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Nachbericht Auktion 283 Europäisches Glas und Studioglas

Sammlung Röhl, Lot 88: Kelchglas mit Bildnis der Autorin Elisabeth Wolff-Bekker (Betje) England oder Niederlande (Glas), David Wolff, signiert, um 1786 (Dekor), H. 17,7 cm

Sammlung Dr. Wolf-Horst Röhl

Im Auktionshaus Dr. Fischer Heilbronn wurde am 24. Oktober die spektakuläre Glassammlung Wolf Röhl mit Schnittglas aus dem 17. und 18. Jahrhundert versteigert. Es handelt sich um eine der bedeutendsten Sammlungen von barocken Gläsern, die in der Nachkriegszeit in Deutschland angeboten wurden. Vertreten waren Becher und Pokale aus dem deutschsprachigen Raum: Nürnberg, Thüringen, Brandenburg, Sachsen und Schlesien. Ein Schwerpunkt lag auf Gläsern, die in den Niederlanden dekoriert worden sind.
Die Auktion begann mit fränkischen Gläsern aus dem 17. Jahrhundert. Um 1690/1700 entstanden ist ein Nürnberger Pokal mit Triton und Nereide, der Hermann Schwinger zugeschrieben ist (Lot 8). Vorbild für die Darstellung war wohl ein Druck von Nicolaes de Bruyn (1581-1656). Der Pokal erzielte 15.000 €.

Im Anschluss kamen einige Gläser aus Brandenburg zum Aufruf. So auch ein Becher mit Bacchanal von Elias Rosbach, der um 1730 entstanden ist (Lot 18, Erlös: 18.000 €). Rosbach war in Brandenburg einer der wenigen Glasschneider, der sich auch poetischen Darstellungen gewidmet hat. Ebenfalls von Elias Rosbach, aber mit einer ganz anderen Thematik, stammt ein Deckelpokal, der eine Hirschjagd und den Hirsch des Heiligen Hubertus zeigt (Erlös: 19.000 €, Lot 30).

Es folgte eine Reihe von Gläsern aus Schlesien. Ein Fussbecher mit Putti, ausgeführt von Friedrich Winter in Hermsdorf, der Anfang des 18. Jahrhunderts als Stargraveur angesehen wurde, erzielte 32.000 € (Lot 34). Ebenfalls aus Hermsdorf stammt ein Deckelbecher mit musizierenden Putti und Landschaften (Lot 35, Erlös: 23.000 €).

Auch markante Gläser aus Sachsen und Thüringen waren vertreten: so gravierte Samuel Schwartz in Arnstadt in den 1730er Jahren einen formal ausgefallenen Pokal mit erotischen Szenen (Lot 41, Erlös: 18.000 €) und in Weimar fertigte Andreas Friedrich Sang ein paar Jahre später einen durch polierten Schliff und feiner Gravur reich verzierten Deckelpokal mit dem gefesselten Mars -wohl eine Anspielung auf den Frieden nach den beiden Schlesischen Kriegen 1740-1742 bzw. 1744-1745- (Lot 44, Erlös: 23.000 €). Aus Sachsen stammt ein großer Deckelpokal mit Allianzwappen der Adelsfamilie von der Asseburg (Lot 53, Erlös: 25.000 €).

Aus der Region der Grenzgebiete Hessen, Niedersachsen und Westfalen stammt ein Deckelpokal mit Wappen und Ochsenkarren von Johann Heinrich Balthasar Sang (Lot 60, Erlös: 20.000 €) und ein Deckelpokal mit dem Wappen des Landgrafen Karl von Hessen-Kassel (Lot 62, Erlös: 15.000 €).

Die diamantgerissenen bzw. gestippten Dekore auf den hochkarätigen, musealen Pokalen aus den Niederlanden sind ausgeführt und signiert von den Graveuren Greenwood, Crama, van Gelder, Sang, Wolff, Robart, Hoolaart und Klapmuts. Die Gläser stammten zum Teil aus namhaften Sammlungen wie Guépin, A. Vecht, Davies-Cook, Bodenheim und Markgrafen von Baden und Meesmann.

Zu Beginn der niederländischen Gläser wurde ein Flügelglas mit feiner Memento-Mori-Kalligraphie von Francois Crama aufgerufen (Lot 66, Erlös: 19.000 €). Es folgten zwei Gläser mit Gottheiten: ein Kelchglas mit Neptun und Amphitrite, das wohl von Marinus (Heyndricksz) van Gelder stammt, erzielte 23.000 € (Lot 67) und ein Kelchglas mit Minerva, Eule und Esel (Lot 68) aus dem späten 17. Jh., erzielte 28.000 €.

Ein Hochzeitskelch mit Allegorie der Standhaftigkeit mit gestipptem Dekor und Diamantriss aus dem Jahr 1739 ist eines der insgesamt 47 bekannten signierten Gläsern von Frans Greenwood, der als Erfinder des Stippens auf Glas betrachtet wird (Lot 77, Erlös: 96.000 €). Ein Meisterwerk der Glaskunst stellt das Kelchglas mit Bildnis der Autorin Elisabeth Wolff-Becker (Betje) aus der Sammlung Guépin dar. (Lot 88). Das um 1786 von David Wolff in gestippter Gravur signierte Glas, ging für 150.000 € in die Niederlande. Zu den Highlights der Sammlung gehörte auch ein Deckelpokal mit Wappen von Wilhelm IV. von Nassau-Oranien aus dem Jahr 1725, welcher als das früheste derzeit bekannte, mit Namen signierte Glas von Willem Otto Robart gilt (Lot 90, Erlös: 18.000 €).

Süddeutsche Privatsammlung
Im Rahmen der Auktion kam eine süddeutsche Sammlung zum Aufruf. Diese Sammlung barg einige museale Gläser. So auch ein Becher von Samuel Mohn, den eine äußerst feine, in bunter Transparentemailmalerei ausgeführte Ansicht von Dresden ziert (Lot 274). Der um 1813 entstandene Becher war mit 4.000 € sehr günstig angesetzt. Den Zuschlag erhielt letztendlich ein amerikanischer Bieter für 15.000 €. Ein Ranftbecher mit Ansicht des Posthofes bei Karlsbad von Anton Kothgasser (1769 – 1851 Wien) wurde auf 9.000 € gesteigert (Lot 275). Dass die Sammlung sehr vielseitig war, zeigten auch die alpenländischen Milchglasflaschen mit blauen, gekämmten Fäden aus dem 18. Jh. Eine seltene Schnapsflasche mit Zinnschraubverschluss ging für 9.600 € an einen Bieter aus Österreich (Lot 206).

Bereich altes Glas
Im Allgemeinen war die Sparte des Formglases in dieser Auktion mit einigen Schätzen bestückt. Eine seltene, alpenländische, neunpassige Schnapsflasche aus braunem Glas mit Zinnschraubverschluss aus dem 17./18. Jh. erzielte 7.600 € (Lot 323). Ebenfalls alpenländisch und aus dem 17./18. Jh. ist eine braune Flasche mit Netzmuster und Zinnschraubverschluss (Lot 325). Den Zuschlag erhielt ein österreichischer Bieter für knapp 9.000 €. Eine zwölfpassige Schnapsflasche aus braunem Glas (Lot 327) und eine Warzenflasche aus manganstichigem Glas (Lot 334) gingen jeweils für 7.600 € über den Tisch.

Bereich Jugendstil, modernes Glas und Studioglas
Ein Bietgefecht entstand um eine museale Vase von Emile Gallé, die um 1880 entstanden ist (Lot 679). Die Vase aus stark krakeliertem Glas zeigt in feiner Reliefmalerei einen Frosch mit Lotusblume und –blatt. Das Bietgefecht gewann letztendlich ein russischer Sammler. Mit einem Erlös von 38.000 € verzehnfachte die Vase ihren Schätzpreis.
Nach Deutschland ging die bedeutende Venini Vase "Battuto", die nach einem Entwurf von Carlo Scarpa gefertigt wurde (Lot 925). Den Namen erhält die Vase durch ihren Dekor: die Vase ist auf der gesamten Oberfläche in matter Schnitzstruktur „battuto“ bearbeitet (Erlös: 10.000 €).
Erfolgreich versteigert wurden auch drei Objekte für die Fucina degli Angeli nach einem Entwurf von Pablo: das Objekt „Gufo“ aus dem Jahr 1962 für 11.000 € (Lot 995), das Objekt „Toro“ aus dem Jahr 1964 für 10.000 € (Lot 997) und das Objekt „Bacco“ ebenfalls aus dem Jahr 1964 für 9.000 € (Lot 998).
Im Bereich des Studioglases kamen gleich zwei Objekte des amerikanischen Künstlers Dale Chihuly zum Aufruf: das Objekt "Soft Cylinder with Green Lip Wrap" aus dem Jahr 1981 € (Erlös: 4,500 €, Lot 1184) und das 4-teilige Set "Mars Red Persian Set with Turquoise Lip Wraps" aus dem Jahr 1987 (Erlös: 5.000 €, Lot 1185). Im Rahmen der Auktion wurde auch eine Sammlung von rund 110 Objekten tschechischer Glaskünstler versteigert. Darunter befanden sich Künstler wie Karel Wünsch, Ivo Rozsypal, René Roubicek, Lubomír Blecha oder Jaroslav Svoboda.

www.auctions-fischer.de

Quelle: © Auktionshaus Dr. Fischer - Heilbronn

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