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ohne Titel  (BN1)

Barbara Sophie Nägle

ohne Titel  (BN1), 2006



Am Rande des Gesichtsfeldes

Was wir sehen sind nicht die Dinge sondern unsere Vorstellung von den Dingen. Gewahr sind wir dieses Umstandes meistens nicht, bei der Konfrontation mit den Photographien von Barbara Sophie Nägle werden wir uns jedoch unserer Wahrnehmungskonditionierung schmerzhaft bewußt.
Die scheinbare Banalität ihrer dargestellten Motive provoziert ein subtiles Verlangen nach bedeutsamer Eindeutigkeit, das gleichzeitig durch Nägles
Verweigerung einer solchen Gewißheit unterhöhlt wird. Was bleibt ist eine unbequeme Stimmung der Ambiguität und genau in diesem vorsätzlich von der Künstlerin kreiertem Dilemma liegt die Möglichkeit einer erweiternden
Strukturauflösung.
Was wird uns hier zugemutet? (Und die Grenzüberschreitung definiert sich nicht über einen offensichtlichen Tabubruch.) Ein gänzlich unspektakuläres Tännchen, triviale Nichtigkeiten am Straßenrand, Vorgartenatmosphäre, die sich weder dem Kitsch, noch dem Kunstvollen oder dem Chaos zuneigt, lichte Waldungen ohne Katastrophenalarm oder Balsam für Eskapadensehnsüchte, Rauchschwaden, die das Drehbuch nicht verraten wollen, ob es sich um ein Drama oder eine Romanze handelt.
Nägles Photos entziehen sich unserem Wunsch nach Sensation, jenem extremen Nadelausschlag des Gefühlsbarometers. Die Grauzonen des entworfenen Niemandslandes scheinen uns wenig beachtenswert, ihre Auswüchse sind leidiges Abfallprodukt unseres Weges von einem Highlight zur nächsten Lusterfüllung im kommerziellen Bedürfniskarussell. Wir haben es sichtlich zu eilig für diese Randphänomene.
Natürlich, langwierig haben wir uns unsere Überlebensstrategien zurechtgezimmert und folgen dem Fokus unserer eingeschliffenen Auswahlmechanismen. Das eingefahrene Regelsystem tut seinen Nutzen und einmal abgeheftetes Wissen wird nicht weiter getestet. Das Vertrauen in die freiwillig zugelegten Ideen, die uns verläßlich die Richtung unserer selektierenden Aufmerksamkeitszuwendung vorzeichnen, wächst mit jeder sich selbst bestätigenden Erfahrung. Neues sehen wir wie Altbekanntes, Vertrautes übersehen wir, heute gleicht gestern, das Ich wird zur soliden Konstanten. Angenehm ist es zu wohnen in solch einem individuellen Weltengehäuse aus vorgefertigten Erkenntniskategorien. Und emsig wird gemauert gegen perfide Risse, diese Bedrohlichkeiten einer Normabweichung, damit sie nicht eindringen, jene Eindrücke, für die keine passende Aufbewahrungsform bereit steht.
Was Barbara S. Nägle uns präsentiert, ist ein solches Bedrängnis. Sie rückt ins Gesichtsfeld, was wir sonst gerne ausblenden:
Absichtslosigkeiten, Nichtsnutzigkeiten, flüchtige Übergangszustände, Nebensächlichkeiten, Leerstellen ohne Ort- oder Zeitkoordinaten, nebulöse Unbegrifflichkeiten – ihre Motivik entwindet sich behend unseren angestrengten Fixierungsmanövern. Nägles skizziertes Beschäftigungsgebiet oszilliert zwischen An- und Abwesenheit; vorgefertigte Assoziationen von Schönheit und Häßlichkeit werden von ihren multivalenten Unorts-Aufnahmen ausgehebelt. Das macht unsicher. Die Ironie dieser als solchen empfundenen Provokation liegt in dem Umstand, daß reizvoll Unbekanntes bei weitem in Anzahl und Präsenz die Fragmente unserer kontrollierten Sehmuster aussticht. Ein Meer von changierenden Lichtspielen umspült unsere wohl sortierten Wiedererkennungsinseln, die wir als unser Universum glaubten. Es ist eine Kunst, dies deutlich zu machen.
Bei der Einsicht in die Unzulänglichkeit unserer
Wirklichkeitsaneignung eröffnet sich ein ungenutztes Potential endlos sich
offerierender Sinnlichkeitsaugenblicke. Nägle enthebt uns dem Zwang der ständigen Kategorisierung und verweist auf jenen Zwischenbereich, der gerade von dem Mangel an überprüfbaren Dringlichkeiten lebt. Überhaupt, welche Macht schreiben wir der Gewohnheit zu, über Relevanz oder Bedeutungslosigkeit von Dingen urteilen zu dürfen? Inwieweit geben wir damit ein in jedem Moment neu zu bestimmendes Wahrnehmungsrecht auf, Situationen als vielversprechenden Ausgangspunkt umfassender Entdeckungsreisen erkennen zu können? Sich auf diese vielschichtigen Photos einzulassen bedeutet die Facetten des Abenteuers Leben auszukosten, ohne Sicherheitsnetz. Wohin könnte man auch fallen im grenzenlosen Raum?

(c) Tatjana Myoko von Prittwitz

Maße:100 x 120 cm


Stilrichtung:: Zeitgenössische Kunst
Kunstsparte:: Fotografie
Material/Medium/Technik:: C-Print



Biographie und Kunstwerke: Barbara Sophie Nägle


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