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Eine kritische Betrachtung aus dem Prestel Verlag zeigt die Nachkriegskarrieren bedeutender Künstler des Dritten Reichs auf. Mit der zeit-, kunst-, institutions- und sozialgeschichtlichen Kontextualisierung dieses Themas rückt die Publikation den kulturhistorischen Blick auf die 1950er bis 1970er Jahre etwas zurecht

Von der Gnade exzellenter Netzwerke



Raphael Gross und Wolfgang Brauneis: Die Liste der „Gottbegnadeten“. Künstler des Nationalsozialismus in der Bundesrepublik

Raphael Gross und Wolfgang Brauneis: Die Liste der „Gottbegnadeten“. Künstler des Nationalsozialismus in der Bundesrepublik

Vor Gott sind alle gleich. Jeder empfängt hier seine Gnade. Wie verblendet müssen diejenigen sein, die sich anmaßen, eine Liste von „Gottbegnadeten“ zu erstellen? Solch verachtend überhebliche Blasphemie können nur jene vollstrecken, die sich weitab gültiger Normen bewegen. Umso verächtlicher, dass so etwas in Deutschland vor 80 Jahren geschehen konnte. Da hatte sich Adolf Hitler als Gott aufgespielt, der längst wusste, dass er im Endeffekt fern jedweder Macht war und zu den letzten Mitteln greifen musste. Noch schlimmer allerdings mutet es an, dass sich eben jene „Begnadeten“ ohne Schuldgefühle nach dem Zweiten Weltkrieg in den allgemeinen Kunstbetrieb einreihten, als hätten sie mit den Ereignissen davor nichts zu tun. Wie konnte dies geschehen?


Im vergangenen Jahr beschäftigte sich das Deutsche Historische Museum in Berlin mit dieser Frage. Rund 300 Skulpturen, Gemälde, Gobelins, Modelle, Zeichnungen, Fotografien, Plakate, Publikationen, schriftliche Zeugnisse sowie Film- und Tondokumente machten in der Ausstellung deutlich, wie in der Bundesrepublik, aber auch in Österreich oder vereinzelt in der DDR speziell bei der Kunst am Bau oder im öffentlichen Raum „Gottbegnadete“ für Konzerne und Industrielle, Behörden und Kirchen weiter teils imposante Werke schufen. Auch in der breit angelegten Publikation aus dem Prestel Verlag haben die Herausgeber Raphael Gross und Wolfgang Brauneis sowie ihr Autorenteam die fließenden Übergänge zwischen der Kunst des Nationalsozialismus und der Nachkriegsjahrzehnte aufgespürt. Damit revidieren sie eindrücklich das bis dato überlieferte Bild eines radikalen kunstpolitischen Neuanfangs in der jungen BRD.

Als Ausgangspunkt diente ihnen eine von Adolf Hitler, Joseph Goebbels und Hermann Göring im September 1939 erstellte „Führerliste“. Sie enthält 1041 Namen von Kulturschaffenden aus allen Sparten der Kunst wie Literatur, Bildende Kunst, Musik oder Theater. Die hier gelisteten Personen blieben von Kriegs- oder Arbeitseinsätzen in Rüstungsbetrieben verschont. Im August 1944 wurde daraus von Adolf Hitler und Joseph Goebbels ein Extrakt aus 378 Künstlern gefiltert, die als unabkömmlich galten und weiterhin nicht zu Einsätzen einrücken mussten. Unter diesen Namen der „Gottbegnadeten-Liste“ sind 114 Maler und Bildhauer – sämtlich Männer – aufgeführt. Dabei handelt es sich um die „erfolgreichsten Künstler“, die regelmäßig an der Deutschen Kunstausstellung im Münchner Haus der Deutschen Kunst teilnahmen, öffentliche Aufträge ausführten, als Professoren oder Jurymitglieder tätig waren.

Mit einem kurzen Rückgriff auf die Zeit vor 1945 setzt der Ausstellungskatalog ein: Die Orientierung der „Gottbegnadeten“ am Klassizismus des 19. Jahrhunderts in der Form einer heldenhaften Überhöhung, die Verurteilung abstrakter Kunst, die Ausgrenzung jüdischer Künstler und die im Rahmen des Kunst am Bau-Erlasses von 1934 realisierte Werke. Insbesondere bei Großprojekten wie dem Reichssportfeld oder der Reichskanzlei wirkten viele jener Bildhauer, Mosaizisten oder Maler mit. Nach 1945 reduzierte sich ihr imperialer Duktus unter Weglassung von NS-Symbolen; ihr konservativ-akademisches, figuratives Arbeiten aber behielt Bestand. Die vormals ideologisch angehauchte Kunst am Bau-Politik lebte in neuen Verfügungen der Länder und des Bundes aus den Jahren 1949/50 fort. Hier ergab sich ein weites Betätigungsfeld. Die öffentliche Hand mit vielen alt gedienten Entscheidungsträgern in den Baubehörden bot ein vorbildliches Netzwerk.

Ein besonders guter Nährboden hierfür lag in Bayern. Hermann Kaspar (1904-1986), einst Gestalter der Reichskanzlei und ideologisch wichtiger Festaufmärsche, entwarf 1969 den Gobelin „Die Frau Musica“ für die Nürnberger Meistersingerhalle. Trotz Proteste wurde das Werk 1970 enthüllt. Auch die Deckenmalereien im Münchner Hofbräuhaus stammen von Kaspar. Nach einer „Anstandspause“ konnte er seine 1938 verliehene Professur an der Münchener Akademie der Künste bis 1972 ausüben. Aber auch das Ruhrgebiet und das Rheinland boten vor und nach 1945 ein reichhaltiges Betätigungsfeld. Der „Adlermacher“ Willy Meller (1887-1974), Spezialist für ideologisch aufgeladene Reichsadler etwa für die NS-Ordensburgen oder das Reichspropagandaministerium, durfte 1952 den neuen Bundesadler für den Sitz des Bundeskanzlers am Eingang des Bonner Palais’ Schaumburg gestalten. Noch irritierender scheint seine vier Meter hohe Steinskulptur „Die Trauernde“, die er als Denkmal für die Opfer des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1962 vor dem ersten NS-Dokumentationszentrum in Oberhausen realisieren konnte.

Auch in Berlin nutzte erfolgreiches Networking. So durfte Richard Scheibe (1879-1964), der Adolf Hitler und Joseph Goebbels zu seinen Kunden zählte, das Ehrenmal für die Opfer des 20. Juli 1944 im Bendlerblock ausführen. Im Jahr 1956, drei Jahre später, gestaltete er die neue „Fortuna“ auf der Kuppel des Charlottenburger Schlosses. Diese Bronze trifft auf Arno Brekers „Pallas Athene“, die im Mai 1957 vor dem Wuppertaler Dörpfeld-Gymnasium aufgestellt wurde. Überhaupt war Breker (1900-1991) jemand, dessen extrem gute Verbindungen zu zahlreichen renommierten Aufträgen nach 1945 führten, so etwa für den Gerling-Konzern. Seine zwei bronzene Porträtbüsten des Sammlerehepaares Peter und Irene Ludwig von 1986 vermitteln eine eher gruselig-schnulzige wie triviale Ausdruckslosigkeit.

Einen weiteren absonderlichen Eindruck hinterlässt das vom wohl gefragtesten Porträtisten der NS-Zeit, Paul Mathias Padua (1903-1981), im Jahr 1979 gemalte Porträt von Franz Josef Strauß. Padua war ununterbrochen auf Ausstellungen präsent und porträtierte auch andere Prominente wie Helmut Horten, Herbert von Karajan oder Otto Hahn. Dabei gehörte Paduas Gemälde „Der Führer spricht“, das eine vor dem Volksempfänger lauschende Familie zeigt, zu den „Signaturbildern“ des Dritten Reichs. Neben Beispielen aus Österreich oder weniger im Rampenlicht stehende Auftragsarbeiten für Kirchen oder Kasernen, wie zwei riesengroße Seegefechtsgemälde von Claus Bergen, verweisen auch die dokumentarischen Quellen auf das generelle antimodernistische Klima in den Nachkriegsjahrzehnten. So beschrieb der Kunsthistoriker Hans Sedlmayr in seinem 1948 erscheinen Hauptwerk „Verlust der Mitte“ die Moderne als Symptom einer „krankhaften“ Epoche.

Raphael Gross und Wolfgang Brauneis (Hrsg.): Die Liste der „Gottbegnadeten“. Künstler des Nationalsozialismus in der Bundesrepublik
Prestel Verlag, München, 2021
216 Seiten, 4 Karten, Preis 34 Euro

Kontakt:

Deutsches Historisches Museum

Unter den Linden 2

DE-10117 Berlin

Telefax:+49 (030) 20 30 45 43

Telefon:+49 (030) 20 30 40



06.02.2022

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Raphael Gross und Wolfgang Brauneis: Die Liste der
 „Gottbegnadeten“. Künstler des Nationalsozialismus in der Bundesrepublik
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Georg Kolbes Ausweis der Reichskulturkammer, Berlin, 1934
Georg Kolbes Ausweis der Reichskulturkammer, Berlin, 1934







Georg Kolbes Ausweis der Reichskulturkammer, Berlin, 1934

Georg Kolbes Ausweis der Reichskulturkammer, Berlin, 1934




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