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Günther Uecker, Der schwarze Schwan, 1980

Günther Uecker, Der schwarze Schwan, 1980

Nägel, schwarz lackiert, auf kreisrunder, mit Schwarz bemalter Leinwand überzogener Holzplatte. 1980.

Durchmesser ca. 56 cm, Tiefe 12 cm.

Verso mit Pinsel in Schwarz signiert "Günther Uecker", datiert, betitelt, bezeichnet, gewidmet und mit Richtungspfeil.

Nicht bei Honisch.

Losnummer: 8342


"Den Ablauf einer Bewegung sichtbar zu machen, als Zustand einer Lebendigkeit, an der der Mensch teilnimmt in schöpferischer Wiederholung, in Monotonie, ist in der Tat eine erregende Aktion, die wie ein Gebet geistig erlebt werden kann". (Günther Uecker 1961, zit. nach: ZERO. Die internationale Kunstbewegung der 50er und 60er Jahre, Ausst.-Kat. Martin-Gropius-Bau, Berlin 2015, S. 488).

Uecker zählt zu den international bedeutendsten Künstlern der Nachkriegszeit. Seit seinen Studienjahren an der Düsseldorfer Kunstakademie von 1955 bis 1957 bei Otto Pankok zeichnen Nagelbilder und genagelte Objekte sein bildnerisches Werk überwiegend aus.

Der Künstler hat ganz im Sinn des 1963 postulierten Manifestes der Zero-Bewegung einen neuen Idealismus geschaffen. Seine begehrten Nagelbilder befreien die Kunst von der bis dahin prägenden Bedeutung des malerischen Duktus als künstlerische Handschrift. Der Nagel ist zum Charakteristikum seiner Kunst geworden. Von der reizvollen Ambivalenz mit starren Nägeln Licht- und Bewegungsphänomene auf planen oder runden Leinwänden zu schaffen, geht eine große Faszination aus. Anfangs schafft Uecker seine streng linearen Raster und Strukturen, die in den späten 1950er Jahren von Leinwänden mit fließenden, amorphen und dynamischen Gebilden abgelöst werden.

Ueckers 1962 geschaffener "Vogel", eine auf einer runden Fläche oben rechts aufgehämmerte Nagelgruppe, versinnbildlicht die Symbiose von Luft, Licht und Bewegung in einem Kunstwerk. Vögel wählt der Künstler wohl gerade deshalb häufiger zum Motiv seines Schaffens. Wir denken an die Starenschwärme, die Uecker auf der Ostseehalbinsel Wustrow, auf der er aufgewachsen ist, beobachtet hatte.

Der "Schwarze Schwan" ist charakteristisch für Ueckers Werk, das oftmals hybride Konstrukte von Malerei und Skulptur darstellt. Unsere runde Platte ist sehr dicht beschlagen mit schwarzen Nägeln unterschiedlicher Länge. Anders als in seinen 1980er Jahren entstandenen "Feldern" ergeben die Nägel keine gezielt ausgerichtete Bewegung in der Fläche, sondern sie erzeugen einen in die Tiefe ausgerichteten Rhythmus, der das pulsierende Leben des schwarzen Vogels symbolisiert. Gleich einem Energiefeld verdichten sich die Nägel zu einem plastischen sowie nahezu organischen Wesen, an Ueckers "Organische Struktur" von 1962, heute im Städelmuseum, Frankfurt am Main zu sehen, erinnernd. Die Unordnung der Nägel steht für die der Natur.

Schwarze Schwäne sind selten in der Natur zu finden. Auf der Bühne versinnbildlicht ihn wohl als berühmteste Vertreterin Odile, als verführerisches, böses Ebenbild der weißen Schwanenbraut Odette, in die sich Prinz Siegfried verliebte. Für Uecker, der die Musik liebt und zahlreiche Bühnenbilder für die Oper, darunter auch für mehrere Wagner-Aufführungen in Bayreuth entwarf, gehört der "Schwarze Schwan" zu Lohengrins Abschied mit dem Schwanengesang. So deutet sich in dem "Schwarzen Schwan" neben dem expressiven auch das theatralische Moment von Ueckers Schaffen an. Der noch pulsierende Zustand von Lebendigkeit und die fragile Verletzbarkeit des schwarzen Vogels zugleich erregen den Betrachter in gebetsartiger Intensität.

Provenienz: Privatsammlung Berlin (ehemals direkt vom Künstler als Geschenk erhalten)

Privatsammlung Deutschland


Veranstaltungshinweise:

Am 27.11.2020 bis 28.11.2020 116. Auktion: Moderne Kunst Teil I + II . Fidus – Auf der Suche nach dem Licht


Schätzpreis: 180.000,-  EURO

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