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Rund drei Jahre nach den Feiern anlässlich der Gründung des Bauhauses 1919 schließen zwei neue Publikationen diesbezügliche Aktivitäten ab und fördern Neues zutage

Das Bauhaus, Mies van der Rohe und kein Ende



Norbert Hanenberg, Daniel Lohmann, Ursula Kleefisch-Jobst, Peter Köddermann: Mies im Westen. Ludwig Mies van der Rohe - Projekte und Spuren im Rheinland

Norbert Hanenberg, Daniel Lohmann, Ursula Kleefisch-Jobst, Peter Köddermann: Mies im Westen. Ludwig Mies van der Rohe - Projekte und Spuren im Rheinland

Eine stetige Prozesshaftigkeit zeichnet sowohl die Architektur als auch die Forschung aus. Da haben Jubiläen ihr Gutes. Sie bieten erweiterten und gründlichen Recherchen und damit neuen Erkenntnisse einen adäquaten Rahmen. Eine Reihe neu gewonnener Einsichten über das Bauhaus, die „führende“ deutsche Designschmiede des 20. Jahrhunderts, und ihren letzten Direktor Ludwig Mies van der Rohe rückten zum 100. Geburtstag im Jahr 2019 bisherige Kenntnisse in ein deutlich erweitertes und vertieftes Spektrum. Zwei gerade erschienene Bücher legen davon eindrucksvoll Zeugnis ab.


Noch vor Beginn des Jubiläums eröffnete im Frühjahr 2018 im Württembergischen Kunstverein Stuttgart die umfangreiche Ausstellung „50 Jahre nach 50 Jahre Bauhaus 1968“. Als eine der ganz wenigen Institutionen warf Kunstverein einen tiefen kritischen Blick auf das Bauhaus, dessen Protagonisten, die Rezeptionsgeschichte sowie die Mythenbildung, an der er 50 Jahre zuvor selbst mit der Präsentation „50 Jahre Bauhaus“ beteiligt war. Auch diese stand in der Tradition der Überhöhung des Bauhauses. Denn in den Nachkriegsjahrzehnten wurde es gerne dazu benutzt, die Geschichte etwas besser aussehen zu lassen. Dabei war das Bauhaus mitnichten ein lupenreiner Repräsentant von Demokratie, Freiheit oder kompromissloser Avantgarde. Die nunmehrige kritische Relektüre der Schau vor 50 Jahren enthielt folglich auch keine Ikonen des Bauhaus-Objektdesigns.

Nach fast fünf Jahren ist endlich der Katalog dazu erschienen, ein grandioses, über zweieinhalb Kilo schweres Kompendium mit 688 Seiten, über 1200 Abbildungen und erhellenden historischen, theoretischen, philosophischen Texten, die teils weit ausholend die Schau von 2018 dokumentieren sowie ihren zentralen Anliegen und Fragestellungen nachspüren. Mit noch mehr Tiefenwirkung als in eher unscharf-ephemer wahrgenommenen Ausstellungen bietet das Buch eine tiefgründige Betrachtung des Phänomens Bauhaus. Es weitet noch einmal den Horizont zu einer Zeit immer enger werdender Blickwinkel. Wie die Ausstellung setzen die Betrachtungen mit der früh gepflegten Tradition von Lehr- und Kunstschauen ein, die das Publikum auf visueller Ebene ansprechen und überwältigen sollten. Überraschende Details werden offenbar. So war im Rahmen der Kölner „Pressa“ von 1928 eine von Adenauer initiierte „Koloniale Sonderschau“ zu sehen, in der visuell anfeuernd Afrika als angebliches Land ohne Volk dem dicht bevölkerten Deutschland gegenübergestellt wurde!

In den 1930er Jahren immer mehr zu Propaganda-Schauen ausartend, arbeiteten bedeutende Bauhäusler wie der als Referenzfigur herausgestellte Herbert Bayer intensiv mit dem NS-Regime zusammen. Dessen innovative grafische Entwürfe für linientreue Schriften bestachen durch den Einsatz von Fotografie, Typografie oder Trompe-l’œil-Effekten. Johannes Itten, Bernhard Pfau, Emil Fahrenkamp oder Egon Eiermann wirkten an übertrieben aufgeblasenen Propaganda-Präsentationen wie „Schaffendes Volk“, „Gebt mir vier Jahre Zeit“, „Deutsches Volk, Deutsche Arbeit“ intensiv mit, was nach dem Zweiten Weltkrieg geschickt verdrängt wurde. Eine von Walter Gropius und seinen Getreuen wie Hans Maria Wingler gelenkte Erzählung der Bauhaus-Idee diente nach 1945 als eine Art visuelle Entnazifizierung. Wie das Bauhaus nun zum nationalen deutschen Marketingprodukt mutierte und dem Ablass von der Historie der NS-Zeit diente, legt das verdienstvolle Buch überbordend wie detailreich offen.

Einer, der intensiv daran mitwirkte, war Ludwig Mies van der Rohe. Nach den zwei im Jahr 2001 ausgerichteten Großschauen „Mies in Berlin“ ebendort und „Mies in Amerika“ in New York schließt nun das aus einem universitären Restaurierungs- und Forschungsprojekt samt Ausstellungsreihe entsprungene Vorhaben „Mies im Westen“ eine beträchtliche Lücke. Die lebenslangen engen Verbindungen des katholischen Aachener Handwerkersohnes in die Heimat, hier gemeisterte, prägende berufliche Anfänge, erste Projektbeteiligungen, Planungen und ausgeführte Bauten fanden bislang wenig Beachtung. In einem Essayteil werden fußend auf akribischen Recherchen viele neue Details vorgestellt. Dazu zählen wiederentdeckte Projekte wie Mies’ Mitwirkung am Volkshaus „Zur Neuen Welt“ in Aachen oder die enge Beziehung zu seinem älteren Bruder Ewald, der den elterlichen Steinmetzbetrieb übernahm und Brunnen oder Grabstätten gestaltete. Auch nach der Emigration in die USA im Jahr 1938 blieben die Kontakte in die Heimat eng.

In einem opulent mit zehn Klappseiten ausgeführten Katalogteil werden auf der Grundlage neuer quellen-, aber auch objektbasierter Forschung alle rheinischen Projekte dokumentiert, beginnend mit der Mitwirkung bei den Plänen für das Aachener Warenhaus Leonhard Tietz im Jahr 1904. Auf schlüssiger Basis werden auch umstrittene und bislang angezweifelte Autorenschaften wie etwa beim Krefelder Wohnhaus Heusgen einleuchtend und griffig beantwortet. Überzeugend wird dargelegt, dass hier die kunstvolle Staffelung versetzter Kuben ohne Mies van der Rohes Einwirkung undenkbar ist. Das Rheinland war die Wiege der von ihm entwickelten fließenden Raumkonzepte, wie er sie in den Krefelder Häusern Lange und Esters erprobte. Aber auch viele Nachkriegsprojekte etwa für Verwaltungsbauten in Aachen für die Vereinigten Glaswerke, in Essen für die Firma Krupp oder in Krefeld für die Vereinigten Seidenwebereien behandelt der Band. Den Abschluss bilden Bauten, die maßgeblich von der Architektur Ludwig Mies van der Rohes beeinflusst sind, darunter das Rheinische Landeshaus am Kölner Rheinufer, das Essener Rathaus, das Duisburger Lehmbruck Museum oder die Verwaltung der Mannesmann AG in Düsseldorf.

Hans D. Christ und Iris Dressler (Hrsg.): Ausstellungskatalog „50 Jahre nach 50 Jahre Bauhaus“
Verlag Spector Books, Leipzig, 2022
688 Seiten, circa 1200 Schwarzweiß- und Farbabbildungen, Preis 46 Euro

Norbert Hanenberg, Daniel Lohmann, Ursula Kleefisch-Jobst, Peter Köddermann (Hrsg.): „Mies im Westen. Ludwig Mies van der Rohe - Projekte und Spuren im Rheinland“
Geymüller Verlag für Architektur, 2022
238 Seiten, über 250, zum Teil unveröffentlichten Abbildungen, 10 Klappseiten mit großformatigen Plänen, Preis 59 Euro



18.01.2023

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Hans D. Christ und Iris Dressler: „50 Jahre nach 50 Jahre Bauhaus“

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