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Marisol-Retrospektive im Kunsthaus Zürich Von diesem Wochenende an zeigt das Kunsthaus Zürich die erste umfassende Werkschau zu María Sol Escobar in Europa. Die Ausstellung bietet einen Überblick über fünf Jahrzehnte im Schaffen der US-amerikanischen Künstlerin venezolanischen Ursprungs und macht ein Werk zugänglich, das Popkultur, Satire und gesellschaftliche Analyse verbindet. María Sol Escobar, die unter dem Künstlernamen Marisol auftrat, gehörte in den 1960er Jahren zu den prägenden Figuren der New Yorker Kunstwelt und wurde mit ihren oft lebensgroßen, bemalten Holzskulpturen bekannt, die Elemente des Pop, des Dada und der Volkskunst vereinen. Unterstützt wurde ihre Karriere unter anderem von Andy Warhol, der sie als „erste Künstlerin mit Glamour“ bezeichnete.
Geboren 1930 in Paris, wuchs Marisol Escobar zwischen Europa, Venezuela und den USA auf. Als sie elf Jahre alt war, verlor sie ihre Mutter durch Freitod, weshalb sie über ein Jahrzehnt nur das Nötigste sprach. Dieses zurückhaltende, geheimnisvolle Auftreten sollte später zu einem der ausschlaggebenden Merkmale werden, die zu ihrer Faszination innerhalb der New Yorker Szene beitrugen. Nach Studien in Paris und New York gelang ihr in den frühen 1960er Jahren der internationale Durchbruch. Ihr Werk bewegt sich zwischen US-amerikanischer Pop Art und europäischem Nouveau Réalisme, ohne sich eindeutig einer Strömung zuordnen zu lassen. Diese Formsprache, die das Kunsthaus Zürich als eigenständig und unverkennbar beschreibt, entwickelte Marisol bereits früh in ihrer Karriere. Auch in Europa fand sie schnell Beachtung, etwa mit Ausstellungen in London und ihrer Teilnahme 1968 an der 34. Biennale in Venedig sowie der Documenta in Kassel. Bei beiden Veranstaltungen war sie eine der wenigen Frauen, die sich in der männlich-dominierten Kunstszene einen Platz sichern konnten.
1968 präsentierte das Museum Boijmans Van Beuningen in Rotterdam die erste und bislang letzte monografische Museumsausstellung der Künstlerin in Europa. Im selben Jahr zog sie sich aufgrund der politischen Umbrüche zeitweise aus der Kunstwelt zurück, reiste durch Südasien und wandte sich neuen Themen wie östlicher Philosophie und Ökologie zu. Obwohl Marisol ab 1970 kontinuierlich weiterarbeitete, mied sie gemäß ihrem Motto „Ich wollte nie Teil der Gesellschaft sein. Ich wollte immer eigenständig sein.“ eher die große Öffentlichkeit, weshalb ihr Werk in den folgenden Jahrzehnten zunehmend in Vergessenheit geriet. Das änderte sich nicht bis zu ihrem Tod 2016 in New York. Erst die Aufarbeitung ihres Nachlasses, den sie dem Buffalo AKG Art Museum vermacht hatte, führte zu einer umfassenden Neubewertung in Nordamerika.
Die Zürcher Ausstellung, die in Kooperation mit dem Marisol Estate und internationalen Institutionen entstand, präsentiert rund 100 Werke, darunter zahlreiche erstmals in Europa gezeigte Arbeiten. Neben etwa 60 ihrer ikonischen Skulpturen und Objekte unterstreichen auch weniger bekannte Werkgruppen wie Fotografien, Arbeiten auf Papier oder Filme Marisols formale Innovationskraft und gesellschaftskritische Perspektive. Ihre Arbeiten verhandelten zentrale Themen des 20. und 21. Jahrhunderts wie Geschlechterrollen, soziale Ungleichheit, ökologische Fragen und Machtstrukturen, die sie „mit Ironie und Präzision entlarvte“ und „zugleich vielschichtige Selbstbilder“ schuf. Das Kunsthaus Zürich bringt somit eine Künstlerin zurück in das europäische Bewusstsein, deren Werke relevanter denn je scheinen.
Die Ausstellung „Marisol“ läuft vom 17. April bis 23. August. Das Kunsthaus Zürich hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 31 Franken, ermäßigt 22 Franken. Für Kinder und Jugendliche unter 14 Jahren ist er kostenlos. Die Publikation zur Ausstellung ist im Museumsshop für 48 Franken erhältlich.
Kunsthaus Zürich
Heimplatz 5
CH-8001 Zürich
Telefon: +41 (0)44 – 253 84 84 | 17.04.2026
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Quelle: Kunstmarkt.com/Lara Schauer |
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Neue Bühne für Richter: LWL-Museum übernimmt zwei Großwerke Das LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster erhält zwei großformatige Ölgemälde von Gerhard Richter als Dauerleihgaben. Die Werke „Strich (auf Blau)“ und „Strich (auf Rot)“ waren seit 1980 in einem Schulgebäude in Soest installiert, nachdem Richter mit ihnen den Wettbewerb „Kunst am Bau“ für das Forum der dortigen Kreisberufsschule gewonnen hatte. Aus konservatorischen Gründen werden die Arbeiten nun in das Museum überführt.
Die beiden Werke bestehen jeweils aus vier Tafeln mit stark gestreckten Proportionen. Für ihre Entstehung projizierte Richter Bildausschnitte auf die Leinwand, übertrug sie malerisch und verfremdete sie anschließend, wodurch die charakteristischen, monumentalen „Striche“ entstanden. Die Arbeiten stehen exemplarisch für Richters vielseitiges Œuvre, das von fotorealistischen und bewusst unscharfen Gemälden nach Fotografien bis hin zu abstrakten Arbeiten sowie Glas- und Spiegelinstallationen reicht.
LWL-Kulturdezernentin Barbara Rüschoff-Parzinger kündigte einen sorgfältigen restauratorischen und konservatorischen Umgang mit den beiden Gemälden an. Im größten Ausstellungsraum des Hauses sollen die jeweils 20 Meter langen „Striche“ künftig unter optimalen Bedingungen präsentiert werden und eine neue räumliche Wirkung entfalten. Vor Ort in Soest sollen sie durch originalgroße Kopien ersetzt werden. Hier waren die klimatechnischen Vorgaben nicht optimal. | 17.04.2026
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Quelle: Kunstmarkt.com/Lara Schauer |
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Museum Wiesbaden erweitert Jawlensky-Sammlung Das Museum Wiesbaden hat das Gemälde „Bahnhof-Füssen im März“ von Alexej von Jawlensky erworben. Mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder und der Hessischen Kulturstiftung konnte die Landschaft aus dem Jahr 1905 für 350.000 Franken aus dem Nachlass des Malers angekauft werden. Durch den Erwerb dieses seltenen Frühwerks konnte nun eine Bestandslücke geschlossen werden, die sowohl für den Künstler als auch für die deutsche Kunstgeschichte einen bedeutenden Wendepunkt markiert. Da der Expressionist ab 1921 bis zu seinem Tod in Wiesbaden lebte, setzt das Museum einen Forschungsschwerpunkt auf sein Œuvre, wodurch es mittlerweile die weltweit bedeutendste Jawlensky-Sammlung mit 116 Arbeiten beherbergt.
Alexej von Jawlensky experimentierte im Laufe seiner Karriere mit verschiedenen Stilrichtungen. Anfangs war seine Kunst dem Realismus verpflichtet, um 1900 ging er zum Impressionismus über, bevor er sich, inspiriert von Vincent van Gogh und Paul Cézanne, dem Expressionismus und der Abstraktion zuwandte. Der „Bahnhof-Füssen im März“ gehört zu den zwölf bekannten Füssen-Bildern, die genau diesen Wechsel erfahrbar machen. Während seines zweiwöchigen Aufenthalts in der Allgäuer Stadt im Frühjahr 1905 beschäftigte sich Jawlensky intensiv mit der Malerei van Goghs, was anhand des flächigen Aufbaus der Landschaft, der Nutzung des Pinselduktus als eigenständiges gestalterisches Mittel und der klareren Farbgebung deutlich wird. Laut Roman Zieglgänsberger, Kustos der Klassischen Moderne am Museum Wiesbaden, sind einige der in Füssen entstandenen Bilder noch dem Impressionismus zuzuordnen, während andere bereits diese neue Auffassung zeigen. Hiermit war Jawlensky der erste deutschsprachige Maler, der Stilelemente van Goghs in seiner Kunst implementierte. Der „Bahnhof-Füssen im März“ deutet nicht nur eine Neuerung Jawlenskys Karriere, sondern auch für die deutsche Kunstgeschichte an.
Timon Gremmels, Hessischer Minister für Kunst und Kultur, betonte die Wichtigkeit des Neuzugangs: „Mit dem Ankauf des Gemäldes ‚Bahnhof-Füssen im März‘ erweitert das Museum Wiesbaden seine herausragende Jawlensky-Sammlung um ein ganz wesentliches Werk, das aus einer Schaffensphase des Künstlers stammt, die bislang hier nicht vertreten war. Ein Erwerb aus dieser Größenordnung ist in Zeiten, in denen die Haushaltslage so angespannt ist wie aktuell, alles andere als selbstverständlich.“ Zugleich bedankte sich Gremmels bei den Unterstützern, die den Ankauf möglich gemacht haben. Im Herbst 2027 soll das Kunstwerk eine zentrale Rolle in der Ausstellung „Alexej von Jawlensky. Privat“ spielen, in der das Museum den Künstler und sein Schaffen neu präsentieren möchte. | 17.04.2026
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Quelle: Kunstmarkt.com/Lara Schauer |
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