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Emil Nolde, Mohnblüten, Iris und violette Astern, 1925/30

Emil Nolde, Mohnblüten, Iris und violette Astern, 1925/30

Aquarell auf dünnem Japan. 1925/30.
47,8 x 34,5 cm.
Unten rechts mit Feder in Schwarz signiert "Nolde".

Kunst fordert den Betrachter stets heraus, im Sehen, Denken und im Erinnern. Kunst hat eine Geschichte, die eine Auseinandersetzung sucht. So hat auch unser Aquarell „Mohnblüten, Iris und violette Astern“ von Emil Nolde eine Geschichte, die eng und in all ihren Schattierungen mit der deutschen verknüpft ist. Seit jeher in Privatbesitz, gehörte es über viele Jahre zu der Sammlung des erfolgreichen Dresdner Unternehmers Willy Bethke. Er gründete 1904 die Leo-Werke in Dresden, die später als Sächsisches Serumwerk die erste Antibiotika-Produktion in der Welt umsetzte. Bethke war ein großer Bewunderer Noldes. Er erwarb neben unserem Aquarell noch weitere Werke direkt vom Künstler. Anlässlich der III. Jubiläumsausstellung des Sächsischen Kunstvereins zu Dresden, die vom 11. April bis Mitte Mai 1929 stattfand, wurde das ebenfalls zum Besitz Bethkes zählende Ölgemälde „Mutter und Tochter“ (73 x 88 cm) von Nolde gezeigt („Dresdner Privatbesitz“, III. Jubiläumsausstellung Sächsischer Kunstverein, Dresden 1929, S. 13, siehe Abb. S. 187).
Bethke wird in dem Katalog namentlich neben weiteren renommierten Privatsammlern der Dresdner Gesellschaft aufgelistet. Der Ausstellungskatalog des Kunstvereins ist eine kostbare Quelle, um die damalige, hoch fruchtbare Förderung von Kunst und Künstlern durch die Privatsammler auf der Höhe der Zeit rekonstruieren zu können. Der Sächsische Kunstverein erwähnt Nolde, von dem gleich mehrere Werke gezeigt wurden, im kunsthistorischen Kontext: “Die kurz begrenzte Zeit leidenschaftlich subjektiver Antithese gegen die vorhergehende Generation umfaßt im Expressionismus Pechstein, Kokoschka, Nolde, Hofer (…)“ und reiht ihn in die bahnbrechende Malerei der Moderne ein.
In seinen farbintensiven und leuchtenden Aquarellen experimentierte Nolde auf einzigartige Weise mit der Farbe, die er früh als sein eigentliches Ausdrucksmittel erkannt hat und bricht damit mit der Tradition. Ab den 1920er Jahren setzt die neuartige Gestaltungsweise mit Blumenmotiven ein: „Seine eindringliche Nähe zur Natur suchte Nolde kongenial im Aquarell umzusetzen, mit dem er seine innersten Regungen und künstlerischen Intentionen im Malvorgang selbst zu gestalten vermochte. Mit voll getränktem, schwerem Pinsel und in raschen, fast organisch sicheren Abläufen werden die Bilder aus der Farbe geboren, die von den weichen, saugfähigen Japanpapieren begierig aufgenommen wird, sodass beide zu einer unauflöslichen, natürlichen Einheit zusammenfinden und manchmal auf der Rückseite ein eigenständiges, fast gleichwertiges Bild entsteht.“ (Manfred Reuther, in: Emil Nolde, Mein Garten voller Blumen. Nolde Stiftung Seebüll, Köln 2014, S. 33). In unserem blattfüllenden Aquarell baut sich die Komposition über satte, raumgreifende Mohnblüten auf, über die violette Astern nach oben sprießen. Tiefblaue Iris rahmen rechts und links zum Bildrand hin die Astern. Es handelt sich um kein besonderes Arrangement von Blumen, und auf eine Konturierung in der Gegenstandserfassung wird bewusst verzichtet, so dass das Aquarell wie eine spontane, unmittelbare Umsetzung von Sinneseindrücken erscheint. Die Farben der prächtigen Blüten dominieren die Darstellung, von ihnen geht eine enorme Strahlkraft aus. Bis heute faszinieren Noldes Blumenbilder den Betrachter.
Nolde lehnte Angebote, in die Schweiz zu gehen oder ins benachbarte Dänemark zu emigrieren, dessen Staatsbürgerschaft ihm 1920 zugefallen war, ab. Er zog sich nach einer bitteren Enttäuschung, sich nicht als Staatskünstler der Nationalsozialisten etablieren zu können und wegen des zusätzlichen Ausstellungsverbots nach Seebüll zurück.
Anlässlich der aktuellen Diskussionen um den Künstler Nolde sollten wir uns die Frage nach der Freiheit der Kunst stellen. Kann man nicht trennen zwischen der Schönheit der Kunst und der moralischen Verwerflichkeit des Künstlers? Wer denkt bei Richard Wagners Musik über den Charakter des Komponisten nach? Die Beantwortung der Frage bleibt jedem selbst überlassen. Doch die Auseinandersetzung mit der Kunst und ihrer Geschichte ist eine Aufgabe, der wir uns stellen müssen, Verdrängung hilft da nicht und wie Florian Illies es treffend formuliert: „Es wäre schön, wenn es uns gelänge, die Widersprüchlichkeit der Geschichte und der Kulturgeschichte, die ja eigentlich nur von der Widersprüchlichkeit des Menschen erzählt, zum Teil unserer Deutschstunden zu machen.“ (Die Zeit, 11. April 2019).
Mit einer Fotoexpertise von Prof. Dr. Manfred Reuther, Klockries, vom 24. Februar 2017.
Das Aquarell ist unter "Nolde A-4/2017" im Archiv Reuther registriert und dokumentiert.

Provenienz: Dr. Willy Bethke Dresden, in den 1920er Jahren direkt beim Künstler erworben
bis vor 1990 im Besitz von dessen Tochter Erika Belian, geb. Bethke, Dresden
seitdem Dresdner Privatbesitz

Weitere Details:


Kunst fordert den Betrachter stets heraus, im Sehen, Denken und im Erinnern. Kunst hat eine Geschichte, die eine Auseinandersetzung sucht. So hat auch unser Aquarell „Mohnblüten, Iris und violette Astern“ von Emil Nolde eine Geschichte, die eng und in all ihren Schattierungen mit der deutschen verknüpft ist. Seit jeher in Privatbesitz, gehörte es über viele Jahre zu der Sammlung des erfolgreichen Dresdner Unternehmers Willy Bethke. Er gründete 1904 die Leo-Werke in Dresden, die später als Sächsisches Serumwerk die erste Antibiotika-Produktion in der Welt umsetzte. Bethke war ein großer Bewunderer Noldes. Er erwarb neben unserem Aquarell noch weitere Werke direkt vom Künstler. Anlässlich der III. Jubiläumsausstellung des Sächsischen Kunstvereins zu Dresden, die vom 11. April bis Mitte Mai 1929 stattfand, wurde das ebenfalls zum Besitz Bethkes zählende Ölgemälde „Mutter und Tochter“ (73 x 88 cm) von Nolde gezeigt („Dresdner Privatbesitz“, III. Jubiläumsausstellung Sächsischer Kunstverein, Dresden 1929, S. 13, siehe Abb. S. 187).
Bethke wird in dem Katalog namentlich neben weiteren renommierten Privatsammlern der Dresdner Gesellschaft aufgelistet. Der Ausstellungskatalog des Kunstvereins ist eine kostbare Quelle, um die damalige, hoch fruchtbare Förderung von Kunst und Künstlern durch die Privatsammler auf der Höhe der Zeit rekonstruieren zu können. Der Sächsische Kunstverein erwähnt Nolde, von dem gleich mehrere Werke gezeigt wurden, im kunsthistorischen Kontext: “Die kurz begrenzte Zeit leidenschaftlich subjektiver Antithese gegen die vorhergehende Generation umfaßt im Expressionismus Pechstein, Kokoschka, Nolde, Hofer (…)“ und reiht ihn in die bahnbrechende Malerei der Moderne ein.
In seinen farbintensiven und leuchtenden Aquarellen experimentierte Nolde auf einzigartige Weise mit der Farbe, die er früh als sein eigentliches Ausdrucksmittel erkannt hat und bricht damit mit der Tradition. Ab den 1920er Jahren setzt die neuartige Gestaltungsweise mit Blumenmotiven ein: „Seine eindringliche Nähe zur Natur suchte Nolde kongenial im Aquarell umzusetzen, mit dem er seine innersten Regungen und künstlerischen Intentionen im Malvorgang selbst zu gestalten vermochte. Mit voll getränktem, schwerem Pinsel und in raschen, fast organisch sicheren Abläufen werden die Bilder aus der Farbe geboren, die von den weichen, saugfähigen Japanpapieren begierig aufgenommen wird, sodass beide zu einer unauflöslichen, natürlichen Einheit zusammenfinden und manchmal auf der Rückseite ein eigenständiges, fast gleichwertiges Bild entsteht.“ (Manfred Reuther, in: Emil Nolde, Mein Garten voller Blumen. Nolde Stiftung Seebüll, Köln 2014, S. 33). In unserem blattfüllenden Aquarell baut sich die Komposition über satte, raumgreifende Mohnblüten auf, über die violette Astern nach oben sprießen. Tiefblaue Iris rahmen rechts und links zum Bildrand hin die Astern. Es handelt sich um kein besonderes Arrangement von Blumen, und auf eine Konturierung in der Gegenstandserfassung wird bewusst verzichtet, so dass das Aquarell wie eine spontane, unmittelbare Umsetzung von Sinneseindrücken erscheint. Die Farben der prächtigen Blüten dominieren die Darstellung, von ihnen geht eine enorme Strahlkraft aus. Bis heute faszinieren Noldes Blumenbilder den Betrachter.
Nolde lehnte Angebote, in die Schweiz zu gehen oder ins benachbarte Dänemark zu emigrieren, dessen Staatsbürgerschaft ihm 1920 zugefallen war, ab. Er zog sich nach einer bitteren Enttäuschung, sich nicht als Staatskünstler der Nationalsozialisten etablieren zu können und wegen des zusätzlichen Ausstellungsverbots nach Seebüll zurück.
Anlässlich der aktuellen Diskussionen um den Künstler Nolde sollten wir uns die Frage nach der Freiheit der Kunst stellen. Kann man nicht trennen zwischen der Schönheit der Kunst und der moralischen Verwerflichkeit des Künstlers? Wer denkt bei Richard Wagners Musik über den Charakter des Komponisten nach? Die Beantwortung der Frage bleibt jedem selbst überlassen. Doch die Auseinandersetzung mit der Kunst und ihrer Geschichte ist eine Aufgabe, der wir uns stellen müssen, Verdrängung hilft da nicht und wie Florian Illies es treffend formuliert: „Es wäre schön, wenn es uns gelänge, die Widersprüchlichkeit der Geschichte und der Kulturgeschichte, die ja eigentlich nur von der Widersprüchlichkeit des Menschen erzählt, zum Teil unserer Deutschstunden zu machen.“ (Die Zeit, 11. April 2019).
Mit einer Fotoexpertise von Prof. Dr. Manfred Reuther, Klockries, vom 24. Februar 2017.
Das Aquarell ist unter "Nolde A-4/2017" im Archiv Reuther registriert und dokumentiert.

Provenienz: Dr. Willy Bethke Dresden, in den 1920er Jahren direkt beim Künstler erworben
bis vor 1990 im Besitz von dessen Tochter Erika Belian, geb. Bethke, Dresden
seitdem Dresdner Privatbesitz

Preis: 100000 

© Galerie Bassenge KG, Berlin 


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