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Jacob Philipp Hackert, Landschaft mit Motiven des Englischen Gartens in Caserta

Jacob Philipp Hackert, Landschaft mit Motiven des Englischen Gartens in Caserta

Öl auf Leinwand (doubliert). 66,5 x 97,5 cm.
Signiert und datiert unten links: Filippo Hackert dipinse 1797.

Der Landschaftsmaler Jakob Philipp Hackert hatte sich nach einer Lehrzeit in Berlin (1753-1762) und einem längeren Aufenthalt in Paris (1765-1768) im Winter 1768 in Rom niedergelassen; hier arbeitete er mit stetig steigendem Erfolg für vornehme Rombesucher aller Nationen sowie den römischen Adel und Klerus. 1786 erreichte ihn ein Ruf des Bourbonen-Königs Ferdinand IV. an den Hof von Neapel, wo er in den folgenden Jahren in den glänzendsten Umständen lebte. In dieser finanziell hochdotierten Stellung gedachte der Maler sein Leben zu vollenden, doch sah er sich durch die französische Besetzung der Stadt 1799 unter Zurücklassung fast aller seiner Habe zur Flucht gezwungen. Hackert ließ sich in Florenz nieder, wo er mit der für ihn typischen Zielstrebigkeit begann, sein Leben und seine Karriere erneut aufzubauen. Unvermindert tätig für internationale Auftraggeber, erwarb er 1803 einen kleinen Gutshof in Careggi bei Florenz und widmete sich zusätzlich zu seiner Malerei auch der Landwirtschaft. Er starb kinderlos und unverheiratet in Florenz am 28. April 1807 und ist auf dem protestantischen Friedhof in Livorno begraben.

Im selben Jahr 1786, als Hackert nach Neapel umzog, begann der König mit der Gestaltung neuer Anlagen im weitläufigen Schlossgarten von Caserta, und zwar im Englischen Stil. Hackert verfolgte diese "modernen" Anlagen mit großem Interesse, nicht zuletzt weil diese ihn auch bei der Fortentwicklung seines eigenen Landschaftskonzeptes halfen. Hauptinitiator des Englischen Gartens in Caserta war der gut mit Hackert befreundete britische Gesandte bei Hof, Sir William Hamilton (1730-1803), auf dessen Betreiben im April 1786 der Gärtner John Andrew Gräfer (1746-1802) angestellt wurde; auch mit ihm war Hackert bald in Freundschaft verbunden.
Hackert widmete dem Garten schon 1788 drei Zeichnungen, die bereits fertiggestellte Teilbereiche zeigen, weitere Zeichnungen datieren von 1793 und 1794. 1792 entstand sodann ein großformatiges Gouache-Gemälde im Auftrag Ferdinands IV., das einen weiten Blick in südliche Richtung über den Garten bis zum Vesuv und links dem Ort Maddaloni auf dem Monte San Michele präsentiert. 1795 variierte Hackert die Parklandschaft erneut. Nun erblickt man im Bildmittelgrund einen kleinen Weiher, an dessen Ufer wieder eine Trauerweide wächst; Pinien, Eichen und Zypressen erscheinen zwanglos nebeneinander.
1797 schließlich widmete Hackert dem „neuen Genre“ weitere vier Gemälde, von denen eines das hier vorliegende ist. Der Betrachter blickt auf einen Fluss, der aus dem Mittelgrund nach vorne strömt, die Ufer sind von Bäumen gesäumt, unter denen mehrere Trauerweiden zu erkennen sind. Auf dem rechten Ufer erblickt man neben Zypressen und Pinien einen Rundtempel mit einer Statue auf einem Sockel, der an den Englischen Garten von Caserta erinnert: Hier hatte der mit Hackert befreundete Architekt Carlo Vanvitelli (1740-1821) 1792 im Zentrum eines Labyrinths (kein typisches Element des Landschaftsgartens, doch vom König gewollt) einen kleinen Rundtempel errichtet, der auch in Hackerts Gouache von 1792 zu sehen ist. Die Statue allerdings, wohl eine Flora oder eine Venus, ist eine Zugabe Hackerts. Auf dem gepflegten Rasen rechts im Vordergrund lagern zwei elegant gekleidete Damen mit einem kleinen Mädchen und einem Hund. Sie verweisen auf den Parkbereich, während die Kühe im linken Vordergrund dem ruralen Ambiente zuzuordnen sind: beide Bereiche gehen fließend ineinander über, ganz im Sinne von Goethes Bemerkung, die ganze Gegend um Caserta sei ein einziger Garten. In der Ferne erkennt man einen hochgelegenen Ort mit Festungsturm: er erinnert an den kleinen Ort Maddaloni, in den Tifatiner Bergen am Fuß des Monte San Michele gelegen, der die Ebene von Caserta im Süden begrenzt und der auch in der Gouache mit dem Englischen Garten von 1792 links im Hintergrund zu sehen ist.

Wir danken Frau Dr. Claudia Nordhoff für ihre Unterstützung bei der Bearbeitung dieses Gemäldes. Unser Katalogeintrag ist eine verkürzte Fassung ihres ausführlichen Gutachtens zu diesem Werk.



Zertifikat

Dr. Claudia Nordhoff, Rom 15.3.2020.

Provenienz

Prinz Adalbert von Preußen (1884-1948), Bad Homburg. - Christie´s New York 31.05.1989, Lot 87. - Slg. Nancy Richardson. - Christie´s New York 27.05.2017. - Skandinavische Privatsammlung.

Literaturhinweise

C. Nordhoff, H. Reimer: Jacob Philipp Hackert /1737-1807). Verzeichnis seiner Werke, 1984, Bd. 2, Nr. 265.

Weitere Details:


Der Landschaftsmaler Jakob Philipp Hackert hatte sich nach einer Lehrzeit in Berlin (1753-1762) und einem längeren Aufenthalt in Paris (1765-1768) im Winter 1768 in Rom niedergelassen; hier arbeitete er mit stetig steigendem Erfolg für vornehme Rombesucher aller Nationen sowie den römischen Adel und Klerus. 1786 erreichte ihn ein Ruf des Bourbonen-Königs Ferdinand IV. an den Hof von Neapel, wo er in den folgenden Jahren in den glänzendsten Umständen lebte. In dieser finanziell hochdotierten Stellung gedachte der Maler sein Leben zu vollenden, doch sah er sich durch die französische Besetzung der Stadt 1799 unter Zurücklassung fast aller seiner Habe zur Flucht gezwungen. Hackert ließ sich in Florenz nieder, wo er mit der für ihn typischen Zielstrebigkeit begann, sein Leben und seine Karriere erneut aufzubauen. Unvermindert tätig für internationale Auftraggeber, erwarb er 1803 einen kleinen Gutshof in Careggi bei Florenz und widmete sich zusätzlich zu seiner Malerei auch der Landwirtschaft. Er starb kinderlos und unverheiratet in Florenz am 28. April 1807 und ist auf dem protestantischen Friedhof in Livorno begraben.

Im selben Jahr 1786, als Hackert nach Neapel umzog, begann der König mit der Gestaltung neuer Anlagen im weitläufigen Schlossgarten von Caserta, und zwar im Englischen Stil. Hackert verfolgte diese "modernen" Anlagen mit großem Interesse, nicht zuletzt weil diese ihn auch bei der Fortentwicklung seines eigenen Landschaftskonzeptes halfen. Hauptinitiator des Englischen Gartens in Caserta war der gut mit Hackert befreundete britische Gesandte bei Hof, Sir William Hamilton (1730-1803), auf dessen Betreiben im April 1786 der Gärtner John Andrew Gräfer (1746-1802) angestellt wurde; auch mit ihm war Hackert bald in Freundschaft verbunden.
Hackert widmete dem Garten schon 1788 drei Zeichnungen, die bereits fertiggestellte Teilbereiche zeigen, weitere Zeichnungen datieren von 1793 und 1794. 1792 entstand sodann ein großformatiges Gouache-Gemälde im Auftrag Ferdinands IV., das einen weiten Blick in südliche Richtung über den Garten bis zum Vesuv und links dem Ort Maddaloni auf dem Monte San Michele präsentiert. 1795 variierte Hackert die Parklandschaft erneut. Nun erblickt man im Bildmittelgrund einen kleinen Weiher, an dessen Ufer wieder eine Trauerweide wächst; Pinien, Eichen und Zypressen erscheinen zwanglos nebeneinander.
1797 schließlich widmete Hackert dem „neuen Genre“ weitere vier Gemälde, von denen eines das hier vorliegende ist. Der Betrachter blickt auf einen Fluss, der aus dem Mittelgrund nach vorne strömt, die Ufer sind von Bäumen gesäumt, unter denen mehrere Trauerweiden zu erkennen sind. Auf dem rechten Ufer erblickt man neben Zypressen und Pinien einen Rundtempel mit einer Statue auf einem Sockel, der an den Englischen Garten von Caserta erinnert: Hier hatte der mit Hackert befreundete Architekt Carlo Vanvitelli (1740-1821) 1792 im Zentrum eines Labyrinths (kein typisches Element des Landschaftsgartens, doch vom König gewollt) einen kleinen Rundtempel errichtet, der auch in Hackerts Gouache von 1792 zu sehen ist. Die Statue allerdings, wohl eine Flora oder eine Venus, ist eine Zugabe Hackerts. Auf dem gepflegten Rasen rechts im Vordergrund lagern zwei elegant gekleidete Damen mit einem kleinen Mädchen und einem Hund. Sie verweisen auf den Parkbereich, während die Kühe im linken Vordergrund dem ruralen Ambiente zuzuordnen sind: beide Bereiche gehen fließend ineinander über, ganz im Sinne von Goethes Bemerkung, die ganze Gegend um Caserta sei ein einziger Garten. In der Ferne erkennt man einen hochgelegenen Ort mit Festungsturm: er erinnert an den kleinen Ort Maddaloni, in den Tifatiner Bergen am Fuß des Monte San Michele gelegen, der die Ebene von Caserta im Süden begrenzt und der auch in der Gouache mit dem Englischen Garten von 1792 links im Hintergrund zu sehen ist.

Wir danken Frau Dr. Claudia Nordhoff für ihre Unterstützung bei der Bearbeitung dieses Gemäldes. Unser Katalogeintrag ist eine verkürzte Fassung ihres ausführlichen Gutachtens zu diesem Werk.



Zertifikat

Dr. Claudia Nordhoff, Rom 15.3.2020.

Provenienz

Prinz Adalbert von Preußen (1884-1948), Bad Homburg. - Christie´s New York 31.05.1989, Lot 87. - Slg. Nancy Richardson. - Christie´s New York 27.05.2017. - Skandinavische Privatsammlung.

Literaturhinweise

C. Nordhoff, H. Reimer: Jacob Philipp Hackert /1737-1807). Verzeichnis seiner Werke, 1984, Bd. 2, Nr. 265.

Preis: 80000-100000 

© Kunsthaus Lempertz KG, Köln 


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