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Kurt Schwitters, Ohne Titel (Counterfoil), 1942/45

Kurt Schwitters, Ohne Titel (Counterfoil), 1942/45

Collage, Öl, Papier und Textil auf Hartfaserplatte. 77,5 x 59 cm. Unter Glas gerahmt. Rückseitig mit Bleistift und schwarzer Tinte mit Ernst Schwitters' vorläufiger Oeuvre-Nummer datiert und bezeichnet "Oeuvre-Nr 1942/43, 968". - Minimale Feuchtigkeitsspuren auf einzelnen Collage-Elementen.

Orchard/Schulz 2960

Provenienz

Ernst Schwitters, Lysaker (1948-1979); Galerie Gmurzynska, Köln (1979); Privatsammlung Berlin

Ausstellungen

Köln 1978 (Galerie Gmurzynska), Kurt Schwitters, Kat. Nr. 82, S. 123 mit Farbabb. (mit rückseitigem Klebe-Etikett); New York/London/Hannover 1985/1986 (Museum of Modern Art/Tate Gallery/Sprengel Museum), Kurt Schwitters, Kat. Nr. 283 mit Abb. (mit rückseitigen Rahmenetiketten)

Literatur

Yusuke Nakahara, From the Lifeless View of Scrapping, in: Bijutsu Techo, Nr. 31, Ausgabe 452, Tokio 1979, mit Abb.; John Elderfield, Kurt Schwitters, Düsseldorf 1987, Kat. Nr. 278, S. 219 mit Abb.; Ulrike Kristin Schmidt, Kunstzitat und Provokation im 20. Jahrhundert, Weimar 2000, Kat. Nr. 30, S. 79 mit Abb.

Anfang Januar 1937 verlässt Schwitters Deutschland endgültig, nachdem er schon in den Jahren ab 1930 längere Aufenthalte etwa in Paris, (er wird Mitglied der Künstlervereinigung Abstraction Création, Paris), in der Schweiz, in Holland und vor allem immer wieder in Skandinavien, speziell in Norwegen verlebt. Er lässt sich in Lysaker bei Oslo nieder, die Sommer verbringt er in Molde. Der Krieg und die Besetzung Norwegens durch die Deutsche Wehrmacht holt ihn ein; es gelingt ihm sozusagen mit dem letzten Schiff die Passage nach England, wo er von April 1940 bis zu seinem Tod 1948 leben wird. Hier entsteht ein ausgereiftes „Spätwerk“, Collagen, Assemblagen, Reliefs, Skulpturen und klassische Landschafts- und Porträtmalerei, die sich gegenüber dem „Frühwerk“ mitunter in seiner bescheidenen Materialität, aber nicht in der geistreichen Intensität unterscheidet. Schwitters pointiert mit seinen dürftigen Fundstücken den Boden und das Leben in seiner neuen Heimat, in Norwegen und anschließend in England, und er verarbeitet nicht nur den buchstäblichen Geist seiner Zeit. Der hat auch Einfluss auf den Charakter dieser luxuriös ausgestatteten, teilweise mit Ölfarben übermalten Collage auf Papier aus den Jahren 1942/1945. Schwitters verarbeitet wie stets Dinge des Alltages, die ihm für eine künstlerische Auseinandersetzung würdig erscheinen, und bindet zudem Briefmarken, Zeitungsausschnitte, Reklame mit fotografischen Repros, Überschriften, Busfahrscheine, Textil, Bonbon-Papiere, Fotografien, Postkarte und einen Brief mit Schwitters aktueller Londoner Adresse: 39 Westmoreland Road (s. Vergleichsabb.). Mit spielerischem Einfluss, gepaart mit Charme und immer wieder verblüffenden Neuigkeiten wie hier bei dieser außergewöhnlich großformatigen Arbeit, setzt Schwitters archivierte Relikte zu Bilder-Rätseln zusammen und nennt das Konstrukt nach postalischen Kontrollabschnitten: „Counterfoil to be detached and kept by the Sender“.



„Kurt Schwitters thematisiert die eigene Zivilisation, indem er mit ihren Überbleibseln arbeitet“, so Isabel Schulz (Isabel Schulz, „Die Kunst ist mir viel zu wertvoll, um als Werkzeug missbraucht zu werden“. Kurt Schwitters und die Politik, in: Schwitters Arp, Ausst. Kat. Kunstmuseum Basel 2004, S. 200). Entsprechend lassen sich die Merzbilder, die Collagen verorten, nach Hannover, nach Berlin, nach Basel, nach Norwegen und schließlich in den Londoner Vorort Barnes, 39 Westmoreland Road. Die Auseinandersetzung mit der Tagespolitik ist virulent sichtbar, auch bisweilen nur in Andeutungen eines politischen Blicks. Findzufälle unterstreichen und beweisen die enorme Kraft seiner künstlerischen Einfälle. Die Kunst als Tagebuch des täglichen Lebens zu führen, beides, Gegensätze und Gemeinsamkeiten intensiv zu verbinden, ist sicher ein Kerngedanke für die tägliche Arbeit des Künstlers. Somit verknüpfen die Collagen nicht nur eine Geschichte oder eine Ebene: Es ist vielmehr eine Anthologie von Ereignissen, die in Schwitters' spezifischer MERZwelt bis zu seinem Tod im Januar 1948 einen ganzheitlichen Charakter erfährt und in Arbeiten etwa von Robert Rauschenberg eine glanzvolle Fortsetzung findet. Diese großformatige Collage verbleibt nach dem Tod des Künstlers 1948 zunächst im Besitz des Sohnes Ernst Schwitters. Bis heute war das Werk nur wenige Male in der Öffentlichkeit zu sehen: im Oktober 1978 in der Kölner Galerie Gmurzynska, 1985 im Museum of Modern Art, New York mit Anschlußausstellungen in der Londoner Tate Gallery sowie im Sprengel Museum Hannover.

Weitere Details:


Anfang Januar 1937 verlässt Schwitters Deutschland endgültig, nachdem er schon in den Jahren ab 1930 längere Aufenthalte etwa in Paris, (er wird Mitglied der Künstlervereinigung Abstraction Création, Paris), in der Schweiz, in Holland und vor allem immer wieder in Skandinavien, speziell in Norwegen verlebt. Er lässt sich in Lysaker bei Oslo nieder, die Sommer verbringt er in Molde. Der Krieg und die Besetzung Norwegens durch die Deutsche Wehrmacht holt ihn ein; es gelingt ihm sozusagen mit dem letzten Schiff die Passage nach England, wo er von April 1940 bis zu seinem Tod 1948 leben wird. Hier entsteht ein ausgereiftes „Spätwerk“, Collagen, Assemblagen, Reliefs, Skulpturen und klassische Landschafts- und Porträtmalerei, die sich gegenüber dem „Frühwerk“ mitunter in seiner bescheidenen Materialität, aber nicht in der geistreichen Intensität unterscheidet. Schwitters pointiert mit seinen dürftigen Fundstücken den Boden und das Leben in seiner neuen Heimat, in Norwegen und anschließend in England, und er verarbeitet nicht nur den buchstäblichen Geist seiner Zeit. Der hat auch Einfluss auf den Charakter dieser luxuriös ausgestatteten, teilweise mit Ölfarben übermalten Collage auf Papier aus den Jahren 1942/1945. Schwitters verarbeitet wie stets Dinge des Alltages, die ihm für eine künstlerische Auseinandersetzung würdig erscheinen, und bindet zudem Briefmarken, Zeitungsausschnitte, Reklame mit fotografischen Repros, Überschriften, Busfahrscheine, Textil, Bonbon-Papiere, Fotografien, Postkarte und einen Brief mit Schwitters aktueller Londoner Adresse: 39 Westmoreland Road (s. Vergleichsabb.). Mit spielerischem Einfluss, gepaart mit Charme und immer wieder verblüffenden Neuigkeiten wie hier bei dieser außergewöhnlich großformatigen Arbeit, setzt Schwitters archivierte Relikte zu Bilder-Rätseln zusammen und nennt das Konstrukt nach postalischen Kontrollabschnitten: „Counterfoil to be detached and kept by the Sender“.



„Kurt Schwitters thematisiert die eigene Zivilisation, indem er mit ihren Überbleibseln arbeitet“, so Isabel Schulz (Isabel Schulz, „Die Kunst ist mir viel zu wertvoll, um als Werkzeug missbraucht zu werden“. Kurt Schwitters und die Politik, in: Schwitters Arp, Ausst. Kat. Kunstmuseum Basel 2004, S. 200). Entsprechend lassen sich die Merzbilder, die Collagen verorten, nach Hannover, nach Berlin, nach Basel, nach Norwegen und schließlich in den Londoner Vorort Barnes, 39 Westmoreland Road. Die Auseinandersetzung mit der Tagespolitik ist virulent sichtbar, auch bisweilen nur in Andeutungen eines politischen Blicks. Findzufälle unterstreichen und beweisen die enorme Kraft seiner künstlerischen Einfälle. Die Kunst als Tagebuch des täglichen Lebens zu führen, beides, Gegensätze und Gemeinsamkeiten intensiv zu verbinden, ist sicher ein Kerngedanke für die tägliche Arbeit des Künstlers. Somit verknüpfen die Collagen nicht nur eine Geschichte oder eine Ebene: Es ist vielmehr eine Anthologie von Ereignissen, die in Schwitters' spezifischer MERZwelt bis zu seinem Tod im Januar 1948 einen ganzheitlichen Charakter erfährt und in Arbeiten etwa von Robert Rauschenberg eine glanzvolle Fortsetzung findet. Diese großformatige Collage verbleibt nach dem Tod des Künstlers 1948 zunächst im Besitz des Sohnes Ernst Schwitters. Bis heute war das Werk nur wenige Male in der Öffentlichkeit zu sehen: im Oktober 1978 in der Kölner Galerie Gmurzynska, 1985 im Museum of Modern Art, New York mit Anschlußausstellungen in der Londoner Tate Gallery sowie im Sprengel Museum Hannover.

Preis: 300000-500000 

© Kunsthaus Lempertz KG, Köln 


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