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Oft wurden deutsche Bundespräsidenten in der Bonner Beethovenhalle gewählt. Der denkmalgeschützte Bau der 1950er Jahre wurde nun vorerst vor dem Abriss gerettet

Präsidentenwahl im Baudenkmal



Beethovenhalle Bonn - Konzerthaus. Festsaal. Denkmal

Beethovenhalle Bonn - Konzerthaus. Festsaal. Denkmal

Mit offenen Armen wird dem Besucher der Empfang bereitet. Ein lang hinaus gezogener Eingangstrakt kommt ihm entgegen und geleitet ihn zum Hauptkorpus der Beethovenhalle. Am Hang hoch über dem Rhein, nördlich des Bonner Altstadtkerns, waltet immer noch staatstragend und eingebettet in eine famose Grünanlage die einstige gute Stube von Stadt und Staat. Wie ein auftauchender Walfisch markiert die weich aufschwingende, kupfergedeckte Kuppel des emporragenden Zentrums zeichenhaft den großen Saal, umfangen von ineinander greifenden Flachbauten aus unterschiedlich geformten Kuben. Das Haus ohne Axialität und Symmetrie erschließt sich erst beim Umgehen und offenbart den feinen Dualismus von offenen und geschlossenen Elementen, der mit geraden, runden und eckigen Bauteilen einhergeht.


Bürgerliche Initiativen bemühten sich rasch nach dem Krieg, Ersatz für das 1944 zerbombte Konzert- und Veranstaltungshaus zu schaffen. In einem Wettbewerbsverfahren erkannte das Preisgericht unter dem Vorsitz von Otto Bartning dem Entwurf des erst 28jährigen Siegfried Wolske (1925-2005) den ersten Preis zu. Die Pläne des Schülers von Hans Scharoun überzeugten durch gelungene Gliederung und Funktionalität in Verbindung mit einem festlichen Charakter. Ideen der Berliner Philharmonie implizierend, glaubten wohl einige Preisrichter, bei der Prämierung, einen Scharoun zu erwischen. Ohne wesentliche Änderungen wurde zwischen 1956 und 1959 Wolskes Entwurf realisiert.

Versammlungs- und Mehrzweckbauten setzten generell in westdeutschen Städten der Nachkriegszeit nachhaltige architektonisch-städtebauliche Akzente, deren Parallelen im Osten die Kulturhäuser der DDR waren. Besonders in der provisorischen Hauptstadt Bonn charakterisierte die Beethovenhalle den Neubeginn als wichtiger Identifikationsort im öffentlichen Leben der Stadt und des Staates. Das neben dem Kanzlerbungalow und dem ehemaligen Postministerium einzige erhaltene Wahrzeichen der Bonner Republik weihte der erste deutsche Bundespräsident Theodor Heuss am 8. September 1959 ein. Es war seine letzte Amtshandlung, übrigens schon in Gegenwart seines Nachfolgers Heinrich Lübke. Während aus politischen Gründen die Wahl seines Nachfolgers Gustav Heinemann in Berlin vonstatten ging, diente die Beethovenhalle von 1974 bis 1989 der Bundesversammlung als Tagungsort. Walter Scheel, Carl Carstens und Richard von Weizsäcker wurden hier auf neutralem Boden und nicht in einem von Parteien bestimmten Parlamentssaal gewählt. Seitdem dient wieder der Plenarsaal im Berliner Reichstagsgebäude der Bundesversammlung als Tagungsort.

Abgesehen von diesen höchst staatstragenden Zusammenkünften bot die seit 1990 denkmalgeschützte Beethovenhalle zahlreichen Ereignissen eine würdige Stätte. Staatsakte und -besuche, Festbankette, Gedenkveranstaltungen, Benefizkonzerte, Bälle, Trauer- und Geburtstagsfeiern, Neujahrsempfänge, Jubiläumsfeiern, politische Großveranstaltungen wie Parteitage oder Kundgebungen, Verbandsversammlungen bis hin zu Ausstellungen oder Prinzenproklamationen sorgten dafür, dass sich bedingt durch die mediale Präsenz der Bau ins kollektive Gedächtnis der deutschen Republik einbrannte. Auch die hohe gestalterische und handwerkliche Qualität inklusive der künstlerischen Ausstattung kennzeichnen die Halle als charakteristisches Beispiel für das Bauen in den 1950er Jahren. Bei genauem Hinsehen sticht sofort die sensible Bearbeitung des Baus in Auge. Dazu gehört der belebende Reichtum an Materialien wie die blaue Mosaikverkleidung am rheinseitigen Restaurant, die Granitschauwand am Foyer oder das abstrakte, nach Entwürfen Siegfried Wolskes ausgeführte Farbglasfenster in der Eingangszone.

Mosaike, hochwerte Hölzer, farbig glasierte Ziegel und Klinkersteine, Natursteinrahmen, Griffe und Fassungen aus Messing, alles fein, grazil, gegebenenfalls schwungvoll gestaltet, demonstriert die Verspieltheit der Epoche mit ihrem neuen Lebensgefühl. Kosmisches deutet die markante, mittels Stuckstreukörpern einem Sternenzelt nachempfundene Decke im großen Saal an. Eindruckvollstes Kunstwerk am Bau ist eine monumentale, volle 27 Meter lange Sgraffitowand im Foyer zwischen den Saaleingängen. Der Kölner Maler Joseph Fassbender (1903-1974), auch Professor an der Düsseldorfer Kunstakademie und Teilnehmer der Documenten I bis III, schuf die festliche Symphonie in Gold an der parabelförmig zur darüber liegenden Empore gewölbten Stirnmauer. Die unbetitelte Arbeit besticht durch kontrastreiche Farbgebung aus den Nichtfarben Schwarz, Weiß und Grau mit Goldfeldern, allesamt durchzogen von einer darüber gelegten Netzstruktur aus linearen Ritzzeichen.

Sein zweites Werk schenkte Fassbender der Stadt. Der „Vihaminazhera“ betitelte Fries aus acht mit Kunstharzfarben bemalten Sperrholztafeln aus dem Jahr 1955 bedeckt 18 Quadratmeter an der Nordwand des kleinen Raucherfoyers. Scherenschnittartig abstrahiert Joseph Fassbender in schwarzen und weißen Feldern einen Bienenschwarm. Von Emile-Antoine Bourdelle (1861-1929) stammt die Bronzebüste Ludwig van Beethovens im Foyer; das um 1902 geschaffene Werk wurde vom französischen Staat gestiftet. Bernhard Heiliger (1915-1995) ist mit einer Skulptur im Gartenhof präsent, Hans Uhlmann (1900-1975) schuf die weit ausgreifende Messingplastik auf der Terrasse vor dem großen Raucherfoyer. Erst 1986 vor dem Haupteingang aufgestellt wurde die von Klaus Kammerichs ausgeführte Plastik „Beethoven“. Das übergroße Porträt ist nichts anderes als eine in Stahlbeton übersetzte „Fotoskulptur“, bei der vor- und zurückspringende Gesichtszüge hellere und dunklere Gesichtspartien nachzeichnen. Die sorgfältig konzipierte Grünanlage rund um die Halle wurde von dem im Bonner Raum renommierten Garten- und Landschaftsarchitekten Heinrich Raderschall (geb. 1916) in enger Abstimmung mit der Architektur und ihrer Verglasung geschaffen.

Unterlassene Pflegeleistungen und Unterhaltsmaßnahmen, die der Vorbildfunktion der öffentlichen Hand nicht gut anstehen, führten über die Jahre unweigerlich zu einem deutlichen Renovierungsstau, der Politikern als willkommener Vorwand für einen Verweis auf hohe Sanierungskosten diente. So konnte mit Unterstützung der in Bonn ansässigen finanzstarken Dax-Unternehmen der Neubau eines „Beethoven-Festspielhauses“ avisiert werden, der an die Stelle der alten Beethovenhalle treten sollte. 2008 wurde ein begrenzter Wettbewerb ausgeschrieben. Nicht nur immer massiver werdende Bürgerproteste gegen den Abriss der denkmalgeschützten alten Halle, sondern auch veränderte finanzielle Umstände führten im April 2010 zur Zurückstellung der Neubauplanungen, was auf lange Sicht erst einmal die Rettung der Beethovenhalle bedeutet. Wieder einmal haben sich finanzielle Engpässe als der beste Denkmalschutz bewiesen.

Zuvor, im November 2009 veranstaltete das Kunsthistorische Institut der Universität Bonn ein hochkarätiges wissenschaftliches Kolloquium samt Ausstellung, in dem kundige Fachleute den künstlerischen Stellenwert der architektonischen Freiplastik Beethovenhalle als markantes Exempel organischer Nachkriegsarchitektur kenntnisreich analysierten und mit Fakten untermauerten. Ihre Statements und Vorträge können nun dankenswerter Weise in einem handlichen Band nachgelesen werden. Vor wenigen Tagen, ungewollt terminiergerecht vor einer erneuten Bundesversammlung erschienen, dokumentiert er nachhaltig den Mehrwert dieser bedeutenden Versammlungsstätte, deren Abriss damit wohl hinfällig sein dürfte.

„Beethovenhalle Bonn – Konzerthaus. Festsaal. Denkmal“
Herausgegeben von Martin Bredenbeck, Constanze Moneke und Martin Neubacher
Weidle-Verlag Bonn, 2010
208 Seiten, 19,90 Euro



28.06.2010

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Beethovenhalle Bonn - Konzerthaus. Festsaal. Denkmal
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Beethovenhalle mit den früheren Ausstellungsräumen im
 Südtrakt, 2010
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Wandbild von Joseph Fassbender in Großen Foyer, 2008
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Künstler:

Siegfried Wolske







Wandbild von Joseph Fassbender in Großen Foyer, 2008

Wandbild von Joseph Fassbender in Großen Foyer, 2008

Beethovenhalle mit den früheren Ausstellungsräumen im Südtrakt, 2010

Beethovenhalle mit den früheren Ausstellungsräumen im Südtrakt, 2010




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