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Gellage 75

Michal Mackû

Geboren: 1963 in Bruntal, Tschechische Republik

Stilrichtungen

- Fotokunst

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Zum Künstler


Der tschechische Fotograf Michal Macku hat seine eigene fotografische Technik kreiert:
Die Gellage. Durch einfallsreiche Manipulationen der feuchten Gelatineschicht des Films schafft er expressive Motive am Rande des Fotografischen.
Das Überschreiten der Grenzen zwischen unterschiedlichen Kunstrichtungen macht seine
Arbeiten einzigartig.


Arbeiten des Künstlers

Mackû, Michal ◊ Glasobjekt , 2007
Mackû, Michal ◊ Glasobjekt , 2007

Mackû, Michal ◊ Gellage 73, 1994
Mackû, Michal ◊ Gellage 73, 1994

Mackû, Michal ◊ Gellage 115, 2004
Mackû, Michal ◊ Gellage 115, 2004

Mackû, Michal ◊ Gellage 17, 1990
Mackû, Michal ◊ Gellage 17, 1990

Mackû, Michal ◊ Gellage 54, 1992
Mackû, Michal ◊ Gellage 54, 1992

Mackû, Michal ◊ Gellage 5, 1989
Mackû, Michal ◊ Gellage 5, 1989

Mackû, Michal ◊ Gellage 75, 1999
Mackû, Michal ◊ Gellage 75, 1999

Biographie


Die Fotografie spielte in der Geschichte der tschechischen Kunst stets eine ganz besondere Rolle. Im frühen 20. Jahrhundert, vor allem nach dem Ende des ersten Weltkriegs waren es Avantgardisten wie Karel Teige oder Jindrich Styrsky, die den Körper zum Gegenstand der fotografischen Untersuchung machten. Fotografie und Film wurden Leitmedien der Künste – fragmentierte Körpercollagen entstanden als Ausdruck einer sich verändernden, furchteinflößenden Wirklichkeit.
Das Bild des menschlichen Körpers bestimmt die tschechische Fotografie bis heute – und auch das Werk des 1963 in Bruntal geborenen, heute in Olomouc lebenden Michal Macku reiht sich ein in die lange Liste hervorragender tschechischer Fotokünstler wie Alfons Mucha, Jaromír Funke, Josef Koudelka, Jan Saudek oder Frantisek Drtikol. Stets hatte die tschechische Fotografie einen Hang zum Fotoexperiment – und auch Mackus Arbeiten machen da keine Ausnahme. Die experimentelle, medienübergreifende Bearbeitung, die perfekte Beherrschung des Handwerks, aber auch der Wille, tiefere psychische Schichten freizulegen spricht aus ihnen. „Gellagen“, Collagen mit Gelatine, so nennt Michal Macku seine Bildfindungen, die seit Mitte der neunziger Jahre entstehen. Eine Technik, die dem Willen des Künstlers entspricht, die Grenzen der Medien hinter sich zu lassen, Intermedialität zu schaffen. Die ersten Gellagen zeigten vor allem „zerrissene Köpfe“. „Erst nachträglich realisierte ich, dass es auch eine symbolische Öffnung meines Kopfes war, ein Bruch, ein Anfang einer neuen Etappe“, erzählt Macku.
Doch wie entstehen Mackus Gellagen? Nach der Belichtung meistens mehrerer Negative und der Fixierung löst Macku die oberen Gelatineschichten ab, um diese neu auf hochwertigem Künstlerpapier zu arrangieren. Die Besonderheit der fertigen Arbeit ist die feine, plastische Oberflächenstruktur. Es entstehen fotografische Unikate – Originale aus einem künstlerischen Grenzgebiet zwischen Fotografie und Collage.
Macku erklärt das Verfahren: „Es handelt sich um eine chemische Trennung der Gelatine von der Unterlage. Man arbeitet damit im nassen Zustand, eigentlich im Gelzustand. Die im Wasser eingetauchten Gestalten gleichen verschwommenen Chimären – das hat mich immer bei der Arbeit fasziniert. Dann übertrage ich das Bild auf nasses Papier, das gibt mir die Möglichkeit, es in die gewünschte Form zu manipulieren. Nachdem die Komposition fertig ist, lasse ich sie eintrocknen. Bei den ersten Gellagen habe ich einen Hintergrund verwendet, auf welchen die Figuren appliziert worden sind. Dann entdeckte ich weitere Möglichkeiten, beispielsweise die Vervielfachung der Figuren aus einem Negativ oder die Verwendung und Kombinationen mehrerer Negative.“
In seinem Kurzfilm „Prozess“ aus dem Jahr 1994, vor allem aber in immer neuen Fotoserien, zerstört Macku stets das Bildmotiv des eigenen Körpers – er lässt der künstlerischen Destruktion freien Lauf. Das Zerreißen von Körperteilen, die aufgekratzte Brust etwa, ist ein immer wiederkehrendes Motiv bei Macku – doch ist es auch eine Reminiszenz an die klassische Avantgardefotografie des Surrealismus. Die surrealistische Kunstrichtung und ihr Destruktionswille erfuhr in der tschechischen Fotografie immer eine ganz besondere Würdigung – und auch Mackus Werk steht inhaltlich in dieser Tradition.
Der eigene Körper – es sind vorwiegend Selbstporträts, die Macku durch Manipulationen der feuchten Gelatine weiterbearbeitet – wird zum Ort der Zerstörung und der Gewalt. Da gib es Reihungen von Torsi, Akte ohne Köpfe, die ihre Arme nach oben strecken, als würden sie um Hilfe flehen. Gesten sind Macku wichtig: Oft zeigt er Hände und Arme überproportional groß, wie in Darstellungen frühmittelalterlicher Buchmalerei. Nicht das Individuelle interessiert den Künstler, sondern die Geste.
Eine andere Arbeit zeigt einen Brustkorb mit Armen, die sich zu einem ewigen Kreis schließen, wieder andere ganz sonderbare Formen: beispielsweise Arme, die Macku zu einem spindelförmigen Objekt „gellagiert“ hat – oder viele Hände, sie sich gegenseitig umklammern. Vladimír Birgus beobachtete schon 1996, dass Angst ein prominentes Gefühl in den Bildern von Michal Macku ist. Es ist eine tiefsitzende Angst jenseits der Realität, vor allem eine Angst vor Einsamkeit, die aus ihnen zu sprechen scheint: Mackus surreale Körperdeformationen könnten Angstträumen entsprungen sein – auch wenn er selbst sagt, die immerwährende fotografische Destruktion des Körpers sei nur ein Mittel, einen Blick „hinter die Tür der Alltagsrealität“ zu werfen.
Zerrissene Köpfe und Verformungen des Körpers – meistens vor abstrakten, topografisch nicht zu bestimmenden grauen Hintergründen – waren erst der Anfang. Immer häufiger multiplizierte Macku bald die Körperteile seiner Protagonisten. Eine Arbeit zeigt etwa einen Wulst von Oberarmen – eine künstlerische Idee, die vor dem Hintergrund der Diskussion um die Forschung der Gentechnik in den vergangenen Jahren beängstigende Aktualität gewonnen hat. „Die Menge“, so sagt der Absolvent des Prager Institute of Art Photography, „zeigt nicht das Verhalten vieler Einzelwesen, sondern das eines gefährlichen Einzelorganismus.“
Mackus Position ist in der aktuellen, stark von dokumentarischen oder journalistischen Tendenzen bestimmten Fotoszene einzigartig. Vor allem auch, weil der intermediale Prozess des Entstehens einerseits eine sehr genaue Beherrschung des Handwerks voraussetzt, sich andererseits als vollkommen offen gegenüber den Rändern des Fotografischen zeigt. Der Akt des Fotografierens ist für Macku eher eine Vorarbeit – vor der eigentlichen künstlerischen Arbeit, die er mit der Arbeit eines Plastikers vergleicht.
Wie bei der Arbeit mit Ton wird das Bild Schicht für Schicht aufgetragen, das Endergebnis weist eine plastische, haptische Struktur auf. Macku „modelliert“ Fotografien – reanimiert „tote“, fotografische Motive durch die Neukombination wie ein Trickfilmer.



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Ausstellungen


Aktuelle und vergangene Ausstellungstermine:
26.08.2007
Michal Macku - Bilder vom Menschen
25.10.2015
Love is...
18.02.2016
in focus Galerie nimmt erneut an der art. Karlsruhe 2016 teil
11.01.2020
30 Jahre in focus Galerie, Köln
11.01.2020
Vernissage 30 Jahre in focus Galerie, Köln


Weitere Termine:

Michal Macku - EXHIBITIONS, COLLECTIONS

Individual Exhibitions / Autorské výstavy:
1990
Robert Koch Gallery, San Francisco
Kulturní Dùm, Bruntál, Czechoslovakia
Galerie Centrum, Plzeò, Czechoslovakia
1991
Galerie pod podloubím, Olomouc, Czechoslovakia
Fotografisk Galleri, Copenhagen
1992
Galerie Bílá rùže, Prague
Galerie Caesar, Olomouc, Czechoslovakia
Galerie Mladých, Brno, Czechoslovakia
Umìlecká prùmyslovka, Palisády, Bratislava,
Czechoslovakia
1993
Galerie Aura, Olomouc, Czech Republic
1994
Prague House of Photography, Prague
Galerie Ambrosiana, Brno, Czech Republic
1995
Photogalerie Bild, Aarau, Switzerland
1996
Victor Barsokevitsch-Valokuvakeskus, Kuopio,
Finland
Gallery St.Gervais, Geneva
Slezské muzeum, Opava, Czech Republic
Galleri Karneval, Albrunna, Sweden
Photoforum Feldeg, Zurich
Photography Gallery, Perth, Australia
1998
Galerie „U Øeèických", Prague
1999
In focus Galerie am Dom, Köln,
Germany
Galerie Pennings, Eindhoven, The Netherlands
2000
John Stevenson Gallery, New York
2001
FotoGaleria Teatro San Martin, Buenos Aires
Estudio Lisenberg, Buenos Aires
2002
Galeria Omar Alonzo, Puerto Vallarta, Mexico
2004
Dylan Thomas Centre, Swansea, UK
Aberystwyth Art College, Aberystwyth, UK
John Stevenson Gallery, New York
In focus Galerie am Dom, Köln,
Germany
J&T Bank, Prague, Czech rep.
2005
Galerie Brno, Brno, Czech rep.
Gallery "pf", Poznaò, Poland
Galerie Palais Breuner, Vien, Austria
Mìstské divadlo Zlín, Czech rep.
Státní zámek Tøeboò, Czech rep.
Czech Centre, München, Germany

Selected Group Exhibitions / Úèast na skupinových výstavách :
1990
Tschechoslovakische Fotografie Des Gegenwart,
Cologne (traveled to Erlangen, Metz, Lucenburg,
Strassbourg, Odense, Freiburg, Barcelona, Texas,
Lawrence)
1991
Bilder Lust, Galerie Rhanitzgasse der
Landeshauptstadt, Sachsen (travelled to
Dresden; Museum Ludwig, Cologne)
The Male - Contemporary Male Nude
Photographs, Portfolio Gallery, London
1992
What´s New: Prague, The Art Institute of Chicago
1993
Czech Photography of the 1990s - Fotofeis,
Maclaurin Art Gallery, Ayr, Scotland
1994
After the Velvet Revolution, 15 Czech & Slovak
Photographers: 4 photos each, Photography
Gallery, Perth, Australia
Revelations, Photographs of Male and Female
Nudes, The Gallery at John Jones, London
1996
Institut tvùrèí fotografie 25/5, Slezské zemské
muzeum, Opava, Czech Republic
1996
Jistoty a hledání v èeské fotografii 90.let
(Certainty and Searching in Czech Photography of
the 1990s) Nejvyšší purkrabství Pražského hradu
(Burgrave´s House of Prague Castle)
1997
The Body in Contemporary Czech Photography,
Macintosh Gallery, Glasgow
1998
Sicherheit und Suche in der tschechischen
Fotografie der neunziger Jahre, Berlin
The Body in Contemporary Czech Photography,
London
1999
Czech Photography of the 1990s, The Art
Institute of Chicago
Video Virtuale, Foto Fictionale, Museum Ludwig,
Koln
2000
Optical Delusions: Jokes, Puns, and Sleights-of-
Hand in Photography, The Art Institute of Chicago
Tre samtida fotografer fran Tjeckien, Replica
Theater and Art Center, Stockholm
Akt v èeské fotografii (The Nude in Czech
Photography), Císaøská konírna Pražského hradu
(The Imperial Stables at the Prague Castle),
Prague
2001
Re-presenting Representation V - Arnot Art
Museum, Rockwell Museum of Western Art, New
York
2003
Celebration of Light: Photographs from the
Collection of Cherye and Jim Pierce, Honolulu
Academy of Arts in Honolulu
2005
NEW ART Redefining „The Photograph“ – collage,
overpainting, 3-dimensions, and more, John
Stevenson Gallery, New York
Czech Photography of the 20th Century, The City
Gallery of Prague, Prague

Collections / Zastoupení ve sbírkách:
Museum Ludwig, Cologne; Museum of Fine Arts, Houston; Museum for Fotokunst, Odense, Denmark; The Royal Library of Denmark, Copenhagen; Maison Européenne de la Photographie, Paris; Harvard Visual Center, Cambridge, Massachusetts; The Art Institute of Chicago, Illinois; Moravská galerie v Brnì, Brno, Czech Republic; Muzeum Umìní Olomouc, Czech Republic; MOPA - Museum of Photographic Arts, San Diego, USA.



BiographieAusstellungenLiteraturArbeiten

Literatur


Pressemitteilungen:
20.11.2015
Teilnahme der in focus Galerie an der art.Karlsruhe im Februar 2016


Weitere Publikationen:

Michal Macku - Publications / Publikace:
Tschechoslovakische Fotografie Des Gegenwart by Vladimír Birgus and Reinhold Misselbeck, Cologne, 1990;
Souèasná èeská a slovenská fotografie, Prague 1991;
Bilder Lust by Ulrich Domrose, Heilderberg 1991;
Encyklopedie èeských a slovenských fotografù, Prague 1993;
Graphis Photo, Zurich 1993;
Contemporary Photographers, 3rd edition, St. James Press, Detroit, 1995;
Fully exposed - The Male Nude in Photography by Emanuel Cooper, Routledge, London, 1995;
Jistoty a hledání v èeské fotografii 90.let - Certainty and Searching in Czech Photography of the 1990s by Vladimír Birgus and Miroslav Vojtechovský, Prague 1996;
Photographers Encyclopedia International - 1839 to the present, Maison Européenne de la Photographie, Paris, 1996;
Photographie des 20.Jahrhundrets, Museum Ludwig Koln, Taschen, 1996;
Katalog, Journal of Photography and Video, winter 1997, Museet for Fotokunst, Odense C. Denmark;v Chimaera, Aktuelle Photokunst aus Mitteleuropa, 1997, Staatliche Galerie Moritzburg Halle, BRD;
Kamera Obskura, No.3, 1998, Moscow;
Èeská fotografie 90 let - Czech photography of the 1990s by Vladimír Birgus and Miroslav Vojtechovský, Prague, Chicago 1999;
Fotografie v Èeských zemích 1839 - 1999, Vladimír Birgus, Pavel Scheufler, Prague 1999;
The AIPAD Photography Show, 2000 Membership Directory and Illustrated Catalogue, Washington, D.C.;
Akt v ceske fotografii - The Nude in Czech Photography, Vladimir Birgus and Jan Mlcoch ,KANT, Prague 2001;
Re-presenting Representation V, 2001, Arnot Art Museum, NY.
Strange Genius, 2002, The Journal of Contemporary Photography, Volume V, USA;
Vize, èin, sen, smrt (Vision, Deed, Dream, Death), 2005, Exhibition catalogue, Galerie Brno, CR;
Schwarzweiss 46, Das Magazin für Fotografie, Juni-Juli 2005, Germany



BiographieAusstellungenLiteraturArbeiten

© in focus Fotografie    

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