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Islamischer Himmelsglobus, um 1670

Islamischer Himmelsglobus, um 1670

Nahtloser Messing Guss, die ca. 1022 Sterne in Silber eingelegt. Sternbilder, Äquator und Ekliptik eingraviert, mit arabischer Beschriftung. Durchmesser ca. 24,5 cm. Gewicht 4000 gr. Ohne Gestell, rechteckige Ausschnitte am Himmelsäquator, zwei kleinere runde Löcher am Himmels-Nord- und Südpol. Um 1670.

Losnummer: 6292


Himmelsgloben gehören zu den ältesten wissenschaftlichen Instrumenten. Der Beobachter blickt von außen auf den Globus, daher stellen sie den Sternenhimmel spiegelbildlich mit seinen Fixsternen und Sternbildern auf einer scheinbaren Himmelskugel dar. Die Erde ist im Zentrum der Kugel gedacht. Zwei Besonderheiten unterscheiden islamische Himmelsgloben von westlichen Globen: Erstens sind die Sternbilder so dargestellt, dass die Gesichter der Personen immer aus dem Globus heraussehen und nie, wie auf einigen westlichen, in den Globus hinein. Zweitens sind auf den Globen immer nur die 48 klassischen Sternbilder nach dem Almagest des Claudius Ptolemäus bzw. dem 964 auf Arabisch erschienenen Buch der Fixsterne des persischen Astronomen Abd ar-Rahman as-Sufi aufgeführt. Zu diesen Sternbildern sind die in dieser Literatur erwähnten, ca. 1022 Sterne in unterschiedlichen Größen zur Darstellung unterschiedlicher Sternhelligkeiten in Silber eingelegt. Um den Himmelssüdpol findet man auf diesen Globen keine Sternbilder. Auf allen sind heute nicht mehr gebräuchliche Ekliptik-Breitenkreise vorhanden, d.h. senkrecht zur Ekliptik werden die Tierkreiszeichen in 12 Teile à 30° eingeteilt. Sowohl die Ekliptik als auch der Himmelsäquator haben eine Fünf-Grad- und eine Ein-Grad-Unterteilung. Die Globen können in Arabisch, wie in vorliegendem Fall, aber auch in Persisch, Türkisch, Sanskrit oder sogar ganz in Englisch beschriftet sein. Bis 2017 waren 290 islamische Himmelsgloben bekannt, die sich in drei Gruppen einteilen lassen: Globen aus bemalten Holz- oder Papiermaché-Kugeln, des Weiteren Metall-Globen aus zwei zusammengesetzten, gegossenen oder gehämmerten Halbkugeln und schließlich, wie bei unserem Exemplar, metallische Hohlkugeln ohne Naht, die im aufwendigen Wachsausschmelzverfahren (frz. cire-perdue, „verlorenes Wachs“) hergestellt wurden. Emilie Savage-Smith vertritt die Auffassung, dass diese zuletzt genannte Art der Herstellung erstmals Ende des 16. Jahrhunderts in Nordwest-Indien angewandt wurde und ein Kennzeichen aller Werkstätten in Punjab und Kashmir bis zum 19. Jahrhundert sei. Die Darstellungen der Sternbilder unseres Globus haben große stilistische Ähnlichkeiten mit einem Globus in Oxford (Museum of the History of Science, Inv. No. 45247). Dieser ist von Diyâ' al-dîn Muhammad aus Lahore signiert und in das Hijrî-Jahr 1074 (= 1663/1664) datiert. Diyâ' al-dîn Muhammad entstammt der berühmtesten, über vier Generationen von 1560 bis 1680 in Lahore in Nordindien (heute Pakistan) tätigen Instrumentenbauer-Dynastie, die hauptsächlich nahtlose Metall-Globen im Wachsausschmelzverfahren und Astrolabien herstellten.
Wir danken Prof. Dr. Stefaan Missinne, Wien, für freundliche Hinweise.

Literatur: Weiterführende Literatur siehe
Emilie Savage-Smith, Andrea P. A. Belloli: "Islamicate Celestial Globes: Their History, Construction, and Use", in: Smithsonian Studies in History and Technology, 1985, S. 1-354.
Emilie Savage-Smith: "The Classification of Islamic Celestial Globes in the Light of Recent Evidence/ Die Einteilung Islamischer Himmelsgloben im Lichte neuer Erkenntnisse", in: Der Globusfreund, Nr. 38/39, November 1990, S. 23ff.
Emilie Savage-Smith: "Gerard Turner Memorial Lecture: Of Making Celestial Globes There Seems No End", in: Scientific Instrument Society Bulletin, 132, März 2017, S.2ff.


Veranstaltungshinweise:

Am 04.06.2020 115. Auktion: Fernweh - Sehnsucht nach dem Unbekannten


Schätzpreis: 8.000,-  EURO

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