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Eine neue Chronik dokumentiert Wege, Wirrungen und Wendungen in der Bautätigkeit zwischen Bürokratie und Macht

Baukünste des deutschen Staates



Stoßen Politik und Kunst aufeinander, scheinen Konflikte vorprogrammiert. Dies gilt besonders in Angelegenheiten der Baukunst. Kritisch sei vorweggenommen, dass nahezu alle Staatsrepräsentanten über keine ausgewiesene Kompetenz auf diesem Feld verfügen. Doch seit der Kaiserzeit meinen alle, in Bau- und Kunstangelegenheiten zwingend mitreden zu müssen. Besonders prekär wird es, wenn dabei infantile Instinkte der eigenen Legobausteinzeit geweckt und zur Schau gestellt werden. Vermeintlich fachkundige Bauverwaltungen haben es naturgemäß trotz fachlicher fundierter Argumente schwer, als dienende Vorbereiter von Entscheidungen gegen beratungsresistente, eitle Größen der Politik mit Selbstverwirklichungsdrang ein Gegengewicht zu setzen.



Die neu erarbeitete „Chronik Bau und Raum“ dokumentiert und entschlüsselt mit Blick auf die Genese des heutigen Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung die administrativen Zusammenhänge und Ergebnisse staatlichen Bauens von den Anfängen im 18ten Jahrhundert bis heute. In der Gunst der Landesherren stehende, selbständige Landbaumeister oder freiberufliche Bauinspektoren betreuten in den Anfängen mit entsprechenden Vollmachten öffentliche Bauvorhaben vom Wegebau bis hin zu repräsentativen Verwaltungsgebäuden. Eine Zentralgewalt fehlte ebenso wie einheitliche Vorgaben für Technik oder Ästhetik.

Erst Friedrich der Große richtete 1742 den Posten des „Oberbaudirektors“ als fachmännische Instanz zur Begutachtung und Genehmigung sämtlicher Pläne vom Schlossbau bis zur Windmühle ein. Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff, sein Jugendfreund, bekleidete ihn zuerst. Das gewaltige Anschwellen von Baumaßnahmen führte jedoch schon 1770 zur Schaffung einer eigenen Behörde, dem „Oberbaudepartement“, dessen zehn Verwaltungs- und Baubeamte für sämtliche Projektierungen, Finanzierungen und Ausführungen in Preußen zuständig waren. Das Ziel war neben dem sparsamen, qualitätvollen Bauen und dessen Kontrolle insbesondere auch eine Vereinheitlichung der Bauverordnungen. Zur Ausbildung der Baubediensteten errichtete Friedrich Wilhelm III. 1799 dann die dem Baudepartement unterstehende Bauakademie. Genau 80 Jahre später fusionierte sie mit der Berliner Gewerbeakademie, dem Vorläufer der heutigen Technischen Universität.

Doch das Oberbaudepartement hatte im Laufe der Jahre zuviel Macht an sich gezogen, was wiederum 1804 zu seiner Auflösung führte. An seiner Stelle wurde die Oberbaudeputation als lediglich beratende Institution etabliert. Kein geringerer als Karl Friedrich Schinkel stand ihr von 1830 bis 1841 als eine Art „oberster Geschmacksrichter“ in Bausachen vor. Seinen Einfluss verstand Schinkel wieder nachhaltig auszudehnen. Die Konsequenz war, dass diese Institution 1850 als Bauabteilung im neuen Ministerium für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten aufging. 1880 kam es mit der Gründung der „Akademie des Bauwesens“ erneut zur Schaffung einer Einrichtung, die alle Neubauprojekte des Reiches beurteilen sollte. Ihr wichtigstes Projekt war das neue Reichstagsgebäude.

Die Geschichte der Einrichtung und Abschaffung sowie Zersplitterung von Instanzen, Arbeitseinheiten, Zuständigkeiten, Einflusssphären im Preußischen Obrigkeitsstaat dauerte lange bis in die Zeit der Weimarer Republik hinein. Insbesondere Heer und Marine, die Verwaltungen von Post oder Reichsbahn verursachten Querelen durch ihr Beharren auf eigenständige Kompetenzen. Um nach Außen Stärke zu demonstrieren, wurde 1930 die dem Finanzministerium unterstellte Dienststelle der Reichsbaudirektion etabliert, in deren Zuständigkeit alle Bauangelegenheiten der obersten Behörden und Verfassungsorgane oblagen. Mit der Berufung Albert Speers zum Generalinspekteur für die Reichshauptstadt im Jahr 1937 wurde alle Entscheidungsgewalt auf ihn verlagert.

Die Geschichte der Hin- und Herschieberei von Kompetenzen findet auch nach dem Zweiten Weltkrieg kein Ende. Zuerst trat Kanzler Adenauer als Bauherr auf, der sich vor allem als Verhinderer betätigte. So kanzelte er die klaren, modernen Innenarchitekturentwürfe des renommierten Architekten Hans Schwippert für seinen Amtssitz, das Bonner Palais Schaumburg, ab. Adenauer bestellte stattdessen Möbel im „Gelsenkirchener Barock“. Für die Umsetzung der Schwippertschen Planungen eines modernen Plenarsaals mit kreisrunder Sitzordnung, der erst 40 Jahre später zur Ausführung gelangte, konnte sich Adenauer auch nicht begeistern. Er setzte einen Vortragssaal im Stile des preußischen Obrigkeitsstaates mit weit abgehobener Regierungsbank durch. Anschließend betrieb er die Wiedergründung der Reichsbaudirektion als Bundesbaudirektion, da sie von der Politik besser beeinflussbar und ihr hörig sein sollte.

Erschreckend ist vor allem die personelle Kontinuität dieser zuerst dem Bundesschatzministerium, ab 1972 dann dem Bundesbauministerium nachgeordneten Behörde, waren doch viele Mitarbeiter vor dem Krieg für Bauvorhaben der Waffen-SS oder der Konzentrationslager zuständig. In langwierigen Abstimmungsprozessen wurden dann erste Regierungsbauten im Stile der „Rechnungshofarchitektur“ im Bonner Provisorium errichtet. 1958 wurden die Bauaktivitäten nach Berlin verlagert, um im Rahmen des Ost-West-Konfliktes mehr Präsenz in der alten Hauptstadt zu zeigen. Zehn Jahre befasste man sich mit dem Wiederaufbau des Reichstages. Hinzu kamen die Restaurierung der Hohenzollernresidenz Schloss Bellevue für den Bundespräsidenten sowie Bauten für die Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Zu den wenigen vortrefflich gelungenen Projekten zählt die zwischen 1962 und 1966 ausgeführte Kanzlei der Deutschen Botschaft in Washington DC von Egon Eiermann, ein äußerst eleganter, selbstbewusster, aber nicht auftrumpfender Bau. Überhaupt wurden die qualitätvollsten Gebäude nicht von Architekten der Baubehörde realisiert, sondern nach Plänen externer Baumeister, wozu auch die Berliner Staatsbibliothek von Hans Scharoun zählt.

Nach dem Ende des Bonner Status als Provisorium 1971 erfolgten dort großzügige Ausbauplanungen. Zahlreiche Ministerien, das Bundeskanzleramt bis hin zu den Museen der Museumsmeile entstanden neu. Nach der Wiedervereinigung und dem Hauptstadtbeschluss vom 20. Juni 1991 konzentrierte sich das staatliche Baugeschehen voll auf Berlin. Eine eigens gegründete Bundesbaugesellschaft war für die Realisierung der Parlaments- und Regierungsbauten im Spreebogen zuständig, da man der alten Bundesbaudirektion diese Mammutaufgabe zu Recht nicht zutraute. Doch die Abhängigkeit von den Politikern blieb. Das neubarocke Ufo einer Kinokulisse, hinter der sich heute das Bundeskanzleramt mit seinen erheblichen funktionalen Mängeln verbirgt, spricht Bände.

Zum 1. Januar 1998 fusionierte die Bundesbaudirektion mit der zweiten, dem Bundesbauministerium nachgeordneten Behörde, der Bundesforschungsanstalt für Landeskunde und Raumordnung, die ein Produkt der Blut- und Bodenpolitik des Dritten Reiches war und sich nach dem Krieg mühsam als forschende Serviceinstitution der Geografie und Kartografie etablierte.

Im 486 Seiten starken Prachtband wird auch offen gelegt, wie die deutsche Staatsarchitektur nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst als reine Anpassungsarchitektur ausgebildet ist, mutlos, ohne Überzeugungskraft, mit wenig Vorbildlichem und nicht durch eigene Handschriften ausgezeichnet. Der fast 300 Millionen Mark teure und in 20jähriger Bau- und Planungszeit ausgeführte Plenarsaal in Bonn von Günter Behnisch dürfte zu den überragenden Projekten des Staates im Nachkriegsdeutschland gehören.

Die Chronik „Bau und Raum“ erzählt kapitelweise chronologisch im Fließtext die einzelnen Phasen und untermauert mit vielen Bildern die Geschichte staatlichen Bauens. Sie hilft, die immer wieder veränderten Strukturen, Zielsetzungen, Zuständigkeiten zu entwirren. Leider fehlt eine knapp nach Jahren geordnete, tabellarisch auflistende Übersicht der wesentlichen Veränderungen ebenso wie ein gründliches Schlagwortregister. Der Text ist locker-flockig wie eine Ministerrede dahergeschrieben. Der Schwerpunkt liegt überraschender Weise auf der Zeit nach 1945 und insbesondere auf den Berliner Hauptstadtbauten. Gerade diese Kapitel wurden in den letzten Jahren in unzähligen, auch behördeneigenen Publikationen ausführlich dokumentiert.

Was bleibt, ist ein Beamtenbuch, das Bürokratie und primär ihre aktuellen Bauergebnisse in einem guten Licht erstrahlen lassen soll. Auffallend ist auch das Erscheinen ohne konkreten Anlass. Ein Jubiläum für die Herausgabe eines Repräsentationsbandes ist nicht in Sicht. Der vor der Pensionierung stehende Behördenleiter und die bevorstehende, längst überfällige Auflösung des Amtes durch Überführung in eine Anstalt öffentlichen Rechtes unter Ausgliederung der Landskunde und Raumordnung gaben wohl den eigentlichen Anlass für eine letzte opulente Selbstbeweihräucherung auf Staatskosten; eine Annahme, die auch durch die recht einseitige Auswahl von Bildern der jüngeren Projekte unterstützt wird.

Es wäre besser gewesen, eine wissenschaftlich fundierte Chronik der Bürokratie- und Staatsbaugeschichte im Rahmen eines Forschungsprojektes extern von Fachwissenschaftlern erarbeiten zu lassen, als eine hauseigene Publikation herauszugeben. Aber Fachwissenschaftler sind eben nicht so steuerbar wie die eigenen Mitarbeiter. Das passte wiederum den Initiatoren des vorliegenden Requiems nicht ins Konzept, das man sehr kritisch lesen und detailliert hinterfragen muss.

Andreas Kübler: Chronik Bau und Raum. Geschichte und Vorgeschichte des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung
Herausgeber: Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung
Ernst Wasmuth-Verlag Tübingen/Berlin 2007
485 Seiten mit 517 meist farbigen Abbildungen, Preis 39,50 Euro.



07.05.2007

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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