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Der Kunstmarkt ist nicht mehr blind für die Werke von Frauen. 2020 setzte sich dieser Trend fort. Passend dazu erschien gerade die Anthologie „I Love Women In Art“ über Künstlerinnen, die in Deutschland wichtig sind, gerade von sich redenmachen oder wiederentdeckt werden

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Bianca Kennedy und Janine Mackenroth (Hrsg.): I Love Women In Art

Bianca Kennedy und Janine Mackenroth (Hrsg.): I Love Women In Art

Vor etwa dreißig Jahren fragte das New Yorker Kunst-Aktivistinnen-Team Guerrilla Girls, ob Frauen nackt sein müssten, um in einem amerikanischen Museum gezeigt zu werden. Das hat sich zum Glück etwas geändert. Selbst der Kunstmarkt hat in den letzten Jahren einige Künstlerinnen in den Olymp – sprich in den Millionenbereich – gehoben. Auch wenn der höchste Auktionspreis 2020 mit einem Zuschlag von 74 Millionen US-Dollar bei Sotheby’s für Francis Bacons Triptychon „Inspired by the Oresteia of Aeschylus“ von 1981 gewährt wurde, waren siebenstellige Preise für Kunstwerke von Frauen im vergangenen Jahr keine Zufallsereignisse mehr. Georgia O’Keeffe hat mit umgerechnet 5,2 Millionen Euro für „Nature Forms – Gaspé“ von 1932 im Frühjahr bei Sotheby’s ihren Status in der Kunstgeschichte und bei Sammlern untermauert. Die 1975 entstandene Abstraktion „Royal Fireworks“ von Helen Frankenthaler, US-Ikone der Farbfeldmalerei, hat im selben Haus 6,7 Millionen US-Dollar erzielt. Die berühmten gepunkteten, „Pumpkins“ genannten Leinwand-Kürbisse von Yayoi Kusama und ihre „Infinity-Nets“ haben 2020 gleich neun Mal siebenstellige Einsätze erfordert.


Es sind aber nicht nur die fest im Kunstkanon verankerten und ergrauten Avantgardistinnen, die hoch bewertet werden. Das mit Pop Art und Werbegrafik spielende Gemälde „Bathers“ der 1973 geborenen, afroamerikanischen Malerin Amy Sherald, bekannt durch ihr Porträt von Michelle Obama, war auf 150.000 Dollar taxiert und wurde dann für 3,5 Millionen Dollar verkauft. Die 45jährige Amerikanerin Dana Schutz, die wegen ihrer gestischen Malerei mit Maria Lassnig verglichen wird, verzeichnete mit umgerechnet 4,4 Millionen Euro für „Elevator“ von 2017 bei Christie’s einen neuen Rekord.

Selbst auf dem Altmeistermarkt holen Künstlerinnen preislich auf. Bleibt der 2019 bei Artcurial in Paris realisierte Spitzenpreis von 4 Millionen Euro für ihre „Lucretia“ auch unerreicht, so erzielte Artemisia Gentileschis „Galatea“ im vergangenen Jahr bei Sotheby’s doch stolze 1,7 Millionen Pfund. Die künstlerische Qualität der längst nicht so populären Orsola Maddalena Caccia ließ ihr „Vogelstillleben“ aus dem 17. Jahrhundert von geschätzten 7.000 Pfund auf 170.000 Pfund steigen.

Ein anderer Gradmesser dafür, dass Frauen immer stärker in den von Männern dominierten Kunstbetrieb vordrängen, ist der seit 50 Jahren von der Zeitschrift „Capital“ publizierte Kunstkompass. Die Marktpreise spielen hier eine geringere Rolle, als die gesellschaftliche Relevanz. Vor sieben Jahren verdrängte Rosemarie Trockel Georg Baselitz von Platz drei. Im Kunstkompass 2020 gehören Cindy Sherman und Pipilotti Rist mit Rang fünf und zehn zu den Top Ten. Die kritische Wahrheit: Die anderen sieben sind männlich. Als Aufsteigerin des Jahres wird Katharina Grosse, die mit Sprühpistole und Stoffbahnen ganze Räume in Gemälde verwandelt, genannt. Sie rückte um 15 Stellen vor auf Platz 94. Ihren Auktionsrekord von 360.000 Euro spielte Ketterer Kunst schon im Dezember 2019 ein.

Einfach und kampflos war das Erklimmen dieser Positionen nie. Ohne die feministischen Aktionen der letzten Jahrzehnte kleinreden zu wollen, sind die Künstlerinnen letztlich wegen der Ausstrahlung und Bedeutung ihrer Werke dort angekommen. Das spiegelt auch die gerade erschienene Anthologie „I Love Women In Art“, die die Künstlerinnen Bianca Kennedy und Janine Mackenroth im Eigenverlag herausgegeben haben. Das Buch ist kein Kunstkompass, sondern ein so simpel, wie originell konzipierter Streifzug durch die Welt von Künstlerinnen, die in Deutschland gewirkt haben oder hier heute zu den interessantesten etablierten, vergessenen oder aufsteigenden Positionen gehören. Anders als in wissenschaftlichen Publikationen, wie etwa der dem allgemeinen Kanon folgende Band „Frauen in der Kunst“ von Flavia Frigeri, spielt in „I Love Women In Art“ die subjektive Sicht der Autorinnen eine große Rolle. Kennedy und Mackenroth baten Kuratorinnen, Galeristinnen, Sammlerinnen, Auktionatorinnen und Kunsthistorikerinnen, anhand eines ausgewählten Werks eine in ihren Augen bemerkenswerte Künstlerin vorzustellen. So haben auch zwei anonyme Dominikanerinnen aus der Zeit um 1500 Eingang in die Publikation gefunden. Und weil hier Kennerinnen der Szene schreiben, darf das Buch schon als aussagekräftiges Kompendium wichtiger Künstlerinnen von Hamburg und Berlin bis Köln und München meist aus dem 20. und 21. Jahrhundert gelten.

Die kurzen Texte haben Leidenschaft und Tiefgang. Die Kunstkritikerin Isabelle Graw etwa schreibt über Anni Albers’ Wandteppich „Ancient Writing“ von 1936: „Es fiel mir gleichsam wie Schuppen von den Augen, dass es die ‚niedere‘, uralte Technik des Webens war, ein mit Weiblichkeit assoziiertes Handwerk, welches die wesentlichen Prinzipien der modernen Malerei… enthielt.“ Julia Stoschek reflektiert anhand von Monica Bonvicinis Video „Wall fucking“ den fest zementierten Zusammenhang von Architektur und sexuell-gesellschaftlichen Normen. Es sind nicht alle Werke so feministisch wie die bunten, identitätshinterfragenden Chaosbilder der Künstlergruppe „3 Hamburger Frauen“, die die Kunstprofessorin Burcu Dogramaci in den Fokus nimmt, oder die inklusive Geschlechtsteil porträtierten Männer in den Arbeiten Anke Doberauers, die den sexualisierten Blick verkehren und doch immer noch den Beigeschmack der Scham hervorrufenden. Die fast haptische Stofflichkeit eines scheinbar schwebenden, türkisfarbenen Pelzsackes in einem 2016 entstandenen Gemälde Maria Brunners bewundert die Galeristin Gisela Capitain. Und Ute Eggeling von der Galerie Beck & Eggeling verweist mit Chris Reineckes collagenartiger Papierarbeit „Die Beobachterin verlässt ihren stationären Posten“ auf das Werk einer noch viel zu wenig bekannten, über 80jährigen Künstlerin, die ihre Kompromisslosigkeit aus den 1960 Jahren bis in ihr heutiges Schaffen transportiert hat.

Das Buch wirft Schlaglichter auf 100 Künstlerinnen – von Maria Sibylla Merian über Paula Modersohn-Becker und Anita Rée bis zu Isa Genzken, Anne Imhof, Charline von Heyl und Anette Kelm. Die Komplexität der Auswahl macht den Wert dieses Bandes aus. Seine Tücke jedoch besteht darin, dass viele Autorinnen den Wirkradius ihrer eigenen Institution nicht überschreiten. Insofern ist „I Love Women In Art“ eine Momentaufnahme gegenwärtiger Bewertung. Anlass war übrigens ein Jubiläum. Seit 100 Jahren erst sind Frauen an Kunstakademien zugelassen. Aber vor allem ist der Band, der unter anderem von der BMW Group und der Rudolf Augstein Stiftung unterstützt wurde, ein Statement: Es gibt keinen Grund, dass in Moderne-Museen und im Kunstmarkt immer noch ein Ungleichgewicht der Geschlechter herrscht.

Bianca Kennedy und Janine Mackenroth (Hrsg.): I Love Women In Art – 100 Künstlerinnen vorgestellt von Frauen aus Kunst & Kultur
Eigenverlag, 2020
224 Seiten, 100 farbige Abbildungen, Preis 32 Euro

www.100womenartists.com



18.01.2021

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Sabine Spindler

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