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Christof Pleig, Astronomische Tischuhr 

Christof Pleig, Astronomische Tischuhr 

Aus verschiedenen Metallen, Eisen, Kupfer, Stahl und Bronze mit bemalten Zierflächen des Eisenblechgehäuses in deckenden Ölfarben, zwei (erneuerten) Glocken im Inneren, unzähligen Zahnrädern, zwei Federschwungwerken, 4 vergoldeten ziselierten Messing-Zifferblättern, 5 Zeigern, Zodiak- und Lunarscheiben sowie 2 aufgestellten Jacquemart-Figuren. Ca. 25 x 14 x 48 cm. Ulm, Christof Pleig um 1625.

Losnummer: 2851


– Reich gezierte astronomische Tischuhr in Turmform: Auf vier Messingballusterfüßen erhebt sich ein massiger Korpus von ca. 13,5 x 24 x 25 cm. Auf diesem sind drei Uhren mit ziselierten vergoldeten Messingblättern (Durchmesser 14 cm bzw. zweimal 7 cm) angebracht: Die große Uhr ist in mehrere Ringe unterteilt - für Viertel- und Tagesstunden in römischen und arabischen Ziffern - sowie mit 2 Scheiben für die Mondphase, mit ausgeschnittenem Mondfenster. Das Zifferblatt links zeigt die Wochentage in Gestalt der römischen Götter Sol, Luna, Mars, Merkur, Jupiter, Venus und Saturn; das Zifferblatt rechts mit fein gravierter Ansicht der Stadt Ulm (nach dem Ulmer Regimentstaler von 1622) und Monatstagen. Unter der Darstellung findet sich der eingravierte Name "christoph pleig". Christoph Pleig zählt zu den bedeutendsten süddeutschen Feinmechanikern und Uhrmachern, er ist in Ulm zwischen 1575 und 1625 nachweisbar.
Die beiden kleineren Uhren sind mit Pfeilzeigern, die Sternenuhr darunter mit einem durchbrochenen Blattzeiger auf der Achse versehen. Ein Kreisloch in der Silberscheibe zeigt die Mondphasen, die als Mondgesichter auf die vergoldete Scheibe darunter eingraviert oder als blaue Nachtflächen dargestellt sind: zunehmender, abnehmender Halbmond, Vollmond und Neumond. Die Linien der Silberplatte zeigen auf der Goldskala den Eintritt des Mondes in das jeweilige Sternzeichen: "INTROITUS SOLIS ET LUNE IN SIGNA". In den Zwickeln der Fläche um die Uhrblätter sind oben ein florales Goldelement und unten zwei Puttenköpfe mit Ölfarben eingemalt.
Die Rückseite der astronomischen Uhr ist ebenfalls als Schauseite gestaltet mit einem großen ziselierten vergoldeten Messingblatt auf der Vorderseite mit zwei Ringeinlagen (blau und silber) sowie 2 Zeigern, einem Pfeil- und einem Schlangenzeiger (Durchmesser ca. 14,5 cm). Die Stunden- und Viertelstundenzahlen werden in römischen, die Minutenzahlen in arabischen Ziffern angezeigt, es folgen Datum, Tierkreiszeichen, Tag- und Nachtlängen sowie Zeiten für Sonnenauf- und den Sonnenuntergang. Die Zwickel sind hier malerisch in drei Kompartimente unterteilt. Links oben die Allegorie der "GEOMETRIA" mit Zirkel auf einer blauen Weltkugel, rechts die ebenfalls mit Engelsflügeln ausgestattete "ASTRONOMIA", die mit einem Stab in die Sterne weist. Unten ist ein nackter Putto sinnlich hingelagert, der sich auf einen Totenschädel stützt, vor ihm ein großes Blumenbouquet, hinter ihm ein Stundenglas, tempus fugit, darüber "MEMENTO MORI".
Über dem Korpus erhebt sich ein dreigeschossiges Glockengestühl mit halbrundem Abschluss über Säulenarkaden aus vielfach durchbrochenem Blech, das einerseits einen Klangraum für die beiden großen Glocken im Inneren, andererseits auch ein Klangspalier für das Hinausdrängen der Töne bildet. Die Anläufe sind verso und recto mit den Allegorien der vier Jahreszeiten bemalt: Verso rechts der Frühling als junges nacktes Mädchen, die ein Blumenfüllhorn liebkost, gegenüber der Winter als greiser Mann mit rotem Mantel und Pelzhut, der sich am lodernden Feuer wärmt. Die Querseiten mit Krateren und fleuralen Girlanden und das Dach oben mit hübschen roten und weißen Linienornamenten. Verso erscheinen dann im Aufsatz der Uhr die Allegorien des Sommers als Frau mit Hut, Blumenkorb und Blumenvase, während sich rechts ein Bacchus an den üppigen blauen Trauben labt.
Über den Jahreszeit-Allegorien sind die beiden frei stehenden Jacquemart-Figuren aus vergoldeter Bronze auf der Spitze zweier Stäbe gestellt. Sie schwingen ihre schweren Hammerklöppel, die durch zwei auf verschiedenen Höhen angebrachte Löcher in den Seiten des Glockenstuhls jeweils die untere bzw. die obere großen Glock anschlagen für einen tieferen Stunden- und einen höheren Viertelstundenton.
Das Eisenwerk mit Spindelgang wurde im Laufe der Jahrhunderte wohl mehrfach umgearbeitet auf Pendelgang, und Schlag auf 2 Glocken und 2 seitliche Pendel. Die beiden Jacquemarts sind teils etwas geflickt (an den Beinen) und sicherlich spätere Nacharbeitungen, zahlreiche Restaurationen und Ergänzungen an der Materialität, ggf. auch Retuschen etc., haben das Aussehen sowie die Funktkionalität der prachtvolle Uhr des Christopf Pleig bis bis heute noch weitgehend original erhalten.
Astronomische Uhren sind überaus selten. Sie wurden bereits im Mittelalter hergestellt. Als Monumentaluhren waren sie vor allem an Kathedralen und Rathäusern angebracht. Beispiele dafür sind die - heute nicht mehr erhaltene - Uhr des Strassburger Münsters von 1354 und die im Spätmittelalter hergestellte Uhr des Ulmer Rathauses. Sie hat die Zeiten überdauert, allerdings nicht ohne diverse Erneuerungen über sich ergehen zu lassen. Unsere Tischuhr zählt zur Gruppe der Räderuhren und wird durch Federn angetrieben, die bereits im Mittelalter als "Energiequelle" eingesetzt wurden und das Gewicht als Triebwerk ablösten. Als Tischuhren findet man die astronomischen Uhren jedoch erst ab dem 16. Jahrhundert. Die Renaissance war bekannt als Zeit der Prunkuhren und Automaten, der technischen Wunderwerke und prächtigen künstlerischen Zeugnisse der höchsten Gold- und Silberschmiedkunst ebenso wie der ausgefeilten, raffiniertesten Technik und Mechanik.
Unsere Uhr orientiert sich mit ihrer Türmchenform an älteren Vorbildern, unterscheidet sich aber durch das relativ schlicht gestaltete Gehäuse - wahrscheinlich stammt der Auftraggeber aus bürgerlichen Kreisen - und ist ein außergewöhnliches Dokument der Ulmer Uhrmacherkunst des frühen 17. Jahrhundert und des für diese Zeit großen Interesses an Astronomie und Astrologie (vgl. u. a. J. Abeler, Meister der Uhrmacherkunst, Wuppertal 1977, S. 485 (mit biographischen Angaben zu Christof Pleig). – Es fehlen die handelsüblichen Aufziehschlüssel in Vierkantform, die Funktionalität der Uhr scheint gegeben, konnte aber nicht überprüft werden. Zur Provenienz: Die Uhr stammt aus einer bedeutenden Schweizer Privatsammlung, wurde jüngst ausgestellt als Leihgabe im Ulmer Museum.
** English **
Astronomical Table Clock from the South German Late Renaissance (resp. Manierism) signed by Precision Mechanic Christof Pleig
Over the centuries, the iron movement with a formerly original verge escapement has likely been reengineered to a suspension spring with chimes on two alternating bells, and with two lateral pendulums. Both jaquemarts have been partially mended in the leg area. Overall, numerous restorations and touch ups to the material have helped preserve the original look and functionality of this magnificent clock to the greatest extent possible.
Astronomical clocks are a rarity. Constructed since the Middle Ages, they have usually served to adorn cathedrals and city halls as monumental clocks. Examples include the-no longer existing-clock of the Strasbourg Cathedral of 1354 or the late-medieval clock of the Ulm City Hall. The latter has stood the test of time, but not without its fair share of repairs and restorations. The clock here presented is a mechanical spring-driven clock, making use of a technology that had already replaced pure weight as a source of energy in the Middle Ages. Astronomical table clocks, however, have only been documented since the 16th century. The Renaissance is well known as a time of magnificent clocks and automatons, technical wonders testifying to the artistry and craftsmanship of jewellers and clockmakers alike.
With its turret form our clock mimicks older models, at the same time setting itself apart due to its rather unpretentious case-likely the commissioner has a bourgeois background-and therefore is an extraordinary document of early 17th century Ulmer horology as well as of the contemporary interest in astronomy and astrology (cf. J. Abeler, Meister der Uhrmacherkunst, Wuppertal 1977, p. 485 with biographic data for Christof Pleig).
The winding tool/square wrench is missing. The clock seems to be functional, but could not be tested. Origin: The clock is from an important private Suisse collection and has recently been on exhibit at the Museum Ulm.


Veranstaltungshinweise:

Am 13.04.2021 bis 15.04.2021 117. Auktion: Wertvolle Bücher, Dekorative Graphik und Autographen


Schätzpreis: 35.000,-  EURO

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