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Bedeutender Renaissance-Pokal mit Farbfassung, Nürnberg, Andreas Roßner, 1592 - 1601

Bedeutender Renaissance-Pokal mit Farbfassung, Nürnberg, Andreas Roßner, 1592 - 1601

Silber; vergoldet. Dreipassiger, àjour gearbeiteter Fuß mit ziselierten Rebenästen und drei aufgesetzten, naturalistisch wiedergegebenen Fröschen. Der Stamm in Form eines Weinstocks mit detailliert ausgeführtem Holzfäller mit Axt. Über einem kugelförmigen Zwischenglied mit Zierblattwerk die große Kuppa mit getriebenen Traubenbuckeln in versetzten Reihen. Der aufgewölbte Deckel entsprechend; als Bekrönung eine Vase mit polychrom gefasstem Schmeck. Marken: BZ Nürnberg, MZ Andreas Roßner (auch: Rößner, 1592/93 - 1601, GNM Nr. 753), Tremolierstich. H 32,9 cm, Gewicht: 402 g.

Die in der Literatur seit dem 19. Jahrhundert verbreitete Bezeichnung "Kaltemail" ist im Grunde irreführend, da sie eine spezielle Emailtechnik suggeriert. Die partielle Polychromie, die sich auf den Schmecks und Silberobjekten einiger Objekte, beispielsweise des Grünen Gewölbes oder der Kunstkammer des Historischen Museums in Wien, erhalten hat, ist aber nicht auf die Aufschmelzung von Emailfarben zurückzuführen, sondern auf ein maltechnisches Verfahren, bei dem ein Pigment oder ein verlackter Farbstoff in einem geeigneten Bindemittel auf die fertig bearbeitete Metalloberfläche aufgetragen wird. Weinhold/Witting haben daher den Terminus "Farbfassung" auch für Silberobjekte vorgeschlagen (vgl. op. cit., S. 16 ff.)

Diese Farbfassungen weisen naturgemäß eine geringere Haltbarkeit auf als ein aufgeschmolzenes Email, so dass Objekte mit erhaltener Polychromie heute in öffentlichen und privaten Sammlungen von großer Seltenheit sind.
Ein zweites Merkmal, das unseren Pokal bemerkenswert macht, ist der filigrane, àjour gearbeitete Fuß, der bei den wenigsten Pokalen des 16. und 17. Jahrhunderts anzutreffen ist. So findet sich im Bildband des Standardwerks des Germanischen Nationalmuseums von 2007 kein einziges Beispiel. Selbst international sind in den Museen nur wenige Vergleichsstücke bekannt, darunter eines mit nahezu identischem Fuß in der Sammlung des Louvre in Paris (Inventar-Nr. OA 628).

Literaturhinweise

Die einzige, bislang nachweisbare Arbeit Roßners war eine Eule als Trinkgefäß in einer privaten Sammlung, die 1968 im Centennial Museum in Vancouver ausgestellt war; vgl. hierzu Kat. GNM, Nr. 753/01. Zu Farbfassungen auf Silberobjekten vgl. Weinhold/Witting, Farbfassungen auf Goldschmiedearbeiten des 16. bis 18. Jahrhunderts am Dresdner Hof, Dresden 2018, hier vor allem zwei Nürnberger Traubenpokale Hans Beutmüllers, Abb. 5. Zu Nürnberger Vergleichsstücken mit àjour gearbeitetem Fuß vgl. u. a. Kat. GNM 2007, Nr. 640.05, sowie Kat. Chefs-d'oeuvre d'orfèvrerie allemande, Paris 2017, Nr. 21.

Weitere Details:


Die in der Literatur seit dem 19. Jahrhundert verbreitete Bezeichnung "Kaltemail" ist im Grunde irreführend, da sie eine spezielle Emailtechnik suggeriert. Die partielle Polychromie, die sich auf den Schmecks und Silberobjekten einiger Objekte, beispielsweise des Grünen Gewölbes oder der Kunstkammer des Historischen Museums in Wien, erhalten hat, ist aber nicht auf die Aufschmelzung von Emailfarben zurückzuführen, sondern auf ein maltechnisches Verfahren, bei dem ein Pigment oder ein verlackter Farbstoff in einem geeigneten Bindemittel auf die fertig bearbeitete Metalloberfläche aufgetragen wird. Weinhold/Witting haben daher den Terminus "Farbfassung" auch für Silberobjekte vorgeschlagen (vgl. op. cit., S. 16 ff.)

Diese Farbfassungen weisen naturgemäß eine geringere Haltbarkeit auf als ein aufgeschmolzenes Email, so dass Objekte mit erhaltener Polychromie heute in öffentlichen und privaten Sammlungen von großer Seltenheit sind.
Ein zweites Merkmal, das unseren Pokal bemerkenswert macht, ist der filigrane, àjour gearbeitete Fuß, der bei den wenigsten Pokalen des 16. und 17. Jahrhunderts anzutreffen ist. So findet sich im Bildband des Standardwerks des Germanischen Nationalmuseums von 2007 kein einziges Beispiel. Selbst international sind in den Museen nur wenige Vergleichsstücke bekannt, darunter eines mit nahezu identischem Fuß in der Sammlung des Louvre in Paris (Inventar-Nr. OA 628).

Literaturhinweise

Die einzige, bislang nachweisbare Arbeit Roßners war eine Eule als Trinkgefäß in einer privaten Sammlung, die 1968 im Centennial Museum in Vancouver ausgestellt war; vgl. hierzu Kat. GNM, Nr. 753/01. Zu Farbfassungen auf Silberobjekten vgl. Weinhold/Witting, Farbfassungen auf Goldschmiedearbeiten des 16. bis 18. Jahrhunderts am Dresdner Hof, Dresden 2018, hier vor allem zwei Nürnberger Traubenpokale Hans Beutmüllers, Abb. 5. Zu Nürnberger Vergleichsstücken mit àjour gearbeitetem Fuß vgl. u. a. Kat. GNM 2007, Nr. 640.05, sowie Kat. Chefs-d'oeuvre d'orfèvrerie allemande, Paris 2017, Nr. 21.

Preis: 80000-90000 

© Kunsthaus Lempertz KG, Köln 


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