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Frans van Stampart, Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel

Frans van Stampart, Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel

Ganzfigur nach links. Vor Säulenarchitektur und Vorhangdraperie. Rechts Ausblick auf südliche Landschaft. Öl auf Lwd. 230 x 163 cm. Doubliert. Rest. Min. besch. Rahmen (schmale Atelierleiste) min. besch. (232 x 165 cm).

Losnummer: 644


In prächtiger, hermelinbesetzter Robe mit hermelingefüttertem Mantel, steht die junge Königin neben einem Tisch, auf welchem Krone und Szepter liegen. Ihr reicher Schmuck unterstreicht den Charakter des vorliegenden Bildnisses als Staatsporträt.



Prinzessin Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel wurde am 28. August 1691 in Braunschweig geboren. Schon als 13-Jährige wurde sie 1704 von ihrem Großvater Anton Ulrich in Übereinkunft mit Kaiserin Wilhelmine Amalie, Gemahlin von Kaiser Joseph I., mit dessen Bruder Karl (1685 Wien - 1740 ebenda) verlobt. Dieser war 1703 als Karl III. gegen Philipp V. von Anjou zum spanischen König proklamiert worden - der Anlass zum Spanischen Erbfolgekrieg.



Die junge evangelische Braut konvertierte nach anfänglichen Bedenken zum katholischen Glauben. Zwei Wochen nach der feierlichen Konversion am 1. Mai 1707 traf die Prinzessin in Wien ein, mit ihrer Liebenswürdigkeit und Bescheidenheit eroberte sie die Herzen der kaiserlichen Familie. Am 23. April 1708 fand die Ferntrauung mit Karl III. statt, der Bräutigam wurde dabei von seinem Bruder Kaiser Joseph I. vertreten. Unmittelbar nach der Trauung machte sich die junge spanische Königin auf die Reise zu ihrem Gatten: In Genua bestieg sie das Schiff, das sie nach Spanien bringen sollte. Am 1. August hielt Karl III. mit seiner Gemahlin feierlichen Einzug in Barcelona, wo der Erzbischof von Tarragona die Ehe nochmals einsegnete.

Die Ehe begann zwar glücklich, Karl III. bezeichnete seine junge Ehefrau liebevoll als "weiße Liesl", ihrem untadeligen Teint geschuldet. Jedoch kam Elisabeth Christine mit ihrer Lebenssituation in Spanien nur schwer zurecht. Die politischen Verhältnisse und die Lage ihres Ehemanns als Gegenkönig in Spanien waren schwierig. Als Kaiser Joseph I., ihr Schwager, überraschend starb, wurde sein Bruder Karl nach Österreich zurückberufen. Er wurde am 22. Dezember 1711 in Frankfurt am Main als Karl VI. zum Kaiser gekrönt. Elisabeth Christine blieb in Katalonien zurück, wurde Statthalterin und versuchte, den widrigen politischen Umständen zu trotzen. Als die Lage jedoch unhaltbar geworden war und Kaiser Karl VI. Spanien schließlich aufgab, verließ Elisabeth Christine 1713 das Land. Am 11. Juli 1713 wurde sie mit Jubel in Wien empfangen.



In Österreich bekam Elisabeth Christine vier Kinder. Lediglich die älteste Tochter, Maria Theresia (1717 Wien - 1780 ebenda), sollte die Mutter überleben. Gesundheitlich angeschlagen, nach dem Verlust von dreien ihrer Kinder in melancholischer bis depressiver Stimmung, hatte sie in Wien nur nachrangigen politischen Einfluss. Sie versuchte dennoch, das finanziell angeschlagene Welfenhaus zu unterstützen und konnte zwei für die Welfen wichtige Eheschließungen anbahnen.



Mit dem Tode ihres Mannes erlosch das Haus Habsburg 1740 im Mannesstamm. Maria Theresia folgte gemäß den Bestimmungen der Pragmatischen Sanktion in der Regierung nach. Als Witwensitz ließ Maria Theresia ihrer Mutter ab 1740 Schloss Hetzendorf, in der Nähe von Schloss Schönbrunn ausbauen. Mit 59 Jahren starb Elisabeth Christine kurz vor Weihnachten 1750 in Wien.



Frans van Stampart war ein flämischer Porträtmaler, Druckgraphiker und Verleger. Seine Ausbildung erhielt er ab 1689 im Atelier des Gislein van der Sijpen in seiner Geburtsstadt Antwerpen, er etablierte sich rasch als gefragter Porträtist. Er stand als Porträtmaler der Kunst des Pieter Thijs nahe, einem führenden Porträtmaler in den südlichen Niederlanden der Zeit. Kaiser Leopold I. erkannte die Qualität der Arbeiten Stamparts und berief ihn 1698 als Hofmaler nach Wien. Nach dem Tode Kaiser Leopolds blieb Frans van Stampart ein bevorzugter Porträtist von Mitgliedern des Kaiserhauses und des Adels. Er starb - wie Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel - im Jahr 1750 in Wien.



Noch vor der 1708 stattgefundenen Trauung hatte Frans van Stampart die Gelegenheit, Elisabeth Christines Porträt zu fertigen. Dieses ist durch einen Kupferstich von J. A. Pfeffel und C. Engelbrecht überliefert. In der Beischrift wird sie noch als "desponsata regina", also als Verlobte König Karls III. bezeichnet. Zu diesem Stich gibt es ein Pendant, das den jungen Karl III. darstellt. Frans von Stampart schuf auch ein ganzfiguriges Bildnis Karls III. Dieses offenbar zur gleichen Zeit wie das vorliegende Gemälde geschaffene Bildnis stellt den spanischen Gegenkönig vor dem Hafen von Barcelona dar (Öl auf Lwd. 224 x 135 cm, Kunsthisthistorisches Museum Wien, Inv.-Nr. GG 7058).



Wir danken Dr. Georg Lechner und Dr. Friedrich Polleroß, Wien, für ihre freundliche Unterstützung im Rahmen der Katalogisierung.



Provenienz: Europäische Privatsammlung.


Veranstaltungshinweise:

Am 28.09.2022 bis 29.09.2022 Auktion 406: Herbstauktion


Schätzpreis: 15.000 - 18.000  EURO

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