkvasen der Königlichen Porzellanmanufaktur Berlin, nach einem Entwurf von Karl Friedrich Schinkel von 1823. Der Vasensatz mit „fleurs en terrasse“-Dekor wurde den Marken nach zwischen 1837 und 1844 für den preußischen Hof gefertigt. „Persisch“ war die Form der beiden kleineren, balusterförmigen Seitenvasen, die vom maurischen Stil beeinflusst (Alhambra-Vasen) sind, während die größere Mittelvase römische Amphoren zum Vorbild hat. Die Wandungen sind mit reicher, polychromer Blumenmalerei dekoriert, für die der Hof eine besondere Vorliebe hatte, darunter Tulpen, Narzissen, Glockenblumen und Rosen (Lot 8, Schätzpreis € 140.000 – 160.000).

Für eine Delfter Doppelkürbisvase (Lot 3), um 1680, mit Blütenstauden, Insekten, Kartuschen mit Chinesen in Parklandschaft, einem Affen, Drachen und Vogel zwischen Blütenstauden, in charakteristischer Blaumalerei aus einer norddeutschen Privatsammlung, werden € 5.000 – 7.000 erwartet. Eine formschöne Meissener Bouillonterrine mit zwei Volutenhenkeln und flachgewölbtem Deckel mit Pilzknauf und Unterschale, um 1725/30, fasziniert mit einem bunten Dekor in mehrpassiger Goldrankenkartusche auf Lüsterfond und eisenroten Ranken bzw. roten Ringlinien sowie Chinesen in Parklandschaften (Lot 13, Schätzpreis € 8.000 – 8.500).

Bei den Möbeln verdient ein süddeutscher Schrank, vermutlich Mainfranken, aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, besondere Beachtung. Beeindruckend die Verwendung verschiedener Furniere, Nussbaum, Nussmaser, Zwetschge und Ahorn sowie die schöne Bandwerkmarketerie und der Reliefdekor mit Rocaillen und Blattornamenten (Lot 118, Schätzpreis € 10.000 – 14.000).

Unter den Skulpturen fällt besonders ein Putto aus der Werkstatt des Meinrad Guggenbichler (1649 Einsiedeln / Schweiz – 1723 Mondsee/Oberösterreich) auf: Der Kopf in charakteristischem Guggenbichlerischem Typus mit hoher Stirn und bewegter Haartracht, wie er sich etwa an den säulentragenden Engeln am Speisealtar der ehem. Stiftskirche in Mondsee findet (Lot 111, Schätzpreis € 2.800 – 3.000).

Außergewöhnliche Uhren aus einer norddeutschen Privatsammlung ergänzen das reiche Angebot an exquisitem Kunsthandwerk: Eine französische Kaminuhr „à l’Eléphant“, Louis XV, wohl aus der Mitte des 18. Jhs. von Gille L’Ainé, Paris, zeigt einen auf einem Terrainsockel stehenden, trompetenden Elefanten, der die Uhrtrommel mit einem Putto als Bekrönung trägt (Lot 141, Schätzpreis € 8.000 – 10.000). Eine Tischuhr „Porte Montre“ mit Schreibzeug, Paris/Zürich um 1800, ebenfalls mit einem Tiermotiv, hier mit einem Hund, der eine Spindeltaschenuhr von Christofle Zeller in einem Korb trägt, ist mit € 5.000 – 7.000 taxiert (Lot 142).

Ein Highlight im wahrsten Sinne des Wortes ist ein achtflammiger Kronleuchter mit dreistufigem Aufbau und reichem Glasprismenbehang der Berliner Bronzewarenfabrik Werner & Mieth, um 1800 – 1810. Über mehr als vier Jahrzehnte hinweg waren Werner & Mieth die bedeutendsten Berliner Hersteller kunsthandwerklicher Bronzewaren, darunter auch phantasievolle Kronleuchter mit feingeschliffenem Glasbehang. Vor allem Dank der besonderen Qualität und der großen Bandbreite der Anfertigungen gelang es Werner & Mieth internationale Anerkennung zu gewinnen (Lot 129, Schätzpreis € 22.000 – 24.000).

Begeisterung bei den Jugendstilsammlern dürfte ein formschöner Mahagoni-Schreibtisch nach einem Entwurf von Richard Riemerschmid 1903 hervorrufen, der mit € 5.000 – 7.000 geschätzt ist, ausgeführt von den Deutschen Werkstätten für Handwerkskunst, Dresden-Hellerau, 1907 (Lot 78).

Die Schmuckofferte hält ab 17.00 Uhr eine Vielzahl von Glanzstücken parat. Versteigert werden unter anderem drei Armreife mit Farbsteinen und Diamanten, vermutlich ein Geschenk von König Ludwig II., an Eugenie von Dollmann (Lot 190, Schätzpreis € 2.000 – 2.500). Ebenfalls von fürstlicher Provenienz ist das Armband mit Diamanten und Zuchtperlen, das Königin Marie Sophie von Sizilien – Sisis Schwester – ihrer Nichte Fürstin Margarethe von Thurn und Taxis geschenkt hat (Lot 210, Schätzpreis € 4.500 – 5.500).

Herrschaftliche Schmuckstücke mit exotisch-geheimnisvoller Aura sind ein prächtiges indisches Hochzeitscollier, verziert mit Smaragden, Diamanten und Rubinen (Lot 150, Schätzpreis € 12.000 – 15.000) sowie ein mit rosa Turmalinen und Diamanten besetztes Mogul-Collier (Lot 166, Schätzpreis € 4.000 – 5.000), beide aus der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Zum Aufruf kommen des weiteren zahlreiche Ohrringe und „tierische“ Pretiosen, die sich seit jeher großer Beliebtheit erfreuen. Mit Spannung wird erwartet, wem die um 1890 in England gefertigte, mit Diamantrosen verzierte Schwalben-Brosche zufliegt (Lot 195, Schätzpreis € 1.500 – 2.000).

Fortgesetzt wird die Auktion am 24. Juni um 15.00 Uhr mit Graphik und Gemälden des 15. – 20. Jahrhunderts. Absoluter Höhepunkt der Auktion ist ein 1606/07 datiertes Damenbildnis von Peter Paul Rubens. Es lässt nicht nur aufgrund seiner herausragenden Qualität, sondern auch aufgrund seiner höchst interessanten Entstehungsgeschichte – zeigt das Bildnis doch eine während des Porträtierens verwitwete Dame – ein herausragendes Ergebnis erwarten (Lot 334, Schätzpreis € 200.000 – 300.000). Diesem außergewöhnlichen Werk ist auch die Titelstory unseres NEUMEISTER Magazins gewidmet.

Auch andere Alte Meister dürften für Bietgefechte sorgen. Etwa der „Traum des Paris“, ein großformatiges mythologisches Gemälde aus dem Umkreis des Jacob Adriaensz. Backer (1608 – 1651), das mit € 20.000 – 30.000 taxiert ist (Lot 330). Oder die „Anbetung der Könige“ von Benjamin Gerritsz.Cuyp (1612 – 1652), der die Heilige Familie alles andere als idealisierend wiedergibt. Ihre Gesichter zeichnen sich, wie jene der weiteren Figuren, durch fast bäuerliche Züge aus (Lot 328, Schätzpreis € 10.000 – 15.000).

Freunde erlesener Porträts kommen ebenfalls auf Ihre Kosten. Aufgerufen wird unter anderem ein Bildnis der Marquise de Montespan, „Maitresse Royale en Titre“, Ludwigs des XIV., aus dem Umkreis Pierre Mignards (1612 – 1695) (Lot 340, Schätzpreis € 5.000 – 6.000). Im Umkreis des Salomon Adler (1630 – 1709) wird ein fulminantes barockes, unter venezianischem Einfluss entstandenes Herrenporträt eines unbekannten Grafen verortet (Lot 342, Schätzpreis € 10.000 – 12.000).

Aus dem Nachlass des Wiesbadener Bauunternehmers und Kunstmäzens Reiner Winkler (1925 – 2020) kommen mehrere Gemälde Alter Meister zum Aufruf, die vom vielfältigen Interesse des Sammlers und seinem sicheren Kunstgeschmack zeugen. Im Gemälde von Josef Ignaz Mildorfer (1719 – 1775) „Apollo und Melpomene“ nähert sich Apollo der Muse der tragischen Dichtkunst, ausgezeichnet durch die umgehängte tragische Maske. Er fasst sie liebevoll an ihrem rechten Arm. Ein Putto zieht Melpomene den Schleier der Trauer vom Gesicht. Rechts Putten mit Malutensilien, links eine männliche Gestalt und ein bezwungener Satyr nach dem Kampf (Lot 375, Schätzpreis € 8.000 – 10.000). Der Tod der Sophonisbe wird in einem Gemälde von Ottmar Elliger (1666 – 1735) thematisiert (Lot 374, Schätzpreis € 10.000 – 5.000). Schließlich zeigen zwei Ideallandschaften mit Figurenstaffage von Gottfried Wals (um 1600 – 1638) (Lot 349 und 350, Schätzpreis jew. € 10.000 – 15.000) das vielfältige Interessensgebiet des Sammlers Reiner Winkler.

Im 19. Jahrhundert wird unter anderem die Sehnsucht nach Italien geweckt: In Landschaftsgemälden von Antal Ligeti (1823 – 1890), mit einem Blick auf die Bucht von Palermo (Lot 396, Schätzpreis € 20.000 – 30.000) und Johann Nepomuk Ott (1804 – 1870), auf die Bucht von Neapel (Lot 397, Schätzpreis € 2.000 – 3.000). Heftig umworben wird wohl auch eine junge, an einer Waldquelle sitzende Römerin von August Riedel sein (Lot 389), die mit € 10.000 – 15.000 geschätzt wird. Dieses Gemälde ist 1840 datiert, dem gleichen Jahr, in welchem auch Riedels berühmte „Judith“ (Neue Pinakothek, München) entstand.

Werke Münchner Maler des 19. Jahrhunderts dürfen bei einer NEUMEISTER Auktion selbstverständlich nicht fehlen: Josef Wopfner lädt mit seinem „Ave Maria auf dem Chiemsee“ zu stiller Andacht ein (Lot 428, Schätzpreis € 20.000 – 30.000). Die Tiermaler Heinrich von Zügel (Lot 436, Schätzpreis € 12.000 – 15.000) und Alexander Koester (Lot 316, Schätzpreis € 5.200 – 5.500) sind mit Schafen bei der Rast bzw. Enten am Seeufer vertreten.

Fortsetzung findet die Auktion um 17.00 Uhr mit der Versteigerung der Klassischen Moderne und Zeitgenössischen Kunst. Bemerkenswert hier vor allem die Arbeiten von Hélène de Beauvoir, geb. 1910 in Paris, die im Alter von 15 Jahren beschloss, Malerin zu werden und sich fortan aus dem Schatten Ihrer älteren, berühmten Schwester Simone de Beauvoir zeichnete. Sie hinterließ ein beachtliches Oeuvre von Ölgemälden und Graphiken. Das belegen Arbeiten wie „La fleur interdite“ (1971) (Lot 522, Schätzpreis € 8.000 – 10.000) und „Il veut tout prendre“ (1975) (Lot 523, Schätzpreis € 7.000 – 8.000), zwei der insgesamt vier zum Aufruf gelangenden Ölgemälde der Künstlerin.

Der ebenfalls in Paris geborene Maurice Utrillo startet mit 19 Jahren als Maler. Poetisch-naive Bilder von Paris machen ihn berühmt, vor allem das romantische Bild von Montmartre als Quartier der Bohème wird durch seine Werke geprägt. Dass Utrillo auch weiss, wie sich Städte und Landschaften nördlich der Hauptstadt in Szene setzen lassen, belegt das Gemälde von 1898 in unserer Sommerauktion, das eine „Bahnhofsbrücke in Caen“ zeigt (Lot 500, Schätzpreis € 20.000 – 30.000).

Aus einer Firmensammlung, der Hannover Leasing, stammen einige Highlights aus dem Bereich der Contemporary Art. Nennenswert hier vor allem Rupprecht Geigers Farbkomposition „864/93“ von 1993 in leuchtendem Gelb (Lot 538, Schätzpreis € 40.000 – 60.000). Zwanzig Jahre zuvor, 1973, malte Fred Thieler, einer der Pioniere des Deutschen Informel, das Werk „Moonlight“ (Lot 527), für das mindestens € 8.000 – 12.000 erwartet werden.

Acht, teils großformatige Werke, wie zwei Diptychen ohne Titel von 1986 (Lot 552, Schätzpreis € 15.000 – 20.000) bzw. 1987 (Lot 554, Schätzpreis € 15.000 – 20.000) aus der Firmensammlung stammen von Andreas Schulze. 1955 geboren, zählt er zu den interessantesten deutschen Malern seiner Generation. Mit seiner figurativen, farbintensiven und sinnlichen Malerei wird er gerne den „Neuen Wilden“ der 1980er Jahre zugeordnet, bleibt aber stets Autodidakt. Die Arbeiten des in Köln lebenden Künstlers, der 2010 den Cologne Fine Art Prize erhielt, waren und sind in zahlreichen nationalen und internationalen Einzellausstellungen in Galerien und Museen zu sehen.

Besondere Aufmerksamkeit verdienen die 11 Metall-Leuchtkästen mit dem Titel „5. Expedition Huber“ (Lot 565, Schätzpreis € 4.000 – 6.000) und die dreiteilige Arbeit „Landkarten“ (Lot 558 ff., Schätzpreis € 2.000 – 3.000) des Objektkünstlers und Bildhauers Stephan Huber (geb. 1952).

23. Juni
15 Uhr Kunsthandwerk und Antiquitäten
17 Uhr Schmuck

24. Juni
15 Uhr Graphik und Gemälde 15. – 20. Jh.
17 Uhr Moderne, Post War & Contemporary Art

Besichtigung
17. – 21. Juni
Täglich 10 bis 17 Uhr. Sa/So 10 bis15 Uhr

Veranstaltungen zum Bericht:
Auktion 401: Kunsthandwerk, Antiquitäten und Schmuck
Auktion 401: Graphik und Gemälde 15. - 20. Jh., Moderne, Post War & Contemporary

Quelle: © Neumeister Münchener Kunstauktionshaus

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