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Die Kunst des Sammelns

„Wenn es etwas gibt, wofür zu leben sich lohnt, dann ist es die Betrachtung des Schönen.“



Auktionator und Autor Otto Hans Ressler

Auktionator und Autor Otto Hans Ressler

Als Platon dies vor fast 2400 Jahren schrieb, mag er nicht an die Leidenschaft des Sammelns gedacht haben; aber diese Leidenschaft hat – jedenfalls, wenn es um das Sammeln von Kunst geht – viel mit der Betrachtung und der Erkenntnis des Schönen zu tun. Sammeln ist ein Umtrieb des Menschen. Der Sammler umgibt sich mit Dingen, denen er eine besondere Bedeutung zumisst. Oft ist es erst er, der den gesammelten Objekten diese Bedeutung verleiht, der sie entdeckt, sie definiert und anderen zugänglich macht. Natürlich kann Sammeln wie jede Leidenschaft zu einem Laster werden. Aber in gewisser Weise basiert alle menschliche Erkenntnis und damit unsere ganze Existenz nur auf leidenschaftlicher Suche und Auseinandersetzung: „Wer sich einer Sache nicht mit all seinen Sinnen verschreibt, dem bleibt ihr Sinn verborgen.“



Was heißt das überhaupt: Sammeln?
Die meisten von uns haben schon als Kinder gesammelt – Steine, Schmetterlinge, Gräser, Münzen, Plastikfiguren, Abziehbilder, alles Mögliche – und damit gespielt. Aber ist Sammeln ein Spiel? Oder steckt nicht bereits tiefer Ernst in diesem Spiel, und ist es damit nicht eher Arbeit – der Versuch, Dinge, indem man sie sammelt, in eine bestimmte Ordnung zu bringen, sie in Beziehung zueinander zu setzen? Die meisten Sammler, die ich kenne, sammeln, weil es ihnen Vergnügen bereitet, ja, geradezu Lustbefriedigung verschafft. Sammler sind Jäger, kluge Jäger, die wissen, dass die wahre Leidenschaft im Entdecken besteht, im Anpirschen an das begehrte Stück – und nicht so sehr im Schuss.

In aller Regel geht der Sammler allein auf die Jagd, und er sammelt in aller Regel auch für sich und nicht für andere. Und doch: Wer nur für sich sammelt, sammelt ohne Perspektive, ohne Ziel. Denn Sammeln geht weit über den Jagdtrieb hinaus. Wir sammeln in dem Versuch, dem Vergehenden Dauer zu verleihen. Wir sammeln, um die Zeit anzuhalten – und gleichzeitig definieren wir sie dadurch. Wir sammeln, weil wir uns mit der eigenen Vergänglichkeit nicht abfinden wollen. Genau das ist es aber, was uns Menschen erst zu Menschen macht. Aus diesem Zusammenhang erwächst aber für die Sammler eine Verpflichtung, die im Sammeln steckt – die Verpflichtung anderen gegenüber.

Es gibt zahllose Möglichkeiten, mit seiner Sammelleidenschaft zu scheitern. So droht, wenn nicht Verstand und Vernunft die Leidenschaft lenken, dass man in Maßlosigkeit – und letztlich im Angesammelten – erstickt. Das Wertvollste geht in der Masse unter.

„Sie sehen aus, als ob sie nichts auf sich hielten und sich um nichts kümmerten, sie achten weder auf die Frauen noch auf die Auslagen, sie gehen wie im Traum vor sich hin, ihre Taschen sind leer, ihr Blick ist gedankenlos, und man fragt sich, zu welcher Sorte von Parisern sie eigentlich gehören. Diese Leute sind Millionäre, Sammler sind es. Die leidenschaftlichsten Menschen, die es auf der Welt gibt.“

Mit dieser Beschreibung im Roman „Vetter Pons“ hat Balzac den Sammlern ein literarisches Denkmal gesetzt. Für Balzac hatte die Kunst des Sammelns, das Sammeln von Kunst, vor allem eine erotische Komponente. Der Sammler, so schrieb er, empfinde eine unersättliche, habsüchtige Gier, die Liebe des Liebhabers zu seiner Geliebten. Aber gibt es „den Sammler“ überhaupt (und noch abgesehen davon, dass er ja nicht zwangsläufig ein Sammler sein muss, sondern durchaus auch eine Sammlerin sein kann)? In der pro arte-Datenbank für österreichische Auktionspreise findet sich ein kurzer, sehr vergnüglicher Text von Kurt Rossacher über „echte und falsche Kunstfreunde“, wo zwischen dem „reinen“ Sammler, dem Ansammler, dem Geldsammler und dem Schatzzwerg unterschieden wird.

Sammlertypen
Der reine Sammler ist nach dieser Definition ein wahrer Liebhaber der Kunst. Der materielle Wert des Gesammelten interessiert ihn nicht. Er unterscheidet in seiner Begeisterung nicht zwischen einem Millionen teuren Ölgemälde und einer kleinen Grafik und orientiert sich ausschließlich an seinem persönlichen Geschmack und dem damit verbundenen Kunstgenuss. Beim Ansammler überwiegt die Besitzfreude, und diese kann durchaus in blanke Gier umschlagen, was dazu führt, dass bald die Quantität des gesammelten die Qualität überwuchert. Die Wohnungen von Ansammlern sind wahre Alpträume, man wagt kaum, sich zu bewegen, weil sich überall die Kunstwerke häufen.

Der Geldsammler ist Spekulant. Ihn interessiert nicht das Kunstwerk, sondern die Wertsteigerung. Nach meiner Erfahrung ist diese Spezies extrem selten. Nur wenigem die sich als Geldsammler gerieren, sind es tatsächlich. Sie reden über die Preise, die sie die Kunstwerke gekostet haben, und meinen eine verbotene Leidenschaft, die sie auf diese Weise rationalisieren.

Unter „Schatzzwergen“ sei schließlich jener Sammlertypus zu verstehen, der Objekte hortet. Er erfreut sich nicht an ihnen, er sieht sie nicht einmal an. Wertvollste Kunstwerke liegen verpackt unter dem Bett, sie stauen sich hinter Kästen, verstecken sich in Laden. Denn weder verkauft der „Schatzzwerg“ je, noch gibt er sein Geld aus. Seine Erben werden ihn lieben.



Der Autor ist Leiter der Wiener Kunst Auktionen im Palais Kinsky. Der vorliegende Text ist dem Buch „Der Markt der Kunst“, erschienen im Böhlau Verlag, entnommen.

www.boehlau.at

Kontakt:

im Kinsky - Kunst Auktionen GmbH

Freyung 4

AT-1010 Wien

Telefax:+43 (01) 532 42 00-9

Telefon:+43 (01) 532 42 00

E-Mail: office@imkinsky.com

www.palais-kinsky.com



03.03.2002

Quelle/Autor:Otto Hans Ressler

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