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Marktberichte

Gute Kunst und Weltrekorde bei Ketterer. Doch nicht alles wurde mitgenommen. Neben straken Verkäufen gab es gerade beim Expressionismus in München einige Schwachstellen

Auf der Suche nach dem Besonderen


Wassily Kandinsky, Villa Seeburg am Staffelsee, 1911

Es war eine jener Neuentdeckungen, die die internationale Kunstwelt aufhorchen lassen. Da taucht ein zwar kleines, aber vollgültiges Gemälde Wassily Kandinskys, das seit über hundert Jahren in Privatbesitz verborgen und bisher nur durch eine vorbereitende Studie sowie aus der Literatur bekannt war, im Münchner Auktionshaus ...mehr

13.08.2026

Die Alten Meister präsentieren sich im Dorotheum recht heterogen: Neben Wertsteigerungen gab es Zuschläge deutlich unter den Schätzungen. Besonders begehrt war das unkonventionelle Werk einer Barockmalerin

Kopflos, aber nicht unattraktiv


Artemisia Gentileschi, Maria Magdalena

Es ist schon ein ungewöhnliches Kunstwerk, das ein derartiges großes Interesse hervorrief. Zwar gilt Artemisia Gentileschi heute als eine der wichtigsten Malerinnen des Barock, und ihr Name bürgt fast immer für rege Bietgefechte, doch ihre Leinwand mit der Darstellung der Maria Magdalena, die das Dorotheum in seiner Auktion mit Altmeistergemälden anbot, ist nur als Fragment erhalten: Mit ihrem Kopf, ihren Schultern, ihrer Brust und ihrer linken Hand ist das Zentrum des Bildes herausgeschnitten und durch ein unbemaltes Leinwandrechteck ersetzt. Wie es dazu kam, lässt sich heute nicht mit Sicherheit sagen. Die Experten nehmen an, dass der Verlust wohl von den chaotischen Zuständen nach dem Zweiten Weltkrieg herrührt. Das Gemälde lag danach zusammengerollt im Keller einer Berliner Privatsammlung, bevor seine malerische Qualität erkannt und wiederhergestellt wurde. 2011 war die kopflose Heilige dann erstmals wieder öffentlich im Palazzo Reale in Mailand zu sehen und wurde Gentileschi als gesicherte Arbeit zugewiesen. Der Kunsthistoriker Roberto Contini, langjähriger Kustos an der Berliner Gemäldegalerie, identifizierte das Gemälde als eigenhändige Wiederholung ihrer Maria Magdalena aus dem Palazzo Pitti in Florenz. Die markante Leerstelle schien den Sammlern nichts auszumachen; sie trug vielmehr zu einem international geführten Wettstreit bei, der mit 100.000 Euro startete und erst bei 650.000 Euro endete. ...mehr

11.08.2026

Mit Auktionsrekorden und starker deutscher, aber auch internationaler Beteiligung lief die Sommersaison für Grisebach erstklassig. Denn die Qualität des Angebots hat gestimmt

Mit Schwung



Die Messlatte lag hoch. Als „Monument der Moderne“ hatte Grisebach in Berlin Georg Kolbes „Tänzerinnen-Brunnen“ auf den Sockel gehoben und als Hauptlos seiner Sommerauktion auserkoren. Das bildhauerische Ensemble aus dem Jahr 1922 brachte aber auch genügend Positiva mit: eine künstlerische Meisterschaft, eine ikonische Formensprache und eine bewegende Geschichte. Kolbe entwickelte die nackte Tänzerin in einer rauschhaften Drehbewegung, die die Figur vom Grund zu lösen scheint, als Brunnenplastik für Heinrich Stahl, den Direktor der Victoria-Versicherung in Berlin, und stellte sie auf eine stilisierte Lotusblüte aus Travertin, die von drei kauernden schwarzen Trägerfiguren gestützt wird. Während des Nationalsozialismus wurde die jüdische Familie verfolgt und musste neben ihrem Besitz auch ihr Villa mitsamt Brunnen verkaufen. Heinrich Stahl überlebte das Konzentrationslager Theresienstadt nicht, seine Ehefrau Jenny konnte nach ihrer Befreiung zu ihrem Sohn in die USA auswandern. Nach einer gütlichen Einigung zwischen der Georg-Kolbe-Stiftung und den Stahl-Erben – der Brunnen stand seit 1978 im Garten des Berliner Georg-Kolbe-Museums – wurde Grisebach nun mit der Versteigerung des bedeutenden Werks beauftragt und hatte mit einer Schätzung von 1 bis 1,5 Millionen Euro schon den neuen Auktionsrekord für Kolbe im Blick. Nach einem intensiven Wettstreit zwischen mehreren engagierten Bietern im Saal und an den Telefonen wurde er mit 4 Millionen Euro netto auch spielend erreicht. Siegreich war schließlich eine Privatsammlung in den USA, die mit Aufgeld 4,98 Millionen Euro bewilligte. ...mehr

31.07.2026

Mit der Versteigerung von Teilen der Lewis Collection erzielte Sotheby’s in London das beste Ergebnis für eine geschlossene Privatsammlung in Europa und profitierte dabei von einem straken Engagement aus Asien

Moderne Meister eines Milliardärs


Amedeo Modigliani, Nu assis au collier, 1917/18

Seit Jahrhunderten gehört der weibliche Akt zu den faszinierendsten und zugleich beständigsten Themengebieten der Kunstgeschichte. Von der klassischen Antike bis in die Gegenwart wurde der weibliche Körper immer wieder Ausgangspunkt für Fragen nach Schönheit, Identität und dem Verhältnis zwischen Künstler, Modell und Betrachter*in. Eine besondere Bedeutung erhielt das Genre zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch einen jungen Italiener, der sich in seinem kurzen, aber einflussreichen Schaffen intensiv mit der Darstellung des weiblichen Körpers auseinandersetzte: Amedeo Modigliani. Seine Akte sorgten beim zeitgenössischen Publikum für Aufsehen, da sie sich von den traditionellen Vorstellungen idealisierter Schönheit entfernten und durch ihre unverstellte Sinnlichkeit eine neue Form der Intimität schufen. „Nu assis au collier“ gehört zu den subtilen und zugleich suggestiven Beispielen von Modiglianis Arbeiten. In einer nachdenklichen, beinahe träumerischen Haltung sitzt die junge Frau mit geschlossenen Augen auf der Kante eines Bettes, eine Hand bedeckt ihren Intimbereich, die andere berührt die rote Perlenkette an ihrem Hals. Das 1917/18 während der dunklen Jahre des Ersten Weltkriegs entstandene Gemälde wurde nun zum Höhepunkt der Juni-Auktion von Sotheby’s in London. Als Favorit der Lewis Collection erzielte es mit 41,5 Millionen Pfund zwar nicht die mindestens erwarteten 45 Millionen Pfund, platzierte sich dennoch an erster Stelle und ging mit dem Aufgeld für 48,2 Millionen Pfund an einen Sammler aus Asien. ...mehr

29.07.2026

Die Auswahl an Druckgrafik, die das Berliner Auktionshaus Bassenge vor allem bei den Alten Meistern vorlegte, war umfangreich und auserlesen. Das schlug sich in positiven Ergebnissen nieder

Ein lehrreiches Kartenspiel der Renaissance


Meister der E-Serie, Loica, um 1465

Bei den Menschen der Renaissance stand die Gelehrsamkeit hoch im Kurs. Mit dem Rückgriff auf antikes Wissen, das sie mit kritischer Forschung, sprachlicher Präzision, eigenen Beobachtungen und einem wachsenden Interesse an der Natur verbanden, leiteten sie einen tiefgreifenden Wandel im europäischen Denken ein, der sich durch die Erfindung des Buchdrucks ungewohnt schnell verbreitete. Dass es dabei manchmal etwas spielerisch und fantasievoll zugehen durfte, machen die sogenannten „Tarocchi-Karten“ deutlich. Der Meister der E-Serie legte um 1465 wohl in Ferrara ein Kartenspiel mit insgesamt 50 Blatt an, in denen er seine neuplatonische Weltsicht kundtat und dabei etwa die Ränge und Stände des Menschen, die Planeten und Sphären, die Tugenden und kosmischen Prinzipien oder Apoll und die Musen visuell vermittelte. In der Folge C, die die freien Künste und Wissenschaften umfasst, stellte er die Logik als weibliche Allegorie vor, die einen kleinen verschleierten Drachen in der Hand hält. Da das Fabeltier als scharfsinnig und wendig galt, war es ein treffendes Sinnbild für die Schärfe und Unausweichlichkeit eines logischen Arguments, wobei der Schleier für die verschlungen Wege und anfängliche Dunkelheit von Beweisketten stand. Die Aufgabe der Logik ist es daher, diesen Schleier zu lüften. Bei Bassenge war die geistreiche Metapher der „Loica“ nun einer der Höhepunkte in der Druckgrafikauktion und mit 25.000 Euro schon anspruchsvoll bewertet. Am Ende standen dann aber 46.000 Euro auf der Rechnung für dieses rare Blatt. ...mehr

24.07.2026

Die Liste Art Fair Basel erwies sich mit ihrer 31. Ausgabe wieder als Entdeckermesse im wahrsten Sinne – ein Rückblick mit ausgewählten Positionen

Startrampe für die nächste Generation


Liste Art Fair Basel 2026

Seit 1996 ist die Kunstmesse Liste in Basel auf frische Positionen spezialisiert. Auch bei ihrer diesjährigen Ausgabe war sie die wichtigste der Satellitenmessen zu Art Basel und eine Fundgrube für neugierige und aufgeschlossene Sammler*innen, Kurator*innen und Kritiker*innen aus der ganzen Welt. 105 Galerien aus 36 ...mehr

Mit der begrüßenswerten Initiative „Basel Exclusive“ wertet die Art Basel das Format Messe – zumindest partiell – wieder zu einem Live-Erlebnis auf

Dem Digitalen ein Schnippchen schlagen


Auf der Preview der Art Basel 2026

Mit 290 Galerien aus 66 Ländern und Werken von mehr als 4.000 Künstler*innen hat jetzt die Art Basel ihre Pforten geöffnet. Trotz Ablegern in Paris, Miami Beach, Hongkong und Katar gilt die Stammmesse in Basel immer noch als das wichtigste Stimmungsbarometer für den globalen Kunstmesse-Betrieb. Eine der zentralen Neuerungen der diesjährigen Ausgabe nennt sich „Basel Exclusive“: 200 der 232 im Hauptsektor teilnehmenden Galerien beteiligen sich daran. Wer aufmerksam durch die Hallen geht, wird also vielerorts auf kleine Schilder in einheitlichem Design stoßen. Sie tragen die Aufschrift „BASEL EXCLUSIVE“ und kennzeichnen Werke, die nur diejenigen entdecken können, die tatsächlich persönlich auf die Messe kommen. Mit dieser Initiative will die Messeleitung der Tendenz entgegenwirken, die schon seit vielen Jahren zu beobachten ist. Fast alle Galerien versenden sogenannte Pre-Fair-PDFs schon lange, bevor die Messe ihre Tore öffnet. Sammlern und ihren Beratern werden also bereits vor Messebeginn die zum Verkauf kommenden Werke, ihre Abmessungen und Preise mitgeteilt. Viele Käufe und Reservierungen finden daher schon im Vorfeld der Messe statt. Was dabei jedoch verloren geht, sind die Entdeckerfreude, der Überraschungseffekt und vielleicht auch der Jagdinstinkt. ...mehr

Trotz krisenbedingtem Aderlass im Hauptsektor hat die 42. Art Brussels mit spannenden Neuentdeckungen, gleichbleibender Qualität und höherer Besucherzahl überzeugt

Die Kunst der stilvollen Verschlankung


Auf der Art Brussels 2026

Auf einmal diese Übersicht: Regelmäßige Besucher*innen der Art Brussels haben einen großen Teil der Halle 6 des Brüsseler Messegeländes noch als Entdeckerforum in Erinnerung, in dem sich exklusiv die jüngeren Galerien des „Discovery“-Sektors tummelten. In diesem Jahr ist das erstmals anders. Der bei jüngeren und couragierten Sammler*innen besonders beliebte Bereich der Art Brussels hat an Attraktivität zwar nichts eingebüßt. Allerdings bildet er nunmehr einen langen Gang in der Haupthalle. Aufgrund der derzeitigen wirtschaftlichen Krise ist die Zahl der Aussteller auf der 42. Ausgabe der Kunstmesse von 165 im Vorjahr auf heuer 139 zurückgegangen. Betroffen davon ist aber in erster Linie der Hauptsektor „Prime“. Dieser hat kräftig Federn lassen müssen. Die Anzahl der Galerien ist hier von 108 auf 83 gesunken. Daher bot die Halle 5 in diesem Jahr Platz für alle Galerien. An Internationalität hat die Messe nichts eingebüßt. Das Teilnehmerfeld setzt sich aus immerhin 26 Nationen zusammen. ...mehr

Mit Schwung hat die aktuelle Ausgabe der Art Düsseldorf ihre Tore geöffnet

Von regional bis international, von jung bis alt, von hochklassig bis trivial



Besonders kleinere Kunstmessen leben nicht zu einem geringen Teil vom interessierten und kaufkräftigen Umfeld. Speziell der Düsseldorfer Großraum zeichnet sich durch ein außergewöhnlich kunstaffines, zudem auch noch zahlungskräftiges Publikum aus. Dies ist in letzter Konsequenz auch die Existenzgrundlage der Art Düsseldorf, die heuer in ihrer achten Ausgabe allen weltpolitischen Krisen trotzt. Die Zahl der Aussteller steigerte sich gegenüber dem Vorjahr um elf Teilnehmer. 33 regional ansässige Galerien betonen wie üblich das lokale Schwergewicht des Rheinlandes. Doch Berlin folgt mit 31 Teilnehmern aus der Hauptstadt den heimischen Galerien direkt auf den Fersen. Erwartet werden wie im letzten Jahr rund 20.000 Besucher. Die Vernissage am Donnerstag war bereits übervoll, aber auch am Freitag tummelte sich viel Publikum in den Gängen zwischen den Ständen, unter das sich viele Museumsleute, Kuratoren und Sammler mischten. ...mehr

Zum Jahresauftakt des internationalen Messereigens lädt die BRAFA wieder nach Brüssel ein und präsentiert Sammelwürdiges von den Alten Meistern über Antiquitäten, Antiken und Design bis zur Kunst der Gegenwart. Sogar ein Millionen Jahre altes Objekt ist dabei

Größer, eleganter und abwechslungsreicher


BRAFA 2026

Eines fällt in diesem Jahr gleich auf: der unübertrefflich üppige Blumenschmuck in den Gängen der BRAFA, der Brussels Antiques and Fine Art Fair, diesen Blumenschmuck gibt es in heuer nicht, es sei denn, man delektiert sich an den Narzissenblüten aus Papier, die zu Hunderten in den schlichten weißen Blumenkübeln stecken, aus denen ein Bäumchen ragt. Aber der Blumenschmuck ist und war nie nötig, denn was die BRAFA zu bieten hat, ist vortrefflich genug. Dabei hat sie schon im Vorfeld für Schlagzeilen gesorgt. Klaas Muller, Präsident der BRAFA und Händler Alter Meister mit Galeriesitz in Brüssel, hat vor drei Jahren für 100.000 Euro das Bildnis eines alten Mannes von beeindruckender Ausdrucksstärke ersteigert. Das Porträt wurde mittlerweile von einigen Experten als eine Ölstudie Peter Paul Rubens zugeschrieben und birgt ein Geheimnis. Schaut man in den langen grauen Bart, entdeckt man ein Auge, und stellt man das Blatt auf den Kopf, erscheint das Porträt einer Frau. Muller konnte sich schon im Vorfeld der Messeeröffnung vor Interviews kaum retten. Man ist gespannt, ob die kleine feine Arbeit dieses spielerischen Doppelporträts für 1 Million Euro verkauft wird. ...mehr







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