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Gustav Adolph Hennig, Die Kinder von Eduard von Nostiz und Jänckendorf, um 1830

Gustav Adolph Hennig, Die Kinder von Eduard von Nostiz und Jänckendorf, um 1830

Öl auf Leinwand. 158 x 117 cm. Verso auf dem Keilrahmen ein Klebezettel mit Angaben zur Provenienz "Schloß Oppach / Krs. Löbau / Letzter Eigentümer / v. Nostitz u. Jänkendorf / Inv,-Nr. 7" sowie ein Stempel der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden mit Inventar-Nr. der "Schlösserbergung". Um 1830.

Losnummer: 6069


Um 1830 erteilte der sächsische Rittergutbesitzer, Jurist und Politiker Eduard Gottlob von Nostitz und Jänckendorf dem erfolgreichen Bildnismaler und späteren Leipziger Akademieprofessor Gustav Adolph Hennig den Auftrag, seine Kinder zu portraitieren. Vor der Gründung des Kaiserreichs wurde neben dem klassischen Familienportrait auch die repräsentative Darstellung von Kindern zu einem bevorzugten Mittel, um gesellschaftlichen Rang zu demonstrieren. Allein aufgrund des Formats darf dieser Anspruch auch bei vorliegendem Werk angenommen werden. Lebensgroß und in ganzer Figur sind die vier Kinder von Nostitz und Jänckendorf und seiner zweiten Frau Therese Freiherrin von Gutschmidt zu einem idyllischen Quartett gruppiert: Rechts die beiden Mädchen in hellen Kleidern aus feinem Musselin, Anna sitzend auf einer Gartenbank, hinter ihr stehenden ihre Schwester Helene Sophie Henriette mit einem Körbchen voll von Johannisbeeren und Kirschen, links steht fahnenschwenkende der Bruder Gottwalt Arthur in einem Russenkittel und blickt zum älteren Fürchtegott Richard im schottischen Rock mit Degen auf. Liebevolle Gesten unterstreichen den Eindruck von tiefer Verbundenheit. Die weitläufige Landschaft im Hintergrund zeigt wahrscheinlich den Park des 1829 erworbenen Schlosses Oppach in der Lausitz bei Spremberg mit Blick nach Südwesten auf die unweit gelegene Hügelkette an der nordböhmischen Grenze.
An dieser Darstellung lässt sich exemplarisch die ab der Aufklärung aufkommende und bis heute prägende Auffassung von Kindheit als eine Lebensphase der romantisierten Unschuld und unverdorbenen Reinheit nachvollziehen. Einen entscheidenden Einfluss auf diesen Paradigmenwechsel nahm im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert der Rückzug der Familien ins Private und die Besinnung auf die kleinste familiäre Einheit bestehend aus Eltern und ihren Sprösslingen. Wenn zuvor das Kind als ein noch unvollkommener, kleiner Erwachsener begriffen und demzufolge behandelt wurde, konnotierte man diese frühen Lebensjahre nun geradezu als Gegenentwurf zur verstandsorientierten Erwachsenenwelt. Dies spiegelt sich - wie etwa hier zu sehen ist - auch an der neuen Kleidung wider, die nicht mehr die Miniaturversion der Eltern war, sondern kindgerecht an die Bedürfnisse des Alters angepasst wurde.
Hennig gelingt mit diesem Gruppenportrait das bemerkenswerte Kunststück dem repräsentativen Anspruch der Auftraggeber gerecht zu werden und zugleich das Unschuldige im lebensnahen Ausdruck der pausbäckigen Kinder zu vermitteln. Der Erfolg des heute zu Unrecht etwas in Vergessenheit geratenen Malers zeigt sich nicht zuletzt in der berühmten Ausstellung „Die Leipziger Bildnismalerei von 1700-1850“ von 1912, in der der Künstler mit nicht weniger als 107 Portraits, darunter 59 Kinderbildnissen vertreten war. Ein Gutachten von Prof. Dr. Helmut Börsch-Supan, Berlin, vom 24. Februar 2019 ist in Kopie vorhanden.

Provenienz: Bis 1946 in Familienbesitz in der Sammlung Schloss Oppach (vgl. Klebezettel verso).
1946 Beschlagnahmung und Übergang an die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (vgl. Stempel verso).
Nach 1990 Restitution an die Nachkommen der Eigentümer.
Leo Spik, Berlin, Auktion vom 25. März 1999, Los 141 (Zuschlag 40.000 DM).
Privatsammlung Norddeutschland.

Literatur: Horst Zimmermann, Helga Fuhrmann (Bearb.): Gemäldegalerie Dresden. Neue Meister 19. und 20. Jahrhundert. Bestandskatalog und Verzeichnis der beschlagnahmten, vernichteten und vermißten Gemälde, Dresden 1987, S. 320.


Veranstaltungshinweise:

Am 28.11.2019 114. Auktion: Gemälde Alter und Neuerer Meister, Rahmen. Primavera - Aquarelle des Biedermeier von Franz Blaschek. Portraitminiaturen


Schätzpreis: 24.000,-  EURO

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