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Peter Beard, Diary Page, Thurs - Friday June 27-28, '91, 1991

Peter Beard, Diary Page, Thurs - Friday June 27-28, '91, 1991

C-Print mit weißer Tusche überarbeitet 1994. 38,5 x 48,5 cm. Mit weißer Tusche signiert, datiert, betitelt und beschriftet 'emergency photocopy wallpaper bricks/Tokyo/all-nighter for Seibu Museum show during Ruanda genocide spring 1994 Creston Hotel Tokyo'. - Unter Passepartout und Glas gerahmt.

Bereits in seiner Jugend spielt das Medium des Tagebuchs für Peter Beard eine entscheidende Rolle und wird später integrativer Teil seines umfangreichen künstlerischen Schaffens. Parallel zu seinen Photographien, in denen der seit 1961 in Kenia ansässige Beard die Ausbeutung und Zerstörung des afrikanischen Kontinents, insbesondere aber die Vernichtung der dortigen Tierwelt durch die menschliche Zivilisation thematisiert, widmet er sich über viele Jahre hinweg systematisch der aufwendigen Gestaltung seiner „Diaries“. Fein ausgearbeitete, bisweilen altmeisterlich anmutende Bleistiftzeichnungen, schriftliche Notizen, Fragmente von Zeitungsartikeln, Postkarten, Eintrittskarten und Briefmarken bilden hier ein komplexes, oftmals hermetisches Beziehungsgeflecht. In seiner Beschriftung der hier vorliegenden Photoarbeit nimmt Beard explizit auf den Genozid in Ruanda Bezug, in dem zwischen April und Juli 1994 mehrere Hunderttausende der hier lebenden Tutsi und moderaten Hutu ermordet wurden. Um die Grausamkeit und gnadenlose Brutalität der Ereignisse zu visualisieren, greift der Künstler auf die bereits einige Jahre zuvor entstandene Photographie eines aufgeschlagenen Tagebuchs zurück, auf dem er zuvor verschiedene tierische Organe - u.a. Herzen und Leber - sowie ein Knochenfragment und einen Stein drapiert hatte. Darüber hinaus verweigert sich der Künstler der einfachen Lesbarkeit sowie eindeutigen Zuschreibungen. „Mit Sicherheit gibt es in unserer zivilisierten Welt nichts annährend Vergleichbares, und wer durch ihre vielen wahnhaften Schichten dringt, fällt durch den Kaninchenbau in eine Welt visueller Wortspiele und peinigender Parallelen - Models und Massai, Politiker und Popikonen, BH-Werbung und sonnengebleichte Knochen, Löwen und Geisteskranke, Krokodile und Selbstironie, Dosensuppen und abgetrennte Köpfe, private Helden und Volksfeinde, Nashörner, Blutflecken, Stripperinnen und Hungernde. In eindringlichen Fugen werden Themen vorgestellt und kehren dann in scheinbar unendlichen Variationen wieder und wieder. Als Komponist und Dirigent, als Erzeuger von Widersprüchen verbindet Beard alles mit akribischen Zeichnungen, geradezu zwanghaft filigranen handschriftlichen Aufzeichnungen […] Diese Welt des Bilderrausches ist ein rudimentäres, alchemistisch-übersinnliches Event, zu dem den Künstler vielleicht sein Gefühl treibt, man könne eine Art Epiphanie heraufbeschwören, wenn Dinge, die nichts verbindet, zusammengezwungen werden wie die auseinanderstrebenden Pole von Magneten. Vielleicht sollen diese Kollisionen aber auch nichts anderes bewirken als den Wunsch, weiter vorzudringen. Es scheint, als ob jedes Bild, jede Seite, ein Experiment auf der Suche nach irgendeiner einzigartigen, alles verbindenden Theorie darstellt, die unerwartete Antwort auf eine unerkannte Frage“ (zit. nach Owen Edwards, Allesfresser, in: Nejma Beard/David Fahey (Hg.), Peter Beard, Köln u.a. 2013, S. 60).

Weitere Details:


Bereits in seiner Jugend spielt das Medium des Tagebuchs für Peter Beard eine entscheidende Rolle und wird später integrativer Teil seines umfangreichen künstlerischen Schaffens. Parallel zu seinen Photographien, in denen der seit 1961 in Kenia ansässige Beard die Ausbeutung und Zerstörung des afrikanischen Kontinents, insbesondere aber die Vernichtung der dortigen Tierwelt durch die menschliche Zivilisation thematisiert, widmet er sich über viele Jahre hinweg systematisch der aufwendigen Gestaltung seiner „Diaries“. Fein ausgearbeitete, bisweilen altmeisterlich anmutende Bleistiftzeichnungen, schriftliche Notizen, Fragmente von Zeitungsartikeln, Postkarten, Eintrittskarten und Briefmarken bilden hier ein komplexes, oftmals hermetisches Beziehungsgeflecht. In seiner Beschriftung der hier vorliegenden Photoarbeit nimmt Beard explizit auf den Genozid in Ruanda Bezug, in dem zwischen April und Juli 1994 mehrere Hunderttausende der hier lebenden Tutsi und moderaten Hutu ermordet wurden. Um die Grausamkeit und gnadenlose Brutalität der Ereignisse zu visualisieren, greift der Künstler auf die bereits einige Jahre zuvor entstandene Photographie eines aufgeschlagenen Tagebuchs zurück, auf dem er zuvor verschiedene tierische Organe - u.a. Herzen und Leber - sowie ein Knochenfragment und einen Stein drapiert hatte. Darüber hinaus verweigert sich der Künstler der einfachen Lesbarkeit sowie eindeutigen Zuschreibungen. „Mit Sicherheit gibt es in unserer zivilisierten Welt nichts annährend Vergleichbares, und wer durch ihre vielen wahnhaften Schichten dringt, fällt durch den Kaninchenbau in eine Welt visueller Wortspiele und peinigender Parallelen - Models und Massai, Politiker und Popikonen, BH-Werbung und sonnengebleichte Knochen, Löwen und Geisteskranke, Krokodile und Selbstironie, Dosensuppen und abgetrennte Köpfe, private Helden und Volksfeinde, Nashörner, Blutflecken, Stripperinnen und Hungernde. In eindringlichen Fugen werden Themen vorgestellt und kehren dann in scheinbar unendlichen Variationen wieder und wieder. Als Komponist und Dirigent, als Erzeuger von Widersprüchen verbindet Beard alles mit akribischen Zeichnungen, geradezu zwanghaft filigranen handschriftlichen Aufzeichnungen […] Diese Welt des Bilderrausches ist ein rudimentäres, alchemistisch-übersinnliches Event, zu dem den Künstler vielleicht sein Gefühl treibt, man könne eine Art Epiphanie heraufbeschwören, wenn Dinge, die nichts verbindet, zusammengezwungen werden wie die auseinanderstrebenden Pole von Magneten. Vielleicht sollen diese Kollisionen aber auch nichts anderes bewirken als den Wunsch, weiter vorzudringen. Es scheint, als ob jedes Bild, jede Seite, ein Experiment auf der Suche nach irgendeiner einzigartigen, alles verbindenden Theorie darstellt, die unerwartete Antwort auf eine unerkannte Frage“ (zit. nach Owen Edwards, Allesfresser, in: Nejma Beard/David Fahey (Hg.), Peter Beard, Köln u.a. 2013, S. 60).

Preis: 15000-20000 

© Kunsthaus Lempertz KG, Köln 


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