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Dürer, der Tod und die Melancholie

Albrecht Dürer, Ritter, Tod und Teufel, 1513

Albrecht Dürer, die Symbolisten und der Tod – für dieses Ausstellungsprojekt hätte man bei Bassenge dieser Tage ein schönes Portfolio zur Verfügung. In der Druckgraphik dominiert eine ausgezeichnete Sammlung von Werken Dürers, darunter dessen bedeutendstes Blatt „Melencolia“ im zweiten Druckzustand mit dem bekannten Merkmal, der Richtigstellung der Ziffer 9 auf der magischen Tafel. Der wegen seines vieldeutigen Sinngehalts von Kunsthistorikern als „Bild der Bilder“ bezeichnete Kupferstich ist mit 120.000 € geschätzt (Los 5078), gefolgt von einem prachtvollen Abdruck der „Eifersucht oder auch: Herkules genannt“ (5073, 45.000 €) aus der Sammlung George Perkins Marsh und den „Apokalyptischen Reiter(n)“, der wohl dramatischsten und dynamischsten Komposition Dürers (5057, 45.000 €). Außerdem von größter Seltenheit Gerrit Pietersz. Sweelincks Radierung „Die Ruhe auf der Flucht“ (5165, 45.000 €) und ein zeitgenössischer, vorzüglich erhaltener Abzug der Rembrandt-Radierung „Die Windmühle“ (5180, 24.000 €).

Kohlrabenschwarz, spiegelnder Silberschnitt, tanzende Skelette auf dem Umschlag – der Sonderkatalog Memento Mori ist nicht nur äußerlich ein Fest. „Der Tod, gefürchtet oder ungefürchtet, kommt unaufhaltsam“, schrieb Goethe. In 120 Stücken wird hier die künstlerische Auseinandersetzung mit dieser bedenklichen Tatsache zur Anschauung gebracht: die spanisch-deutsche Sammlung reicht vom Flugblatt aus der Mitte des 17. Jahrhunderts („Der Tod mit Armbrust“, 6300, 1.200 €) und Dürers „Ritter, Tod und Teufel“ in einem Frühdruck (6312, 60.000 €) über Druckgraphik und Ölbilder mehrerer Jahrhunderte und aus verschiedenen Regionen bis hin zum Andachtsbild und Gobelinstich, zum spanischen Relief mit Vanitas-Symbolen, einem 350 Jahre alten Halbstunden-Glas, dem Parament mit Schädel und gekreuzten Knochen und den selbstverständlich bei diesem Thema kaum zu vermeidenden Totenköpfen, mal lebensgroß, mal klein wie ein Würfel und aus unterschiedlichsten Materialien. Am Schluss der geistlichen Übung in Buchform steht ein Vintage-Silbergelatineabzug von Henri Cartier-Bresson („Mexico: Day of the Dead“, 6413, 2.800 €) und zwei Schauergemälde des Australiers Terry Taylor (6414, 6415, je 1.500 €).

Mit Werken von Fidus, Ludwig von Hofmann, Walter Einbeck und Fernand Khnopff vereint der Katalog Zeichnungen des 16. bis 19. Jahrhunderts für sich sprechende Zeugnisse des Symbolismus. So bringt das Portrait von „Madame Jules Ricard“ von Khnopff (6724), einem der bedeutendsten Vertreter der Kunst um die Jahrhundertwende, den Charakter der selbstbewussten Schriftstellerin in einzigartiger Weise zum Ausdruck. Die Kreidezeichnung ist mit 20.000 € taxiert. Besondere Aufmerksamkeit verdienen außerhalb dieser Stilepoche drei Pastelle des berühmten Portraitisten Johann Heinrich Schmidt (6604, 6.000 €), die Gouache „Le Rendez-vous“ von Johann Baptist Seele (6628, 4.500 €), mehrere Federzeichnungen von Julius Schnorr von Carolsfeld (6648- 6651, 1.800-4.500 €) sowie drei Aquarelle, die die Wohnkultur in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts festhalten, etwa Geyers „Blick in einen bürgerlichen Salon“ (6672, 3.000 €).

Ein bislang unbekanntes Gemälde, das „Portrait des jungen Jörg Badelskircher aus Kaufbeure“n, dürfte im Katalog der Gemälde alter und neuerer Meister größtes Interesse auf sich lenken. Dieses außergewöhnliche Beispiel aus der Frühzeit der deutschen Portraitkunst, dessen Urheberschaft noch im Dunkeln liegt, ist auf 30.000 € veranschlagt (6004). 400 Jahre später datiert Oskar Zwintschers Bildnis seiner Frau Adele im Hamsterpelz (6231, 35.000 €). Zwintscher, der 1916 mit nur 46 Jahren starb, hat Adele in nicht weniger als 15 Portraits festgehalten. Das hier angebotene, zuletzt vor einhundert Jahren ausgestellte Werk ist darunter sicherlich eines der eindrucksvollsten. Im Altmeisterfach hervorzuheben sind eine „Flusslandschaft mit Christus und dem wundersamen Fischzug Petri“ des Flamen Lucas Gassel (6007, 45.000 €) und das vor Lebenslust und Frivolität sprühende „Bacchanal“ des Utrechters Jan van Bijlert (6023, 40.000 €).

Der Erfolg des Sonderkatalogs Miniaturen der vorigen Auktion ermunterte zu einem weiteren eigenen Katalog zu diesem reizvollen Sammelgebiet. Unter den 130 Losen ist ein „Bildnis der Königin Luise von Preußen“ von Johann Heusinger (mit rückseitig appliziertem Haarandenken) zum Schätzpreis von 5.000 € (6901) sowie das „Kinderbildnis der Marie Heller, spätere Marie Schnorr von Carolsfeld“, gemalt von Heinrich Olivier während seines Wiener Aufenthalts in den Jahren 1814/15 (6916, 3.000 €).

Der Rahmen der Modernen Kunst ist auch diesmal weit gefasst. Ein Schwerpunkt ist die klassische Moderne, beispielhaft: Otto Muellers Farblithographie „Fünf gelbe Akte im Wasser“ von 1921 (8271, 30.000 €) oder die Bleistiftzeichnungen von August Macke („Zwei Frauen mit zwei Kindern“, 8246) und E. L. Kirchner („Tänzerin mit Kopfput“z, 8203), beide mit 12.000 € angesetzt. Im folgenden Register: eine Sammlung mit Zeichnungen und druckgraphischen Blättern von Willi Baumeister aus der Sammlung des Stuttgarter Galeristen Arntz (8000- 8052, bis 1.200 €), Werner Heldts „Stilleben am Fenster“ (8178, 15.000 €), das Mappenwerk „Ubu Roi“ mit 13 Farblithographien von Joan Miró (8266, 22.000 €) und mehrere Ölbilder von Johannes Grützke, die wie so oft ihre suggestive Kraft aus der Irritation beziehen: Die Männer der Schöpfung „beim Graben“ (8164, 25.000 €) oder „von einer Frau durchwoben“ (8165, 30.000 €). In den Jahren 2010/11 entstanden die drei Collagen „Anima Mundi 81-3“ des Beuys-Schülers Imi Knoebel (8209, 15.000 €). Spoerris „Fallenbilder“ hätten mit ihren Objekten, einer präparierten Riesenspinne, Knochen und Glasaugen, auch im Memento-Mori-Katalog eine passende Umgebung gefunden (8329, 2.500 €), hingegen hat die Bronze von Fritz Klimsch „Anmut (Stehendes Mädchen)“ den ihr gebührenden Platz in der Mitte des Katalogs. Die grazile Figur (8206, 15.000 €), ein perfekter Guss von Noack, strahlt die Gelassenheit aus, die notwendig ist, um das üppige Angebot des Katalogs bis zum Ende hin zu studieren.

Den letzten Zuschlag hat wie immer bei Bassenge die Photographie. Spitzenlose sind hier die 46 Albuminabzüge von Kröhle und Hübner, die um 1890 dem Photoapparat im Amazonas-Gebiet den Weg bereiteten, und deren rare Bilder von Indigenen und Landschaften mindestens 5.000 € einspielen sollen. Des Weiteren ein Portrait des chinesischen Staatsmanns Li Hongzhang von 1879 (4092, 5.000 €), der drei Jahre zuvor gar mit Bismarck in Friedrichsruh konferierte. Im Kapitel 20. Jahrhundert und Zeitgenössisches das „Portrait of a Young Boy“ von Berenice Abbott (4105, 3.500 €), Greg Gormans bravouröse L.A.-Schönheit „Iman“ (4184, 2.000 €), das „Bauhaus I-Portfolio“ der Galerie Kicken (4120, 3.000 €), Robert Häussers „Kreuzgang“ (4189, 3.000 €), ein anbetungswürdiges Martin-Luther-King-Portrait von Yousuf Karsh (4215, 2.500 €) und ein ebenso himmlisches Marlene-Dietrich-Portrait von Richee (4297, 2.200 €), Fotomontagen von Marinus (darunter Hitler im Kleidchen, 4262-4267, jeweils um die 2.000 €), die im Jahr 2000 entstandenen „Acht Fotografien“ aus Dalliendorf, Mecklenburg-Vorpommern, von A. Tübke sowie die Raben von Fukase, die wohl nur in Japan so fotogen in die Luft steigen. Das Los „Berlin im Licht“ jedoch, bestehend aus 100 Vintages von unbekannten Fotografen, die das 1928 stattgefundene Illuminationsprojekt dokumentierten, hat die stattliche Schätzung von 15.000 €. Kurt Weill komponierte für das Event ein Lied. Womit bewiesen wäre, was man immer geahnt hat: Das leuchtende Berlin sollte stets besungen werden und ist Gold wert.

Veranstaltungen zum Bericht:
111. Auktion: Druckgraphik des 15. - 19. Jahrhunderts
111. Auktion: Gemälde Alter und Neuerer Meister
111. Auktion: Moderne Kunst Teil I und II
111. Auktion: Fotografie des 19. - 21. Jahrhunderts - Fotobücher
111. Auktion: Zeichnungen des 16. - 19. Jahrhunderts
111. Auktion: Memento Mori

Quelle: © Galerie Bassenge Berlin

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