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Sammelgebiet Glas aus Jugendstil und Art Déco–Teil 2

Bedeutende Firmen und Stilrichtungen in Frankreich



Vase, Emile Gallé, 1904

Quelle: Quittenbaum, Katalog der 14. Auktion, S.46

Vase, Emile Gallé, 1904

Der heutige Glaskünstler kann seiner Kunst vom Entwurf bis zum fertigen Glas völlig unabhängig in seinem Glasstudio nachgehen. Die Entwicklung kleiner Glasöfen in den 60er Jahren bescherte den Künstlern diese Unabhängigkeit von größeren Produktionsstätten. Jugendstilglas entstand unter anderen Bedingungen.


Die Künstler betätigten sich als Entwerfer für verschiedene Manufakturen. Glashütten in ganz Europa lieferten das Rohglas, Veredelungsbetriebe setzten die Künstlerentwürfe um, Fachschulen für Glasveredelung sorgten für Nachwuchskräfte. Glasverleger, wie z.B. Bakalowits oder Lobmeyr in Wien, brachten die Hütten im bayerischen Wald und in Böhmen in Kontakt mit den Avantgardekünstlern der Zeit, z.B. der Wiener Werkstätte oder Künstlern der Darmstädter Sezession.

Jugendstilglas ist eine internationale Kunst mit zahlreichen künstlerischen Verflechtungen, sowohl innerhalb der Zentren Europas, wie auch hin zum nordamerikanischen Markt. Das lag neben den weitreichenden Kontakten der Händler und Verleger zum großen Teil an den Weltausstellungen, allen voran die Pariser Ausgaben in den Jahren 1889 und 1900, die ein effektives Präsentationsforum darstellten und den Medaillengewinnern internationale Anerkennung und volle Auftragsbücher sicherten.

Will man einen Überblick über bedeutende Glaskünstler oder Schulen geben, so sollte man die Betrachtung geografisch eingrenzen, um die verschiedenen Stilrichtungen und künstlerischen Strömungen deutlich zu machen. Am Anfang steht die Glaskunst in Frankreich, dessen Beitrag zur Kunst des Jugendstils gerade auf dem Gebiet des Glases ein äußerst wichtiger und wegweisender war.

Frankreich
In ganz Lothringen und im Elsass produzierte man um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert modernes Kunstglas. Die bedeutendsten Firmen waren in Nancy und südöstlich davon im Meurthe-Tal ansässig, sowie in der Gegend zwischen Saar und Rhein. Daneben gab es zwar auch zahlreiche Künstler in und um Paris, doch Nancy blieb unbestrittenes Zentrum des französischen Jugendstilglases. Mit der „Ecole de Nancy“ gründete Emile Gallé 1902 eine Vereinigung kunstgewerblicher Produktionsstätten, die zwar geschäftlich getrennte Wege gingen, sich aber auf gemeinsame künstlerische Prinzipien beriefen. Diese fußten zum einen auf der Naturbeobachtung, zum anderen auf der Auseinandersetzung mit der asiatischen Kunst, die durch alle Gattungen hindurch ein wichtiges Element der Kunst der Jahrhundertwende war.

Beide Elemente prägen die Entwürfe des Künstlers und Botanikers Emile Gallé aus dieser Zeit. Gallés Arbeit erwies sich durch seine technischen Innovationen wie auch durch den frühen internationalen Erfolg seiner Gläser als wegweisend für den französischen Jugendstil. So blieb das Naturmotiv das beherrschende Element, auch wenn manche Firmen – allen voran die Verreries Schneider – stark abstrahierte Pflanzen- und Tiermotive entwickelten, die mit den Naturstudien Gallés kaum etwas mehr gemeinsam hatten. Grundsätzlich waren in Frankreich, dem Style Gallé und den Prinzipien der Ecole de Nancy entsprechend, die floralen Dekore tonangebend, welche - ob geschnitten oder geätzt, ob in Emailmalerei oder in aufwendigen Soufflé- und Marqueterietechniken aufgetragen - einen Großteil der Produktion um die Jahrhundertwende bestimmten.

Die Gebrüder Daum, ebenfalls in Nancy ansässig, verlagerten kurz nach Gallé ihre Produktion auf Kunstglas und wurden neben Gallé zur wichtigsten Firma. Vielleicht wäre sein Einfluss nach 1900 noch umfassender gewesen, wäre Gallé nicht bereits im Jahre 1904 verstorben. Rückblickend wird in ihm heute der Motor der Entwicklung gesehen und nicht mehr bloß der Lieferant kopierbarer Entwürfe für alle Kollegen, wie das früher zu Unrecht oftmals geschah.

Die Lothringer und Pariser Künstler beschäftigten sich neben dem floralen Jugendstil in der Art Gallés auch noch mit einer Reihe anderer stilistischer Ausdrucksformen, so dass die Glaskunst Frankreichs auf keinen Fall auf Gallé reduziert werden kann, so groß seine Bedeutung auch gewesen sein mag. Als Gegenpol zu Gallés floralem Stil wird häufig die abstrakt-ornamentale Kunst des Belgiers Henry van de Velde gesehen. Zwischen diesen beiden Polen sind in der Glaskunst eine Reihe von Ausdrucksformen zu finden, deren formale Gestaltung mit den Möglichkeiten von farbigen Glasmassen und Korpusformen spielen, mit oder ohne Auflagendekore. Die Verreries Schneider hat sich dieser Richtung ebenso gewidmet wie z.B. André Delatte aus Nancy mit seinen Stangenhalsvasen.

In Paris suchten Künstler abseits des Style Gallé nach modernen Ausdrucksformen für das Glas und bedienten sich dabei auch der traditionelleren Techniken beispielsweise der Glasmalerei, wie die Vasen Marcel Goupys zeigen. Man setzte sich weiterhin intensiv mit der asiatischen Kunst auseinander. Eine Reihe von vormals in Europa unüblichen Gefäßformen wurden eingeführt, z.B. die Topfform für Glasvasen oder die kantigen Stangenvasen, die auf keramische Vorbilder zurückgehen. Ein weiteres Beispiel sind die japonisierenden Arbeiten Auguste Jeans, wie die bauchige Vase mit applizierten Glassträngen in Form von Fischen und Eidechsen. Ein weiteres wichtiges Ausdrucksmittel war das sogenannte Paté-de-verre Glas, eine Glaspaste, die aus formbar gemachten verschiedenfarbigen Glaspulvern bestand und - in Negativmodel gepresst - zu Medaillons, Anhängern oder kleineren Schalen verarbeitet wurde.

Im Laufe der 20er Jahre hatte sich der Jugendstil weitgehend erschöpft. Ein Grund war die Zäsur des 1. Weltkrieges. Ein weiterer war, dass die Ornamentik sich immer mehr hin zum abstrakten Dekor entwickelte. Die floralen Muster, ursprünglich in aufwendigster Einzelarbeit hergestellt, verloren in der Massenproduktion schnell an Charme und gerieten zu billigen Kaufhausprodukten. Nach 1911 produzierte auch Daum billige Kaufhausgläser. Die Firma Legras & Cie. stellte eine große Anzahl von einfachen emailbemalten Landschaftsvasen her, die an die Qualität der frühen Stücke nicht mehr heranreichen und nur den Bedarf an günstigen Massenartikeln befriedigen. Der florale Jugendstil in ganz Europa hatte sich weitgehend überlebt. So löste man sich auch in Frankreich von der Aura des kostbaren Einzelstückes und fand im Art Déco eine Formensprache, die dem Industriezeitalter gerecht wurde.



04.09.2001

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Susanne Fleischner

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Zierglas aus der Serie Coupes Bijou, Verrerie Schneider Epinay-sur-Seine, um 1920

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(Quelle: Quittenbaum, Katalog der 17. Auktion, S.75)

Bodenvase, Fa. Legras et Cie. Saint Denis, Ausführung um 1900

Bodenvase, Fa. Legras et Cie. Saint Denis, Ausführung um 1900

(Quelle: Quittenbaum, Katalog der 9. Auktion, S.37)




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