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Lovis Corinth, Ariadne auf Naxos, 1913

Lovis Corinth, Ariadne auf Naxos, 1913

Öl auf Leinwand, doubliert. 120,2 x 150,3 cm. Gerahmt. Unten rechts schwarz signiert und datiert 'Lovis Corinth 1913'. - Mit Retuschen.

Berend-Corinth 569

Provenienz

Alfred Krupp, Essen; Arndt von Bohlen und Halbach, München; Weinmüller, München 16.3.1972, Los 1521; Sotheby's Frankfurt 1988; Christie's London, 3.4.1990, Lot 347 mit Farbabb.; Kunstsalon Franke, Baden-Baden; Privatsammlung Süddeutschland

Ausstellungen

Berlin 1913 (Berliner Sezession), 26. Ausstellung, Nr. 256; Berlin 1918 (Berliner Sezession), Nr. 64; Berlin 1923 (Nationalgalerie), Nr. 67; Baden-Baden 1990 (Kunstsalon Franke), Kat. Nr. 34 mit Farbabb.; München/Berlin/Saint Louis/London 1996/1997 (Haus der Kunst/Nationalgalerie/The Saint Louis Art Museum/Tate Gallery), Lovis Corinth, Kat. Nr. 105, S. 218 mit Farbabb.

Literatur

Kunst für Alle, 28. Jg. 1913, S. 460; Georg Biermann, Lovis Corinth, Bielefeld/Leipzig 1922, S. 117 mit Abb. Nr. 128; Weltkunst, 1990/16, S. 2323 mit Farbabb.

Mit seinem Pariser Aufenthalt und Studium an der für Ausländer berühmten Académie Julian lernt Lovis Corinth bei den Salonmalern Tony Robert-Flury und Adolphe William Bouguereau Mitte der 1880er Jahre, die bedeutenden literarischen Stoffe in dramatisch auskomponierte Figurenbilder zu übertragen. Es ist nicht die Malerei der „modernen“ Impressionisten, die den jungen Königsberger interessieren, der offiziellen Anerkennung vom traditionsreichen Pariser Salon gilt sein ausdauerndes und zähes Streben. Um dies zu erreichen, wählt Corinth zu Beginn seiner Karriere biblische und mythologische Themen, wie "Versuchung des Heiligen Antonius" oder "Salome", "Bacchanale" oder "Heimkehrende" "Bacchanten", die er dann, zurück in München und später in Berlin, immer wieder malen wird.

Eine 1912 ursprünglich für Max Reinhardts Berliner Theater vorgesehene Komposition von Richard Strauss mit einem Libretto von Hugo von Hofmannsthal könnte Auslöser für Corinth gewesen sein, sich an das Epos "Ariadne auf Naxos" heranzutasten. So beschäftigt sich Corinth 1913 mit Themen aus der griechischen Mythologie, er malt liegende weibliche Akte, eine Schleiertänzerin und Bacchanten.

Im Mittelpunkt unseres Bildes erkennen wir Dionysos, in der römischen Mythologie Bacchus, wie er mit einer dramatischen, raumgreifenden Geste mit ausgestrecktem Arm auf seinem Wagen aus den Weiten des Meeres die Insel betritt, begleitet von einem Zug seiner entzückt tanzenden und taumelnden Gefolgschaft ausgelassener, lärmender Mänaden und Satyrn. Der Halbgott Dionysos, Spross des Zeus und der Semele, verkörpert wie keine andere Göttergestalt der antiken Mythologie die sinnlich begehrenden Urkräfte, ein strahlend jugendlicher Held mit einem Kranz aus Weinlaub und Reben im lockig langen Haar. In seinem von Raubkatzen gezogenen Triumphwagen zog der Gott der Fruchtbarkeit durch die Welt, wo er die Bewohner mit die Sorgen verscheuchenden Weinen beschenkte und den Weinbau heimisch machte. Die sinnliche Lust lebte Dionysos in so mancher Liebschaft aus, bis zu jener entscheidenden Begegnung mit Ariadne, von der unser Bild erzählt.

Corinth konzentriert sich auf den Augenblick der ersten Begegnung zwischen dem Halbgott und der Königstochter auf der ägäischen Insel Naxos und interpretiert diese Szene in einer ungewöhnlichen Weise, in dem er Bacchus auf die schlafende Ariadne in den Armen des siegreichen Theseus treffen lässt, nachdem dieser mit Hilfe einer von Ariadne ausgedachten List das Ungeheuer Minotauros auf Kreta besiegt hat. Folgt man den Ausführungen der Sage, so hatte Theseus die schlafende Ariadne, der er die Ehe versprach, bereits verlassen und wird hier in der Interpretation Corinths mit der Macht und der triumphalen Ankunft seines Konkurrenten auf Naxos konfrontiert. Der Weingott verliebte sich in die schlafende Königstochter und erkor sie zu seiner Braut. Ihr Diadem, so erzählt die Geschichte, schleuderte er hoch in den Himmel, die Steine verwandeln sich bei Corinth in ausgelassen tanzende Putten, bevor sie zum Sternbild der Nördlichen Krone mutieren.

Corinth malt eine großangelegte Szene und beschreibt den Triumphzug der Liebe und das damit einhergehende pralle Leben. Ein dramatisches Ereignis, an dem er scheinbar wie ein Zeitzeuge teilhat, so wie er sich immer wieder in der Figur des Dionysos bzw. Bacchus versteckt, um dessen ausschweifendes Leben nachzustellen (s. Vergleichsabb.).

Weitere Details:


Berend-Corinth 569

Provenienz

Alfred Krupp, Essen; Arndt von Bohlen und Halbach, München; Weinmüller, München 16.3.1972, Los 1521; Sotheby's Frankfurt 1988; Christie's London, 3.4.1990, Lot 347 mit Farbabb.; Kunstsalon Franke, Baden-Baden; Privatsammlung Süddeutschland

Ausstellungen

Berlin 1913 (Berliner Sezession), 26. Ausstellung, Nr. 256; Berlin 1918 (Berliner Sezession), Nr. 64; Berlin 1923 (Nationalgalerie), Nr. 67; Baden-Baden 1990 (Kunstsalon Franke), Kat. Nr. 34 mit Farbabb.; München/Berlin/Saint Louis/London 1996/1997 (Haus der Kunst/Nationalgalerie/The Saint Louis Art Museum/Tate Gallery), Lovis Corinth, Kat. Nr. 105, S. 218 mit Farbabb.

Literatur

Kunst für Alle, 28. Jg. 1913, S. 460; Georg Biermann, Lovis Corinth, Bielefeld/Leipzig 1922, S. 117 mit Abb. Nr. 128; Weltkunst, 1990/16, S. 2323 mit Farbabb.

Mit seinem Pariser Aufenthalt und Studium an der für Ausländer berühmten Académie Julian lernt Lovis Corinth bei den Salonmalern Tony Robert-Flury und Adolphe William Bouguereau Mitte der 1880er Jahre, die bedeutenden literarischen Stoffe in dramatisch auskomponierte Figurenbilder zu übertragen. Es ist nicht die Malerei der „modernen“ Impressionisten, die den jungen Königsberger interessieren, der offiziellen Anerkennung vom traditionsreichen Pariser Salon gilt sein ausdauerndes und zähes Streben. Um dies zu erreichen, wählt Corinth zu Beginn seiner Karriere biblische und mythologische Themen, wie "Versuchung des Heiligen Antonius" oder "Salome", "Bacchanale" oder "Heimkehrende" "Bacchanten", die er dann, zurück in München und später in Berlin, immer wieder malen wird.

Eine 1912 ursprünglich für Max Reinhardts Berliner Theater vorgesehene Komposition von Richard Strauss mit einem Libretto von Hugo von Hofmannsthal könnte Auslöser für Corinth gewesen sein, sich an das Epos "Ariadne auf Naxos" heranzutasten. So beschäftigt sich Corinth 1913 mit Themen aus der griechischen Mythologie, er malt liegende weibliche Akte, eine Schleiertänzerin und Bacchanten.

Im Mittelpunkt unseres Bildes erkennen wir Dionysos, in der römischen Mythologie Bacchus, wie er mit einer dramatischen, raumgreifenden Geste mit ausgestrecktem Arm auf seinem Wagen aus den Weiten des Meeres die Insel betritt, begleitet von einem Zug seiner entzückt tanzenden und taumelnden Gefolgschaft ausgelassener, lärmender Mänaden und Satyrn. Der Halbgott Dionysos, Spross des Zeus und der Semele, verkörpert wie keine andere Göttergestalt der antiken Mythologie die sinnlich begehrenden Urkräfte, ein strahlend jugendlicher Held mit einem Kranz aus Weinlaub und Reben im lockig langen Haar. In seinem von Raubkatzen gezogenen Triumphwagen zog der Gott der Fruchtbarkeit durch die Welt, wo er die Bewohner mit die Sorgen verscheuchenden Weinen beschenkte und den Weinbau heimisch machte. Die sinnliche Lust lebte Dionysos in so mancher Liebschaft aus, bis zu jener entscheidenden Begegnung mit Ariadne, von der unser Bild erzählt.

Corinth konzentriert sich auf den Augenblick der ersten Begegnung zwischen dem Halbgott und der Königstochter auf der ägäischen Insel Naxos und interpretiert diese Szene in einer ungewöhnlichen Weise, in dem er Bacchus auf die schlafende Ariadne in den Armen des siegreichen Theseus treffen lässt, nachdem dieser mit Hilfe einer von Ariadne ausgedachten List das Ungeheuer Minotauros auf Kreta besiegt hat. Folgt man den Ausführungen der Sage, so hatte Theseus die schlafende Ariadne, der er die Ehe versprach, bereits verlassen und wird hier in der Interpretation Corinths mit der Macht und der triumphalen Ankunft seines Konkurrenten auf Naxos konfrontiert. Der Weingott verliebte sich in die schlafende Königstochter und erkor sie zu seiner Braut. Ihr Diadem, so erzählt die Geschichte, schleuderte er hoch in den Himmel, die Steine verwandeln sich bei Corinth in ausgelassen tanzende Putten, bevor sie zum Sternbild der Nördlichen Krone mutieren.

Corinth malt eine großangelegte Szene und beschreibt den Triumphzug der Liebe und das damit einhergehende pralle Leben. Ein dramatisches Ereignis, an dem er scheinbar wie ein Zeitzeuge teilhat, so wie er sich immer wieder in der Figur des Dionysos bzw. Bacchus versteckt, um dessen ausschweifendes Leben nachzustellen (s. Vergleichsabb.).

Preis: 150000-200000 

© Kunsthaus Lempertz KG, Köln 


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