Die Kunst, online zu lesen.

Home



News

Highlights der Bassenge-Buchauktion

Else Lasker-Schüler, Theben. Gedichte und Lithographien, 1923

Die erste Veröffentlichung des Neuen Testaments in seiner Ursprache

Erasmus von Rotterdam, Desiderius. Novum instrumentum omne, diligenter ab Erasmo Roterodamo recognitum & emendatum. 2 Teile in 1 Band. 14 Bl., 324 S., 224 (recte 230) S., 1 w. Bl., S. 225 (recte 231)-672 (recte 632), 2 Bl. Mit 3 jeweils vierteiligen Holzschnitt-Bordüren von Urs Graf, Holzschnitt-Druckermarke auf dem Titel und am Schluss, einigen figürlichen Holzschnitt-Initialen und Ornamentleisten; 1 Ornamentleiste und 2 Initialen zu Beginn der Paulusbriefe in Rotdruck. 30 x 21,5 cm. Pergamentband des 17. Jahrhunderts über Holzdeckeln mit spanischen Kanten und 2 späteren RSchildern (etwas fleckig, ohne die Schließbänder). Basel, Johannes Froben, 1. III. 1516.

Schätzpreis 35.000,-

Erste für die Reformation grundlegende Ausgabe des Neuen Testaments in seiner Ursprache. Erasmus hatte für diese Ausgabe nur für ihn in Basel zugängliche Manuskripte herangezogen. Für die Offenbarung lag dem Herausgeber kein einziger griechischer Codex vor, so daß er dieses Buch aus der Vulgata ins Griechische rückübersetzen musste, mit entsprechenden textkritischen Mängeln.
Mit dieser Ausgabe versetzte Erasmus jedoch seine Zeitgenossen in die Lage, "das Studium der Theologie auf die Hl. Schrift zu gründen und deren Verständnis zu erneuern. Dem griechischen Text ist eine lateinische, von der Vulgata abweichende, selbständige Übersetzung beigegeben (gegenübergestellt), zudem Anmerkungen (annotationes), in denen die Abweichungen vom bislang tradierten Wortlaut gerechtfertigt, dunkle Stellen erklärt, bisweilen auch moralisch-zeitkritische Ermahnungen gegeben werden" (Reinitzer).

"The success of Erasmus' version among scholars was immediate. It was the first field, and this fact, combined with the reputation of the editor , its relative cheapness and convenience and its wider distribution, kept it in possession of the field of the next two and a half centuries. It formed the basis of the New Testament translation of both Luther and Tyndale and hence had a profound influence on later Protestant versions of the Bible" (PMM 46 mit Abb.).
Zustand:Blatt aa2 im Oberrand etwas knapp, bis auf die Einfassungslinie der Bordüre, beschnitten, sonst gutes breitrandiges und annähernd fleckenfreies Exemplar aus der Bibliothek des amerikanischen Gelehrten und Theologen John S. Harford Junior mit dessen gestochenem Exlibris auf dem vorderen Innendeckel.


Seltene Inkunabel

Albertus Magnus. De mysterio missae. 132 (statt 134; 1 Einschaltblatt zusätzlich eingebunden) Bl. 1 Spalte. 32-34 Zeilen. Got. Typ. Schriftraum: 19,8 x 11,2 cm. Format: 26,5 x 19 cm. Mit zahlreichen Initialen und floraler Holzschnitt-Winkelleiste. Ohne Rubrizierung. Holzdeckelband um 1520 (Teile der Kanten und Kapitale fachmännisch restauriert) mit breitem blindgeprägtem Schweinslederrücken (etwas fleckig und berieben, VDeckel mit schwachen Klebespuren am Leder, ohne Messingschließen; Remboîtage) mit neuerem RTitel. Ulm, Johann Zainer d. Ä., 29.V.1473v.

Schätzpreis 6000

Erster von nur zwei Inkunabeldrucken von Albertus Magnus' Kommentar über die Eucharistie, zugleich einer der frühesten Drucke Zainers in Ulm, erschienen in seinem ersten Druckjahr. Zu Beginn des eigentlichen Texte verwendete Zainer ertsmals eine dritte seiner berühmten Randleisten (Passionsblumen ohne Wappen). "Zwischen Blatt 7 und 8 der 10. Lage war eine Seite Text aus Versehen ausgefallen, die Zainer auf einem eingehängten halben Blatt nachholte, das auf jeder Seite mit 17 Zeilen bedruckt wurde" (Amelung). Auf eine weitere Besonderheit im Druck verweist der BMC: "At the foot of the last page is a block of three lines, impressed in blind, consisting of three M's and 39 R's".
Zustand:Es fehlen die beiden Blatt d5 und d6. Erste Lage gebräunt und braunfleckig sowie mit kleinen Wasserrändern, die Initiale auf dem ersten Blatt mit Sepiatinte ausgemalt, dort auch Eintrag des Titels in Sepia. Am Schluss mit verblasstem Wasserfleck im oberen Rand. Etwas fleckig, stellenweise leicht gebräunt, insgesamt wohlerhalten. Durchgehend mit alter Tintenpaginierung, vereinzelte Annotationen, Seitenschnitt mit kleinem Tintenfleck, Vorsätze mit altem Papier alt erneuert.
Reihe:
Lit.: Hain 449. GW 700. Goff A-287. Pellechet 287. Amelung 8. Arnoult 22. Delisle 41. Günther 3036. Ohly-Sack 51. Walsh 879. Zehnacker 51. BMC II 520. BSB-Ink A-153. CIBN A-125. IDL 129. IGI 213. ISTC ia00287000.



Ausnahme-Exemplar

Legrand, Louis. - Cours de Danse. Fin de Siècle. 2 Bl., 56 S., 3 Bl. Titel in Rot und Schwarz. Mit 11 Original-Radierungen auf Tafeln (inkl. Frontispiz), 4 Extrasuiten, sowie zahlreichen farbigen Initialen, Kopf-Vignetten und cul-de-lampes von Louis Legrand. 29 x 20,5 cm. Karmesinroter Ganzmaroquinband auf 5 Zierbünden (signiert: Canape R. D.) mit roten Seidenmoiré-Spiegeln und -Vorsätzen sowie 7facher vergoldeter Innenkantenfilete, vergoldetem RTitel und in grünem und blauem Leder intarsierter Lilie, Goldschnitt. In: Burgunderroter Leder-Kassette mit grauem Velours-Leder gefüttert, intarsierter Rochenleder-Bordüre auf den Deckeln, dezenter Vergoldung und vergoldetem RTitel. Paris, Dentu, 1892.

Schätzpreis 14000

Nicht nummeriertes, unikales Exemplar auf Japan (die num. Auflage betrug 49 Exemplare), zusätzlich zur doppelten Folge, die die Bibliographen für diese Vorzugsausgabe nennen, mit einer Folge in Rötel und einer Folge auf Samt a la poupée handkoloriert. Zu dem prachtvollen Maroquinband, signiert "Canape R. D." (Relieur-Doreur) vgl. Roger Devauchelle (La reliure : recherches historiques, techniques et biographiques sur la reliure française) III 246f. ausführlich.
"Legrand made thirteen etchings from watercolor originals for this book. There are also a number of colored initials and vignettes in the text. The etchings are exercises in Zolaesque naturalism. No more than with Degas is there anything titillating about the dancers' poses, indeed Legrand seems to have selected their most difficult positions ...". (Ray II, S. 446f.).
Ausnahme-Exemplar dieses schönen Buches; auf dem Vortitel eine signierte und handkolorierte Originalzeichnung des Künstlers. Die äußert seltene, prachtvoll handkolorierte Folge auf Samt spiegelt am besten den Charme der Aquarelle von Legrand wider, die diesem Werk zugrunde liegen.
Zustand:Tadelloses Exemplar aus der legendären Bibliothek von Fernand J. Nyssen (1893-1964).


Unbekannte Variante
Karl Friedrich, Markgraf von Baden. Abregé des principes de l'économie politique. X, 51 S., 1 w. Bl. nebst 6 Kartonblatt (vgl. unten). Mit Holzschnitt-Titelvignette und gestochener Kopfvignette. 18 x 11,5 cm. Leder d. Z. mit floraler RVergoldung und goldgeprägtem RSchild in moderner Lederkassette mit goldgeprägtem RTitel. Karlsruhe und Paris, Lacombe, 1772.

Schätzpreis 14000

Außergewöhnlich seltene erste Einzelausgabe. War erstmals in den "Ephémerides du Citoyen" (Januar 1772) erschienen. "The 'Abregé', in which the margrave summarized his views, is nearest to pure physiocratic doctrine and reflects at the same time the rationalist conceptions of the age of Enlightenment" (ESS). "Vor allem auch seine engen Beziehungen zu Du Pont de Nemours und Mirabeau (dem Vater), zwei Hauptvertretern der physiokratischen Lehre (mit denen er eine umfangreiche Korrespondenz unterhielt), bestärkten ihn bei der Regierungstätigkeit in dem auf das Untertanenwohl gerichteten Ziel" (ADB). Karl Friedrich (1728-1811) gilt als Musterregent des aufgeklärten Absolutismus. Er schaffte die Folter ab, schuf das Pensions- und Versicherungswesen seines Landes und hob die Leibeigenschaft auf. - Beigebunden sind 6 Blatt (Kartonblätter?) eines unbekannten Drucks, und zwar ein weiteres Titelblatt ohne Verfasserangabe mit dem Impressum "a Basle M.DCC.LXXXIII." mit der gleichen Holzschnitt-Vignette wie im Originaldruck; ferner das ganze "Avis de l'éditeur" (= S. V-X, A3-5) mit etlichen textlichen Abweichungen gegenüber dem Original, die vor allem die Anonymität des Verfassers wahren, aber genau mit der zweiten Einzelausgabe von 1786 textlich übereinstimmen; schließlich die beiden ersten Blatt des eigentlichen Textes (= S. 1-4, A6-7), mit einer Holzschnitt-Kopfvignette statt der gestochenen Vignette des Originals und ebenfalls unter Auslassung des Verfassernamens auf S. 1. Da eine Ausgabe Basel 1773 nicht bekannt ist, steht zu vermuten, dass es sich um den Versuch einer 2. Einzelausgabe mit fingiertem Druckort Basel handelt, der nicht zur endgültigen Ausführung gelangte, dessen Textvarianten aber wörtlich in die 2. Ausgabe von 1786 übernommen wurden.
Zustand:Schönes breitrandiges Exemplar.
Beigegeben: Derselbe. Abregé des principes de léconomie politique. VIII, 51 S., 2 w. Bl. Umschlag d. Z., ebenfalls in der Kassette. 16 x 10 cm. Karsruhe, M. Macklot, 1786. - Einaudi 3107. Goldsmiths 13132. Higgs 5393 Anm. Kress B. 1084. Nicht bei Humpert und INED. - Zweite Einzelausgabe, ebenfalls sehr selten. - Vereinzelt schwach stockfleckig.


Lasker-Schüler, Else. Theben. Gedichte und Lithographieen (sic). Mit 10 (9 signierten und kolorierten) Orig.-Lithographien und 13 Seiten lithographiertem Text. 32 x 24,5 cm. Hellgrauer OSeidenband (als Blockbuch gebunden) mit Vorderdeckelillustration und Verlagssignet auf dem Hinterdeckel, mit Bastheftung und KGoldschnitt. Frankfurt und Berlin, Querschnitt, 1923.

Schätzpreis 12000

Eines von 50 nummerierten Exemplaren der Vorzugsausgabe (Gesamtauflage: 250) mit den von Lasker-Schüler signierten und handkolorierten Lithographien, der Druckvermerk ebenfalls von ihr signiert. Die letzte Lithographie in diesem Exemplar allerdings nur dezent ankoloriert und ohne Signatur. In der Einheit von Bild und Schrift, in seiner spontan wirkenden Gestaltung und trotzdem bibliophilen Aufmachung einer der Höhepunkte der expressionistischen Buchkunst. "Eines ihrer schönsten Bücher, das beiden Seiten ihrer Begabung voll Rechnung trug, ... der kostbare Band Theben, in dem jeweils eines ihrer schönsten Gedichte einer entsprechenden Zeichnung gegenübergestellt ist. Hier zeigt sich, welch enge Beziehungen sowohl ikonographisch als auch formal bei ihr zwischen Wort und Bild bestehen" (Erika Klüsener, Lasker-Schüler. Mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten). "Die zehn Gedichte, die zu den schönsten der Dichterin gehören, stammen aus verschiedenen früheren Sammlungen und sind mit ihrem Familien- und Freundeskreis eng verbunden... Die wichtigsten Gestalten, die die private Phantasiewelt der Künstlerin bevölkern, ziehen in Text und Bild durch das Werk, in schnellen, nervösen, eigenwilligen Zügen in Silhouetten gezeichnet, die sich von der Realität entfernt haben" (Papiergesänge).
Zustand:Frisches und wohlerhaltenes Exemplar.
Reihe: 24. Flechtheimdruck.
Lit.: Raabe 182, 15. Jentsch 136. Lang 217. Rodenberg 24. Schauer II, 118. Bauschinger 214. Papiergesänge 41.


Hauptwerk zur Elektrizität - erstaunlich gut erhaltenes Exemplar

Ohm, Georg Simon. Die galvanische Kette mathematisch bearbeitet. IV, 245 S. Mit 3 figuren auf lithographischer Tafel. 19,5 x 12 cm. Pappband d. Z. (Kanten beschabt, bestoßen, Bezugspapier teils mit kleinen Fehlstellen oder beschabt) mit hs. grünem RSchild und dreiseitigem Rotschnitt. Berlin, T. H. Riemann, 1827.

Schätzpreis 10000

Erste Ausgabe des Hauptwerkes von Georg Simon Ohm (1789-1854) über die Elektrizität. "Auf dem Gebiet der Elektrizitätsmessung war Ohm der große Pionier". Es war sein bedeutender Beitrag, "die Stärke des elektrischen Stromes sowie den Einfluß des Widerstandes auf den Strom zu messen. Theoretisch ermittelte er das später ihm zu Ehren benannte 'Ohmsche Gesetz' durch Analogieschluß aus Fouriers Wärmemessungen" (Carter-Muir 530). "The discovery of 'Ohm's Law', the fundamental law of electrical circuits, namely that E(lectromotive force) equals I (Current) x r (resistance)" (Horblit). "1827 - Georg Simon Ohm dehnt in seiner Schrift 'Die galvanische Kette mathematisch bearbeitet' die Fourier'sche Theorie der Wärmeverbreitung auf die strömende Elektrizität aus und führt dafür den Begriff dese Gefälles, speziell des Potentialgefälles ein. Die Analogie wird später 1871 von Wand eingehend begründet" (Darmstaedter, S. 372).
Zustand:Vorderer Vorsatz mit 2,5 Seiten ausführlichen, interessanten biographischen Notizen einer zeitgenössischen Hand über den Autor, kaum fleckig, kaum Gebrauchsspuren, im Block ein erstaunlich gut erhaltenes, sehr schönes Exemplar auf sehr weißem Papier, das nicht nur die oft fehlende lithographische Tafel, sondern auch das Blatt S. 245 mit den "Verbesserungen", den "Anmerkungen zu Seite 152" sowie verso dem Druckvermerk enthält (die Verlagsanzeigen wurden ja nur wenigen Exemplaren beigegeben).
Reihe:
Lit.: Dibner 63. Norman 1607. Horblit 81. Sparrow 154. Wheeler 835. PMM 289b. Ekelöf 876. Ronalds 376.



Archimedes. - Sturm, Johann Christoph (Übers.). Kunst-Bücher oder heutigs Tags befindliche Schrifften. Aus dem Griechischen in das Hoch-Teutsche übersetzt, und mit nohtwendigen Anmerkungen durch und durch erläutert [und:] Sand-Rechnung, oder tiefsinnige Erfindung einer ... Zahl, welche er unfehlbar beweiset grösser zu seyn als die Anzahl aller Sandkörnlein ... Aus dem Griechischen in das Hochteutsche übersetzet ... 2 Teile in 1 Band. 12 Bl., 427 S.; 4 Bl., 32 S. Mit zusammen 1 Kupfertitel von Peter Paul Tröschel (in Pag.), 1 Titelkupfer und zahlreichen Textholzschnitten. 31 x 19 cm. Rotes Maroquin d. 18. Jh. (leicht fleckig) mit goldgeprägtem RSchild, floraler RVergoldung, Deckel mit floraler Goldprägung auf grünem Mittelstück, goldgeprägter Filete, Blattwerk-Bordüre, Steh- und Innenkantenvergoldung, dreiseitiger Goldschnitt und grüne Seidenvorsätze. Nürnberg, Christoph Gerhard für Erben Paul Fürst, 1667-1670.

Schätzpreis 5000

Erste bzw. einzige deutsche Ausgabe. Der Übersetzer Johann Christoph Sturm (1635-1703) war seit 1669 Professor der Mathematik und Physik an der Universität Altdorf "und lehrte daselbst 34 Jahr mit grossem Ruhme" (Jöcher). In der Einleitung ein Panegyricum auf Archimedes mit nachfolgendem Glossar.
"Eine von zahlreichen Anmerkungen begleitete Übersetzung auch der übrigen archimedischen Schriften mit Ausnahme der Wahlsätze, deren Auffindung Sturm entgangen sein dürfte. Schon in der Sandzahl hat Sturm Gewicht darauf gelegt, deutsche Ausdrücke an Stelle der fremdländischen zu setzen ... Die Sandzahl von 1667 ist dem Deutschen Archimed von 1670 als letzter Abschnitt beigefügt, hat aber die alten mit 1 anfangenden Seitenzahlen beibehalten. Von einer zufälligen Anheftung kann nicht die Rede sein, denn in dem zu Anfang befindlichen 'Verzeichnis derer in diesem Werk begriffenen Archimedischen Schrifften' ist die Sandzahl als VII. Schrift angekündigt" (Cantor). "In the 'Arenarius', or 'Sand-reckorner', he invented a system of numeration by which he could express any number however large, e. g. the number of grains of sand which could be contained in a sphere the size of the universe" (PMM 72, zu Teil II). Der erste Teil behandelt u. a. die Kugel und Rundsäule, den Kreis sowie die Scheibenmessung, die Ebenen von Flächen sowie die Schwerpunkte, die Parabel-Vierung, den Kegel und kugelähnliche Figuren etc.
Zustand:Leicht gebräunt und braunfleckig. Sehr dekorativ gebunden.
Reihe:
Lit.: VD17 39:124568L. Riccardi I/1, 45, 15 und 16. Wellcome II, 53. Hoffmann I, 242. Schweiger I, 43. Poggendorff II, 1043. Hampe (Fürst) 123 und 124. Cantor III, 11. Graesse I, 181. Will IV, 800. Ornamentstichkatalog 4686. Vgl. Jöcher IV, 913.



Santini, Paolo. Atlas universel dressé sur les meilleures cartes modernes. 2 Bände. Mit Kupfertitel, 2 gestochenen Blättern mit Kartenverzeichnissen und 123 doppelblattgroßen grenzkolorierten Kupferstichkarten. 53 x 41 cm. Halbpergament d. Z. (etwas berieben und gewellt) mit goldgeprägtem RSchild. Venedig, P. Santini für M. Remondini, 1776(-1779).

Schätzpreis 9500

Erste Ausgabe. "In this work, Santini was the Italian publisher and most of the maps of Italy are signed by him. But the bulk of the work reproduces maps by French cartographers, notably d'Anville, Bellin, Bonne, Janvier and the Robert de Vaugondys" (Nat. Maritime Mus. Cat.). Enthalten sind: 2 Hemisphärenkarten, eine davon mit den neuesten Entdeckungen besonders in der Südsee; 4 Erdteil-Karten; Spanien und Portugal (7); Frankreich (14); Deutschland (11); Schweiz; Österreich (2); Böhmen, Mähren, Schlesien u. Lausitz; Tirol; Benelux (2); Britische Inseln (4); Skandinavien (2); Polen (2); Litauen; Ungarn; Russland (4); Griechenland u. Türkei; Osmanisches Reich um das Schwarze Meer (6); Italien (23); Istrien u. Dalmatien (3); Georgien; Schwarzes Meer; Osmanisches Reich in Asien; Asien (4); Australasien; Afrika (3); Entdeckungen im Nordpazifik; Nordamerika (4); Mittelamerika u. Karibik (2); Südamerika (3); Alte Welt (10).
Zustand:Der Kupfertitel und das gestochene Kartenverzeichnis in Band eins in der unteren äußeren Ecke etwas stärker feuchtrandig und gewellt, auch am Ende dieses Bandes wenige Blätter mit Feuchtigkeitsschaden. Wenige Karten dieses Bandes mit kleinsten Wurmspuren im unteren Bug. Gering fleckig und angeschmutzt. Meist sauber und wohlerhalten.
Reihe:
Lit.: Phillips 647. Lex. z. Gesch. d. Kartogr. 349. Vgl. Nat. Maritime Mus. Cat. III, 277.


Seutter, Matthäus. Atlas novus indicibus instructus oder neuer mit Wort-Registern versehener Atlas, bestehend in 50. Seutterisch-Geographischen Haupt- und Special-Tabellen. Hrsg. von M. Roth. 8 Bl. Mit koloriertem Kupfertitel (in Pag.), gestochener kolorierter doppelblattgroßer Widmung, 52 (51 doppelblattgroßen und 1 gefalteten) teil- und grenzkolorierten Kupferstichkarten und 50 (42 doppelblattgroßen) typographischen Tabellen. 54 x 31 cm. Leder d. Z. (vollständig restauriert, stärker berieben und beschabt). Wien, Johann Peter van Ghelen, 1730.

Schätzpreis 9500

Der 'Neue Atlas Mayor' von dem großen Kartografen, Kupferstecher und erfolgreichen Verleger Matthäus Seutter (1678-1757), der neben den höchst detailliert gestochenen und daher äußerst zuverlässigen und besonders begehrten Karten auch noch die typographischen Legenden als "Alphabetische Indices, Worinnen angezeiget wird, wie alle die jenige Oerter und Wörter, so in der von Matthaeo Seütter ... gedrucktet seynd, also gleich gefunden werden können". Seutter führte ein Koordinatensystem aus Groß- und Kleinbuchstaben auf den Rahmen der Detailkarten ein, die das schnelle Auffinden der einzelnen Orte ermöglicht.
Gegenüber allen anderen der zahlreichen, auf dem Markt befindlichen Atlanten, von den großen Niederländern über die Franzosen bis hin zu Johann Baptist Homann, zeichnete sich der 'Seutter' durch den größten praktischen Gebrauchsswert aus.

Enthalten sind je eine Himmels- und eine Weltkarte, 4 Erdteilkarten, Gesamt- und Detailkarten der europäischen Länder, darunter Deutschland (12), Österreich (7), Schweiz, Italien (7), Frankreich (3), Skandinavien u. v. m. Der Fehler im Inhaltsverzeichnis, wo unter Position 32 und 33 zwei Frankenkarten angegeben sind, ist hier mittels einem kleinen, in derselben Type neu gedruckten und sauber aufmontierten Zettelchen korrigiert, so dass es nun richtig heißt: "32. Luxemburgicus Ducatus" und "33. Franconicus Circulus".
Von Himmels- und Weltkarte abgesehen wird jede Karte durch ein nachfolgendes "Particular-Register" (so im Kartenverzeichnis genanntes Indexblatt) erschlossen.

Das am Ende des Vorspanns abgedruckte Karten-Verzeichnis gibt 50 nummerierte Karten an; hierbei bleiben die anfangs eingebundene Himmelskarte und die Weltkarte in der Nummerierung jedoch unberücksichtigt; die Russlandkarte ist in dem vorliegenden Exemplar wegen ihrer Übergröße (60,5 x 101 cm!) eingefaltet (in anderen Explaren ist sie auf zwei Doppelblätter aufgeteilt, so dass sich eine abweichende Kollation ergibt). Ein eigener Generalregisterband sollte später noch separat erscheinen, hier nicht vorhanden.
Zustand:Der Kupfertitel etwas später koloriert und im oberen Rand mit kleinen nachgedunkelten Feuchtigkeitsflecken. Leicht gebräunt, braun- und stockfleckig, wenige Tafeln etwas stärker gebräunt. Mit Pergamentgriffregister.


Piranesi, Giovanni Battista. Campus Martius antiquae urbis Romae. 31, XI S. Mit 2 gestochenen Titeln, gestochener Initiale, gestochener Textvignette und 51 (2 mehrfach gefalteten, 1 doppelblattgroßen, Tafeln V-X zu einem zusammenhängenden Plan zusammenmontiert). 59 x 44 cm. Halbleinen des späten 19. Jahrhunderts (Kanten etwas berieben). Rom um 1790.

Schätzpreis 9000

Spätere Ausgabe des erstmals 1762 erschienenen "Campus Martius", die nur mit dem italienischen Text herausgegeben wurde. Der 'Campus Martius' ist ein 250 Hektar großer Bereich im antiken Rom gewesen, der dem Kriegsgott Mars gewidmet ist und im Laufe der Zeit immer wieder unterschiedliche Nutzungen erfahren hat. Er war ein militärischer Übungsplatz, Ort für römische Triumphzüge, ebenso wurden dort auch Häuser und Theater gebaut sowie eine Parkanlage mit Tempeln errichtet. Givanni Battista Piranesi (1720-1778) unternimmt mit seinem "Campus Martius" den Versuch einer Untersuchung und Rekonstruktion, die antike Anlage und ihre Bauten, teils mit eigenen Ergänzungen, wiederentstehen zu lassen. Der zugehörige Text ist eine Art Erörterung der Baugeschichte. Piranesis eigentliche Intention ist die "Verherrlichung römischer Großartigkeit" (Wilton-Ely 1988, S. 81) sowie die Rekonstruktion statt bloße Reproduktion. Seine Ansichten blenden alles Mittelalterliche aus. "Piranesi wollte die konkreten Spuren des historischen Wandels sichern und die von der Wechselbeziehung zwischen physischen Fakten und politischen Kräften bestimmten Entwicklungsstrukturen des Stadtbildes aufdecken" (ebd. S. 80f.). Gewidmet ist das Werk dem britischen Architekten Robert Adam (1728-1792), der wie Piranesi in der antiken Architektur das Ideal erkannte.
Zustand:Der lateinische Titel gestempelt. Leicht gebräunt und braunfleckig. Der Text mit horizontaler Quetschfalte und etwas gebräunt. Unbeschnittenes breitrandiges Exemplar.
Reihe:
Lit.: Hind S. 85. Wilton-Ely 1994, Nr. 559-612. Wz. Robison 46.




Tsingtau Vogelschauplan. Federzeichnung und Aquarell auf grundierter Seidengaze (Shirting). Ca. 92 x 142 cm. Unter Glas in Holzleiste gerahmt ca. 106 x 156 cm. Tsingtau zwischen 1898 und 1899.

Schätzpreis 8000

Besonders großer, detailliert gezeichneter und hübsch kolorierter sowie bemerkenswert gut erhaltener Vogelschauplan von Tsingtau, der heutigen chinesischen Stadt Qingdao, die als "Grüne Insel" (chin. "Tsingtao Shih") zwischen 1898 und 1919 innerhalb der Kolonie Kiautschou zum Deutschen Reich gehörte. Der Plan datiert in die früheste Zeit laut Beischrift "Im 24. Jahr des Kaisers Guāngxù (1874-1908)".

Bei den deutschen Kolonialherren waren die teils naiven, meist aber durch ihren Detailreichtum und die Exaktheit der Darstellung wie die dekorative Kolorierung überzeugenden Vogelschaupläne der Marinestadt Tsingtau höchst begehrt. So entstanden einige dieser Aquarelle als feinste Pinselzeichnungen meist auf Seidengaze, die dann minutiös koloriert wurden, um dann - wie ein Stadtplan - zusammengefaltet zu werden und mit ihren Besitzern die lange Reise ins "Mutterland" nach Deutschland anzutreten.

Eine jüngste Publikation befasst sich ausführlich mit diesen Tsingtau-Plänen, die sich abbildet und verzeichnet. Der uns vorliegende ist aber wohl bis dato unbekannt geblieben, er rangiert unter den qualitätsmäßig besten seines Genres.

Zur Publikation erscheint der Klappentext: "Tsingtau ist nach Kiel und Wilhelmshaven die dritte deutsche Marinestadt, 1897 gegründet und bis 1914 in deutschem Besitz. Aus dieser Zeit gibt es zahlreiche Vogelschaupläne, die die Gründung der Stadt und ihr Wachstum anschaulich darstellen. Die in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv Quingdao entstandene deutsch-chinesische Publikation beschreibt die Vorgeschichte, die Gründung, das Wachstum und das Ende der deutschen Marinestadt. Sie dokumentiert mit den Vogelschauplänen und mit historischen und aktuellen Fotos von Gebäuden und Schiffen die verschiedenen Phasen der Stadtentwicklung. Die Vogelschaupläne wurden von chinesischen Künstlern gezeichnet und von deutschen Marineangehörigen als Erinnerungsdokumente nach Deutschland mitgenommen. Heute befinden sich die meisten Vogelschaupläne in öffentlichen Archiven, Bibliotheken und Museen oder in Privatbesitz" (Gert Kaster, Die Vogelschaupläne von Tsingtau, Kiel 2018).

Der hier angebotene gehört als zu den wenigen noch in Privatbesitz befindlichen Plänen. Er zeigt die von einer blauen Hügelkette umgebenen Stadt an der "Bucht von Tsingtau", die einen natürlichen, schwer einnehmbaren Hafen bildet. Deutlich kann man die Kasernen sehen, ebenso wie die öffentlichen Gebäude, die beiden christlichen Kirchen (die katholische und die protestantische), den Söller mit dem Leuchtturm im Hafenbecken, den Pier, das Artillerielager in den Bergen rechts, die Warenmagazine, über denen mehrfach die Fahnen des Deutschen Kaiserreichs wehen. Bis hin zu den kleinesten Details wurde die Koloniehauptstadt dargestellt. So sieht man auf den Hügeln kleine schwarze Kanonen für die Verteidigung, Gaslaternen in den Straßen, den Beobachtungsturm auf der Bergstation und vieles mehr. Jeweils ein Dampfer steuert aus der Tsingtau Bay und oben aus der Kiautschau Bay das offene Meer an.

Zahlen verweisen auf eine Legende, die wohl einmal dem Plan beilag (oder sich verso findet). Oben der Titel in Pinjin: "Tsingtau, Im 24. Jahr gezeichnet unter dem Kaiser Guanzu", was den Jahren 1898-1899 westlicher Zeitrechnung enstpricht.
Zustand:Nicht ausgerahmt, Versand ist jedoch nur ohne den monumentalen, schweren Rahmen möglich. Wenige Oberflächenläsuren, kaum Abrieb, mit den üblichen Knicken, insgesamt von ausgezeichneter, frischer Farbigkeit und in bester Erhaltung.
Reihe:

Vom Gesellschaftsvertrag

Rousseau, Jean-Jacques. Principes du droit politique. 2 Bl., VIII, 323 S. Mit gestochener Titelvignette nach B. Bolomey. 22,5 x 13 cm. Moderner marmorierter Lederband im Stil d. Z. mit floraler RVergoldung, goldgeprägtem RSchild, doppelten Deckelfileten und Stehkantenvergoldung. Amsterdam, Marc Michel Rey, 1762.
Schätzpreis 6000 /
Zweiter oder B-Druck der ersten Ausgabe des Contract social, eigentlich der Originaldruck, bei dem lediglich ein neues Titelblatt, welches den Untertitel zum Haupttitel macht und eine andere Vignette trägt, eingehängt wurde. Ferner wurden die Seiten 321 bis zum Schluss (S. 324 mit den Verlagsanzeigen) neu gesetzt, wobei die Fußnote auf Seite 321/22 wegfiel. Diese Druckfassung wurde von Rousseau als endgültig autorisiert (vgl. Dufour). "Remains Rousseau's greatest work" (PMM).
Zustand:Leichte Flecken, zahlreiche Lagen mit zumeist verblasstem Feuchtigkeitsrand. Unbeschnittenes Exemplar in einem hochwertigen Lederband im Stil der Zeit, der Buchblock allerdings etwas zu knapp eingebunden.
Reihe:
Lit.: Dufour 133. Sénelier 554. Tchemerzine X, 43b. PMM 207.




Subskriptionsexemplar der Buch- und Mappenausgabe Salman Schockens

Slevogt, Max. - Goethe, Johann Wolfgang von. Faust zweiter Teil. Buch- und Mappenausgabe. 2 Bl., 460 S., 2 Bl. Mit Titelvignette in Original-Radierung, 10 ganzseitigen Original-Radierungen sowie 510 Textillustrationen in Original-Lithographie (Drôlerien, Vignetten, ornamentale Bordüren etc.) von Max Slevogt; Doppelblatt und 10 signierte Tafeln in Original-Radierung sowie 428 signierte Tafeln in Original-Lithographie von Max Slevogt. 46 x 35 cm. Rotes OMaroquin mit goldgeprägtem Titel auf Rücken und VDeckel, einfacher Goldfilete auf den Deckeln und KGoldschnitt bzw. OBroschur (Textheft) mit VDeckelillustrationen zusammen mit Tafeln in roter OMaroquin-Kassette mit goldgeprägtem Titel auf Rücken und VDeckel sowie goldgeprägtem Rücken- und Deckelornament nach einer Illustration Slevogts (am Rücken minimale Oxidation, kaum berieben oder bestoßen). 46 x 33,5 cm. Berlin, Bruno Cassirer, 1927.
Schätzpreis 8000 / Limit 6500
Eines von 250 nummerierten Exemplaren der Buchausgabe, im Druckvermerk vom Künstler signiert und nummeriert - und Nummer 7 von 50 Exemplaren der Mappenausgabe.

Die umfangreichste Illustrationsfolge Slevogts, zugleich auch seine eindrucksvollste. Zum einen reflektieren die Bordüren und Zierleisten historische Vorbilder - wie etwa Dürers Randzeichnungen zum Gebetbuch Maximilians - zum andern verraten die Illustrationen die Anregung durch Delacroix' geniale Faustillustrationen. Die Radierungen dieser Folge gehören zu Slevogts kraftvollsten Leistungen, "ohne Zweifel ein Hauptwerk Slevogts, aber doch primär ein grandioses Ereignis der Druckgraphik, nicht der Buchkunst. Der großartige Zeichner hat den Illustrator geschluckt. Die satzspiegelsprengenden Graphiken leben ihren eigenen Charakter aus." (Lang, Impressionismus, S. 90).
Zustand:Wohlerhaltene, sehr schöne Exemplare von Buchausgabe und Mappe. Subskriptionsexemplar für den Unternehmer, Kaufhausgründer und Verleger Salmann Schocken (1877-1959) mit beiliegendem, von Slevogt signierten Subskribenten-Zettel, in dem der Name handschriftlich eingetragen wurde: "Das von Herrn S. Schocken erworbene Exemplar der Buchausgabe von Max Slevogt, Faust II. Teil, erhält die Nr. 7 Bruno Cassirer Verlag" (gelocht).
Beigegeben: Beliegt: Verlagsprospekt. 4 S. Mit 2 (1 ganzseitige) Textillustrationen und 3 Bordüren in Original-Lithographie von Max Slevogt (etwas knittrig, wenige Gebrauchsspuren).
Lit.: Rümann 25 a. Schauer I, S. 214 und Tafel 84. Katalog Odysseus 7/16. Dorn 463. Söhn, Slevogt 815 (alle mit Abb.).

Veranstaltungen zum Bericht:
118. Auktion: Wertvolle Bücher, Dekorative Graphik und Autographen

Quelle: © Galerie Bassenge Berlin

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an





Galerie Bassenge Berlin

English Site Galerie Bassenge Berlin

Über uns

News

English Site News

Termine

English Site Termine

Highlights








Copyright © '99-'2021
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum



Zum Seitenanfang Auktionen

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce