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AktuellAktuell:Museumsausstellung

Zwischen Realität und Rekonstruktion: Thomas Demand gestaltet in Wien derzeit zwei Ausstellungen und geht den Zusammenhängen zwischen Geschichte, deren Bildwerdung und der Prägung unseres Verständnisses von ihr nach

Mechanismen der Erinnerung



Selten erlebt man denselben Künstler in zwei parallel laufenden Ausstellungen in so unterschiedlichen Rollen. Mit „Räume, die von gestern träumen“ im Museum für angewandte Kunst und „Passants parmi les pierres“ im fjk3 – Raum für zeitgenössische Kunst begegnet man Thomas Demand in Wien einmal als Künstler, einmal als Kurator. Beide Projekte kreisen um die selben Fragen, entwickeln sie jedoch aus unterschiedlichen Perspektiven: Wie entsteht ein Bild? Wie erzählt es Geschichte? Und weshalb sind Erinnerung, Rekonstruktion und Inszenierung so eng mit unserer Vorstellung von Wirklichkeit verbunden? ...mehr

28.08.2026

In einer Ausstellung erforscht das Lübecker Museum Behnhaus Drägerhaus die Bedeutung des Malers und Grafikers Alfred Mahlau für die Hansestadt

Er gab Lübeck ein modernes Gesicht



1926 wurde in Lübeck ausgiebig gefeiert. Denn seit 700 Jahren genoss die Hansestadt den Status der Reichsfreiheit. Nur dem Kaiser und nicht regionalen Fürsten untertan, bildete diese Autonomie Grundlage für den wirtschaftlichen Aufstieg der Stadt. In weiser Voraussicht sollte daran noch einmal reichlich erinnert werden; denn wenig später, im Jahr 1937, endete dieser Zustand mit der Eingliederung in die Provinz Schleswig-Holstein. Höhepunkt des umfangreichen Festprogramms war ein volkstümlicher Festzug mit über 1.000 Teilnehmern. Am 6. Juni 1926 schlängelte er sich ab zwölf Uhr durch die bunt geschmückten Straßen Lübecks, obgleich derartige, dem höfischen Festwesen entsprungene Umzüge schon damals aus der Zeit gefallen waren. Einem Theaterstück ähnlich griffen einzelne Motivgruppen Episoden aus der wechselvollen Historie der Stadt, aus Sagen und Erzählungen auf. Dies geschah aber nicht in historischen Kostümen, sondern in der Form einer modernen Bildsprache, für deren künstlerische Gestaltung der Grafiker Alfred Mahlau engagiert wurde. In der Form einer 16 Meter langen Rolle brachte er seine Abfolge von Ideen zu Papier, die weitgehend vom Festausschuss realisiert wurden. ...mehr

24.08.2026

Wien nimmt den Sonderweg des österreichischen Möbeldesigns zwischen barocker Tradition und minimalistischem Habitus in den 1950er Jahren in den Blick

Im sicheren Fahrwasser ästhetischer Traditionen



Wer in der Ausstellung „Made in Austria. Möbeldesign 1948-1960“ eine Auswahl schwungvoll gestalteter Möbel mit organischen Nierenformen, unaufdringlichen Fleckenmustern oder Schirmen in Eistütengestalt erwartet, wird wohl weitgehend enttäuscht werden. Im Vergleich zu dem, was gemeinhin mit dem fantasievollen Design der Nachkriegszeit in Deutschland verbunden wird, setzte sich die Raumausstattung bei den Österreichern in eher traditionellen und starren Entwürfen ab. Die Vielfalt der Möbelformen zu jener Zeit macht einen Überblick über diese Periode denn auch nicht gerade einfach. Nun widmet sich das Möbel Museum im Wiener Hofmobiliendepot in einer Ausstellung erstmals umfassend diesem Thema. In der Person von Eva B. Ottillinger fand sich eine fachkundige Kuratorin, die am Beispiel von rund 120 Exponaten in sechs thematischen Gruppen eine übersichtliche Struktur in das weit aufgesplitterte Metier bringt. ...mehr

19.08.2026

William Kentridge bespielt die Kunsthalle Praha derzeit mit seinen Werken. Die Schau bleibt dabei bewusst fragmentarisch und betont das Unabgeschlossene seiner Kunst

Ein offener Prozess permanenter Veränderung


William Kentridge, A Letter to Felice, 2026

William Kentridge arbeitet seit Beginn seiner künstlerischen Karriere mit außergewöhnlicher Intensität. Seine Arbeiten folgen einem Rhythmus ständiger Bewegung: zeichnen, verwerfen, korrigieren, neu ansetzen. Für ihn entsteht Kunst nicht aus kontemplativer Distanz, sondern aus diesem permanenten Prozess. „Wer nur sitzt und nachdenkt, bleibt stecken“, sagt Kentridge. Seine Arbeit basiert deshalb auf einer obsessiven Routine, die er selbst als physischen und psychischen Marathon beschreibt. Nach den großen Retrospektiven, die 2025 anlässlich seines 70. Geburtstags in Dresden und Essen stattfanden, ist Kentridge 2026 europaweit so präsent wie selten zuvor: im Palazzo Reale in Mailand, im Museum Angewandte Kunst in Frankfurt, in der Sohmen Concert Hall und dem Schwarzman Centre in Oxford, im BOZAR in Brüssel sowie beim Glyndebourne Festival. Derzeit widmet die Kunsthalle Praha dem südafrikanischen Künstler mit „The Battle Between Yes and No“ die erste große Einzelausstellung in Tschechien. ...mehr

17.08.2026

Mire Lee verwandelt die Wiener Secession mit ihrer Farbmaschine beinahe in ein organisches Wesen und verschiebt damit die klaren architektonischen Strukturen des Jugendstilbaus

Ein Vorgang ohne Ende



Die architektonische Symmetrie der von Joseph Maria Olbrich entworfenen Wiener Secession und die historische Präsenz von Gustav Klimts ursprünglich im linken Seitensaal platziertem Beethovenfries bilden einen komplexen Resonanzraum für jede zeitgenössische Intervention. Mit seiner allegorischen Dramaturgie von Bedrohung, Begehren und Erlösung etablierte Klimts Fries eine zweite, bildnerische Ordnung innerhalb der Architektur, deren ursprüngliche räumliche Setzung heute nur noch historisch fortbesteht. Im Zuge der Generalsanierung der Secession wurde 1985 im Untergeschoss ein eigener Raum für den Beethovenfries geschaffen, dessen Maße der aus konservatorischen Gründen notwendigen Klimakammer entsprechen und in dem der Fries unabhängig vom laufenden Ausstellungsbetrieb gezeigt werden kann. Mire Lee, die derzeit das Erdgeschoss der Secession mit einer großen Einzelausstellung bespielt, greift mit „The Heart of My Machine is Golden Lead“ unmittelbar in diese historisch geschichtete Raumordnung ein. Ihre Installation bringt Bewegung, Geräusch, Flüssigkeit und Verschleiß in einen Bau, dessen Wirkung wesentlich auf architektonischer Klarheit und Geschlossenheit beruht. Was zunächst als Eingriff in eine präzise gefasste räumliche Ordnung erscheint, erweist sich dabei als grundlegende Verschiebung des Verhältnisses von Skulptur, Material und Architektur. ...mehr

14.08.2026

Anlässlich eines Doppeljubiläums würdigt die Alte Nationalgalerie in Berlin das Engagement des Kunsthändlers Paul Cassirer und präsentiert erlesene Werke der klassischen Moderne, die durch seine Hände gingen

Ein Fest der Kunst


Edgar Degas, Die Orchestermusiker, 1872

Bei Anwesenheit des Kaisers wurde am 22. März 1876 die Alte Nationalgalerie in Berlin feierlich eröffnet. Nicht ganz ein halbes Jahrhundert später, am Morgen des 7. Januar 1926, starb in einem Berliner Krankenhaus der Kunsthändler Paul Cassirer nach einem Selbstmordversuch. Die Wiederkehr der Ereignisse vor 150 respektive 100 Jahren und die enge Verbindung des Museums zur Person Cassirer sind für die Nationalgalerie Anlass zu einer Ausstellung, die unter dem Titel „Cassirer und der Durchbruch des Impressionismus“ der Berliner Museumsinsel weiteren Glanz verleiht. Durch Cassirers Vermittlung fanden zahlreiche Schlüsselwerke der Moderne Eingang in bedeutende deutsche Kunstkollektionen und Museen, darunter auch in die Bestände der Berliner Nationalgalerie. Nach der vor zwanzig Jahren in Berlin und Frankfurt am Main ausgerichteten Schau, die Cassirer als Verleger behandelte, wird nun dessen Wirken als Kunsthändler in den Fokus gerückt. Seine nachhaltigste Leistung war die Durchsetzung des Impressionismus zu einer Zeit heftiger Kontroversen um avantgardistische Tendenzen. ...mehr

12.08.2026

Das Leopold Museum in Wien stellt das Schaffen von Herbert Boeckl und Hans Josephsohn gegenüber und will damit neue Perspektiven auf zwei herausragende Persönlichkeiten der europäischen Avantgarde eröffnen

Die Existenzialität des Körperlichen



Manche künstlerischen Verwandtschaften entstehen erst im Rückblick. Sie beruhen nicht auf persönlicher Bekanntschaft oder direkter Einflussnahme, sondern auf einer Nähe, die sich an den Werken selbst zeigt. Eine Ausstellung kann eine solche Beziehung sichtbar machen und dadurch neue Perspektiven auf die beteiligten Künstler und ihre Werke eröffnen. Dass Kuratorinnen und Kuratoren dieses Format zunehmend nutzen, hat selten nur mit seinem interpretatorischen Potenzial zu tun. Umfassende Einzelausstellungen sind angesichts hoher Leihkosten, komplexer Transporte und konservatorischer Anforderungen aufwendig geworden. Die Verbindung eigener Sammlungsbestände mit gezielt ausgewählten Leihgaben ermöglicht es, Werke aus ihren vertrauten Kontexten herauszulösen und in neue Dialoge zu setzen, ohne den logistischen und finanziellen Aufwand einer vollständigen Werkschau zu stemmen. Gerade darin liegt auch ein praktischer Vorteil: Sammlungen lassen sich neu aktivieren und Bestände unter veränderten Bedingungen mit anderen Œuvres kombinieren. ...mehr

27.07.2026

Die Yayoi Kusama-Schau gilt schon jetzt die bestbesuchte Ausstellung des Kölner Museums Ludwig. Vor allem ihre „Infinity Rooms“ überwältigen das Publikum. Doch die Ausstellung setzt noch andere Schwerpunkte

Mehr als Punkte und Spiegel



Es ist ein ungewöhnlicher Anblick für ein Museum an einem sommerlichen Dienstagnachmittag: unzählige Leute reihen sich in eine lange Schlange, die sich durch die gesamte Eingangshalle windet. Unter das Stimmengewirr mischen sich neben Deutsch auch Englisch und Französisch. Die Besucher*innen halten ihre Eintrittskarten bereit, viele von ihnen haben sie bereits Wochen im Voraus besorgt. Das war auch nötig, denn die Retrospektive zum Schaffen Yayoi Kusamas im Kölner Museum Ludwig ist bis zum Ende ihrer Laufzeit Anfang August vollständig ausverkauft. Der Andrang überrascht jedoch kaum. Die 97jährige Japanerin zählt zu den bekanntesten Gegenwartskünstler*innen der Welt. Ihre Spiegelräume und die charakteristischen „Polka Dots“ sind längst zu Ikonen der Popkultur und der sozialen Medien geworden. ...mehr

20.07.2026

Bildfindungen jenseits glatt präparierter Felder. Das erfindungsreiche Werk der Wiener Künstlerin Christine Gironcoli wird in der Kunsthalle Lingen erstmals in einer institutionellen Einzelausstellung gezeigt

Wenn aus Spuren Bilder werden



Carmen Herrera, Phyllida Barlow, Ida Applebroog, Luchita Hurtado und jetzt vielleicht Christine Gironcoli? Es ist gar nicht so selten, dass gerade Künstlerinnen erst im relativ hohen Alter vom Ausstellungs- und Galeriebetrieb entdeckt und gewürdigt werden. Die Gründe dafür sind vielfältig: Mutterschaft und Care-Arbeit, patriarchale Strukturen des Kunstmarktes sowie fein verästelte Seilschaften zwischen Künstlern, Museumsleuten, Kritikern, Galeristen und Sammlern, die primär männlich dominiert sind. Doch es gibt Anlass zu der Annahme, dass sich da allmählich etwas ändert. Die kubanisch-amerikanische Malerin Carmen Herrera, 2022 im hohen Alter von 106 Jahren verstorben, und die britische Grenzgängerin zwischen Skulptur, Malerei und Installation Phyllida Barlow, die 2023 aus dem Leben schied, wurden trotz jahrzehntelanger Ignoranz der internationalen Kunstwelt dann doch im fortgeschrittenen Alter zum festen Kanon der jüngeren Kunstgeschichte gezählt. Die Österreicherin Christine Gironcoli schickt sich womöglich gerade an, es ihnen gleichzutun. ...mehr

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