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Das Hôtel Beauharnais in Paris und das Huis Schuylenburch in Den Haag zählen zu den Flaggschiffen unter den Residenzen deutscher Botschafter. Ihre überragende kunsthistorische Stellung dokumentieren zwei gehaltvolle Publikationen

Gesamtkunstwerke in diplomatischer Mission



Ein Meisterwerk des Empire. Das Palais Beauharnais in Paris

Ein Meisterwerk des Empire. Das Palais Beauharnais in Paris

Auslandsbotschaften sind Gebäude, die in allen Hauptstädten der Welt im Fokus öffentlicher Wahrnehmung stehen. Als Ausdruck des Selbstverständnisses eines Landes erfüllt die architektonisch-künstlerische Gestaltung ein nicht zu unterschätzendes Zeichen bei diplomatischen Diskursen. Auf dem nuancenreichen Feld zwischen funktionalem Behördenbau und sensibler Ausdrucksarchitektur haben über Jahrzehnte hinweg renommierte Baukünstler Marksteine gesetzt, man denke nur an die Kaiserliche Deutsche Botschaft von Peter Behrens in St. Petersburg oder Egon Eiermanns Botschaft in Washington D.C. Von den eigens zu diesem Zweck errichteten Neubauten abgesehen, besitzt die Bundesrepublik Deutschland auch einige kunsthistorisch bedeutende Liegenschaften. Glanzpunkte darunter sind das Hôtel Beauharnais in Paris und das Huis Schuylenburch in Den Haag.


Beide wurden vor 300 Jahren als Wohnhäuser errichtet, heute nutzen deutsche Botschafter die Baudenkmäler als Residenz. Die umfangreichen Restaurierungsarbeiten im Palais Beauharnais konnten gerade abgeschlossen werden, die vom Deutschen Forum für Kunstgeschichte in Paris wissenschaftlich begleitet wurden. Die Ergebnisse der Forschungen dokumentiert ein opulenter Band. Das 300jährige Bestehen des Huis Schuylenburch, das mit seinen über 30 Gemälden schon einem kleinen Museum der Haager Malerei des 18. Jahrhunderts gleichkommt, würdigt nun eine Festschrift.

Nach Plänen des seinerzeit prominenten Architekten Germain Boffrand wurde zwischen 1713 und 1715 das Palais Beauharnais in der Form typischer Pariser Stadtpalais mit straßenseitigem Ehrenhof und höher gelegenen, zur Seine ausgerichtetem Garten gegenüber den Tuilerien als Spekulationsobjekt errichtet. 1803 gelangte es in den Besitz von Eugène de Beauharnais. Der König von Italien und Stiefsohn Napoleons ließ es als repräsentatives Pariser Quartier künstlerisch aufwendig im Stil des Empire ausstatten. Einziges äußerliches Merkmal dieser Ausgestaltung ist der 1804 vorgestellte ägyptische Portikus, eines der spärlich erhaltenen Bauwerke in Referenz an den Feldzug der französischen Armee am Nil zwischen 1798 und 1801.

Hinter den strengen Fassaden entfaltet sich ein teils überbordend ausstaffiertes Inneres. Kräftige Farben in ungewohnten Kombinationen, kostbare Stoffe, Leuchter, Uhren, Bronzegarnituren, reich geschnitzte Möbel und vergoldete Flächen inszenieren mit Durchblicken und hellen Illuminationen die frühe Pracht einer künstlerischen Ausdrucksart, die vornehmlich auf Staatsappartements, Ausstattungen von Domizilen oberster Kreise und Würdenträger beschränkt blieb. Es scheint wie ein Wunder, das all dies nahezu unverändert erhalten blieb, auch nachdem der preußische König Friedrich Wilhelm III. das Palais im Jahr 1818 zur Nutzung als preußische Gesandtschaft erwarb. 1862 in den Status einer Botschaft erhoben, wurde das Gebäude in den Folgejahrzehnten behördlicherseits eher als lästiger Altbau zur Unterbringung der Botschaft Preußens und des Deutschen Reiches empfunden.

Wegen des kostenaufwendigen Unterhalts bestellte man den gebürtigen Kölner Jakob Ignaz Hittorff um 1820 für über 40 Jahre zum Hausarchitekten des Palais’, das er um 1857/58 um eine Etage aufstockte. Nach der Beschlagnahmung im Jahr 1944 diente es zwischenzeitlich französischen Behörden. Erst 1962 der Bundesrepublik Deutschland wieder übereignet und anschließend aufwendig restauriert, konnten am 3. Februar 1968 die Präsidenten Charles de Gaulle und Heinrich Lübke die neue Residenz des deutschen Botschafters in Paris feierlich einweihen. Bis heute zählt das 1951 zum „Monument historique“ erklärte Objekt zu den glanzvollsten Stadtpalästen in Paris.

Seit 2002 erstreckte sich dann erneut eine lange Phase der Restaurierung, auch um die Gradwanderung zwischen musealem Anspruch und tagtäglicher Nutzung besser in Einklang zu bringen. Sämtliche Salons wurden auf historische Spuren untersucht, anhand alter Inventare das alte Aussehen erforscht und – darauf fußend – die Rekonstruktion bewerkstelligt. Die Ergebnisse fasst nun ein gewichtiger, drei Kilogramm schwerer und großformatiger Prachtband zusammen, der schon haptisch die Wucht des Empire spürbar werden lässt. Aber auch hinter dem luxuriösen Äußeren verbirgt sich eine durchgängig instruktive Betrachtung wesentlicher kunsthistorischer wie auch einiger politisch-diplomatischer Aspekte, die von ausgezeichneten, teils bis in kleinste Details vordringenden Fotografien begleitet werden. Vorlagenzeichnungen, Planrisse sowie ausgewählte historische Fotografien von Räumen und historischen Ereignissen visualisieren den Bau, seine Ausstattung und Geschichte.

Im ersten Teil behandeln flüssig lesbare Aufsätze ausgewiesener Fachwissenschaftler einzelne Aspekte der Restaurierung, der Gartenkunst, des Interieurs, der malerischen oder kunsthandwerklichen Ausstattung unter Einordnung in den allgemeinen Kanon der Kunstgeschichte sowie diplomatisch relevanten Blickwinkeln. Danach nimmt das Buch den Leser mit auf einen Rundgang durch sämtliche historische Salons. Höhepunkt ist der Salon der vier Jahreszeiten im ersten Obergeschoss. Mit seinen vergoldeten Holzvertäfelungen, mit Schwänen geschmückten Pilastern sowie von der Antike inspirierten Dekorationsmalereien wird er von den Fachleuten als „schönste und bedeutendste Innendekoration des frühen Empire in Europa“ eingestuft. Weitere als Gesamtkunstwerke angelegte Raumschöpfungen schließen sich an. Neben dem Badezimmer besticht vor allem das türkische Boudoir, ein Ruheraum mit erotisch-pikantem Reiz. Auch als „Maurisches Zimmer“ bezeichnet, ist es heute das einzige erhaltene Beispiel der Orientmode aus den Jahren um 1804 in Paris.

So klar und prägnant die Texte und bestechenden Fotografien restauratorische, künstlerische und historische Details offenlegen, so bleibt es doch besonders für manchen Laien ein Desiderat, sich nur mit Mühen detaillierter orientieren zu können. Ein aktueller Grundriss mit genauer Raumfolge oder einleitende gesamträumliche Fotos, die die genaue Disposition von Möbeln oder Gemälden zu erkennen geben, wären hier hilfreich gewesen. Nichtsdestoweniger führt der aufwendige wie inhaltlich fundiert ausgearbeitete Band vor Augen, welches überragendes künstlerisches Meisterwerk die Bundesrepublik in der französischen Kapitale ihr eigen nennen darf.

Etwa zweitgleich mit dem Hôtel Beauharnais setzt die Geschichte Huis Schuylenburch in Den Haag ein. Errichtet zwischen 1715 und 1721 im Zentrum der Hauptstadt direkt gegenüber dem „Binnenhof“, dem Sitz beider Parlamentskammern und des Ministerpräsidenten, diente es dem wohlhabenden Würdenträger und Bauherrn Cornelis van Schuylenburch als Wohnsitz. Der Baumeister Daniel Marot, ein aus Frankreich stammender Hugenotte, legte dazu zwei Gebäude zusammen, schuf eine Fassade im Stil Louis XIV. und gestaltete das Innere mit barockem Mobiliar aus. Prächtige Stuckarbeiten und Gemälde über Türen, Kaminen und an Decken haben sich bis heute weitgehend erhalten. Im Jahr 1888 erwarb das Deutsche Reich das Palais von der Familie Schuylenburch für seine damaligen diplomatischen Vertreter am niederländischen Hof.

Nach der Beschlagnahme Ende des Zweiten Weltkrieges und Nutzung als Marineministerium gelangte es 1960 zurück an die Bundesrepublik. Nach umfassender Sanierung dient das zu den bedeutendsten Baudenkmalen in Den Haag zählende Haus seit 1968 wieder als Residenz des deutschen Botschafters in den Niederlanden. Ebenfalls als Gesamtkunstwerk angelegt, offenbart sich allerdings im Vergleich zum Palais Beauharnais mit seiner opulenten, imperialen Staatsinszenierung die kaufmännische Nüchternheit eines Handelsvolkes. Anlässlich des 300jährigen Bestehens stellt nun eine Festschrift die Baugeschichte, den Architekten sowie die im Haus vertretenen Künstler mit ihren Werken vor, darunter Jacob de Wit, Philip van Dijk, Jan van Gool, Gaspar Peeter Verbruggen, Abraham Bisschop, Giovanni Battista Luraghi oder Giovanni Paolo Panini.

„Ein Meisterwerk des Empire. Das Palais Beauharnais in Paris. Die Residenz des deutschen Botschafters“ ist im Wasmuth-Verlag erschienen und kostet 128 Euro. Die Festschrift „Kunst in Huis Schuylenburch“ aus dem Hirmer Verlag ist für 29,90 Euro zu haben.



05.03.2018

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Künstler:

Germain Boffrand

Künstler:

Daniel Marot

Künstler:

Jakob Ignaz Hittorff







Kunst in Huis Schuylenburch

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