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Emy Roeder, Stute und Fohlen, 1919

Emy Roeder, Stute und Fohlen, 1919

Messingbronze mit goldbrauner Patina auf Bronzeplinthe. 1919.
36,1 x 33,2 x 14,8 cm.
Auf der Plinthe unter dem rechten Lauf der Stute monogrammiert "ER" und datiert "19".
Gerke 101.

Losnummer: 8047


Emy Roeder zählt zu den führenden Künstlerinnen des bildhauerischen Expressionismus. Neben Stationen in Würzburg und München erlebte sie ihre künstlerischen Anfänge vor allem in der Ausbildung unter Bernhard Hoetger in Darmstadt, bevor sie 1914 nach Berlin übersiedelte und ihr Studium von 1920-1925 im Meisteratelier von Hugo Lederer fortsetzte. Sie etablierte sich rasch, und zusammen mit ihrem Ehemann und Bildhauerkollegen Herbert Garbe pflegte sie enge Kontakte zur künstlerischen Avantgarde der Zeit und wurde Mitglied in mehreren namhaften Künstlergruppen. Im Jahr ihrer Heirat mit Garbe 1919, verbrachte Roeder wohl einige Zeit in Fischerhude und kehrte mit den unterschiedlichsten Beobachtungen aus Natur und Tierwelt zurück, die sie fortan versuchte bildhauerisch darzustellen. "Menschliche und kreatürliche Zuneigung" sollte für die kommenden Jahre zu ihrem zentralen Motiv werden (vgl. Beate Reese, in: Emy Roeder. Auf der Suche nach Ausdruck und Form, Ausst.-Kat. Würzburg 2004, S. 30 ff.). Unmittelbar zu dieser Zeit entstanden zwei Fassungen des Motivs "Stute und Fohlen" (Gerke 100; Gerke 101). Beide Darstellungen gelten als die ersten Bronzeplastiken und die ersten Tierplastiken im Oeuvre der Künstlerin. Zudem markieren sie den Beginn von zweifigurigen Gesamtkompositionen in ihrem Werk.

Unsere Fassung (Gerke 101) zeigt eine stehende Stute, mit zärtlicher Geste dem unter ihr liegenden Fohlen zugewandt. In komplexer Bewegung ist der Hals dabei so weit nach hinten gedreht, dass sich der geneigte Mutterkopf in vertikaler Achse mit dem emporgestreckten Kopf des Jungtieres befindet. Die für Roeder typisch mandelförmigen Augen beider Tiere betonen die optische Verbindung. Mutter und Kind, festgehalten in einem innigen Moment der Zuneigung. Die grazil tänzelnden Beine der Stute werden dabei so platziert, dass dem Jungtier genügend Raum bei gleichzeitigem Schutz gegeben ist. Auch die klare Anordnung beider auf einer gemeinsamen Plinthe unterstreicht die liebevolle Verbindung von Mutter zu ihrem Fohlen. Die stark betonten Kanten der Plastik aus der frühen Weimarer Republik rückt sie in die Nähe des "Berliner Kubismus". 1920 wurde ein Guss der Arbeit bereits in eine Ausstellung der "Novembergruppe" integriert. Zu dieser Zeit begann der Straßburger Apotheker André Horn über enge Kontakte eine Sammlung zeitgenössischer Avantgardekunst aufzubauen, in die der hier angebotene Guss schon früh gelangt sein musste. Ein Foto von 1930 zeigt die Plastik bereits in der Sammlung. Zusammen mit seinem Bruder, dem Architekten Paul Horn, gründete André Anfang der 1920er Jahre eine Immobiliengesellschaft und ließ in der sogenannten "Aubette" ein modernes Kultur- und Vergnügungszentrum unter der Gestaltung von Sophie Taeuber-Arp, Hans Arp und Theo van Doesburg gestalten. Wunderbares Exemplar mit differenzierter Patina. Friedrich Gerke führt im Werkverzeichnis von 1963 lediglich zwei bekannte Güsse auf. Von allergrößter Seltenheit.

Wir danken Dr. Henrike Holsing, Museum im Kulturspeicher Würzburg, für freundliche Hinweise.

Provenienz: Sammlung André Horn bis 1948

Paul Horn (gest. 1959, danach in Familienbesitz)

Privatsammlung Frankreich

Literatur: Der Cicerone, XII. Jahrgang, 1920, Abb. S. 425 (wohl der Gipsentwurf)

Alfred Kuhn, Emy Roeder, in: Junge Kunst, Bd. 18, Leipzig 1921, mit ganzs. Abb. (wohl der Gipsentwurf)

Deutsche Kunst und Dekoration, Bd. 50, 1922, Abb. S. 201 (wohl der Gipsentwurf)

Beate Reese, Emy Roeder. Auf der Suche nach Ausdruck und Form, Ausst.-Kat. Würzburg 2004, vgl. Abb. S. 55

Henrike Holsing und Marlene Lauter, Das Kosmische allen Seins - Emy Roeder. Bildhauerin und Zeichnerin, Ausst.-Kat. Würzburg 2018, Kat. Nr. 9, vgl. Abb. S. 101


Wir bitten darum, Zustandsberichte zu den Losen zu erfragen, da der Erhaltungszustand nur in Ausnahmefällen im Katalog angegeben ist.


Veranstaltungshinweise:

Am 03.12.2021 bis 04.12.2021 118. Auktion: Moderne und Zeitgenössische Kunst


Schätzpreis: 24.000,-  EURO

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