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Geschichte

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Geschichtliche Entwicklung des Expertisenwesens

Trügerische Sicherheit?



Die Kunstexpertise war bereits im 17. Jahrhundert in den Niederlanden verbreitet, wo vorwiegend Künstler, die häufig auch Kunsthändler waren, Gutachten über den Wert und die Echtheit eines Bildes erstellten.


Dazu zählen z. B. van Aelst, de Koninck oder Hondecoeter. Fast genauso alt wie das Sachverständigenwesen sind die Kunstskandale mit gekauften Sachverständigen. Der Amsterdamer Händler Gerrit Ulenborch, um 1670 der bedeutendste Kunsthändler Hollands für italienische Malerei mit guten politischen und wirtschaftlichen Beziehungen, bot 1671 dem Kurfürsten von Brandenburg dreizehn Spitzenwerke der italienischen Malerei, sämtlichst Kopien, an. Als der vom Kurfürst hinzugezogene Maler Hendrik de Fromantiou die Bilder als Kopien erkannte, nahm der Kurfürst vom Kauf Abstand. Daraufhin setzte Ulenborch beim Magistrat der Stadt Amsterdam die Einberufung einer Sachverständigenkommission durch, die über die Echtheit urteilen sollte. In der Kommission saßen überwiegend seine Vertrauten, die die Bilder als echt einstuften. Fromantiou stellte daraufhin eine weitere Kommission aus siebzehn Malern zusammen, die die Bilder als Kopien bewerteten. Schließlich hatten sich 31 Sachverständige für die Echtheit und 20 dagegen ausgesprochen. Angesichts der Zweifel kaufte der Kurfürst die Bilder nicht. Der Ruf Ulenborchs als seriöser Kunsthändler litt, und 1675 ging seine Kunsthandlung ein.

Ihre besondere Bedeutung für den Kunstmarkt erlangten die Expertisen jedoch erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Veranlaßt wurden sie insbesondere durch amerikanische Großsammler, die sich seit etwa 1880 stark auf dem Kunstmarkt engagierten und sich mangels eigener Urteilsfähigkeit weder auf sich selbst verlassen konnten noch mit bloßen Händlergarantien begnügen wollten. In der wissenschaftlichen Zuschreibung des Kunstwerkes durch anerkannte Fachgelehrte sahen sie zugleich die beste wirtschaftliche Sicherheit. Diese von Kunsthistorikern kritisierte Gleichsetzung von wissenschaftlichem Urteil und ökonomischer Sicherheit, die gleichzeitig die Verkehrsfähigkeit eines Kunstwerkes durch die Expertise ausmacht, führte zu der enormen Relevanz, die Expertisen noch immer für den Kunsthandel haben.

Mit der wachsenden Bedeutung der Expertisen hat auch die fehlerhafte Erstellung erheblich zugenommen. Sie beschränkt sich keineswegs auf unbekannte Kunstwissenschaftler, sondern ist auch bei renommierten Experten anzutreffen, die insbesondere in vorgerücktem Alter eine gewisse Nachlässigkeit bei der Zuschreibung zeigten. So sind sowohl die von Wilhelm von Bode nach dem Ersten Weltkrieg verfaßten Gutachten, als auch die von Max J. Friedländer aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg stammenden Expertisen nur von geringer Aussagekraft. Während Friedländer eigentlich Spezialist für alte Niederländer war, betrafen seine späten Gutachten fast alle Niederländer des 17. Jahrhunderts. Häufig waren es wirtschaftliche Gründe, die auch namhafte Kunsthistoriker dazu veranlaßten, bedenkenlos Gutachten zu erstellen. So stellte z. B. der renommierte holländische Kunsthistoriker Cornelis Hofstede de Groot bei seinen Deutschlandreisen auf eigens vorgedruckten Formularen zahlreiche Expertisen für Galeristen aus, um seine Reisekasse aufzubessern.

Bedenklich sind auch die Expertisen, die in einem Abhängigkeitsverhältnis zwischen Sachverständigen und Galerist entstehen. Beispielhaft dafür ist das Verhältnis des berühmten Kunstwissenschaftlers Bernard Berenson zum Galeristen Joseph Duveen. Berenson erhielt als Gutachter für italienische Renaissance-Malerei für jedes der Gemälde, die mit seiner Expertise als echt verkauft wurden, eine Erlösbeteiligung.

Auch bei den großen Fälschungsskandalen, die das Vertrauen in den Kunstmarkt untergraben, finden sich häufig Expertisen für Bilder, die sich im nachhinein als falsch herausstellen. Beispielhaft hierfür ist das Schreiben des Haupttäters in einem Bilderfälschungsprozeß an einen Gutachter: „Einliegend sende ich Ihnen ein Sammelgutachten. Dieses wollen Sie unterschreiben und sofort an (...) senden. Oder soll ich Ihnen ein Gutachten vorschreiben und einsenden?“



19.09.2000

Quelle/Autor:Auszug aus dem Buch „Die Haftung für fehlerhafte Kunstexpertisen“ von Tilo Gerlach, erschienen 1998 in der Nomos Verlagsgesellschaft (www.nomos.de).

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