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Herbstauktion bei Neumeister in München

Kaffeekanne, Malerei Johann Georg Mehlhorn d.J. zugeschrieben, Meissen um 1723

Der Chronologie folgend, beginnt die NEUMEISTER Herbstauktion am 22. September mit der Versteigerung von Kunsthandwerk und Antiquitäten. Höhepunkt beim Porzellan sind zwei um 1723 entstandene Meissener Kaffeekannen aus Böttgerporzellan, eine mit Malerei, die Johann Georg Mehlhorn d. J. zugeschrieben wird (Lot 47 und 48). Für Liebhaber von seltenen deutschen und französischen Fayencen werden zu sehr moderaten Schätzpreisen zwischen € 100 und € 500 zwei Sammlungen mit insgesamt 47 Losen aufgerufen, die eine hohe Wertsteigerung erwarten lassen. Sammler von Figuren aus der Nymphenburger Porzellanmanufaktur dürfte die Figurengruppe „Der Tag“ (Lot 86), nach einem Entwurf von Josef Wackerle begeistern. Das Gegenstück zu „Der Nacht“, die in der Ausstellung „Bayerisches Kunsthandwerk 1925“ in München zu sehen war, wird mit einer seltenen frühen Bemalung für € 2.600 – 3.000 angeboten.

Beim Silber fasziniert eine, um 1600 gefertigte, teilvergoldete Abendmahlskanne (Lot 66) mit reichem ziseliertem und graviertem Dekor, bekrönt von einem Pinienzapfenknauf, ehemals ein Geschenk der Anna Margaretha von Promnitz (1604 – 1645), geb. von Putbus, an die Kirche von Sorau (Schätzpreis € 18.000 – 24.000). Von höchster kunsthandwerklicher Qualität ist ein süddeutscher Elfenbeinbecher (Lot 120), wohl entstanden im 19. Jahrhundert, mit reichem Reliefdekor, Puttenreigen mit Musikinstrumenten. Die Vorderseite des mit € 4.000 – 5.000 taxierten Bechers, ziert das bekrönte Wappen der Fürsten von Thurn und Taxis.

Ein besonderer Höhepunkt im Bereich der Skulpturen ist die um 1640 entstandene, Francesco Mochi zugeschriebene, vergoldete Bronzestatue (Lot 132). Haltung und Ausdruck des Knienden legen eine Interpretation als Apostel Thomas nahe, der die Auferstehung Jesu bezweifelt, bis er dessen Seitenwunde berührt (Joh 20, 19-29). Die vermutlich für die private Andacht eines hochstehenden Geistlichen bestimmte Kleinplastik Francesco Mochis, dem neben Gian-Lorenzo Bernini bedeutendsten Bildhauer des römischen Barock, ist mit € 15.000 – 18.000 geschätzt.

Aus einer bedeutenden oberschwäbischen Sammlung kommen drei gotische Skulpturen zum Aufruf: Ein, um 1510 entstandener Heiliger Sebastian (Lot 128), taxiert mit € 12.000 –14.000, ein Hl. Johannes der Täufer, aus dem Umkreis Michel Erharts, um 1480 (Lot 125, Schätzpreis € 9.000 –11.000) sowie ein reich beschnitztes Relief mit Darstellung der Marienkrönung des Meisters des Pulkauer Altares (Lot 130), taxiert mit € 35.000 – 38.000.

Bei den Möbeln verdient ein österreichisch/böhmischer Kommodenaufsatz-Schreibschrank (Lot 149) aus dem 18. Jh. besondere Beachtung. Das erlesene Möbelstück beeindruckt nicht nur durch die Verwendung edler Hölzer, sondern vor allem durch seine fein ausgeführte Darstellung eines höfischen Paares bei der Jagd auf der Tabernakel-Tür und seinen überaus reichen Bandwerkdekor mit Papageien und Laubwerk. Eine Kommode (Lot 151), um 1740 von den Münchner Hofwerkstätten gefertigt, dürfte aufgrund ihrer Provenienz von großem Interesse sein. Die mit € 15.000 – 20.00 geschätzte Kommode gehört zu einer Gruppe von neun gleichartigen Kommoden. Sieben von ihnen befinden sich heute im Neuen Schloss Bayreuth bzw. im Besitz des Wittelsbacher Ausgleichsfonds. Unter Herzog Clemens von Bayern (1722 – 1770) waren drei Exemplare in seinen Schlafzimmern in Nymphenburg und Schleißheim bzw. in seinem dortigen Kabinett aufgestellt.

Im Bereich der Angewandten Kunst des 20. Jahrhunderts sind die vier „Chinese Chairs“ (Lot 107 –110) aus Lucite, Plexiglas, Acryl, Messing und verchromtem Stahlrohr von Karl Springer (1931–1991) aus den 1980er Jahren besonders hervorzuheben. Das unermüdliche Streben des in New York tätigen Designers nach hoher Qualität, ein unvergleichliches Gefühl für Proportionen, einfache Formen, Liebe zum Detail und Hingabe an kompromisslose Handwerkskunst trugen maßgeblich zum Erfolg Karl Springers bei.

Die Schmuckofferte hält ab ca. 16.00 Uhr eine Vielzahl von Glanzstücken parat. Besondere Erwähnung verdient eine Sammlung von Antikschmuck aus der römischen Kaiserzeit (1.– 3. Jh. n. Chr.). Überwiegend handelt es sich um antike Ohrringe (Lot 205), darunter Exemplare, die in der Tradition der etruskischen Bügelohrringe stehen, aber auch Schildohrringe in neuer „römischer“ Form. Versteigert wird desweiteren edler Perlenschmuck, darunter eine historische Naturperlenkette (Lot 245) von B. Noury für Mauboussin, Paris, 1895 –1914. Ein besonderes Highlight ist eine Weissgold-Brosche (Lot 326) mit Smaragd und Diamanten aus den 1960er Jahren, die auch als Anhänger getragen werden kann und aus dem Besitz von Else Moshammer stammt (€ 24.000 – 26.000). Hohe Erwartungen gelten einem zur Brosche verwandelbaren amerikanischen Art Déco Platin-Anhänger (Lot 319), besetzt mit Diamanten im Alt -und Baguetteschliff von zus. ca. 10 ct, der für € 13.500 – 16.000 angeboten wird.

In guter Auswahl steht hochkarätiger Armschmuck im Angebot. Für ein breites Armband in Roségold, (Lot 266) besetzt mit ca. 190 verschiedenfarbigen Saphiren im Ceylonschliff in leuchtenden Gelb- und Orange-, Blau- und Grüntönen werden € 26.000 – 28.000 erwartet. Indischer Hochzeitsschmuck war bereits in der letzten Auktion stark nachgefragt, daher freuen wir uns besonders, auch in der Herbstauktion einen wunderschönen, um 1910 gefertigten indischen Hochzeitsarmreif (Lot 213) anbieten zu können. Verziert mit Diamantrosen und farbigem Email und zwei sich anschauenden Elefantenhäuptern, symbolisiert er Zuneigung und Liebe (Schätzpreis € 3.000 – 4.000).

Sammler von Armbanduhren dürften begeistert sein von Patek Philippes „Calatrava“ (Lot 368) in Gelbgold mit silbernem Zifferblatt, die mit € 6.000 – 8.000 taxiert ist. Bei den Ringen verdient ein Entouragering (Lot 288) mit einem ovalen Diamant-Brillanten sowie Kleinbrillanten besondere Erwähnung, der durch das hochfeine Weiß des Diamant und der Brillanten sowie des schmeichelnden ovalen Ring-Designs besticht (Schätzpreis € 19.500 – 23.000).

Fortgesetzt wird die Auktion am 23. September um 14.00 Uhr mit Graphik und Gemälden des 15. – 20. Jahrhunderts. Freunde hochkarätiger Porträts wird das „Bildnis einer jungen Frau mit Krone“ (Lot 436) von Jan van Bijlert aus einer Süddeutschen Privatsammlung begeistern. Das signierte Bildnis ist ein Höhepunkt der Altmeister- Offerte und mit € 8.000 –10.000 moderat geschätzt. Ein echter Hingucker ist auch das um 1776 entstandene kleine „Selbstbildnis eines Künstlers mit Zeichengriffel“ (Lot 475, Schätzpreis € 2.000 – 3.000), das uns ein unbekannter Maler hinterließ. Beeindruckend das repräsentative Porträt des Franz Georg Reichsgraf von Schönborn (1682 Mainz – 1756 Schloss Philippsburg) (Lot 469, Schätzpreis € 10.000 –12.000), ein Mitglied des weitverzweigten und die (Kirchen-) Politik des 18. Jahrhunderts deutlich mitbestimmenden Hauses Schönborn.

Von großem Interesse dürften aufgrund seiner Provenienz zwei Gemälde mit religiösem Thema sein. Eine „Madonna mit Kind“ (Lot 431) und eine „Pietà“ (Lot 433) stammen aus dem Nachlass des 2020 verstorbenen Intendanten der Bayerischen Staatsoper, Sir Peter Jonas. Auch andere Alte Meister dürften für Bietgefechte sorgen: Allen voran Marten van Valckenborchs monogrammierte und 1610 datierte „Flusslandschaft mit Schafherde und Flucht nach Ägypten“ (Lot 437), ein bemerkenswertes Beispiel für den Spätstil des Künstlers (Schätzpreis € 15.000 – 20.000). Weitere Flusslandschaften werden von Johann Georg Schütz (Lot 416) und Jan Griffier (Lot 440) angeboten. Wasser spielt auch motivisch eine Rolle auf Fernand-Marie-Eugène Legout-Gérards Gemälde „In einer bretonischen Hafenstadt“, wohl Concarneau (Lot 552), das im Vordergrund eine Gruppe von Frauen in bretonischer Tracht zeigt.

Höhepunkt im Bereich der Landschaftsgemälde des 19. Jahrhunderts sind sicherlich August Kopischs „Pontinischen Sümpfe“ (Lot 493), die durch ein magisches Farbspiel beeindrucken. Die Darstellung der Sümpfe südöstlich von Rom, von denen drei Fassungen nachweisbar sind – eine von 1848 befindet sich in der Berliner Nationalgalerie – gilt als Hauptwerk eines der vielseitigsten Künstler des 19. Jhs. Carl Spitzweg ist Traditionsgemäß auch diesmal wieder bei NEUMEISTER vertreten, u.a. mit der Ölstudie „Brustbild eines Türken“ (Lot 486) und der Zeichnung „Orientale mit Tschibuk“ (Lot 420). Beide Arbeiten sind inspiriert von Spitzwegs Eindrücken, die er 1851 beim Besuch der Industrieausstellung in Paris und der Weltausstellung in London sammelte. Hier sah der Künstler erstmals aus eigener Anschauung orientalische Völkerschaften, die er in Skizzen festhielt.

Genre-Malerei des 19. Jahrhunderts wird in sehr schöner Auswahl angeboten. Besonders hervorzuheben ist hier Johann Sperls Meisterwerk „Kirchweihfest“ (Lot 495), bei dem es sich wohl um eine Wiederholung in kleinerem Format des "Kirchweihfestes" handelt, das 1874 im Österreichischen Kunstverein und 1875 auf der Landesausstellung in Wien gezeigt wurde. Für eine charakteristische Genreszene von Lorenzo Quaglio, eine „Fröhliche Gesellschaft vor einem Berggasthaus“ (Lot 495) mit reicher Figurenstaffage, deren Tracht auf den Raum um Fischbachau verweist, werden € 12.000 –15.000 erwartet. Weitere Sujets aus dem bäuerlichen Leben steuert auch Fritz Freund (1859 Darmstadt – 1936 Miesbach) bei, der ab 1900 seine Sommermonate regelmäßig in Miesbach verbrachte, wohin er 1919 seinen Wohnsitz verlegte. Aus einer süddeutschen Privatsammlung stammt Eugen Hofmeisters 1873 datiertes Gemälde „Sonntag in einer schwäbischen Bauernfamilie“ (Lot 498, Schätzpreis € 6.000 – 8.000). Eine weitere Genrezene in einem Interieur, einem Schulzimmer, zeigt uns Hanno Rhomberg in einem seiner besten Werke „Der uneigennützige Schulmeister“ (Lot 497, Schätzpreis € 6.500 – 8.000), der eine Bäuerin mit ihrem Sohn empfängt.

Nicht unerwähnt bleiben, darf eine kleine Gruppe französischer Gemälde, Landschaften mit figürlicher Staffage von Narcisse Virgile Diaz de la Pena „Mare et fagotière“ (Lot 570), Victor Alfred Paul Vignons „Chemin à la boue“ (Lot 571) und Paul Emmanuel Péraires Blick entlang der Rue de l'Abreuvoir, auf dem Montmartre in Paris (Lot 572). Auf dem Montmartre in Paris fand auch George Alfred Bottini das Motiv für sein 1903 datiertes Gemälde „Der Kostümball“ (Lot 559). Das dortige Nachtleben, Bälle, Bordelle, und Bars sind seine bevorzugten Bildgegenstände. Freunde der Tiermalerei dürfte das Gemälde von Henrich von Zügel „Mutterschaf mit seinen zwei Lämmern“ (Lot 594) begeistern, das für € 3.500 – 4.000 angeboten wird.

Fortsetzung findet die Auktion um ca. 16.00 Uhr mit der Versteigerung der Klassischen Moderne und Zeitgenössischen Kunst. Bemerkenswert hier vor allem eine Sammlung von 36 Arbeiten, Gemälde und Zeichnungen, des lange vergessenen und jetzt wiederentdeckten Neo-Expressionisten Friedrich Karl Gotsch, die marktfrisch zu sehr moderaten Preisen angeboten werden können. Exemplarisch sei hier das mit € 6.000 – 8.000 taxierte Porträt seiner Freundin „Hilde Goldschmidt“ (Lot 1006) von 1929/1953 zu nennen, das stilistisch eine große Ähnlichkeit mit Porträts von Alexej von Jawlensky aufweist.

Highlights im Bereich der Zeitgenössischen Kunst sind zwei Arbeiten des irisch-österreichischen Künstlers Gottfried Helnwein, der heute zu den erfolgreichsten und bekanntesten Künstlern der Nachkriegszeit zählt. Er ist bekannt für seine hyperrealistischen Bilder und seine Fotoportraits prominenter Persönlichkeiten. Häufig thematisiert Helnwein in seinen Werken Gewalt, Missbrauch und kindliche Alpträume. Aus dieser Zeit stammt die, mit € 15.000 – 20.000 geschätzte, großformatige Gouache „Kriminaltango“ (Lot 1062). Hohe Erwartungen gelten dem Gemälde „Flucht“ (Lot 1074), von Christian Brandl. Der, 1970 in Erfurt geborene Künstler der berühmten „Neuen Leipziger Schule“, zählt zu den wichtigen Vertretern der zeitgenössischen figurativen Malerei Deutschlands, dessen Werke aktuell sehr stark nachgefragt sind. Auf den ersten Blick Ruhe und Klarheit ausstrahlend, spürt man beim näheren Betrachten des Bildes eine ungewöhnliche Spannung.

Bei den abstrakten Werken fällt besonders Bernd Koberlings Acryl-Gemälde „Nichtstrieb“ (Lot 1067) von 1996 auf, eine zarttonige Kombination aus filigranen, beweglichen und leichten Formen, kraftvoll und dynamisch, spontan und konzentriert zugleich, mit Bezug auf die Natur. Eine deutlich kraftvollere Naturschilderung zeigt uns Gerhard Richter mit seinen Serigraphien der „Schweizer Alpen II“ (Lot 1060 und 1061) von 1969. Diese Alpengipfel entstanden nach den gleichnamigen Gemälden, die wiederum auf Fotografien basieren, die Richter 1968 bei einer Reise nach Mailand aus dem Flugzeugfenster aufgenommen hat.

Berge in einem Raum, mit Wasser und Figuren, einer Theaterkulisse ähnelnd, zeigt uns das illusionistische Gemälde „Stille“ (Lot 1072), 2003, von Eckart Hahn. Der 1971 in Freiburg geborene Künstler schafft gerne Kulissen mit absurden Motivkombinationen, weshalb er häufig mit dem Surrealismus in Verbindung gebracht wird. Seine rätselhaft erscheinenden Bildwelten beschäftigen sich mit aktuellen Themen, beispielsweise den Zwängen des Alltags, Identität, Religion, Familie, menschliche Nöte und Ängste.

Besondere Aufmerksamkeit verdienen zwei großformatige, dynamisch abstrakte Kompositionen (Lot 1090 und 1091) des kroatischen Malers Edo Murtic, dessen Werke bis zu seinem Tod 2005 auf mehr als 150 Einzel- und 300 Gruppenausstellungen weltweit gezeigt wurden. Er gilt als einer der wichtigsten Nachkriegskünstler und ist aus der Kunstszene nicht mehr wegzudenken. Auf den Punkt bringt es schließlich die „elementare Malerei“ des deutsch-amerikanischen Malers Jerry Zeniuk, der 1993 bis 2011 Professor für Malerei und Graphik an der Akademie der Bildenden Künste München war. Bei den in der Auktion angebotenen Werken spielt Farbe und ihre Wahrnehmung die zentrale Rolle. Beide Gemälde (Lot 1070 und 1071) auf naturbelassener Leinwand, grundsätzlich ohne Vorskizze, faszinieren durch einen spontanen Pinselduktus in frischen strahlenden Farben.

Veranstaltungen zum Bericht:
Auktion 402: Kunsthandwerk, Antiquitäten und Schmuck
Auktion 402: Graphik und Gemälde 15. bis 20. Jh. sowie Moderne, Post War & Contemporary Art

Quelle: © Neumeister Münchener Kunstauktionshaus

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