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Adolf Erbslöh, Am Meer bei Positano (

Adolf Erbslöh, Am Meer bei Positano ("Marine in Positano", "Aus Positano"), 1923

Öl auf Leinwand. 48,2 x 37,2 cm. Gerahmt. Unten links schwer lesbar in dunklem Blau signiert ' A. Erbslöh.'. - Rückseitig auf dem Keilrahmen oben mit dem bedruckten Aufkleber "MODERNE GALERIE THANNHAUSER", darin handschriftlich mit roter Tinte beziffert "7387"; seitlich rechts mit dem maschinenschriftlichen Ausstellungsetikett von 1931 des Kunstvereins in Barmen. - An der oberen linken Ecke mit geringfügigem Farbabrieb.

Salmen/Billeter 1923/9 ("Standort: unbekannt"); nicht bei Wille

Auf einer späteren Bilderliste des Künstlers aufgeführt unter der Nr. 234 ("Marine in Positano [...] Sommer 1923"; nach einem s/w-Foto Erbslöhs dokumentiert als "Aus Positano 23".

Provenienz

Ehemals Sammlung Dr. Richart Reiche, Barmen; Nachlass Dr. Ekkehart Reiche; seitdem Privatbesitz Hessen

Ausstellungen

Barmen Mai 1931 (Kunstverein in Barmen, Ruhmeshalle), Adolf Erbslöh 1881-1931, Ausstellung, Kat. Nr. 62 ("Am Meer bei Positano")

Literatur

Brigitte Salmen/ Felix Billeter, Adolf Erbslöh 1881-1947, Werkverzeichnis der Gemälde, München 2016, vgl. S. 34 f.; S. 182 mit Abb.; Sabine Fehlemann (Hg.) und Antje Birthälmer, Adolf Erbslöh. Vom Expressionismus zum neuen Naturgefühl, Katalog des Von der Heydt-Museums Wuppertal, Wuppertal 2000, vgl. S. 11 f.

Adolf Erbslöh sollte 1923 nach Italien aufbrechen und Olevano, Positano, Civitella und auch Capri besuchen. Diese Reise, von der man bislang annahm, dass Alexander Kanoldt, der Jugendfreund und Studiengefährte sie begleitete, prägte durch das Erlebnis der neuen Landschaftsmotive, der mediterranen Steilküsten mit den typischen aufgetürmten Dorf- und Stadtarchitekturen, Erbslöhs Malerei und Formgebung nachhaltig. Sie zeitigte einen künstlerischen Höhepunkt und eine unmerkliche stilistische Zäsur, die ihn im weitesten Sinn von den Ausdrucksmitteln des Expressionismus weg und zu dem hinführte, was man wenig später als „Neue Sachlichkeit“ bezeichnete. Aber es bleibt ein Charakteristikum seiner Arbeit, dass sie sich nicht direkt über diese stilistischen Begrifflichkeiten erschließt, insofern er künstlerisch seine Distanzen wahrte und Gesehenes und Empfundenes wie formal Erprobtes, oszillierend zwischen Naturwahrnehmung und Abstraktion, auf seine Weise amalgamierte. Cézanne und Jawlensky waren nach eigenem Bekunden für seine Bildarchitektur die großen Vorbilder.

Schon Hans Wille sprach vom entdeckten Motiv Positano „als dem wichtigsten Formerlebnis seines Italienaufenthaltes.“ (Hans Wille, Adolf Erbslöh, Zeichnungen, Ausst. Kat. Hamm/Kamen/Solingen/Soest, Hamm 1986, S. 63). An diesem Motiv kristallisieren sich förmlich alle künstlerischen Eigentümlichkeiten Erbslöhs und sein besonderer Stellenwert sollte sich nachhaltig in anderen Medien wie den vor Ort entstandenen Zeichnungen und der Lithographie ausdrücken.

Das vorliegende, bisher nur in einem Schwarzweiss-Foto des Künstlers dokumentierte Gemälde stammt aus der Sammlung von Richart Reiche, seit 1907 Leiter des Barmer Kunstvereins. Von Anbeginn förderte er Ausstellungen mit Werken der Neuen Künstlervereinigung, des Blauen Reiter, der Brücke und anderer. Einzelausstellungen Erbslöhs wurden in Barmen 1909, später 1922, 1925 und 1928 gezeigt, schliesslich richtete Reiche einen Werküberblick zum 50. Geburtstag des Künstlers aus, auf dem auch „Am Meer bei Positano“ 1931 vertreten war (vgl. Hans Wille, Adolf Erbslöh, Recklinghausen 1982, S. 37 f.). Das Werk war zuvor in der Münchner Galerie Thannhauser (wahrscheinlich in einer der Einzelausstellungen der Jahre 1923 oder 1926) ausgestellt worden.

Das Gemälde zeigt in verdichteter Komposition einen steilen Küstenabschnitt wie von einem erhöhten Aussichtspunkt: ein Ausblick auf blaue Wasser, die jedem Reisenden am Mittelmeer als atemberaubendes Erlebnis in Erinnerung bleibt. Die Unmittelbarkeit, mit der Vor- und Hintergrund aufeinandertreffen, die rhythmisch versetzten Elemente von gebauter Architektur, Bergformation und Vegetation, die formal im Nachklang des Kubismus miteinander verschmolzen erscheinen, wird wirkungsvoll kombiniert mit einer feinen Palette kühler, aufeinander abgestimmter Farben. Steht diese Perspektive des Blicks von oben nach unten im umgekehrten Verhältnis zur Weite und Distanz der sonst bevorzugten Bergaufsichten bei Erbslöh, gibt es doch ein verbindendes quasi „magisches“ Element in der Lichtführung und Lichtgestaltung: hier angedeutet durch eine unwirkliche gezackte Bewegung in der blauen Fläche. Scheint sie ein natürliches Phänomen des Schattenspiels von Wind und Strömung auf dem Wasser anzudeuten, ist sie in erster Linie eine dynamische Form, die die strukturellen Kontraste in der Komposition und im Motiv insgesamt von oben nach unten behutsam wie expressiv fortsetzt. An ihnen gleitet der Blick des Betrachters wie in scharf geschnittenen Serpentinen vorbei in die Tiefe und wird bei aller Konsequenz und Festigkeit der vorgetragenen Malweise, die standhält, doch mit grossem Raffinement in räumlicher Schwebe gehalten.

Weitere Details:


Provenienz

Ehemals Sammlung Dr. Richart Reiche, Barmen; Nachlass Dr. Ekkehart Reiche; seitdem Privatbesitz Hessen

Ausstellungen

Barmen Mai 1931 (Kunstverein in Barmen, Ruhmeshalle), Adolf Erbslöh 1881-1931, Ausstellung, Kat. Nr. 62 ("Am Meer bei Positano")

Literatur

Brigitte Salmen/ Felix Billeter, Adolf Erbslöh 1881-1947, Werkverzeichnis der Gemälde, München 2016, vgl. S. 34 f.; S. 182 mit Abb.; Sabine Fehlemann (Hg.) und Antje Birthälmer, Adolf Erbslöh. Vom Expressionismus zum neuen Naturgefühl, Katalog des Von der Heydt-Museums Wuppertal, Wuppertal 2000, vgl. S. 11 f.

Adolf Erbslöh sollte 1923 nach Italien aufbrechen und Olevano, Positano, Civitella und auch Capri besuchen. Diese Reise, von der man bislang annahm, dass Alexander Kanoldt, der Jugendfreund und Studiengefährte sie begleitete, prägte durch das Erlebnis der neuen Landschaftsmotive, der mediterranen Steilküsten mit den typischen aufgetürmten Dorf- und Stadtarchitekturen, Erbslöhs Malerei und Formgebung nachhaltig. Sie zeitigte einen künstlerischen Höhepunkt und eine unmerkliche stilistische Zäsur, die ihn im weitesten Sinn von den Ausdrucksmitteln des Expressionismus weg und zu dem hinführte, was man wenig später als „Neue Sachlichkeit“ bezeichnete. Aber es bleibt ein Charakteristikum seiner Arbeit, dass sie sich nicht direkt über diese stilistischen Begrifflichkeiten erschließt, insofern er künstlerisch seine Distanzen wahrte und Gesehenes und Empfundenes wie formal Erprobtes, oszillierend zwischen Naturwahrnehmung und Abstraktion, auf seine Weise amalgamierte. Cézanne und Jawlensky waren nach eigenem Bekunden für seine Bildarchitektur die großen Vorbilder.

Schon Hans Wille sprach vom entdeckten Motiv Positano „als dem wichtigsten Formerlebnis seines Italienaufenthaltes.“ (Hans Wille, Adolf Erbslöh, Zeichnungen, Ausst. Kat. Hamm/Kamen/Solingen/Soest, Hamm 1986, S. 63). An diesem Motiv kristallisieren sich förmlich alle künstlerischen Eigentümlichkeiten Erbslöhs und sein besonderer Stellenwert sollte sich nachhaltig in anderen Medien wie den vor Ort entstandenen Zeichnungen und der Lithographie ausdrücken.

Das vorliegende, bisher nur in einem Schwarzweiss-Foto des Künstlers dokumentierte Gemälde stammt aus der Sammlung von Richart Reiche, seit 1907 Leiter des Barmer Kunstvereins. Von Anbeginn förderte er Ausstellungen mit Werken der Neuen Künstlervereinigung, des Blauen Reiter, der Brücke und anderer. Einzelausstellungen Erbslöhs wurden in Barmen 1909, später 1922, 1925 und 1928 gezeigt, schliesslich richtete Reiche einen Werküberblick zum 50. Geburtstag des Künstlers aus, auf dem auch „Am Meer bei Positano“ 1931 vertreten war (vgl. Hans Wille, Adolf Erbslöh, Recklinghausen 1982, S. 37 f.). Das Werk war zuvor in der Münchner Galerie Thannhauser (wahrscheinlich in einer der Einzelausstellungen der Jahre 1923 oder 1926) ausgestellt worden.

Das Gemälde zeigt in verdichteter Komposition einen steilen Küstenabschnitt wie von einem erhöhten Aussichtspunkt: ein Ausblick auf blaue Wasser, die jedem Reisenden am Mittelmeer als atemberaubendes Erlebnis in Erinnerung bleibt. Die Unmittelbarkeit, mit der Vor- und Hintergrund aufeinandertreffen, die rhythmisch versetzten Elemente von gebauter Architektur, Bergformation und Vegetation, die formal im Nachklang des Kubismus miteinander verschmolzen erscheinen, wird wirkungsvoll kombiniert mit einer feinen Palette kühler, aufeinander abgestimmter Farben. Steht diese Perspektive des Blicks von oben nach unten im umgekehrten Verhältnis zur Weite und Distanz der sonst bevorzugten Bergaufsichten bei Erbslöh, gibt es doch ein verbindendes quasi „magisches“ Element in der Lichtführung und Lichtgestaltung: hier angedeutet durch eine unwirkliche gezackte Bewegung in der blauen Fläche. Scheint sie ein natürliches Phänomen des Schattenspiels von Wind und Strömung auf dem Wasser anzudeuten, ist sie in erster Linie eine dynamische Form, die die strukturellen Kontraste in der Komposition und im Motiv insgesamt von oben nach unten behutsam wie expressiv fortsetzt. An ihnen gleitet der Blick des Betrachters wie in scharf geschnittenen Serpentinen vorbei in die Tiefe und wird bei aller Konsequenz und Festigkeit der vorgetragenen Malweise, die standhält, doch mit grossem Raffinement in räumlicher Schwebe gehalten.

Preis: 40000-50000 

© Kunsthaus Lempertz KG, Köln 


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