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Ein kleines Bändchen des Verlags Hatje Cantz gibt einen Überblick über die Geschichte der Kunstauktion in den vergangenen 250 Jahren anhand ausgewählter Beispiele

Was wir schon immer über Auktionatoren wissen wollten…



Helden der Kunstauktion

Helden der Kunstauktion

Nicht immer, aber häufig halten sich große Kunstsammler bis heute gern bedeckt und bleiben lieber unter ihresgleichen. Sie wussten warum, erregten sie doch wegen ihrer elitären und kostspieligen Leidenschaft neben der Bewunderung immer auch den Neid ihrer Mitmenschen. Den englischen Adel nahm beispielsweise schon 1742 der Maler und Karikaturist William Hogarth aufs Korn: In „Taste in High Life“ zeigt er eine aristokratische Familie umgeben von ihren Besitztümern. Nicht nur die Proportionen der Figuren und ihrer opulenten, fast karnevalesken Garderobe sind hier bewusst ver- und überzeichnet, zu allem Überfluss ist es auch noch ein Affe, der die neuestens auf einer Auktion erworbenen Schätze anhand einer Liste inspiziert. Wer den Reichtum hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen.


Buchstäblich im Rampenlicht standen und stehen dagegen diejenigen, die den Schönen und Reichen auf dieser Welt ganz wesentlich dazu verhelfen, ihre Sammlungen zu ergänzen und zu erweitern, sie gelegentlich auch wieder loszuwerden: die Auktionatoren und Auktionatorinnen. In ihrem Eifer ziehen diese oft sprachbegabten und öffentlichkeitstauglichen Damen und Herren – zumindest wenn es sich um große, prestigeträchtige Versteigerungen handelt – häufig alle Register ihrer Entertainmentqualitäten und mitunter auch sich selbst aus bis zum Hemd, wie 2009 Christie’s-Schlachtschiff Arno Verkade in der Kunstaktion „Strip the auctioneer“ von Christian Jankowski.

Tobias Meyer, der bis zu seinem Ausstieg Ende 2013 jahrelang das Gesicht von Sotheby’s war, Altmeister Eberhard Kornfeld in Bern, der mittlerweile im 93. Lebensjahr steht, aber auch nach über sechzig Jahren Geschäftstätigkeit noch keine Müdigkeit kennt, oder Roman Norbert Ketterer, der kurz nach dem Krieg in Stuttgart klein anfing und dessen Neffe heute eines der größten deutschen Auktionshäuser führt, sind dem einigermaßen an der Sache Interessierten und Kundigen also ein Begriff. Anhand dieser und weiterer Personen hat Dirk Boll, seit 1998 Mitarbeiter von Christie’s und Professor für Kulturmanagement in Hamburg, kürzlich im Verlag Hatje Cantz ein handliches Buch herausgegeben, das einen Überblick über die Entwicklung des Auktionswesens der vergangenen rund 250 Jahre bietet.

Autoren sind namhafte Fachleute aus Auktionswesen, Museumswelt und Fachpresse sowie Künstler verschiedener Professionen. Den einzelnen Essays sind jeweils kurze Einführungen des Herausgebers vorangestellt, in denen der Leser schlagartig an einen bestimmten Ort in einer bestimmten Zeit versetzt werden soll. „London 1766“ etwa macht den Beginn. Damals fand, vom 5. bis zum 9. Dezember, die erste große Versteigerung von James Christie in der noblen Pall Mall mitten in Londons bestem Viertel statt, und der durch den wenig später erfolgten Tod zweier Konkurrenten begünstigte Aufstieg des Unternehmens begann.

„Pompeji 1875“ widmet sich der Auffindung von Unterlagen des römischen Bankiers und Auktionators Lucius Caecilius Iucundus 1875 in der italienischen Ruinenstadt, die beweisen, dass schon in der Antike nicht nur mit Kunst gehandelt, sondern diese auch versteigert wurde. Wenig erbaulich natürlich das Kapitel „Luzern 1939“ und die Gewissheit, dass die Werke klassisch-moderner Künstler, die damals im Schweizer Auktionshaus Fischer angeboten wurden, versteigert und von den Nationalsozialisten also nicht vernichtet wurden. Das ist nur ein schwacher Trost für die dahinter stehende menschliche und kulturelle Barbarei.

Die Mehrzahl der Beiträge widmet sich dem Kunstauktionsgeschehen in den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten. Es ist die Zeit des allgemeinen Booms auf dem Kunstmarkt der großen Sensationen, die einzelne Werke aufgrund ihrer bis dahin unvorstellbar hohen Zuschlagspreise erregten. Vincent van Goghs „Portrait des Dr. Gachet“ von 1890, 1990 bei Christie’s in New York durch Christopher Burge für 82,5 Millionen Dollar versteigert, war so ein Markstein. Nebenbei bemerkt ging das Werk an den japanischen Händler Hideto Koyabashi, just auf dem Höhepunkt des Engagements jener Sammler und Jäger aus dem fernen Osten, kurz bevor sie aus dem internationalen Marktgeschehen so schnell wieder verschwanden, wie sie gekommen waren.

Auch die große Yves Saint Laurent-Nachlassauktion im Grand Palais zu Paris ist natürlich Thema. Abgehalten wurde sie 2009, als die vorerst letzte Krise dem Kunstmarkt eine nicht unbeträchtliche Delle zufügte. Seither ging es unaufhaltsam wieder aufwärts: die Zeitgenossen zogen inzwischen an den Modernen vorbei, die Alten Meister liegen ohnehin abgeschlagen auf Platz drei. Doch auch der Auktionsrekord von brutto 142,4 Millionen Dollar für Francis Bacons „Three Studies of Lucian Freud“, dem sich das Kapitel „New York 2013“ widmet, ist durch Pablo Picassos „Femmes d’Algier Version O“ für brutto fast 180 Millionen Dollar inzwischen schon wieder Geschichte.

Den Abschluss des Bandes bildet eine recht amüsante Zusammenstellung mehr oder weniger berühmter Filmszenen, in denen Auktionen eine Rolle spielen, von Alfred Hitchcocks absurd-komischem Auftritt des umwerfenden Cary Grant in „North by Northwest“ von 1959 über Luchino Viscontis „Conversation Piece“ von 1974 und John Glens James Bond-Streifen „Octopussy“ mit Roger Moore von 1983 bis hin zu einer Nummer aus der amerikanischen Filmserie „Sex and the City“ von 2008. Ob man den von This Brunner, seit 1992 bzw. 2002 Kurator der Filmsektionen bei der Art Basel und der Art Basel Miami Beach, geäußerten Ansichten folgen möchte, ist freilich Geschmackssache.

Der persönlichen Nähe zu den vorgestellten Personen und Geschehnissen wird man zuschreiben müssen, dass manche der in Bolls Textsammlung enthaltenen Essays mehr Schilderungen mit gelegentlich fast panegyrischem Anliegen sind als sachliche Analysen. Doch das ist verzeihlich, wenn man sich darauf einlässt, dass der Band nicht den Anspruch einer wissenschaftlichen Abhandlung stellt, sondern vor allem das auf den ersten Blick so trockene Skelett des Auktionsmarktes und der daran beteiligten Menschen dem Leser gegenüber zum Leben erwecken möchte. Dieses Anliegen zu erfüllen, ist Boll und seinen Autoren auf ebenso unterhaltsame wie informative Weise geglückt.

Helden der Kunstauktion
Herausgeber: Dirk Boll
Hatje Cantz Verlag, Ostfildern, 2014
224 Seiten, 67 Abbildungen, Preis 19,80 Euro



05.07.2015

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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