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Kunst = Kapital – Der Capital Kunstkompass von 1970 bis heute

Beliebtheit x Bekanntheit : (Kritik – Öffentlichkeit) = Ruhm ?



Linde Rohr-Bongard (Hg.), Kunst = Kapital – Der Capital Kunstkompass von 1970 bis heute, Köln 2001

Linde Rohr-Bongard (Hg.), Kunst = Kapital – Der Capital Kunstkompass von 1970 bis heute, Köln 2001

Was ist Kunst? Auf diese Frage gibt es viele Antworten, vielleicht zu viele. Bei einer Geburtsfeier in der Düsseldorfer Galerie Hans Mayer im Jahre 1979 beantwortete Joseph Beuys diese Frage mit einer einfachen Gleichung: Kunst = Kapital. Der Anlass zu den Feierlichkeiten in der Düsseldorfer Galerie war der zehnte Geburtstag der jährlich erscheinenden Künstlerrangliste „Kunstkompass“. Seit 1970 ermittelte Willi Bongard im Auftrag des Wirtschaftsmagazins Capital mit einer eigens von ihm entworfenen Analysemethode die 100 wichtigsten Künstler der Gegenwart.



Neben dem Geburtstag gab es noch einen weiteren Grund zum Feiern. Joseph Beuys nahm 1979 erstmals die Spitzenposition der internationalen Rangliste ein und konnte Robert Rauschenberg auf Platz zwei verweißen. Zum derweil verstrichenen 30. Geburtstag der Orientierungshilfe für Kunstsammler und Galeristen ist nun ein Rückblick auf die Geschichte des Kunstkompasses erschienen. Neben einer Zusammenstellung der Ranglisten von 1970 bis 2001 enthält das 144 Seiten starke Buch Artikel zur Entstehung und der Geschichte der Hitliste sowie aufschlussreiche Informationen zu den verwendeten Punktesystemen.

In drei Aufsätzen werden die Jahrzehnte des nicht ganz unumstrittenen Künstlerrankings von verschiedenen Autoren nacherzählt. Gründer und Initiator des Künstlerkompass war Willi Bongard. Der gelernte Kunsthistoriker war seit 1968 als Wirtschaftsredakteur bei der „Zeit“ tätig. Sein Auftrag lautete, die Leser über die Begebenheiten und Hintergründe des internationalen Kunstmarkts zu informieren. Bongard erkannte schnell, dass es für den Kunstmarkt, insbesondere für den Zeitgenossenmarkt, an klaren Kriterien und Maßstäben mangelte, um Preise und Entwicklungschancen für Künstler und Werke zu beurteilen. Ja, der Markt schien sich sogar aktiv einer auf Fakten beruhenden Analyse zu verweigern. In einem seiner Artikel aus der „Zeit“ zitiert Bongard die Kölner Galeristin Änne Abels mit den Worten: „Unser Jeschäft hat einen Nimbus, und den jefährden Se, wenn Se über`t Jeschäftliche schreiben.“

Um mehr Licht in die trüben Gewässer des zeitgenössischen Kunstmarkts zu bringen, entwickelte Bongard ein Bewertungs- und Punktesystem, das es ihm ermöglichen sollte, unmessbare Größen wie Beliebtheit, Bekanntheit, Chancen und Ruhm eines Künstlers in ein klares Zahlensystem zu überführen. Die Endpunktzahl stellt eine marktwirtschaftliche Einschätzung der Künstlerperson dar, an der man Marktwert und die Entwicklungschancen ablesen können soll. Mit Unterstützung der Zeitschrift Capital entstand 1970 die erste Rangliste der 100 wichtigsten lebenden Künstler: Der Künstlkompass. Den ersten Platz belegte 1970 Robert Rauschenberg mit 5.515 Punkten, gefolgt von Victor Vasarely mit 4.405 Punkten.

Natürlich stieß Bongards Tabelle nicht überall auf Gegenliebe. Kritisiert wurde nicht nur die Reduktion des Kunstbetriebs auf reinen Kommerz, welcher diese Liste Vorschub geleistet haben sollte, auch seine Bewertungskriterien waren umstritten. Auktionsergebnisse, Verkaufspreise oder Künstlerehrungen wurden von Bongard beispielsweise in keiner Weise berücksichtigt. Sein System vergab Punkte für Teilnahmen an großen Gruppenausstellungen, Einzelausstellungen in renommierten Museen und Galerien, die Aufnahme in wichtige öffentlichen Sammlungen sowie die Erwähnung der Künstler in einschlägigen Publikationen.

Einige der Künstler wehrten sich gegen diese Kategorisierung. Wolf Vostell, einer der Begründer des europäischen Happenings, beschwerte sich (mit einleuchtenden Argumenten), dass seine Art des Kunstschaffens von den Bewertungskriterien des Kunstkompasses gar nicht richtig erfasst werden könne, und er eine viel höhere Punktzahl verdient habe. Andere Künstler wie Tom Wesselmann oder Jean Tinguely wollten in der kaltberechneten Rangliste lieber gar nicht auftauchen und wurden trotzdem, auch gegen ihren Willen, bewertet.

Waren es im ersten Jahr des Kunstkompass noch 375 aufgelistete Künstler, so wurde die Datenbank bis heute stetig auf 10.000 Personen ausgeweitet. Um die Rangliste aktuell zu halten und auch den Nachzüglern eine Chance auf einen Platz unter den ersten 100 zu geben, wurde die Rangliste im Laufe der Jahre mehrmals bereinigt. Da „Platzhirsche“ wie Beuys, Rauschenberg und Warhol mit den Jahren einen so immensen und uneinholbaren Punktevorsprung eingefahren hatten, dass die Rangliste zu stagnieren drohte, verjüngte man die Teilnehmerliste in den Jahren 1988, 1993 und 1998. Die Stars von Früher stiegen nun in eine Extrarangliste, den Olymp der „Unsterblichen“ auf.

1985 nach dem Tod Willi Bongards übernahm seine Frau Linde Rohr-Bongard die Leitung des Kunstkompasses und führte die elektronische Datenverarbeitung ein. An dem Grundkonzept ihres Mannes hat sich seitdem nicht viel geändert, wenn auch jährlich neu die Bewertungskriterien, die Wichtigkeit verschiedener Ausstellungen, Museen, Galeristen und Kunstzeitschriften neu überdacht und eingeschätzt wird.

Das Buch „Kunst = Kapital – Der Capital Kunstkompass von 1970 bis heute“ verleiht dieser Geschichte Ausdruck, ohne dabei die kritischen Hintertöne zu verschweigen. Hinter den nüchternen Zahlenreihen der Ranglisten und den kurzen Zeitungsartikeln von 1970 bis 2001 im etwa 100 Seiten umfassenden Anhang verbirgt sich die spannende und wechselhafte Geschichte des modernen Kunstmarkts. Um die Zahlen lesen und interpretieren zu können, bedarf es freilich einiges an Hintergrundwissen, welches von den vorangestellten Artikeln jedoch nur teilweise vermittelt wird. Man mag sich um die Aussagekraft solcher Tabellen streiten können, sicher aber ist, dass Bongards Kunstkompass einen Eintrag in die Rezeptionsgeschichte der Modernen Kunst erhält.

„Kunst = Kapital – Der Capital Kunstkompass von 1970 bis heute“, herausgegeben von Linde Rohr-Bongard kann bezogen werden über

Capital Versandservice
D-44281 Dortmund

Telefon: +49 (0)1805 - 062000

Der Preis beträgt 25 Euro plus 3,35 Euro Versandkosten.



28.01.2002

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Alberto Saviello

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 Capital Kunstkompass von 1970 bis heute, Köln 2001
Linde Rohr-Bongard (Hg.), Kunst = Kapital – Der Capital Kunstkompass von 1970 bis heute, Köln 2001










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