Bildfindungen jenseits glatt präparierter Felder. Das erfindungsreiche Werk der Wiener Künstlerin Christine Gironcoli wird in der Kunsthalle Lingen erstmals in einer institutionellen Einzelausstellung gezeigt  
Carmen Herrera, Phyllida Barlow, Ida Applebroog, Luchita Hurtado und jetzt vielleicht Christine Gironcoli? Es ist gar nicht so selten, dass gerade Künstlerinnen erst im relativ hohen Alter vom Ausstellungs- und Galeriebetrieb entdeckt und gewürdigt werden. Die Gründe dafür sind vielfältig: Mutterschaft und Care-Arbeit, patriarchale Strukturen des Kunstmarktes sowie fein verästelte Seilschaften zwischen Künstlern, Museumsleuten, Kritikern, Galeristen und Sammlern, die primär männlich dominiert sind. Doch es gibt Anlass zu der Annahme, dass sich da allmählich etwas ändert. Die kubanisch-amerikanische Malerin Carmen Herrera, 2022 im hohen Alter von 106 Jahren verstorben, und die britische Grenzgängerin zwischen Skulptur, Malerei und Installation Phyllida Barlow, die 2023 aus dem Leben schied, wurden trotz jahrzehntelanger Ignoranz der internationalen Kunstwelt dann doch im fortgeschrittenen Alter zum festen Kanon der jüngeren Kunstgeschichte gezählt. Die Österreicherin Christine Gironcoli schickt sich womöglich gerade an, es ihnen gleichzutun. ...mehr  |