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Eine kleine Kulturgeschichte der Auktion

Schon im alten Rom...



Auktionator und Autor Otto Hans Ressler

Auktionator und Autor Otto Hans Ressler

Auktionen wurden schon vor Jahrtausenden als ideale Möglichkeiten angesehen, den besten Preis zu erzielen. Preise sind das Ergebnis von Angebot und Nachfrage – aber nur im Auktionssaal treffen die Interessen von Verkäufer und Käufer so unmittelbar aufeinander. Natürlich gibt es auch hier Einflüsse, die das Ergebnis verfälschen können. Es kommt vor, dass Verkäufer selbst mitbieten, um die Preise in die Höhe zu treiben – manchmal mit dem „Erfolg“, dass sie selbst etwas zugeschlagen erhalten, das sie eigentlich verkaufen wollten. Es kann aber auch vorkommen, dass Käufer sich zu einem Bieterring zusammenschließen, um die Preise niedrig zu halten. Sie vereinbaren, dass nur einer ihrer Gruppe bietet. Er muss den anderen für ihren Verzicht dann einen „Abstand“ zahlen.



Auch Glück spielt bei Auktionen eine große Rolle. Ob ein Interessent tatsächlich die Hand hebt, kann von unglaublichen Banalitäten abhängen; ein Streit im trauten Heim, ein kleiner Ärger im Büro kann bereits alles verderben. Es gibt Einflüsse sonder Zahl, und sie alle wirken sich auf die Ergebnisse aus und geben Anlass zu Rätseln, warum etwas so hoch – oder gar nicht – beboten wurde. Bieter machen Kunstobjekte schlecht, um Konkurrenten auszuschalten. Gerüchte bewirken ein plötzlich aufflammendes Interesse. Irrtümer über die Beginnzeit der Auktion verhindern, dass jener Interessent, der am meisten bieten wollte, pünktlich im Saal ist. Ich habe Bieter erlebt, die am falschen Tag zur Auktion gekommen sind, Bieter, die durch widrige Witterung gehindert wurden, einmal ist sogar das gesamte Telefonnetz zusammengebrochen. Aber das ändert nichts am genialen Prinzip von Auktionen.

Versteigert wurde schon im alten Rom. Das Wort Auktion leitet sich ja vom lateinischen „auctio“ ab, was so viel wie Vermehrung bedeutet. Im Grunde liefen römische Auktionen nach den gleichen Regeln ab, wie wir sie heute noch kennen. Es gab schriftliche Verlautbarungen, quasi die ersten Vorläufer unserer heutigen Kataloge, es wurden Aufschläge verrechnet, vergleichbar unseren Käufer- und Ersteherprovisionen, es wurden Steuern eingehoben, Rechnungen ausgestellt, und es gab sogar schon Ausfuhrverbote für wichtige Kunstwerke. Nach Feldzügen wurden regelmäßig Auktionen abgehalten, die Kriegsbeute gleich „sub hasta“, also unter der Lanze, an Ort und Stelle versteigert und dann im Triumphzug durch die Straßen Roms getragen.

Unter Augustinus betrugen die Steuern bei Auktionen 2 Prozent – glückliches Rom! Nero verfügte, dass der Verkäufer die Steuern zu bezahlen habe. Aber Caligula schaffte die Steuern bei Auktionen wieder ab. Er hatte gute Gründe dafür: Caligula musste nämlich, um seine Schulden bezahlen zu können, zahlreiche Dekorationsobjekte und Möbel versteigern lassen. Es war dies die erste „Hausversteigerung“, von der wir wissen. Eine noch viel aufsehenerregendere Auktion setzte Marc Aurel an: Sie dauerte zwei Monate und diente der Deckung der Staatsschulden.

Auktionen fanden damals üblicherweise im atrium auctionorum statt, also einem Auktionssaal wie heute; von einem der Auktionatoren ist sogar der Name überliefert: bei den Ausgrabungen Pompejis vor mehr als 150 Jahren wurde die Büste von Lucius Caecilius Jucundus gefunden, die gemeinsam mit seinen Wachstafeln im Museum von Neapel bewundert werden kann.

Das erste Ausfuhrverbot geht auf das Jahr 146 v. Chr. zurück. Konsul Lucius Mummius besiegte die Achaier und kam mit reicher Beute nach Rom zurück. Bei der kurz darauf angesetzten Versteigerung war das Gemälde des Dionysos von Aristeides, das Atalos II., den König von Pergamon, zeigte, das Spitzenlos. In der Auktion erzielte es 600.000 Denare – ein Rekordpreis! Der siegreiche Bieter konnte sich allerdings nicht lange darüber freuen: Die römische Bürokratie verfügte, er dürfe das Bild nicht ins Ausland ausführen; es blieb in Rom und wurde im Tempel der Göttin Ceres ausgestellt.

Die römischen Auktionen sind allerdings nicht die ersten, die uns bekannt geworden sind. Schon bei Herodot kann man über die Versteigerung babylonischer Mädchen um 500 v. Chr. nachlesen; es soll sie in praktisch jedem Dorf gegeben haben. Zuerst wurden die hübschen Mädchen ausgeboten, und wer eines haben wollte, musste hoch bieten. Bei den weniger hübschen lief die Versteigerung anders ab: Es musste das geringste Gebot abgegeben werden. Heute würde man das eine „Dutch Auction“ nennen. Es wäre übrigens falsch, die babylonischen Versteigerungen als puren Sklavenhandel abzutun. Da es der Sinn es Verfahrens war, Ehen zu stiften, konnte das ersteigerte Mädchen „seinen“ Bieter ablehnen. In so einem Fall wurde der Kauf einfach storniert.

Selbst im finsteren Mittelalter gab es Auktionen. Nach einem Bericht aus den China des 7. Jahrhunderts wurden die Habseligkeiten verstorbener Mönche versteigert. Und im Jahre 1328 kam es, wie aus einer französischen Aufstellung ersichtlich ist, zu Versteigerung von Gegenständen aus dem Besitz der Königin Clemence von Ungarn. 1556 erließ die französische Regierung ein Gesetz, nach dem der Berufsstand der „Huissiers-Priseurs“ (Gerichtvollzieher-Auktionatoren) geschaffen wurde. Deren Vorrecht war es fortan, Nachlässe zu schätzen und zu verkaufen. Bei diesen frühen französischen Auktionen gab es übrigens weder Katalog noch Vorbesichtigung; die Versteigerungen fanden auf dem Grund und Boden der Verstorbenen statt. Den Huissiers-Priseurs war es verboten, neue Gegenstände zu versteigern. Sie durften auch kein anderes Gewerbe ausüben. Zum Ausgleich wurden sie zu unter staatlichem Schutz stehenden Justizbeamten ernannt. Offensichtlich war es die Absicht des Gesetzgebers, unabhängige Experten ohne eigene Interessen zu verpflichten, die dem Verkäufer und dem Käufer gleichermaßen Fairness garantierten.

Auch diese Idee ist nach wie vor aktuell: Wenn Auktionatoren für sich in Anspruch nehmen, „Gradmesser des Kunstmarkts“ zu sein (und das sind sie, weil sie die einzigen überprüfbaren Preise liefern), müssen sie auch Äquidistanz zu Einbringern und erstehern halten. Deshalb gilt es allgemein als problematisch, wenn Auktionshäuser Eigenware versteigern.

Im England des 17. Jahrhunderts wurde eine Kerze zum Maß aller Dinge: Man zündete sie – meist in einem der Kaffeehäuser rund um den Covent Garden – an, den Zuschlag erhielt das zuletzt aufgerufene Gebot, ehe die Kerze erlosch. Den Zufälligkeiten, denen dieses Verfahren ausgeliefert zu sein scheint, versuchten gerissene Bieter zu entgehen: Sie hatten beobachtet, dass sich der Rauch unmittelbar vor dem Verlöschen in signifikanter Weise verädert, und wussten daher genau, wann sie bieten mussten. Zur gleichen Zeit brach in den Niederlanden ein regelrechtes Versteigerungsfieber aus. Nicht nur Kunsthändler, Sammler und Maler, auch Handwerker und Bauern beteiligten sich an Auktionen. Es hat heute den Eindruck, als habe damals jeder mit Bildern spekuliert. Zeitgenössische Kunsthändler berichten, Rembrandts maßloses Engagement bei Auktionen habe entscheidend zu seinem Bankrott beigetragen. Es war auch Rembrandt, der als erster auf die Idee kam, bei seinem eigenen Grafiken mitzusteigern, um die Preise hoch zu halten. Auch heute noch soll so manche Künstlerkarriere ihren Anfang durch künstlich stimulierte Preise in Auktionen genommen haben.

Das „Versteigerungsfieber“ rief in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in New York ein Anti-Auktionskomitee auf den Plan. Kampfschriften gegen die „verderbliche Neigung des Versteigerns“, die – so war man überzeugt – zu „Tod, Ausschweifung und Bankrott“ führe, wurden veröffentlicht. „Die Spekulation“, schrieben die Tugendwächter, „erhebt jetzt auf Versteigerungen ihr hässliches Haupt. Versteigerungen sind nichts anderes als modische Formen lizenzierten Betruges. Wenn sich die Mitglieder der Gesellschaft zu Hunderten vor den Rittern des Hammers versammeln, besteht kein Zweifel, dass das Versteigerungswesen jeden Keim einer intellektuellen Bildung ersticken und uns alle in Barbaren zurückverwandeln wird.“

Der Autor ist Leiter der Wiener Kunst Auktionen im Palais Kinsky. Der vorliegende Text ist dem Buch „Der Markt der Kunst“, erschienen im Böhlau Verlag, entnommen.

www.boehlau.at

www.palais-kinsky.com



10.02.2002

Quelle/Autor:Otto Hans Ressler

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